Blumenwiese düngen: Wann natürliche Dünger helfen und wann sie Gräser fördern
- Eine dauerhafte, artenreiche Blumenwiese wird nicht routinemäßig gedüngt, auch nicht mit Kompost.
- Dünger fördert auf der mageren Wiese konkurrenzstarke Gräser zusätzlich.
- Mähgut nach kurzem Antrocknen abräumen, statt es als Mulch liegen zu lassen.
- Abräumen kann wüchsige Flächen bei nicht zu spätem Schnitt in 5 bis 10 Jahren abmagern.
- Kompost und Gründüngung gehören in Beete und Gefäße, nicht auf die Wiese.
Wer seine Blumenwiese düngt, fördert konkurrenzstarke Gräser zusätzlich, auch wenn der Dünger aus dem eigenen Kompost stammt. Ich dünge meine Wiese deshalb nicht. Meine Arbeit an den Nährstoffen besteht aus Mähen und Abräumen. Kompost und GründüngungGründüngung ist eine Bodenpflegemaßnahme: Auf freie Beete säst du Pflanzen, die den Boden schützen und verbessern sollen. Sie werden meist nicht geerntet, sondern abgemäht, als Mulch liegen gelassen oder flach eingearbeitet. haben im Garten trotzdem ihren Platz, nur nicht auf einer Fläche, die mager bleiben soll.
Braucht eine Blumenwiese Dünger?
Nein. Eine dauerhafte, artenreiche Garten-Blumenwiese bekommt keinen routinemäßigen Dünger. Auf einer mageren Wiese verzichtest du darauf, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Auf etablierten, trockenen und nährstoffarmen Standorten unterstützt der Verzicht auf Dünger und zusätzliches Gießen konkurrenzfähige Wildblumenbestände.
Bei einzelnen Arten ist der Zusammenhang gut beschrieben. Der BUND weist für die Wiesenpflege darauf hin, dass Düngung Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängen kann. Das Frühlings-Adonisröschen gilt als Zeigerpflanze für stickstoffarme bis sehr stickstoffarme Standorte.
Natürlich heißt dabei nicht harmlos. Kompost und StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. sind ebenfalls Dünger und können bei zu hohen Gaben zur Nährstoffanreicherung beitragen. Für die magere Wiese zählt deshalb nicht, woher ein Dünger stammt, sondern dass er überhaupt Nährstoffe bringt.
Nicht routinemäßig heißt für mich: nicht nach Kalender und nicht auf Verdacht. Was du tust, wenn die Wiese schwach blüht, steht weiter unten.
Kompost auf der Blumenwiese: vor der Aussaat und danach
Vor der Aussaat einer dauerhaften Garten-Blumenwiese arbeitest du keinen Kompost in den Boden ein. Eine Startgabe gehört damit ebenfalls nicht zur Anlage. Auch auf der fertigen Wiese streust du keinen Kompost: Eine Frühjahrsgabe wäre genau die routinemäßige Düngung, auf die du verzichtest.
Ich bringe meinen Kompost in die Beete und in Pflanzgefäße, nie auf die Wiese.
Kompost als Frühjahrsgabe auf die Wiese streuen, weil er ja natürlich ist. Kompost ist Dünger, und zusätzliche Nährstoffe fördern die konkurrenzstarken Gräser. Auf der dauerhaften Blumenwiese lässt du ihn deshalb weg.
Mulch und Mähgut: Was liegen bleibt, düngt
Auf der Wiese räumst du das Mähgut ab, statt es als düngende Mulchschicht liegen zu lassen. Nach kurzem Antrocknen kommt es von der Fläche, weil dauerhaft liegen gelassenes Material eine Filzschicht bildet, die sich nachteilig auswirkt. Kurz liegen bleiben darf es, damit Samen ausfallen können.
Regelmäßige Mahd mit vollständigem Abräumen entzieht der Fläche allmählich Nährstoffe. Wer abräumt, magert die Fläche also ab, und wer das Mähgut liegen lässt, düngt seine Wiese, ohne es zu wollen. Auf wüchsigen Wiesenstandorten kann das Abräumen bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken. Verlass dich aber nicht darauf, dass das schnell geht.
Eine Mulchdecke aus Rasenschnitt wirkt auf der Wiese wie liegen gelassenes Mähgut. Deshalb verteile ich keinen Rasenschnitt aus dem übrigen Garten auf der Fläche.
Einen anderen Zweck hat eine Abdeckung bei einer gefährdeten Neuansaat. Locker aufgelegtes Heu oder langhalmiger frischer Grasschnitt kann die Ansaat vor Sonne, Erosion und Kahlfrost schützen. Für die Abdeckung rechnest du mit 500 g Heu je m². Mit frischem Grasschnitt sind es 2 kg je m².
Ich lasse das Mähgut nach der Mahd kurz auf der Fläche, damit Samen ausfallen können. Danach reche ich alles ab und bringe es auf den Komposthaufen.
Gründüngung vor der Blumenwiese: Phacelia und Klee?
Eine Gründüngung ist Düngung mit Pflanzen: Du säst sie, lässt sie wachsen und arbeitest sie später in den Boden ein. Bei Klee kommt Stickstoff aus der Luft hinzu. KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. an den Wurzeln von LeguminosenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft. wie Weißklee und Rotklee können Luftstickstoff in pflanzenverfügbaren Stickstoff umwandeln. Eine Klee-Gründüngung vor der Aussaat kann also genau die Nährstoffe liefern, die eine magere Wiese nicht bekommen soll.
Vor einer dauerhaften Blumenwiese lasse ich die Gründüngung deshalb weg. Ihren Platz hat sie in Beeten, die du danach neu bestellst.
Im gemüsebaulichen Gründüngungsanbau wird Phacelia nach etwa 3 Monaten geschlegelt, also zerkleinert, und zwar immer vor der Samenbildung. Alternativ lässt du sie abfrieren, was bei stärkeren Frösten von etwa −7 bis −6 °C geschieht. Nach dem Einarbeiten wartest du meist etwa 2 bis 3 Wochen, bevor du säst oder pflanzt. Welche Kultur danach ins Beet kommt, kannst du im Beetplaner für deine Beetbelegung festlegen.
Pflanzenjauche: Brennnessel und Beinwell für die Wiese?
Brennnessel- und Beinwelljauche sind selbst angesetzte Flüssigdünger. Auf der dauerhaften Blumenwiese gilt für sie dieselbe Regel wie für Kompost: Sie bringen Nährstoffe, und die Wiese wird nicht routinemäßig gedüngt. Ein Rezept mit Mengen und Gießrhythmus brauchst du für die Wiese deshalb nicht.
„Jauche stärkt die Wiese.“ PflanzenjauchenPflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. wird nachgesagt, sie machten Pflanzen widerstandsfähiger. Verlass dich darauf nicht. Auf einer mageren Wiese bleibt jede Jauche vor allem eine Nährstoffgabe, von der konkurrenzstarke Gräser profitieren können.
Düngung im Jahreslauf: Was du statt Dünger tust
Arbeit macht die Wiese übers Jahr trotzdem, nur eben mit Mäher und Rechen statt mit Dünger.
| Zeitpunkt | Was du für den Nährstoffhaushalt der Wiese tust |
|---|---|
| Vor der Aussaat | keinen Kompost einarbeiten, keine Startgabe, keine Klee-Gründüngung |
| Frühjahr | nicht düngen, auch nicht mit Kompost, Stallmist oder Jauche |
| Sommer, nach jeder Mahd | Mähgut kurz antrocknen lassen und vollständig abräumen |
| Herbst | Mähgut kurz liegen lassen, damit Samen ausfallen, danach entfernen; auf nährstoffarmen, durchlässigen und trockenen Wiesen kann eine einzige Mahd im Herbst reichen, etwa Mitte bis Ende September |
| Über die Jahre | auf wüchsigen Standorten kann regelmäßiges Abräumen bei nicht zu spätem Schnitt in 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken |
Wildblumen im Beet und Topf: Wo Kompost passen kann
Anders liegt der Fall, wenn Wildblumen oder ihre Gartensorten einzeln im Beet oder im Gefäß wachsen. Dann unterscheiden sich die Hinweise von Art zu Art.
| Art | Hinweis zur Düngung im Garten |
|---|---|
| Kornblume | Im Garten ist keine zusätzliche Düngung nötig. |
| Kornrade | Am nährstoffarmen, gut durchlässigen Gartenstandort nicht zusätzlich düngen. |
| Wilde Karde | Im Garten ist keine zusätzliche Düngung nötig. |
| Gemeine Nachtkerze | Im Garten ist keine zusätzliche Düngung nötig. |
| Gemeine Nachtviole | Zusätzliche Düngung ist nicht zwingend nötig; im Staudenbeet kann Kompost im Frühjahr die Blütenbildung fördern. |
| Wiesen-Flockenblume | Im Garten nur zurückhaltend düngen; eine leichte Gabe organischen Düngers im Frühjahr kann Wachstum und Blüte unterstützen. |
| Schmuckkörbchen | Zurückhaltend düngen, denn zu viel Dünger fördert Blattwachstum auf Kosten der Blüten. |
| Gänseblümchen | Gartensorten in Gefäßen können ab April alle 2 bis 3 Wochen Flüssigdünger erhalten; im etablierten Blumenrasen unterbleiben Düngung und VertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos.. |
Beim Gänseblümchen sieht man, worauf es ankommt: Gartensorten im Topf dürfen Flüssigdünger bekommen, im Blumenrasen unterbleibt die Düngung. Ob Dünger passt, entscheidet also der Standort und nicht die Art allein.
Für Wildstauden im Topf stimmst du das Substrat auf ihren natürlichen Standort ab. Sand macht es magerer, Kompost macht es nährstoffreicher.
Die Wiese blüht schwach: Erst prüfen, dann handeln
Bevor ich an Nährstoffe denke, gehe ich die Fläche ab und schaue auf Licht, Grasanteil und Lücken.
Wenig Blüten und viel Gras können auf zu viele Nährstoffe hindeuten. Genauso kann zu seltenes Mähen auf Dauer die Gräser fördern und die Blütenvielfalt verringern. Dünger ist in beiden Fällen die falsche Richtung, entscheidend ist die passende Zahl der Schnitte. Etablierte Wiesen auf sehr mageren, trockenen Flächen kommen mit einem Schnitt im Jahr aus. Auf mäßig nährstoffreichen Flächen sind es zwei Schnitte. Sehr nährstoffreiche Flächen mit starkem Wachstum brauchen drei.
Lückige, nährstoffarme Bestände ergänzt du ohne Umbruch. Dazu mähst du den Altbewuchs kurz, raust den Boden kräftig auf, streust das Saatgut auf und drückst es an. Den Ablauf im Detail findest du in der Anleitung, wie du eine Blumenwiese anlegst und durch Nachsaat ergänzt.
Bleibt eine Fläche im starken Schatten blütenarm, kann das am Licht liegen. Stark beschattete Gartenflächen eignen sich nicht für die übliche mehrjährige Blumenwiese, sondern für schattenverträgliche Stauden oder passende Saummischungen. Ob dein Platz passt, klärst du mit dem Ratgeber, welcher Standort sich für eine Blumenwiese eignet.
Vermutest du trotzdem einen echten Mangel, lass den Boden untersuchen, statt auf Verdacht zu düngen. Eine Standarduntersuchung ermittelt üblicherweise Phosphat- und Kaliumgehalt sowie den Kalkbedarf als Grundlage einer sachgerechten Düngung. Auf Wunsch lässt sie sich um den Humusgehalt ergänzen.
Boden, Aussaat, Mähen und Ernte in Kürze
Boden abmagern statt düngen
Ist dein Gartenboden sehr nährstoffreich, kannst du ihn vor der Anlage abmagern. Bei der Umwandlung einer Rasenfläche wird dazu nach dem Entfernen der GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. eine etwa 5 cm starke Sand- oder Kiesschicht in den Oberboden eingearbeitet. Alles zu Licht und Boden steht im Wildblumen-Ratgeber unter Standort und Boden.
Aussaat und Gießen
Feines Kräutersaatgut verteilst du auf der Bodenoberfläche und walzt es an. Danach hältst du die Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht, während etablierte Blumenwiesen im Sommer normalerweise kein zusätzliches Wasser brauchen. Zeitfenster und Saatmengen findest du im selben Ratgeber unter Aussaat und Pflanzung.
Mähen und Insekten
Ich mähe meine Wiese in Abschnitten. Auf größeren Flächen erhält eine zeitlich versetzte Mahd von Teilflächen Rückzugsräume für Insekten, und stehen gelassene Pflanzenstängel können ihnen als Winterquartier und Eiablageplatz dienen. Zeitpunkte und Technik stehen im Wildblumen-Ratgeber unter Mähen und Pflege im Jahreslauf und ausführlich im Ratgeber zum Mähen für mehr Artenvielfalt.
Samen ernten
Samen für eine spätere NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. sammelst du bei trockenem Wetter, sobald sie ausgereift sind und sich leicht aus ihren Hüllen lösen. Vollständig nachgetrocknet lagerst du sie in beschrifteten Tüten trocken, kühl und dunkel.





