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Wildblumen und Klimawandel: So passt du Artenwahl, Wasser und Boden an

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 15 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Säe vor angekündigtem Regen und plane für gebietseigene Mischungen mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehende Feuchte ein.
  • Etablierte, standortgerechte Blumenwiesen brauchen im Sommer normalerweise kein Zusatzwasser, höchstens bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung.
  • Hitze- und Trockenheitstoleranz sind verschiedene Eigenschaften; für einen generellen Vorteil gebietsfremder Pflanzen aus wärmeren Regionen fehlen Belege.
  • Wiesenflächen weder düngen noch vorab mit Kompost anreichern, Mähgut nach kurzem Antrocknen abräumen.
  • Den Mähtermin nach Pflanzenentwicklung und Witterung wählen, nicht nach einem festen Kalendertag.

Ein trockenes Frühjahr trifft eine frische Wildblumenansaat härter als einen eingewachsenen Bestand. Die Samen brauchen zum Quellen und Keimen wochenlang durchgehende Feuchtigkeit. Eine etablierte Blumenwiese kommt im Sommer dagegen normalerweise ohne zusätzliches Wasser aus. Ich plane meinen Wildblumengarten deshalb vom Wasser her. Zuerst kläre ich, wann Regen angesagt ist, wo der Boden trocken oder nass bleibt und welche Flächen ich überhaupt gießen will. Erst danach suche ich Arten und Saatgut aus.

Genau in dieser Reihenfolge geht es hier weiter: welche Arten zu trockenen Sommern passen, wann du säst, wie viel du gießt, wie du den Boden behandelst und wie du Gestaltung, Mahd und Pflanzenschutz anpasst.

Was Hitze, Trockenheit und Starkregen im Wildblumengarten verändern

Witterung und Klima bestimmen mit, wie sich Pflanzen entwickeln und wann sie blühen. Die Entwicklungsphasen von Wildpflanzen reagieren auf längerfristige Witterungsverläufe. Verschiebt sich dadurch die Blüte, kann sich auch das zeitliche Zusammenspiel mit Bestäubern verändern. Hitze und Trockenheit können Blüten außerdem schneller verblühen lassen und das Angebot an Pollen und Nektar vermindern.

Im Boden zeigt sich das Wetter von zwei Seiten. Bleibt nach der Aussaat der Regen aus, fehlt den Samen die durchgehende Feuchte, die sie zum Keimen brauchen. Fällt viel Regen auf verdichteten oder verschlämmten Boden, dringt weniger Wasser ein und mehr fließt oberflächlich ab.

Was sich ändert Was es im Wildblumengarten bedeuten kann Wo du ansetzt
Blühtermine folgen der Witterung das zeitliche Zusammenspiel mit Bestäubern kann sich ändern Blütenangebot staffeln, Mähtermin nach den Pflanzen richten
Hitze und Trockenheit im Sommer Blüten verblühen schneller, weniger Pollen und Nektar Arten für trockene Plätze, mehrjährige Bestände
Trockene Wochen nach der Aussaat den Samen fehlt die durchgehende Feuchte zum Keimen vor angekündigtem Regen säen, Startphase feucht halten
Starkregen auf verdichtetem Boden weniger Wasser dringt ein, mehr fließt ab Boden lockern, Bewuchs erhalten, feuchte Senken gestalten

Welche Wildblumen passen zu trockenen Sommern?

Kurz erklärt

Hitzetoleranz und Trockenheitstoleranz sind zwei verschiedene Eigenschaften. Beide treten bei Pflanzen nicht zwangsläufig gemeinsam auf. Steht bei einer Art „verträgt Trockenheit“, sagt das etwas über ihren Wasserbedarf, aber noch nichts über ihre Hitzetoleranz.

Ich wähle Arten nach dem Platz aus, an dem sie wachsen sollen, und nicht nach dem Bild auf der Saatgutpackung. Für trockene, sonnige Standorte eignen sich unter anderem Arznei-Thymian, Taubenkropf-Leimkraut, Acker-Witwenblume und Wilde Möhre. Die Tabelle zeigt sie zusammen mit weiteren Arten, über deren Wasserbedarf etwas bekannt ist.

Arten für trockene, sonnige Plätze

Art Was sie mitbringt Worauf du achtest
Arznei-Thymian, Taubenkropf-Leimkraut eignen sich für trockene, sonnige Standorte Platz wirklich sonnig und trocken wählen
Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) trockene, sonnige Standorte; mehrjährig, 30 bis 80 cm hoch keimt unregelmäßig über mehrere Wochen; die verwandte Knautia dipsacifolia wächst in Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren und ist keine Trockenwiesenpflanze
Wilde Möhre trockene, sonnige Standorte bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette und blüht im zweiten
Gewöhnliche Nachtkerze hohe Trockenheitstoleranz, bevorzugt sonnige Lagen verträgt keine stauende Nässe; wächst ein- bis zweijährig
Kranz-Lichtnelke verträgt trockene bis sehr trockene Bedingungen braucht gut durchlässigen Boden
Kornrade zeitweilige Trockenheit gilt als verträglich braucht offene, bearbeitete Stellen; die Samen bleiben im Boden nur wenige Monate keimfähig
Gewöhnliches Leinkraut lockerer, steinig-sandiger, trockener bis frischer Boden bei Trockenheit mäßig gießen; breitet sich über Ausläufer aus
Wegwarte (Wildform) eignet sich auch für nährstoffarme, durchlässige Böden; Pfahlwurzel verträgt es auf Dauer schlecht, von Gräsern überwachsen zu werden

Wie diese Arten im Beet zusammen wirken, zeigen die Artporträts mit Gestaltungsideen fürs Beet.

Mythos-Check

„Tiefe Wurzeln holen sich das Wasser schon.“ Im Deep-Frontier-Versuch nahm die Wegwarte Wasser aus 1,7 m und 2,3 m Tiefe auf. Den Verlust an Wasseraufnahme aus dem trockenen Oberboden glich sie damit aber nicht aus. Eine tiefe Wurzel ersetzt also nicht das Wasser in den oberen Bodenschichten.

Regionale Herkunft oder Arten aus dem Süden?

Gebietseigenes Saatgut stammt aus einheimischen Populationen, die sich über viele Generationen in ihrem Naturraum vermehrt haben. Regionale Herkünfte derselben Art können sich im Blühzeitpunkt unterscheiden und auch darin, wie gut sie Frost oder Hitze vertragen. Für gebietseigenes Saat- und Pflanzgut krautiger Arten ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt. Frag beim Kauf, aus welchem Gebiet eine Mischung stammt, und vergleiche das mit deinem Wohnort. Die Zertifikate VWW-Regiosaaten und RegioZert weisen die gebietseigene Herkunft nach.

Ob für deine Ansaat die Vorgaben für die freie Natur nach § 40 BNatSchG gelten, hängt von der Fläche ab. Gebäuden zugeordnete Gärten zählen grundsätzlich nicht dazu. Maßgeblich bleibt aber, wie die Fläche im Einzelfall tatsächlich zugeordnet ist.

Mythos-Check

„Wird es wärmer, nehme ich eben Pflanzen aus dem Süden.“ Für einen generellen Eignungsvorteil gebietsfremder Pflanzen aus wärmeren oder trockeneren Regionen unter den veränderten Klimabedingungen in Deutschland fehlen wissenschaftliche Belege. Einzelne Arten wie das Patagonische Eisenkraut eignen sich zwar auch für trockene Standorte. Eine Regel für die ganze Pflanzenwahl folgt daraus nicht.

Einjährig oder mehrjährig: Was spart Gießwasser?

Merkmal Einjährige Sommerblumenfläche Mehrjährige Garten-Blühmischung
Anlage jedes Jahr neue Einsaat kann 10 Jahre und länger bestehen
Wasser bei Trockenheit in der Auflaufphase täglich gießen, wenn sie früh blühen soll etablierte, extensiv gepflegte Flächen brauchen im Sommer normalerweise kein Zusatzwasser
Blüte nach Aussaat ab Mitte April etwa 6 bis 8 Wochen später einzelne Arten blühen erst im zweiten Lebensjahr
Pflegezeit etwa 5 bis 8 Minuten je m² und Jahr etwa 1 bis 2 Minuten je m² und Jahr

Eine einjährige Fläche säst du jedes Jahr neu, und jede Neueinsaat durchläuft wieder die Auflaufphase, in der bei Trockenheit gegossen wird. Ein eingewachsener mehrjähriger Bestand kommt im Sommer dagegen normalerweise ohne Gießkanne aus. Wer Wasser sparen will, legt die Hauptfläche deshalb mehrjährig und standortgerecht an und setzt Einjährige gezielt dazu.

Kornblume und Klatschmohn kannst du einer dauerhaften Wildblumenmischung beimischen, damit schon im ersten Jahr etwas blüht. Mischungen mit einem hohen Anteil einjähriger Kulturblumen eignen sich dagegen nicht als dauerhafte Blumenwiese. Plane bei mehrjährigen Flächen Geduld ein: Eine Kräuterwiese kann bis zu 3 Jahre brauchen, bis sie sich entwickelt hat.

Saatgut prüfen, bevor du kaufst

Die Bezeichnung „Wildblumen“ auf einer Packung belegt weder heimische Arten noch die Eignung als dauerhafte Wiese.

Mini-Checkliste

Ist die Artenliste einsehbar? Steht ausdrücklich „heimisch“ und „mehrjährig“ dabei? Aus welchem Ursprungsgebiet stammt das Saatgut? Trägt es das Zertifikat VWW-Regiosaaten oder RegioZert? Passen die Angaben zu Licht, Bodenfeuchte und Nährstoffen deiner Fläche? Für trockene Flächen gibt es mager-saure und mager-basische Regio-Mischungen, also wählst du passend zu deinem Boden.

Welche Mischungen für Hitze, Trockenheit und Starkregen gedacht sind, erfährst du im Beitrag darüber, wie du klimaangepasste Blumenmischungen auswählst. Wie du eine Mischung mit Gehölzen, Rasen, Staudenbeeten und Gefäßen kombinierst, steht im Ratgeber zur passenden Wildblumenmischung für den naturnahen Garten.

Blühlücken im Hochsommer abfedern

Ich verteile das Blütenangebot auf möglichst viele Wochen, weil Hitze Blüten schneller verblühen lassen kann. Insektenfreundliche Pflanzungen bieten ungefüllte Blüten und ein gestaffeltes Angebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst. Im Frühjahr ergänzen Lungenkraut, Winterlinge und Krokusse, im Spätsommer und Herbst Wasserdost, Besenheide, Efeu und ungefüllte Astern. Heimische Stauden für spezialisierte Wildbienen kannst du dabei durch früh oder spät blühende Arten anderer Herkunft ergänzen.

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Wann säst du, damit die Ansaat nicht vertrocknet?

Säen, wenn Regen kommt

Ich säe Wildblumen nach dem Wetterbericht und nicht nach einem festen Datum. Für die Neuansaat gebietseigener Wildblumenmischungen eignen sich März bis April sowie Mitte August bis Mitte September. Innerhalb dieser Fenster säst du vorzugsweise vor angekündigtem Regen. Hält eine längere Trockenheit an, verschiebst du die Aussaat, bis Niederschläge absehbar sind.

Spätsommer und Herbst nutzen

Bei der Mischung Blühende Landschaft gibt es zwei Varianten. Die Frühjahrsvariante ist für Lagen mit ausreichendem Frühjahrsregen und wenigen Spätfrösten gedacht. Die Spätsommervariante nutzt bei heißem Klima den Herbstregen und gemäßigtere Temperaturen. Gesät wird sie in mittleren bis höheren Lagen von Mitte August bis Mitte September, in milden Weinbaulagen bis Ende September.

Manche Arten in Wildblumenmischungen keimen erst nach einem Kältereiz. Gewöhnliches Leinkraut säst du im Freiland zwischen Spätherbst und Vorfrühling. Es keimt ungleichmäßig, und Temperaturen unter 5 °C sind dabei günstig. Im Herbst gekeimte Kornraden überwintern als bodennahe Rosetten. Klatschmohn der Mischung Roter Sommermohn kannst du im Spätsommer säen, er überwintert und blüht im folgenden Frühsommer.

Die ersten Wochen feucht halten

Die Samen brauchen zum Quellen und Keimen durchgehend Feuchtigkeit. Wie lange, unterscheidet sich je nach Anleitung.

Zahl im Blick

Für die Neuansaat gebietseigener Wildblumenmischungen planst du mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehende Feuchtigkeit ein. Die Berliner Anleitung nennt die ersten 5 bis 6 Wochen, eine andere Gartenanleitung etwa 6 Wochen gleichmäßige Feuchte nach der Aussaat einer Blumenwiese. Bei der LUX-Blumenwiese erscheinen die ersten Keimlinge unter feuchter Witterung nach etwa 2 bis 3 Wochen. Du gießt also schon, bevor du etwas siehst.

Einjährige Sommerblumen gießt du bei Trockenheit in der Auflaufphase täglich, wenn sie früh blühen sollen. Ich gieße Neuansaaten mit einer feinen Brause. An einer Stelle höre ich auf, sobald die Oberfläche zu verschlämmen beginnt.

Tipp

Ist eine Neuansaat gefährdet, kannst du sie locker mit 500 g Heu oder 2 kg langhalmigem frischem Grasschnitt je m² abdecken. Das kann die Keimlinge vor starker Sonne, Erosion und Kahlfrost schützen.

Wie viel gießt du, wenn der Bestand steht?

Eingewachsene Flächen brauchen meist kein Zusatzwasser

Etablierte Blumenwiesen und kräuterreiche, extensiv gepflegte Gartenflächen brauchen im Sommer normalerweise keine zusätzliche Bewässerung. Ist die Wiese standortgerecht zusammengesetzt, kommt nach dem Anwachsen höchstens bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung infrage. Auf trockenen, nährstoffarmen Wiesenstandorten unterstützt der Verzicht auf Gießen und Düngen sogar konkurrenzfähige Wildblumenbestände.

Gepflanzte Staudenmischungen brauchen länger Begleitung. Bei anhaltender Trockenheit wässerst du sie in den ersten 1 bis 2 Vegetationsperioden durchdringend. Auch später kann bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung nötig sein. Für einzelne Arten gibt es eigene Angaben: Die Wegwarte bekommt in trockeneren Gebieten bei Bedarf zusätzlich Wasser, und zugleich muss es gut abziehen können.

So gießt du, wenn es sein muss

Gieß seltener, dafür durchdringend bis zu den Wurzeln, solange der Untergrund noch leicht feucht ist. Gib das Wasser möglichst morgens direkt an den Wurzelbereich.

Marias Erfahrung

Vor jeder größeren Wassergabe mache ich die Spatenprobe. Ich steche neben den Pflanzen ein und prüfe, ob der Boden in etwa 20 cm Tiefe noch feucht ist. Neben dem Beet steht ein Regenmesser, den ich nach jedem Regen ablese. Dabei rechne ich mit einer einfachen Gleichung: 1 mm Niederschlag entspricht 1 l Wasser je m².

Regenwasser, Tropfschlauch und Mulch

Gesammeltes Regenwasser kannst du zum Gießen nutzen und schonst damit Trinkwasser. Eine Tropfbewässerung versorgt Pflanzen gezielt und kann Wasser sparen. Im Beet verringert eine Mulchdecke die Verdunstung aus dem Boden.

Auf der Blumenwiese gilt das nicht. Dort wird das Mähgut abgeräumt und bleibt nicht als düngende Mulchschicht liegen. Flächen aus den Berliner Wildpflanzenmischungen sollen weder gedüngt noch gemulcht werden.

Häufiger Fehler

Grasschnitt als Verdunstungsschutz auf der Blumenwiese liegen lassen. Dauerhaft liegendes Mähgut bildet eine nachteilige Filzschicht und führt der Fläche Nährstoffe zu. Lass das Mähgut kurz antrocknen, damit Samen ausfallen können, und räum es dann ab. Die lockere Schutzabdeckung einer gefährdeten Neuansaat ist etwas anderes, denn diese soll Keimlinge schützen.

Wildblumen in Töpfen und Kästen

Größere Gefäße puffern Wasser- und Temperaturschwankungen bei Wildstauden besser als kleine Töpfe. Wichtig sind funktionierende Abflusslöcher, damit sich keine Staunässe bildet. Kleine Kisten und Töpfe verlangen je nach Größe mehr Aufmerksamkeit beim Gießen. Das Substrat richtest du nach dem natürlichen Standort der Arten aus: Sand macht es magerer, Kompost nährstoffreicher. In ein gemeinsames Gefäß setzt du nur Arten mit ähnlichen Ansprüchen an Licht, Substrat, Wasser und Nährstoffe.

Wie hältst du den Boden mager und aufnahmefähig?

Erst den Boden kennen

Bevor ich eine Fläche umgestalte, prüfe ich den Boden. Die Fingerprobe an feuchtem, nicht nassem Feinboden gibt dir eine grobe Einschätzung der Bodenart. Eine Laboranalyse erfasst standardmäßig Phosphat, Kalium und pH-Wert und lässt sich um den Humusgehalt ergänzen. Eine Untersuchung auf Stickstoff musst du zusätzlich beauftragen. Für eine repräsentative Probe mischst du 10 bis 15 gleichmäßig verteilte Einstiche je einheitlich genutzter Fläche.

Auch Zeigerpflanzen geben Hinweise. Gut gedeihender Löwenzahn kann auf einen stickstoffreichen Boden hindeuten. Mehrere verschiedene Zeigerpflanzen am selben Ort erlauben aber eine genauere Einschätzung als eine einzelne Art.

Für den Wasserhaushalt zählt die Bodenart. Sandige Böden halten wenig pflanzenverfügbares Wasser, und auch die Bodentiefe bestimmt, wie viel gespeichert wird. Tonreiche Böden lassen Regenwasser dagegen nur eingeschränkt versickern, weil es sich stauen kann.

Nicht düngen, keinen Kompost

Eine artenreiche, magere Blumenwiese bekommt keinen Dünger, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Zu viel schnell verfügbarer Stickstoff fördert Gräser und hochwüchsige Kräuter und verdrängt niedrigwüchsige Wiesenkräuter. Vor der Aussaat einer dauerhaften Garten-Blumenwiese reicherst du den Boden deshalb auch nicht mit Kompost an. Kompost und Stallmist sind ebenfalls Dünger und können bei zu hohen Gaben Nährstoffe anreichern.

Abmagern oder passend säen

Für die Umwandlung einer Rasenfläche gibt es ein Verfahren, das den Boden abmagert. Nach dem Entfernen der Grasnarbe bringst du eine etwa 5 cm starke Sand- oder Kiesschicht auf. Diese arbeitest du etwa 10 bis 15 cm tief in den Oberboden ein. Ohne Bodenumbau bleibt die Mahd: Auf wüchsigen Wiesenstandorten kann regelmäßiges Abräumen des Mähguts bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken. Verlass dich aber nicht allein darauf.

Sand und Kies magern den Boden ab, und sandige Böden halten wenig pflanzenverfügbares Wasser. Eine mit Sand abgemagerte Fläche ist deshalb ein Platz für Arten trockener Standorte und nicht für Feuchtwiesenarten.

Du musst den Boden aber nicht umbauen. Auch nährstoffreichere Böden tragen eigene, passende Wiesengesellschaften. Für nährstoffreichen Gartenboden kannst du eine entsprechend angepasste Blumenwiesenmischung wählen. Bei der Auswahl zählen Licht, Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung deines Standorts.

Regen in den Boden lassen

Verdichtung und Verschlämmung können die Wasseraufnahme und -speicherung vermindern und den Oberflächenabfluss verstärken. Nach Bauarbeiten lockerst du verdichteten Boden deshalb vor der Aussaat. Langfristig arbeiten Wurzeln und Bodentiere mit. Fein verzweigte Wurzeln stabilisieren Bodenkrümel und hinterlassen nach ihrem Abbau Kanäle, durch die Luft und Wasser in den Boden gelangen. Regenwürmer schaffen ebenfalls luft- und wasserführende Röhren.

Die Pfahlwurzeln der Wegwarte können im Ober- und Unterboden Poren schaffen, die nachfolgenden Pflanzen den Zugang zu Wasser und Nährstoffen erleichtern. Wie lange solche Bioporen stabil bleiben, hängt vom Boden ab. Beschrieben ist das vor allem für lehmige und schluffige Böden.

Gegen Abschwemmen wirkt Bewuchs. Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen, eine feste Schutzleistung einer bestimmten Mischung folgt daraus aber nicht. An erosionsgefährdeten Steilhängen öffnest du die Grasnarbe für eine Ansaat nur streifenweise oder punktuell.

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Wie teilst du den Garten nach Wasser und Schatten auf?

Für jede neue Fläche zeichne ich mir einen Plan mit trockenen, frischen und feuchten Stellen, dazu Gehölzrand und Schatten. Bei Staudenmischungen gelten trockene, frische und feuchte Freiflächen sowie Gehölzrand und Gehölz als unterschiedliche Standorte. Für Wildblumen lohnt dieselbe Einteilung, weil jede Zone andere Arten braucht.

Sonnige, trockene Flächen

Auf vollsonnige, durchlässige Flächen gehören die Arten aus der Tabelle weiter oben. Für sehr magere, schnell abtrocknende Böden gibt es eigene Mager- und Sandrasen-Mischungen aus Blumen und Gräsern.

Senken und wechselfeuchte Stellen

Senken, in denen sich Regenwasser sammelt, kannst du als bepflanzte Versickerungsmulde gestalten. Wie groß sie sein muss, hängt von den örtlichen Niederschlägen, den angeschlossenen befestigten Flächen und der Durchlässigkeit von Boden und Baugrund ab. In längeren Trockenphasen sollte eine wechselfeuchte Mulde nicht vollständig austrocknen. Regio-Mischungen unterscheiden wechselnd feuchte Standorte von staunassen Uferstandorten. Der heimische Blutweiderich wächst an feuchten bis nassen und zeitweise überfluteten Standorten.

Schatten unter Gehölzen

Unter dichten Gehölzen fehlt der üblichen Blumenwiese die Sonne, die sie ohne dichte Gehölzkonkurrenz braucht. Dort passt eine Mischung für den Gehölzsaum. Ein Schattsaum kann trockene, nährstoffärmere bis mäßig nährstoffreiche Flächen im Voll- oder Teilschatten begrünen. Einzelne Arten darin werden erst nach 3 bis 4 Jahren blühreif. Für stark durchwurzelte Baumscheiben und die Unterpflanzung flach wurzelnder Bäume eignen sich die Veitshöchheimer Schattenmischungen nicht.

Wege, Ränder und Kräuterrasen

Blumenwiesen gehören auf selten betretene Flächen, ein Blumenrasen verträgt stärkere Nutzung. Ein bis zu 20 cm hoher Kräuterrasen bleibt blütenreich und trotzdem betretbar. Entlang von Wegen und Beeten fängt ein mindestens 50 cm breiter Rasenstreifen umfallende Halme hochwachsender Wiesen auf. Wege und Sitzplätze innerhalb der Wiese hältst du durch regelmäßiges Kurzmähen frei.

Kühlung und CO2: was du erwarten kannst

Bewachsener Boden kann die unmittelbare Umgebung durch Verdunstung kühlen. Grünflächen reflektieren außerdem mehr Sonnenstrahlung als dunkler Asphalt und speichern tagsüber weniger Wärme. Die Verdunstungskühlung setzt aber eine ausreichende Wasserversorgung voraus. Eine eingewachsene Wiese kommt im Sommer normalerweise ohne Gießen aus, ihre Kühlwirkung hängt aber am Wasser im Boden.

Beim CO2 ist das Bild gemischt. Auf 120 untersuchten Gießener Campus-Grünflächen hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasenflächen. Auch die frühere Nutzung der Flächen beeinflusste diesen Vorrat. Im Münchner CO2-Flussmodell waren Grasflächen im Jahresmittel dagegen Quellen, weil ihre Bodenatmung die Photosynthese überstieg. Wer über Humus CO2 ausgleichen will, braucht zusätzliche und dauerhaft erhaltene Kohlenstoffspeicherung. Bloßes Verlagern zwischen Flächen bringt dem Klima nichts.

Wie Kommunen Wildblumenflächen von der Flächenwahl bis zu den Kosten angehen, liest du im Beitrag darüber, wie Städte Wildblumenflächen einplanen.

Wann mähst du, wenn sich die Blüte verschiebt?

Die Entwicklung von Wildpflanzen folgt längerfristigen Witterungsverläufen. Der passende Mähtermin einer Blumenwiese hängt genau von dieser Pflanzenentwicklung und von der Witterung ab. Ein fester Kalendertag kann deshalb in einem Jahr zu früh und im nächsten zu spät liegen. Grundsätzlich richtet sich der Mahdzeitpunkt nach der Samenbildung der blühenden Pflanzen. Bei stärker wachsenden Wiesen kann das beginnende Verblühen der Margeriten das Signal für den ersten Schnitt sein.

Ich führe dafür ein Blühtagebuch. Darin notiere ich, wann am Löwenzahn die ersten Blütenkörbe ganz offen sind und wann die Margeriten zu verblühen beginnen.

Kurz erklärt

Phänologische Beobachtungen halten fest, wann wiederkehrende Entwicklungsstadien eintreten, etwa Austrieb, Blüte und Fruchtreife. Beim Löwenzahn zählt als Blühbeginn die erste vollständige Entfaltung der Blütenkörbe. Blüht er im selben Jahr erneut, zählen diese Nachblüten nicht als Blühbeginn.

Wie oft du mähst, hängt von Standort und Wüchsigkeit ab. Für Garten-Blumenwiesen sind 1 bis 3 Mähgänge im Jahr beschrieben. Auf nährstoffarmen, durchlässigen und trockenen Wiesen kann eine einzige Mahd im Herbst ausreichen. Mähst du zu selten, kann das auf Dauer die Gräser fördern und die Blütenvielfalt verringern. Pflanzenauswahl, Boden, Wasser und Monitoring speziell für Wiesen behandelt der Beitrag darüber, wie du eine Blumenwiese an den Klimawandel anpasst.

Und die Insekten?

Ein insektenfreundlicher Garten braucht neben Blüten auch Nistplätze, Überwinterungsräume und Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien der Tiere. Welche Strukturen dazugehören, von stehen gelassenen Stängeln bis zu offenen Bodenstellen, liest du im Abschnitt darüber, was Blühflächen Insekten bringen.

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Pflanzenschutz: vorbeugen, hinschauen, von Hand eingreifen

Steuern kannst du Standort, Nährstoffe und dein eigenes Hinschauen. Standortgerechte Arten und ein magerer Boden stehen deshalb am Anfang. Zu viel Stickstoff kann schaden: Bei Wald-Vergissmeinnicht steigt nach Stickstoffüberdüngung die Gefahr von Winterschäden durch zu dichten, großen Wuchs.

Bei meinem Rundgang schaue ich mir die jungen Triebspitzen an. Blattläuse dort streifst du als erste mechanische Maßnahme vorsichtig mit Handschuhen ab. Bei blattlausfressenden Schwebfliegen nutzen die erwachsenen Tiere Blütennahrung, ihre Larven fressen Blattläuse. Ein blütenreicher Garten kann solche Gegenspieler also mitversorgen. Eine Garantie ist das nicht: Im Projekt FlowerBeet führten mehr Nützlinge und teils weniger Blattläuse neben Blühstreifen nicht zuverlässig zu einem höheren Zuckerrübenertrag.

Krankes Pflanzenmaterial entfernst du auch dann, wenn du sonst zurückhaltend schneidest. Einzeln auftretende Problemkräuter wie Stumpfblättriger Ampfer ziehst du in jungen Ansaaten möglichst früh von Hand. Kleine Bestände der Riesen-Goldrute entfernst du über mehrere Jahre wiederholt von Hand. Verletze dabei den Boden möglichst wenig, weil offene Stellen ihre Keimlinge fördern.

Achtung

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gehört zu den Belastungen für Insekten, und ein Mittel kann auch Nützlinge treffen. Greifst du als letztes Mittel doch dazu, kommt nur ein für Haus- und Kleingarten zugelassenes Präparat infrage. Halte dich an die Gebrauchsanweisung, trag Schutzkleidung, beachte die Wartezeit und entsorge Reste vorschriftsmäßig.

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Häufige Fragen

Welche Wildblumen eignen sich gut für den klimaangepassten Garten?
Für trockene, sonnige Plätze eignen sich unter anderem Arznei-Thymian, Taubenkropf-Leimkraut, Acker-Witwenblume und Wilde Möhre. Die Gewöhnliche Nachtkerze hat eine hohe Trockenheitstoleranz, und die Kranz-Lichtnelke kommt mit trockenen bis sehr trockenen Bedingungen zurecht. Trockenheitstoleranz bedeutet aber nicht automatisch Hitzetoleranz, denn beide Eigenschaften treten nicht zwangsläufig gemeinsam auf.
Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Blühzeiten von Wildblumen aus?
Witterung und Klima beeinflussen, wie sich Pflanzen entwickeln und wann sie blühen. Die Entwicklungsphasen von Wildpflanzen reagieren auf längerfristige Witterungsverläufe, dadurch kann sich auch das zeitliche Zusammenspiel mit Bestäubern verändern. Hitze und Trockenheit können Blüten zudem schneller verblühen lassen und das Pollen- und Nektarangebot vermindern. Ein über viele Wochen gestaffeltes Blütenangebot und ein Mähtermin nach der Pflanzenentwicklung statt nach dem Kalender sind zwei Wege, darauf zu reagieren.
Welche Rolle spielt das Wassermanagement bei Wildblumengärten in Trockenperioden?
Wildblumen brauchen Wasser vor allem in der Startphase: Neuansaaten gebietseigener Mischungen benötigen mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehende Feuchtigkeit zum Quellen und Keimen. Säe deshalb vor angekündigtem Regen und verschiebe die Aussaat bei längerer Trockenheit. Etablierte Blumenwiesen brauchen im Sommer normalerweise kein Zusatzwasser, eine standortgerecht zusammengesetzte Wiese höchstens bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung.
Warum ist regionales Saatgut für die langfristige Anpassung von Wildblumen wichtig?
Gebietseigenes Saatgut stammt aus einheimischen Populationen, die sich über viele Generationen in ihrem Naturraum vermehrt haben. Regionale Herkünfte derselben Art können sich im Blühzeitpunkt und in ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Frost oder Hitze unterscheiden. Für einen generellen Vorteil gebietsfremder Pflanzen aus wärmeren oder trockeneren Regionen fehlen dagegen wissenschaftliche Belege. Beim Kauf helfen dir die Angabe des Ursprungsgebiets und Zertifikate wie VWW-Regiosaaten oder RegioZert.
Welche Schritte sind beim Mulchen von Wildblumenflächen zu beachten?
Unterscheide zwischen Beet und Wiese: Im Beet verringert eine Mulchdecke die Verdunstung aus dem Boden. Auf der Blumenwiese bleibt dagegen kein Mähgut als düngende Mulchschicht liegen, weil dauerhaft liegendes Material eine nachteilige Filzschicht bildet. Lass das Mähgut kurz antrocknen, damit Samen ausfallen können, und räum es dann ab. Eine lockere Abdeckung mit Heu oder frischem Grasschnitt kann eine gefährdete Neuansaat vor Sonne, Erosion und Kahlfrost schützen.
Stimmt es, dass Wildblumen grundsätzlich keine Pflege benötigen?
Nein. Neuansaaten brauchen in den ersten Wochen durchgehende Feuchtigkeit, und rasch auflaufendes Beikraut kappst du mit einem Schröpfschnitt. Etablierte Garten-Blumenwiesen werden je nach Wüchsigkeit und Standort mit 1 bis 3 Mähgängen im Jahr gepflegt, das Mähgut wird abgeräumt. Einzeln auftretende Problemkräuter wie Stumpfblättriger Ampfer entfernst du in jungen Ansaaten möglichst früh von Hand.
Welche regionalen Unterschiede gibt es bei der Auswahl klimaangepasster Wildblumen?
Für gebietseigenes Saat- und Pflanzgut krautiger Arten ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete gegliedert. Frag beim Kauf nach dem Ursprungsgebiet einer Mischung und gleich es mit deiner Region ab. Auch die Aussaatzeit hängt von der Lage ab: Die Spätsommervariante der Mischung Blühende Landschaft wird in mittleren bis höheren Lagen von Mitte August bis Mitte September gesät, in milden Weinbaulagen bis Ende September.
Wie funktioniert die biologische Schädlingsbekämpfung in naturnahen Wildblumengärten?
Biologische Schädlingsbekämpfung setzt auf natürliche Gegenspieler: Bei blattlausfressenden Schwebfliegen brauchen die erwachsenen Tiere Blütennahrung, während die Larven Blattläuse fressen. Ein blütenreicher Garten kann solche Nützlinge versorgen, eine Garantie gegen Schäden ist das aber nicht. Blattläuse an jungen Triebspitzen streifst du als erste Maßnahme vorsichtig mit Handschuhen ab, krankes Pflanzenmaterial entfernst du.
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