Blumenwiesen als Wasserspeicher: Was mit dem Regen im Boden passiert
- Regen, der auf eine Blumenwiese fällt, speichert der Boden darunter in seinen Poren.
- Verdichtung und Verschlämmung können die Wasseraufnahme vermindern und den Oberflächenabfluss verstärken.
- Ein Teil des versickerten Wassers bleibt im Boden oder verdunstet, statt das Grundwasser zu erreichen.
- Nach der Aussaat hältst du die Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht.
- Etablierte Blumenwiesen brauchen im Sommer normalerweise kein Gießwasser, höchstens bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung.

Den Regen, der auf eine Blumenwiese fällt, speichert der Boden darunter. Ist dieser Boden verdichtet oder verschlämmt, kann er weniger Wasser aufnehmen, und an der Oberfläche fließt mehr ab. Bevor ich eine Fläche für eine Wiese einplane, steche ich deshalb nach einem Regentag mit dem Spaten hinein und schaue, wie weit die Feuchte reicht.
Was eine Wiese für den Wasserhaushalt bewirkt, hängt also an BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien., Bodentiefe und dem Zustand der Oberfläche.
Wo speichert eine Blumenwiese das Wasser?
Regenwasser, das einsickert, landet in den Poren des Bodens. Je nach ihrer Größe leiten diese Poren das Wasser weiter oder halten es fest. Sandige Böden halten nur wenig Wasser, das Pflanzen nutzen können. Wie viel ein Boden insgesamt speichern kann, bestimmt auch seine Tiefe.
Die nutzbare Feldkapazität ist die Wassermenge, die ein Boden für Pflanzen verfügbar speichern kann. Gemeint ist eine Eigenschaft des Bodens, nicht der Pflanzen, die auf ihm wachsen.
Die Pflanzendecke der Wiese wirkt an zwei Stellen mit: an der Oberfläche, wo der Regen auftrifft, und bei der Verdunstung danach.
Über die Jahre kann eine Wiese auch den Boden selbst verändern, denn aus abgestorbenen Pflanzenteilen kann HumusHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. entstehen. Wie Blumenwiesen Bodenstruktur, Humus und Bodenleben verändern und wie viel CO2 sie in Pflanzen und Boden binden, behandeln eigene Beiträge.
Versickern oder abfließen: Was an der Oberfläche passiert
Ob Regen einsickert, entscheidet sich zuerst an der Bodenoberfläche. BodenverdichtungBodenverdichtung bedeutet, dass der Boden zusammengedrückt ist und seine lockere Struktur verloren hat, vor allem durch Betreten oder Befahren in feuchtem Zustand. Wurzeln dringen dann kaum ein, und Regenwasser bleibt oft in Pfützen stehen. und VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. können die Wasseraufnahme und die Wasserspeicherung vermindern. Zugleich können beide den Oberflächenabfluss verstärken: Das Wasser läuft dann ab, statt in den Boden zu gelangen. Auf Böden mit hohem Tonanteil kann sich Wasser stauen, deshalb eignen sie sich nur eingeschränkt zum Versickern von Regenwasser.
Nach Bauarbeiten werden vorhandene Verdichtungen bei einer Wiesenanlage vor der Aussaat durch Lockern beseitigt. Wer auf so einer Fläche eine Wiese anlegt, entscheidet also schon beim Lockern mit, wie viel Regen sie später aufnehmen kann.
Nach kräftigem Regen gehe ich über meine Flächen und merke mir die Stellen, an denen Wasser stehen bleibt. Dort mache ich später an feuchtem, aber nicht nassem Feinboden eine Fingerprobe und schätze so grob die Bodenart ein.
Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 Prozent wirkt Wassererosion entgegen. Eine feste Schutzleistung für eine bestimmte Blumenmischung folgt daraus allerdings nicht. Wo du Blumenwiesen gezielt gegen Erosion einsetzt, etwa am Hang oder am Ackerrand, beschreibt ein eigener Beitrag.
Wohin geht das Regenwasser nach dem Versickern?
Was eingesickert ist, gelangt nicht vollständig ins Grundwasser. Ein Teil bleibt im Boden gespeichert, wo Pflanzen ihn nutzen können, ein anderer Teil verdunstet wieder. Dieser verdunstete Anteil fehlt zwar dem Grundwasser, wirkt aber trotzdem: Bewachsener Boden kann über die Verdunstung von Wasser seine unmittelbare Umgebung abkühlen. Wie Blumenwiesen über Verdunstung das Stadtklima kühlen und wie stark sich das messen lässt, ist ein eigenes Thema.
Auch als Filter für Sickerwasser hat der Boden Grenzen.
„Eine Blumenwiese reinigt Regenwasser wie eine Kläranlage.“ Gefiltert wird im Boden, und wie gut das gelingt, hängt unter anderem von Ton, Humus und pH-Wert ab. Diese Filterleistung hat eine begrenzte Kapazität. Nach starker Trockenheit und extremem Regen können schnelle Sickerwege die natürlichen Filterprozesse sogar umgehen und Stoffe aus den oberen Bodenschichten ins Grundwasser tragen.
Was Trockenheit für Blüten und Insekten bedeutet
Wie gut eine Wiese mit Wasser versorgt ist, zeigt sich auch am Blütenangebot. Hitze und Trockenheit können Blüten schneller verblühen lassen und das Angebot an Pollen und Nektar verringern. Entwicklungsphasen von Wildpflanzen wie Austrieb, Blüte und Fruchtreife reagieren außerdem auf längerfristige Witterungsverläufe. Dadurch kann sich das zeitliche Zusammenspiel mit den Bestäubern verändern.
Legst du am Wiesenrand eine Wasserstelle an, gestalte ihre Ränder rau und flach benetzt, denn dort finden Insekten Halt. Tiefere Bereiche brauchen Ausstiegshilfen.
In artenreichen Wiesen bieten sowohl Gräser als auch Kräuter Tieren Nahrung und Deckung. Was Blühflächen Insekten bringen, beschreibt der Wildblumen-Ratgeber, und welchen Wert Blumenwiesen für Artenvielfalt und Naturschutz haben, ein eigener Beitrag.
Wie viel Gießwasser braucht die Wiese selbst?
Gießwasser braucht eine Blumenwiese vor allem in der Startphase. Nach der Aussaat hältst du die Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht. Manche Anleitungen nennen je nach Mischung andere Mindestzeiten, dann gilt die Angabe für deine Mischung. Säe möglichst vor feuchter Witterung aus. Bis sich der Bestand geschlossen hat, gehört die Wasserversorgung zur Pflege. Neu eingesäte Flächen gieße ich mit Regenwasser aus der Tonne und mit feiner Brause.
Ist eine standortgerecht zusammengesetzte Wiese angewachsen, braucht sie kaum noch Bewässerung, im Sommer normalerweise gar keine zusätzliche. Eine Notbewässerung ist höchstens bei extremer Trockenheit angebracht. Auf trockenen, nährstoffarmen Standorten unterstützt der Verzicht auf Gießen und Düngen konkurrenzfähige Wildblumenbestände. Gesammeltes Regenwasser schont Trinkwasservorräte. Weil eine etablierte Wiese normalerweise ohne Gießwasser auskommt, sparst du mit der Regentonne Trinkwasser genau in der Phase, in der die Fläche vor allem gegossen wird.
Manche Arten kommen mit Trockenheit zurecht. Die Gewöhnliche Nachtkerze hat eine hohe Trockenheitstoleranz, und die Kranz-Lichtnelke verträgt trockene bis sehr trockene Bedingungen.
Wann der Regen fällt, spielt auch für den Saattermin eine Rolle. Die Mischung Blühende Landschaft gibt es in einer Frühjahrsvariante für Gegenden mit ausreichend Frühjahrsregen und wenigen Spätfrösten. Ihre Spätsommervariante nutzt bei heißem Klima den Herbstregen und gemäßigtere Temperaturen. Wie du deine Blumenwiese an die Klimazone deiner Region anpasst, zeigt ein eigener Beitrag.
Wasserbedarf verschiedener Blühflächen im Vergleich
| Fläche | Startphase | Danach |
|---|---|---|
| Blumenwiese aus Ansaat | etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht halten | im Sommer normalerweise kein Zusatzwasser, Notbewässerung höchstens bei extremer Trockenheit |
| Blumenrasen mit Gänseblümchen | im ersten Sommer mehr Wasser | höchstens bei starker Dürre oder Sommerhitze gießen |
| Einjährige Sommerblumenansaat | für einen frühen Blühbeginn bei Trockenheit in der Auflaufphase täglich wässern | jedes Jahr neue Einsaat, also jedes Jahr wieder eine Auflaufphase |
| Gepflanzte Staudenmischung | bei anhaltender Trockenheit in den ersten 1 bis 2 VegetationsperiodenDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht. durchdringend wässern | bei extremer Trockenheit kann eine Notbewässerung nötig werden |
Grasschnitt als MulchMulch ist eine Schicht, mit der du offenen Gartenboden bedeckst, meist aus organischem Material wie Rasenschnitt, Stroh oder Laub. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht und hemmt Unkraut. auf der Wiese liegen lassen, damit der Boden feucht bleibt. Im Beet verringert eine MulchdeckeEine Mulchschicht ist eine Abdeckung des Bodens, meist aus organischem Material wie Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht, verringert Erosion und hemmt Unkraut. zwar die Verdunstung. Auf der Blumenwiese räumst du das Mähgut aber nach kurzem Antrocknen ab, weil liegen gebliebenes Material eine nachteilige Filzschicht bildet und die Fläche düngt.
Wenn eine etablierte Wiese in extremer Trockenheit doch Wasser braucht:
- Prüf mit einer SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge., ob der Boden in etwa 20 cm Tiefe noch feucht ist.
- Lies die Regenmenge richtig: 1 mm Niederschlag entspricht 1 l Wasser je m².
- Gieß morgens und gib das Wasser direkt an den Wurzelbereich.
- Zieh mit der Brause weiter, sobald die Oberfläche zu verschlämmen beginnt.
- Nimm gesammeltes Regenwasser, das schont Trinkwasservorräte.
Anlage und Pflege mit Blick aufs Wasser
Für den Wasserhaushalt zählt bei der Anlage ein Boden ohne Verdichtungen. Eine Garten-Blumenwiese bekommt je nach Wüchsigkeit und Standort 1 bis 3 Mähgänge im Jahr, und das Mähgut wird abgeräumt. Standort und Boden, Aussaat und das Mähen im Jahreslauf beschreibt der Wildblumen-Ratgeber in eigenen Abschnitten.




