Hülsenfrüchte: Saatgut von Bohnen und Erbsen gewinnen und keimfähig aufbewahren
- Für eigenes Saatgut nimmst du samenfeste Sorten, denn Nachkommen von F1-Hybriden tragen die Eigenschaften der Mutterpflanze nicht zuverlässig weiter.
- Gartenbohnen und Erbsen befruchten sich überwiegend selbst, Feuerbohnen sind Fremdbefruchter.
- Samenhülsen erntest du trocken und brüchig, bei trockenem Wetter.
- Ins Lager kommen nur Samen, die sich nicht mehr mit dem Fingernagel einritzen lassen.
- Trocken, kühl und dunkel gelagert bleibt Bohnen- und Erbsensaatgut etwa 3 bis 4 Jahre verwendbar.

Du willst im nächsten Mai deine eigenen Stangenbohnen legen, statt wieder Samen zu kaufen? Dann entscheidet sich schon im Sommer, ob das klappt: bei der Wahl der Pflanzen, beim Erntezeitpunkt und bei der Trockenheit der Samen. Ich markiere dafür jedes Jahr einzelne gesunde Pflanzen und lasse ihre Hülsen an der Pflanze ausreifen.
Für Saatgut erntest du anders als für die Küche. Grüne Gemüsebohnen und Gemüseerbsen pflückst du vor der Vollreife, Samen für die nächste Aussaat brauchen dagegen vollreife, trockene Hülsen. Der Ablauf ist bei Bohnen, Erbsen und Puffbohnen ähnlich. Unterschiede gibt es vor allem bei der BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. und bei den Reifezeichen.
Stangenbohnen-Samen gewinnen: der Ablauf Schritt für Schritt
Stangenbohnen sichern ihren FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. durch Selbstbestäubung. Deshalb kannst du bei ihnen gut mit dem eigenen Saatgut anfangen. So gehst du vor:
- Samenfeste Sorte wählen. Samenfeste Sorten geben ihre Sortenmerkmale an die nächste Generation weiter, F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. tun das nicht zuverlässig.
- Samenträger markieren. Such dir gesunde, ertragreiche Pflanzen aus, deren Bohnen dir schmecken, und binde ein Band daran.
- Hülsen hängen lassen. An den markierten Pflanzen bleiben die Hülsen hängen, bis sie vollständig ausgereift, trocken und brüchig sind und rascheln.
- Bei trockenem Wetter ernten. Pflück die reifen Samenhülsen an einem trockenen Tag.
- Nachtrocknen. Leg die Hülsen an einen trockenen, luftigen Ort, bevor du die Samen auslöst.
- Auslösen und verlesen. Öffne die Hülsen und sortiere beschädigte, fleckige und abweichend gefärbte Samen aus.
- Prüfen, beschriften, lagern. Lässt sich kein Samen mehr mit dem Fingernagel einritzen, kommt die Portion mit Sortenname und Erntedatum trocken, kühl und dunkel ins Glas.
Zeigt der Bestand Brennfleckenkrankheit, gewinnst du daraus kein Saatgut. Hinweise darauf können eingesunkene braune Flecken mit rötlichem Sporenschleim sein. Die einzelnen Schritte erkläre ich weiter unten genauer, dort auch für Erbsen, Puffbohnen und Feuerbohnen.
Welche Sorten eignen sich für eigenes Saatgut?
Für eigenes Saatgut brauchst du Sorten, die ihre Merkmale an die nächste Generation weitergeben. Das leisten samenfeste Sorten. Bei F1-Hybriden können die Nachkommen dagegen aufspalten und besitzen die Eigenschaften der Mutterpflanze nicht zuverlässig.
Schau deshalb beim Kauf auf den Hinweis samenfest. Bio-Saatgut ist nicht automatisch samenfest, denn auch im Ökolandbau werden Hybridsorten verwendet.
Auch die Herkunft der ersten Samen zählt. Bei der Zuckererbse Schweizer Riesen etwa können sich Saatgutherkünfte in Wuchs, Reife und Faserigkeit der Hülsen erheblich unterscheiden. Ich notiere mir deshalb, woher meine Ausgangssamen stammen.
„Von F1-Hybriden kann man keine Samen gewinnen.“ Ernten kannst du sie schon. Die Nachkommen tragen aber die Eigenschaften der Mutterpflanze nicht zuverlässig weiter. Für die eigene Saatgutgewinnung wählst du deshalb samenfeste Sorten.
Wie bleiben deine Samen sortenrein?
Ob deine Samen die Sorte treu weitertragen, hängt davon ab, wie die Art befruchtet wird. Die Übersicht zeigt die Unterschiede:
| Art | Befruchtung | Was du für Sortenreinheit tust |
|---|---|---|
| Buschbohne, Stangenbohne | überwiegend Selbstbefruchter, Fremdbestäubung möglich | Samenträger sortentypisch auswählen, abweichend gefärbte Samen aussortieren |
| Erbse | bestäubt sich normalerweise schon vor dem Öffnen der Blüte selbst, Hummeln oder Bienen können fremdbestäuben | 15 m Abstand zwischen Sorten, ohne volle Garantie |
| Feuerbohne | Fremdbefruchter | im Vermehrungsjahr nur eine Sorte anbauen |
| Puffbohne | selbst- und fremdbefruchtend | 150 m Abstand zwischen Sorten, sonst Isolierkäfig |
Bei Erbsen läuft die Selbstbefruchtung schon im Knospenstadium ab. Hummeln oder Bienen können trotzdem fremden Pollen bringen, deshalb hilft Abstand, garantiert Sortenreinheit aber nicht. Puffbohnen befruchten sich selbst und fremd. Für ihre Sorten gilt der größte Abstand in der Tabelle; wo der nicht möglich ist, nimmst du einen Isolierkäfig.
Feuerbohnen wachsen wie Stangenbohnen an einer Kletterhilfe, sind aber Fremdbefruchter. Wenn du Feuerbohnen vermehrst, ziehst du im selben Jahr am besten nur eine Feuerbohnensorte. Wo welche Sorte stehen soll, kannst du vorab mit dem Beetplaner auf deine Beete verteilen.
Welche Pflanzen taugen als Samenträger?
Als Samenträger wählst du gesunde, ertragreiche Pflanzen, deren Ernte dir geschmacklich zusagt. Wuchs und Hülsen sollen außerdem sortentypisch aussehen. Markiere deine Auswahl, damit du sie weiter beobachten und getrennt ernten kannst.
Weil häufiges Pflücken bei Bohnen weitere Blüten fördert, Samenhülsen aber an der Pflanze ausreifen müssen, trennst du beides: Die markierten Pflanzen bleiben für Saatgut stehen, den Rest der Reihe pflückst du weiter durch.
Ich binde an jeden Samenträger ein farbiges Band und trage im Gartenheft ein, welche Sorte in welcher Reihe steht. Beim Durchpflücken lasse ich diese Pflanzen aus und schaue dort nur nach Flecken an Blättern und Hülsen.
Gesundes Saatgut hilft, Krankheiten an HülsenfrüchtenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft. vorzubeugen. Bei der Fettfleckenkrankheit der Bohnen gehört es zu den wichtigen Vorbeugemaßnahmen. Beim Sojabohnenmosaikvirus ist infiziertes Saatgut eine wichtige Infektionsquelle. Gelblich gescheckte, blasig gewölbte Bohnenblätter können auf Viren hinweisen, solche Pflanzen nimmst du nicht als Samenträger.
Blattläuse können Viren auf Erbsen und Puffbohnen übertragen, deshalb kontrollierst du die Samenträger so gründlich wie das übrige Beet. Befallsmerkmale und Vorbeugung findest du im Abschnitt über Krankheiten und Schädlinge an Bohnen und Erbsen. Gieß außerdem an den Wurzelbereich statt über die Blätter, das unterstützt die Krankheitsvorbeugung; mehr dazu steht dort im Abschnitt Gießen.
Woran erkennst du reife Samenhülsen?
Samenhülsen erntest du erst, wenn sie an der Pflanze ausgereift und trocken sind. Nimm dafür einen trockenen Tag. Die Reifezeichen unterscheiden sich je nach Art:
| Art | Reifezeichen für Saatgut |
|---|---|
| Buschbohne, Stangenbohne | Hülsen vollständig ausgereift, trocken, brüchig und raschelnd |
| Feuerbohne | Samen in der trockenen Hülse dick, bauchig und hart |
| Erbse | Hülsen trocken, brüchig und raschelnd |
| Puffbohne | Hülsen dunkelbraun bis schwarz und trocken |
| Linse, Kichererbse, Sojabohne | Hülsen braun, vollständig ausgereift und trocken, sie rascheln beim Schütteln |
| Adzukibohne | Hülsen meist strohfarben, manchmal braun bis schwärzlich |
Bei Linsen, Kichererbsen und Sojabohnen kannst du einzelne reife Hülsen pflücken. Ist die ganze Pflanze erntereif, schneidest du sie ab und lässt sie trocknen.
Bei Zuckererbsen prüfst du die trockenen Hülsen zusätzlich darauf, dass eine Pergamentschicht fehlt, denn Zuckererbsen bilden keine. So siehst du, ob die Pflanze sortentypisch ist. Von der Auswahl der Samenpflanzen bis zur Samenernte begleitet dich die Anleitung zum sortenreinen Vermehren von Zuckererbsen.
Samenhülsen direkt nach einem Regenschauer pflücken. Für Saatgut wartest du auf trockenes Wetter und auf Hülsen, die trocken und brüchig sind.
Wie trocknest und verliest du die Samen?
Nach der Ernte trocknen die Hülsen nach, bevor du die Samen auslöst. Ich lege sie dafür an einen trockenen, luftigen Ort. Erbsenhülsen bleiben vor dem Auslösen 2 bis 3 Wochen trocken liegen.
Beim Auslösen sortiere ich beschädigte, fleckige und abweichend gefärbte Samen aus. Sojabohnen reinigst du möglichst rasch von Pflanzenresten, Beikrautsamen, Erde und Steinen. Zeigen Sojasamen Schrumpfung, Risse oder weißliches Pilzgeflecht, kann Diaporthe-Befall dahinterstecken, und diese Samen kommen nicht ins Saatgut.
Vor dem Einlagern machst du die Fingernagelprobe. Drück den Nagel gegen die Samen: Lassen sie sich nicht mehr einritzen, sind sie trocken genug für die Lagerung. Getrocknete Hülsenfrüchte quellen bei Feuchtigkeit auf und verderben schnell, deshalb kommt nichts Halbtrockenes ins Glas.
Bevor das Glas zugeht:
- Die Samen lassen sich nicht mehr mit dem Fingernagel einritzen.
- Beschädigte, fleckige und abweichend gefärbte Samen sind aussortiert.
- Das Etikett trägt Sortenname und Erntedatum.
- Das Gefäß schließt fest.
Wie bewahrst du Saatgut keimfähig auf?
Jede Portion bekommt ein Etikett mit Sortenname und Erntedatum. Bei Samen ohne bekannten Sortennamen schreibst du eine kurze Pflanzenbeschreibung dazu.
Bis zur Aussaat lagerst du das Saatgut trocken, kühl und dunkel in fest schließenden Gefäßen. So bleibt Bohnen- und Erbsensaatgut etwa 3 bis 4 Jahre verwendbar. Das Erntedatum auf dem Etikett zeigt dir, welche Portionen älter sind, und genau deren KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. prüfst du vor der Aussaat.
Kontrollier die Gläser regelmäßig auf Vorratsschädlinge: Der Speisebohnenkäfer kann sich in gelagerten Bohnensamen vermehren und hinterlässt Fraßgänge, Löcher und Bohrmehl. Geht es dir um Bohnen und Erbsen zum Essen, liest du nach, wie du Hülsenfrüchte als Küchenvorrat erntest, trocknest und lagerst.
Wie prüfst du, ob altes Saatgut noch keimt?
Ob ältere Samen noch keimen, prüfst du mit einer Probeaussaat. Zähl die Samen genau ab und säe sie aus. Bis zur Keimung hältst du die Erde gleichmäßig feucht, ohne dass sich Wasser staut. Nach der Keimdauer der Art zählst du die aufgelaufenen Keimlinge und vergleichst sie mit der ausgesäten Zahl. Das Verhältnis zeigt dir, ob die Portion noch taugt.
| Art | Keimdauer |
|---|---|
| Buschbohne | 7 bis 21 Tage |
| Stangenbohne | 7 bis 20 Tage |
| Feuerbohne | 7 bis 20 Tage |
| Markerbse | 7 bis 14 Tage |
| Zuckererbse | 7 bis 14 Tage |
| Puffbohne | 7 bis 14 Tage |
| Sojabohne | 14 bis 21 Tage |
Gartenbohnen brauchen bei 12 °C etwa 30 Tage bis zur Keimung, bei 20 °C etwa 11 Tage.
Wer die Probe kühl stellt und schon nach der kurzen Keimdauer auszählt, unterschätzt gute Bohnensamen leicht, weil sie bei Kühle deutlich langsamer keimen. Ich stelle meine Keimproben deshalb warm ins Haus und zähle erst, wenn die ganze Keimdauer vorbei ist.
Taugt die Portion, geht es an die Aussaat. Den passenden Termin findest du im Beitrag darüber, wann du welche Hülsenfrucht aussäst. Alle Termine auf einem Blatt hast du mit dem Aussaatkalender für Bohnen, Erbsen und Co. zum Ausdrucken.
Darfst du Samen geschützter Sorten gewinnen?
Das deutsche Sortenschutzgesetz nimmt Handlungen im privaten Bereich vom Sortenschutz aus, solange sie keinen gewerblichen Zwecken dienen. Samen für die eigene Aussaat im Hausgarten zu gewinnen, gehört dazu. Sobald du Saatgut verkaufst oder anders gewerblich nutzt, greift diese Ausnahme nicht mehr. Willst du Samen einer geschützten Sorte über den eigenen Garten hinaus weitergeben, klärst du die Rechtslage vorher.




