Pflanzkartoffeln im Kübel: Mischungen nach Reifezeit und Kochtyp
- Eine Pflanzkartoffel-Mischung vereint mehrere Sorten, etwa Annabelle, Heiderot und Laura.
- Sehr frühe Sorten brauchen rund 100 bis 110 Tage und sind nicht lagerfähig.
- Mittelfrühe Sorten brauchen 130 bis 150 Tage und lassen sich bis ins Frühjahr lagern.
- Setz jede Sorte in einen eigenen Kübel mit Etikett, dann erntest du jede zu ihrer Zeit.
- Festkochende Sorten passen zu Salat, mehligkochende zu Püree, Suppen und Klößen.
- Nimm zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut, gerade bei alten Sorten.

Eine Pflanzkartoffel-Mischung bringt dir mehrere Sorten auf den Balkon, doch sie reifen nicht zur selben Zeit. Steckt eine sehr frühe Sorte mit einer späten im selben Kübel, gräbst du im Juli nach Knollen, während die Nachbarpflanze noch bis in den Herbst wächst. Bevor ich eine Mischung pflanze, schreibe ich mir deshalb zu jeder Sorte zwei Dinge auf: Reifegruppe und Kochtyp. Damit verteile ich die Knollen auf die Kübel und weiß schon beim Pflanzen, was später in den Salat und was ins Püree kommt.
Was steckt in einer Pflanzkartoffel-Mischung?
Eine Pflanzkartoffel-Mischung vereint mehrere Sorten, zum Beispiel die drei Sorten Annabelle, Heiderot und Laura. Annabelle ist festkochend und wird je nach Sortenübersicht als sehr früh oder früh eingeordnet. Laura ist vorwiegend festkochend und hat eine rote Schale mit tiefgelbem Fleisch. Bei Heiderot lese ich die Sortenbeschreibung nach, bevor ich ihr einen Kübel zuteile, denn ohne Reifegruppe und Kochtyp kann ich eine Sorte nicht einordnen.
Pflanzkartoffeln sind Knollen, keine Samen: Im Garten vermehrst du Kartoffeln über Pflanzknollen. Nimm zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut, weil du damit im Reklamationsfall Rechtsansprüche gegenüber dem Lieferanten hast. Vorkeimen an einem hellen, frostfreien Ort ist optional und lässt das Wachstum früher beginnen. Wie du Knollen auswählst und vorkeimst, steht im Abschnitt über Pflanzgut und Vorkeimen in unserem Kartoffel-Ratgeber.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Wie kombiniere ich frühe und späte Sorten?
Die Reifegruppe sagt dir, wie lange eine Sorte bis zur Ernte braucht und ob sich ihre Knollen lagern lassen. Die Übersicht zeigt die vier Gruppen mit Sorten, die sich ihnen zuordnen lassen.
| Reifegruppe | Tage bis zur Ernte | Ernte und Lagerung | Sortenbeispiele |
|---|---|---|---|
| sehr früh | rund 100 bis 110 | Ernte im Juli, nicht lagerfähig | Glorietta |
| früh | 110 bis 130 | lagerfähig bis in den Herbst | Sieglinde, Belana, Gunda |
| mittelfrüh | 130 bis 150 | lagerfähig bis ins Frühjahr | Adretta, Agria, Freya, Vitelotte, Blauer Schwede |
| spät | 150 bis 170 | Ernte im September oder Oktober | Cara |
Die Tage sind Richtwerte, denn Witterung, Boden und Nährstoffversorgung verschieben die Kulturdauer. Auch die Einordnung einzelner Sorten unterscheidet sich zwischen den Übersichten, wie bei Annabelle. Kombinierst du eine sehr frühe mit einer mittelfrühen Sorte, ergänzen sich beide. Die frühe liefert im Juli Knollen für den sofortigen Verbrauch, die mittelfrühe einen Vorrat, der bis ins Frühjahr halten kann.
Gehören alle Sorten in einen Kübel?
Ich teile jede Mischung auf: eine Sorte je Kübel, dazu ein Etikett mit Sortenname und Reifegruppe. Neue Knollen entstehen an den Enden unterirdischer Seitentriebe, der Stolonen, und sie wachsen weiter, solange das Kraut grün ist. Wer im Juli eine sehr frühe Sorte aus einem gemeinsamen Kübel holt, gräbt also dort, wo eine späte Sorte noch Knollen bildet. Getrennte Kübel ersparen dir das, denn den frühen leerst du im Sommer und den späten erst im Herbst.
Aus dem Feldanbau gibt es einen weiteren Befund zu Sortenmischungen. In einem Versuch mit unterschiedlich krautfäuleanfälligen Sorten senkte reihenweise abwechselnder Anbau den Befall stärker als eine vollständige Durchmischung. Ob sich das auf Kübel übertragen lässt, zeigt der Versuch nicht.
Die Kübel bleiben ohne Etikett. Bei der Ernte weißt du dann nicht mehr sicher, welche Knollen festkochend und welche mehligkochend sind.
Welche Kochtypen gehören in die Mischung?
Kartoffeln werden nach ihrem Stärkegehalt in drei Kochtypen eingeteilt. Mehligkochende Sorten haben den höchsten Stärkegehalt und zerfallen beim Kochen leichter, festkochende bleiben formstabil.
| Kochtyp | Stärke, grober Richtwert | In der Küche | Sortenbeispiele |
|---|---|---|---|
| festkochend | niedriger | Kartoffelsalat, Gratin, Bratkartoffeln | Annabelle, Belana, Linda, Bellinda, Bamberger Hörnchen |
| vorwiegend festkochend | etwa 13 bis 15 % | Aufläufe, Eintöpfe, Salz- und Pellkartoffeln | Laura, Concordia, Gala, Marabel, Cara, Bellarosa |
| mehligkochend | höher | Püree, Suppen, Klöße | Adretta, Afra, Freya, Gunda, Melody |
Die Stärkewerte schwanken, weil Kartoffeln ein Naturprodukt sind. Auch die Koch- und Speiseeigenschaften einer Sorte können sich von Jahr zu Jahr ändern, je nach Boden, Witterung, Düngung und Bewässerung. Bei zwei Sorten gehen die Angaben ohnehin auseinander: Für Agria reichen sie von vorwiegend festkochend bis vorwiegend mehligkochend, beim Blauen Schweden von festkochend bis mehligkochend.
Für meine Kübel wähle ich die Kochtypen nach dem, was ich koche: eine festkochende Sorte für Salat und Bratkartoffeln, eine mehligkochende für Püree und Klöße.
Von Sorten mit schwankendem Kochtyp koche ich nach der ersten Ernte eine Knolle als Pellkartoffel zur Probe. Erst danach entscheide ich, ob die Sorte in den Salat oder ins Püree kommt.
Lohnen sich rote und blaue Sorten?
Für Farbe in der Mischung ja, nur beim Ertrag musst du bei manchen Sorten Abstriche machen. Zwei farbige Sorten werden ausdrücklich für den Kartoffeleimer genannt. Vitelotte ist eine alte, mittelfrühe Sorte mit blauviolettem Fleisch, die mehligkochend und trotzdem schnittfest ist. Die Erträge von Vitelotte sind allerdings eher gering. Highland Burgundy Red ist mittelspät und mehligkochend, ihr rotes Fleisch hat einen weißen Außenring.
Der Blaue Schwede ist mittelfrüh und hat blaues bis violettes Fleisch. Eine längliche Form hat das Bamberger Hörnchen, eine festkochende Landsorte, die je nach Übersicht als mittelfrüh bis spät gilt.
Bei alten Sorten wie Vitelotte kommt ein Punkt hinzu: Alte Sorten können gegenüber neuen Virusstämmen anfällig sein. Gerade bei ihnen achte ich deshalb auf zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut, auch wenn das an der Anfälligkeit der Sorte selbst nichts ändert. Für Vitelotte, Highland Burgundy Red und andere mehligkochende Sorten lies nach, wie du mehligkochende Kartoffeln im Kübel ziehst.
Welche Sorten vertragen Trockenheit und lagern gut?
Wie oft ein Kübel Wasser braucht, hängt neben Witterung, SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. und Standort auch von der Sorte ab. Sieglinde braucht eine gleichmäßige Wasserversorgung. Adretta beschreibt ihr Züchter dagegen als trockentolerant, und die vorwiegend festkochende Bellarosa gilt ebenfalls als trockenheitstolerant. Ein größeres Gefäß speichert mehr Wasser und kann die nötigen Gießabstände verlängern, deshalb bekommt Sieglinde bei mir den größten Kübel.
Für den Vorrat zählt, wie stark eine Sorte zum Keimen neigt, denn Sorten mit geringer Keimfreudigkeit eignen sich als Lagerkartoffeln. Adretta verbindet eine niedrige Keimfreudigkeit mit einer sehr langen Keimruhe und gilt als gut lagerfähig. Auch Freya ist gut lagerfähig. Annabelle dagegen hat eine geringe Keimruhe und treibt früh aus, deshalb braucht sie ein kühles Lager. Bei Melody, einer mehligkochenden Sorte mit hoher Keimruhe, brauchst du für einen zügigen Wachstumsstart mindestens eine Keimstimulierung.
Gegen KrautfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. kann die Sortenwahl zur Vorbeugung beitragen. Im Ökoanbau achtet man dafür auf Krautfäuletoleranz, frühen Knollenansatz und geringen Stickstoffbedarf. Alanis etwa ist eine mittelspäte Sorte mit geringer Krautfäuleanfälligkeit. Agria dagegen gilt als mittel bis hoch anfällig für Kartoffelschorf.
So stelle ich eine Mischung für den Balkon zusammen.
- eine sehr frühe Sorte für frische Knollen im Juli
- eine mittelfrühe, gut lagerfähige Sorte für den Vorrat
- eine festkochende Sorte für Salat und eine mehligkochende für Püree
- bei Sorten mit schwankendem Kochtyp eine Kochprobe einplanen
- bei alten Sorten zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut
- je Sorte ein eigener Kübel mit Etikett
Kübel, Termin, Ernte, Lager: die Grundlagen in Kürze
Ausführlich stehen diese Themen im Kartoffel-Ratgeber, jeweils in einem eigenen Abschnitt. Hier nur das, was du für eine Mischung im Kübel brauchst.
Kübel: Beim Gefäß gilt: je größer, desto besser, und Löcher im Boden lassen überschüssiges Wasser ablaufen. Ab etwa 10 Litern Erde kannst du bereits mehrere Knollen setzen. Drei bis vier Stück haben in dieser Größe Platz. In einem eigenen Ratgeber liest du, wie du Kartoffeln im Kübel Schritt für Schritt anbaust.
Pflanztermin: Im deutschen FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. gilt Mitte bis Ende April als Faustregel, weil spätere Fröste dann nur noch das Laub schädigen und nicht die Knolle. Für ein zügiges, lückenloses AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. gilt eine Bodentemperatur von rund 8 Grad als Richtwert. Die Pflanzzeit kannst du im Kartoffel-Kalender zum Ausdrucken nachschlagen.
Gießen: Am empfindlichsten reagiert die Kartoffel auf Trockenheit zwischen Knollenansatz und Blüte, weil Wassermangel dann die Zahl der angelegten Knollen senkt. In dieser Phase fühle ich im Kübel mit dem Finger nach, ob die Erde noch feucht ist.
Krankheiten: Graugrüne bis braune Flecken an Blättern und Stängeln können bei feuchter Witterung auf Krautfäule hindeuten. Tomaten, Paprika und Auberginen gelten als unverträgliche Nachbarn, weil sie als NachtschattengewächseNachtschattengewächse sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen gehören. Weil sie für dieselben Krankheiten anfällig sind, sollen sie nicht direkt nacheinander auf demselben Beet stehen. Krankheiten wie die Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen. mit der Kartoffel teilen. Im Mischkultur-Planer siehst du, welche Nachbarn zu Kartoffeln passen.
Ernte: Frühkartoffeln kannst du bei noch grünem Laub portionsweise ernten, unreif geerntet halten sie aber höchstens eine Woche. Lagerkartoffeln holst du als Faustregel 2 bis 3 Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts aus dem Kübel. Reif ist die Schale, wenn sie sich nicht mehr leicht mit dem Daumen abreiben lässt.
Lagerung: Kartoffeln lagern dunkel und kühl bei 4 bis 6 Grad. Oberhalb von 8 Grad beginnen sie zu keimen, und Licht lässt sie ergrünen. Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht, Keime und grüne Stellen schneidest du großzügig weg.




