Kresse ausgewachsen vs. Keimsprossen: Schale oder Beet im Vergleich
- Kresse-Keimsprossen ziehst du ganzjährig im Haus auf feuchtem Küchenkrepp oder Watte, ausgewachsene Kresse säst du von April bis September in Erde.
- Für die Keimlingsernte nennen Hersteller je nach Produkt und Anzuchtsystem 3 bis 10 Tage.
- Ausgewachsene Gartenkresse wird 10 bis 40 cm hoch, ist einjährig und nicht winterhart.
- Beide Stadien schmecken scharf-würzig; die Nährstofftabellen für rohe Gartenkresse nennen kein Entwicklungsstadium.
- Sprossen sollten nur vollständig durcherhitzt gegessen werden, eine verschimmelte Anzucht entsorgst du vollständig.

Du hältst eine Tüte Kressesamen in der Hand und hast zwei Möglichkeiten: die Schale auf der Fensterbank oder die Reihe im Beet. Aus derselben Saat entstehen zwei Kulturen, die sich bei Unterlage, Zeit, Pflege und Platz unterscheiden. Wer das vor der Aussaat weiß, wählt die passende Unterlage und plant die Ernte richtig ein. Ich ziehe beide Formen und entscheide nach Jahreszeit und Platz, welche gerade dran ist.
Keimsprosse oder ausgewachsen: was erntest du jeweils?
Mit Kresse-Keimsprossen sind die jungen Keimlinge der Gartenkresse gemeint, die in einer Schale wachsen und über der Wurzel abgeschnitten werden. Genau genommen ist das eine Grünsprosse, denn bei Keimsprossen im engen Sinn isst du den ganzen Keimling mit Saatkorn und Wurzel. Die Begriffe sortiert der Überblick, was Keimsprossen, Grünsprossen und Microgreens unterscheidet.
Ausgewachsene Kresse ist dieselbe Art, nur in Erde gesät und länger stehen gelassen. Du erntest dann nicht mehr Stängel mit KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen., sondern die Blätter einer älteren Pflanze.
Gemeint ist in diesem Vergleich immer die Gartenkresse (Lepidium sativum). Brunnenkresse und Kapuzinerkresse gehören zu anderen Gattungen, Kapuzinerkresse zählt nicht einmal zu den KreuzblütlernKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen.. Welche Saat sich für essbare Keimlinge eignet, steht im selben Überblick unter Saatgut und Artenwahl.
Die Unterschiede auf einen Blick
| Merkmal | Kresse-Keimsprossen | Ausgewachsene Kresse |
|---|---|---|
| Unterlage | feuchtes Küchenkrepp oder Watte | Erde, gleichmäßig feucht |
| Ort | im Haus an einem hellen Platz ohne direkte Sonne | FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle., Gewächshaus oder Topf, sonnig bis halbschattig |
| Saison | ganzjährig | Aussaat von April bis September |
| Saat | aufstreuen, gut die Hälfte der Unterlage bleibt sichtbar | 0 bis 0,5 cm tief, Kresse ist LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte. |
| Wasser | 2-mal täglich befeuchten, Wasser sofort abgießen | Boden gleichmäßig feucht halten |
| Düngung | keine, die Nährstoffe im Samen reichen | keine zusätzliche bei kurzer Kultur zur jungen Ernte |
| Zeit bis zur Ernte | Herstellerangaben: je nach Produkt und Anzuchtsystem 3 bis 10 Tage | je nach Stadium innerhalb der Kulturdauer von 4 bis 30 Tagen |
| Ernte | ein Schnitt über der Wurzel, danach neu säen | RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen., danach kann die Pflanze in der Beetkultur erneut austreiben |
| Was du isst | Stängel und Keimblätter | Blätter der älteren Pflanze |
| Platz | eine flache Schale | dichte Saat: in der Reihe 0 bis 2 cm, Reihenabstand 0 bis 2 cm |
Wie unterscheidet sich der Anbau?
Keimsprossen in der Schale
Für die Schale brauchst du weder Erde noch Dünger. Ich lege Küchenkrepp in 2 Lagen in eine flache Schale und feuchte es an. Dann streue ich die Samen so, dass gut die Hälfte der Unterlage sichtbar bleibt. Einweichen musst du Kresse vorher nicht.
Ein Sprossenglas passt schlechter zu Kresse, weil ihre Samen Schleim bilden und auf einer feuchten Unterlage besser stehen. Die Schale kommt an einen hellen Platz ohne direkte Sonne. Hersteller nennen für die Keimlingsanzucht je nach Produkt 15 bis 22 °C.
Das Krepp befeuchtest du 2-mal täglich. Ich nehme dafür etwa 0,5 Tassen Wasser und gieße es sofort wieder ab, denn die Samen sollen feucht stehen, nicht nass. Jeden Handgriff von Material bis Pflege zeigt die Anleitung, wie du Kresse-Keimsprossen zuhause anbaust.
Ausgewachsene Kresse im Beet oder Topf
Ausgewachsene Kresse säst du von April bis September in Erde. Die Samen liegen 0 bis 0,5 cm tief, denn Kresse ist ein Lichtkeimer. Nach 2 bis 5 Tagen keimt die Saat.
Der Standort darf sonnig oder halbschattig sein. Im Sommer wirkt etwas Schatten dem vorzeitigen SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. entgegen, deshalb säe ich die Sommerreihe an die schattigere Seite des Beets. Beim Boden ist Kresse anpassungsfähig: Für ausgewachsene Pflanzen eignen sich viele Böden, und gleichmäßige Bodenfeuchte begünstigt das Wachstum. Düngen musst du für die kurze Kultur zur jungen Ernte nicht, das gilt für die Beetreihe wie für die Schale.
Kresse ausgewachsen: wie groß wird sie und wie lange lebt sie?
Lässt du Gartenkresse in Erde stehen, wächst sie weit über das Keimlingsstadium hinaus.
Ausgewachsene Gartenkresse wird 10 bis 40 cm hoch und 5 bis 15 cm breit. Die Blütezeit liegt im Juni und Juli.
Kresse ist einjährigEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. und nicht winterhart, jede Saison beginnt deshalb mit einer neuen Aussaat. Geerntet wird im Garten von Mai bis September.
Auf Watte oder Küchenpapier reichen die Nährstoffe im Samen für die kurze Anzucht, während die Kultur ausgewachsener Pflanzen auf gleichmäßig feuchten Boden setzt. Willst du Kresse über das Keimlingsstadium hinaus ziehen, säst du deshalb von Anfang an in Erde.
Zeit und Aufwand: neu säen oder nachwachsen lassen?
Bei der Zeit liegt die Schale vorn. Hersteller nennen für die Keimlingsernte je nach Produkt und Anzuchtsystem 3 bis 10 Tage. Auf Watte oder Küchenkrepp schneidest du Grünsprossen nach etwa 7 bis 10 Tagen über der Wurzel ab. Für Kresse insgesamt liegt die Kulturdauer bei 4 bis 30 Tagen, und das Stadium, das du ernten willst, bestimmt deinen Platz in dieser Spanne.
Beim Aufwand zählt, wie oft du säst und gießt. In der Schale befeuchtest du das Krepp 2-mal täglich, im Beet achtest du auf gleichmäßig feuchten Boden. Geschnitten wird in der Schale über der Wurzel, und für regelmäßige Ernten säst du in kurzen Abständen neu. Im Beet kann Gartenkresse in der Kräuter-Beetkultur nach einem Rückschnitt erneut austreiben. Die Schale bedeutet also viele kleine Aussaaten, während eine Beetreihe mehr als einen Schnitt liefern kann. Der Pflegeaufwand gilt bei Kresse insgesamt als leicht.
Für eine fortlaufende Jungblattkultur im Freiland wird alle drei Wochen direkt gesät, vom zeitigen Frühjahr bis in den frühen Herbst. Diese Angabe stammt aus britischem Anbaukontext. Zum Planen der Folgesaaten gibt es den Aussaatkalender für Keimsprossen und Microgreens zum Ausdrucken.
Ich lasse beide Kulturen nebeneinander laufen. Die nächste Schale setze ich an, sobald die vorige geschnitten ist, und die Beetreihe säe ich im Frühjahr dorthin, wo im Sommer Schatten fällt.
Geschnitten wird in beiden Fällen mit einer sauberen Schere, und ich schneide nur, was ich direkt verbrauche. Für abgeschnittene Kresse gibt es keine pauschal sichere Lagerdauer; die etwa 3 bis 4 Tage im Kühlschrank gelten für gekaufte Kresse im Karton mit Nährboden. Wann der Schnitt bei Keimsprossen passt und was beim Aufbewahren zählt, steht im Ratgeber, wie du Kresse-Keimsprossen erntest und aufbewahrst. Die allgemeinen Kühlregeln für Sprossen stehen im Überblick zu Keimsprossen und Microgreens unter Lagern.
Wie viel Platz brauchen Schale und Beetreihe?
Die Schale braucht eine helle Stellfläche im Haus und funktioniert das ganze Jahr. Steht sie auf einer Fensterbank über dem Heizkörper, schau genauer auf die Feuchte. Trockene, warme Heizungsluft unter der Fensterbank kann die Wasserverluste der Pflanzen erhöhen.
Ausgewachsene Kresse wächst im Freiland, im Gewächshaus oder im Topf. Gesät wird dicht: In der Reihe und zwischen den Reihen bleiben jeweils 0 bis 2 cm. Mit diesen Abständen braucht eine Kressereihe wenig Fläche, nach oben aber mehr Raum als die Keimlinge in der Schale. Neben welchen Kulturen sie stehen kann, schlägst du bei den passenden Beetnachbarn in der Mischkultur nach.
Nährstoffe: was sagen die Tabellenwerte?
Für rohe Gartenkresse gibt es Nährwerte je 100 g essbarem Anteil. Das Entwicklungsstadium ist bei diesen Werten nicht angegeben.
| Nährwert | Rohe Gartenkresse je 100 g essbarem Anteil |
|---|---|
| Energie | 31 bis 33 kcal |
| Protein | 4,2 g |
| Ballaststoffe | 3,5 bis 3,52 g |
| Vitamin C | 59 mg |
| Calcium | 166 bis 214 mg |
| Eisen | 2,9 bis 3,298 mg |
Die Spannen entstehen, weil sich die Nährstofftabellen unterscheiden. Ob eine Probe aus der Schale oder aus dem Beet stammt, geht aus den Zahlen nicht hervor. Dazu kommt, dass der Mineralstoffgehalt von Sprossen und Keimlingen je nach Produktionsverfahren stark variieren kann. Eine Rangfolge nach dem Muster, die Keimsprosse habe mehr Vitamin C und die ausgewachsene Kresse mehr Eisen, lässt sich deshalb nicht aufstellen.
Beschreiben lässt sich der Vorgang: Während der Keimung bildet der Keimling Nährstoffe neu, baut andere Stoffe um oder ab und lebt zunächst vom Vorrat im Samen. Kresse bleibt in beiden Stadien ein Lebensmittel und keine Medizin, die Zahlen sind kein Gesundheitsversprechen. Wie du Nährwerte von Sprossen einordnest, steht im Überblick zu Keimsprossen und Microgreens unter Küche und Nährwerte.
Schmecken Keimsprossen anders als ausgewachsene Kresse?
Kresse schmeckt scharf-würzig und leicht pfeffrig, und das gilt schon für die Keimlinge. Die Einteilung in milde Keimsprossen und scharfe ausgewachsene Kresse trifft es deshalb nicht. Der Unterschied liegt in dem, was du isst: Stängel mit Keimblättern aus der Schale, Blätter der älteren Pflanze aus dem Beet.
Ausgewachsene Kresse aus dem Beet ist Küchenkraut und Salatzutat, außerdem lässt sich Kresse zu Kressesuppe verarbeiten. Was du aus beiden Stadien machen kannst, zeigt der Ratgeber, wie du Kresse in der Küche verwendest. Konkrete Gerichte findest du bei den Rezepten mit Kresse.
Sicherheit und Schimmel: was gilt für die Schale zusätzlich?
Für Sprossen gilt eine eigene Regel: Zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen isst du sie nur vollständig durcherhitzt, auch wenn du sie selbst gezogen hast. Gründliches Waschen kann die Keimbelastung verringern, verlass dich aber nicht darauf, dass es Krankheitserreger vollständig entfernt. Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen und Menschen mit geschwächter Immunabwehr sollten auf frische rohe Sprossen und Keimlinge verzichten. Die Regeln im Einzelnen stehen im Überblick zu Keimsprossen und Microgreens unter Hygiene und Sicherheit.
Zeigt eine Kresseanzucht Schimmel, ist sie nicht mehr zum Verzehr geeignet und wird vollständig entsorgt. Feine, flaumartige Wurzelfasern an Keimlingen können allerdings mit Schimmel verwechselt werden. Mehr zu Schimmel und Nässe steht im selben Überblick unter Anbauprobleme.
Welche Kresse passt zu deinem Platz?
Im Haus wächst Kresse ganzjährig, im Beet säst du von April bis September, und winterhart ist sie nicht. Außerhalb der Saison bleibt dir also die Schale, während das Beet im Sommer die größere Pflanze liefert.
Schale, wenn du im Haus einen hellen Platz hast und 2-mal täglich befeuchten kannst. Beet oder Topf, wenn du zwischen April und September säen kannst und den Boden gleichmäßig feucht hältst. Beides, wenn du im Sommer Blätter aus dem Beet und im Winter Keimlinge aus der Schale willst.
Die Schale kommt ohne Erde und Dünger aus, sauberes Wasser und ein geeignetes Gefäß genügen. Was der Eigenanbau ökologisch und wirtschaftlich bringt, ordnet der Ratgeber ein, wie du Kresse-Keimsprossen ressourcenschonend selbst anbaust. Den größeren Rahmen findest du im Überblick zu Keimsprossen und Microgreens unter Eigenanbau, Kosten und Nachhaltigkeit.
Steht die Wahl nicht zwischen zwei Stadien, sondern zwischen Arten, hilft dir der Vergleich von Kresse mit Alfalfa-, Mungbohnen-, Radieschen- und Brokkolisprossen weiter.





