Dill kreativ in der Küche: Pesto, Drinks und Desserts jenseits der Gurke
- Dillblätter werden jung geerntet und sofort verarbeitet; frische Spitzen kommen erst zum Schluss ans Gericht.
- Dillpesto und Dillöl nicht auf Vorrat ansetzen: sofort in den Kühlschrank, Kräuteröl spätestens am Tag nach der Herstellung verbrauchen.
- Getrocknet verlieren Dillblätter ihr Aroma – einfrieren (bis zu einem Jahr) oder in Essig einlegen.
- Gewürzgurken, Gravad Lax und Dillkartoffeln stehen im Schwester-Artikel; hier geht es um Pesto, Drinks, Desserts und Herzhaftes jenseits von Fisch.

Der Gurkensalat steht schon auf dem Tisch, der Fisch ist gewürzt – und im Kühlschrank liegt immer noch ein halber Bund Dill. Ich zupfe Dill inzwischen genauso selbstverständlich über den Nachtisch wie über die Kartoffeln. Dieser Artikel zeigt dir, was mit dem Kraut außerhalb der Klassiker geht: Pesto, Drinks, Desserts, Dips und Fleisch. Die Klassiker selbst reißen wir nur kurz an.
Blatt, Samen, Timing: was Dill in der Küche verlangt
Dill (Anethum graveolens) liefert zwei Zutaten. Die federfeinen Blätter schmecken mild, frisch und leicht anisartig. Sie werden jung geerntet und sofort verarbeitet – liegen sie lange herum, welken sie. Frische Spitzen kommen deshalb erst zum Schluss ans Gericht, roh über den Teller oder in kalte Speisen gerührt.
Die Samen sind die zweite Zutat. Sie schmecken deutlich würziger und vertragen Hitze, deshalb passen sie in Brotteig, Marinaden und Sud. Geerntet werden sie, sobald sie braun sind. Wer im Herbst ein paar Dolden stehen lässt, bekommt im nächsten Jahr SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat..
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Bodenart
Lehmige, sandige oder humusreiche Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Leicht saure Böden werden bevorzugt; auch neutrale Böden sind geeignet.
- Substrat
Der Boden sollte gut durchlässig sein; gleichmäßig mit Wasser versorgen und Vernässung vermeiden.
- Anbauort
Die Kultur ist im Freiland oder Beet und im Topf möglich.
Pflege
- Pflege
Der Pflegeaufwand ist mittel.
- Düngung
Den Düngebedarf vor der Kultur durch eine Bodenuntersuchung bestimmen. Nach bedarfsgerechter Bodenvorbereitung ist keine zusätzliche Nährstoffgabe erforderlich.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist einjährig.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich als Würzkraut.
Die Klassiker nur im Anriss
Gewürzgurken, Gravad Lax, Dillkartoffeln, Gurkensalat mit Sauerrahm, Soljanka und Borschtsch: Die nordische und osteuropäische Küche nutzt Dill großzügig, und diese Rezepte tragen den Klassiker-Ruf des Krauts. Sie stehen ausführlich im Schwester-Artikel, der dir zeigt, wie du Dill klassisch in Gewürzgurken, Gravad Lax und Dillkartoffeln einsetzt. Hier geht es um alles, was danach kommt.
Dillpesto: grün, frisch und nur für heute
Dillpesto funktioniert wie Basilikumpesto, schmeckt aber heller und frischer. Du brauchst Dillspitzen ohne dicke Stiele, Nüsse oder Kerne, einen Hartkäse, Knoblauch, Öl und etwas Zitronenabrieb. Alles mixen, bis eine grobe oder cremige Paste entsteht – wie du sie magst. Wer Dill pur zu dominant findet, mischt Petersilie unter. Walnüsse machen das Pesto erdiger, Sonnenblumenkerne neutraler; für eine vegane Version ersetzen Hefeflocken den Käse.
Das Pesto passt zu Pasta, Pellkartoffeln, Brot, Rührei, gegrilltem Gemüse und natürlich zu Fisch. Ich setze Dillpesto nur in der Menge an, die am selben Tag auf den Tisch kommt, und stelle den Rest sofort in den Kühlschrank.
In selbst angesetztem Pesto und Kräuteröl können sich unter Luftabschluss Botulinumtoxine bilden; nichtgesäuerte Pesto-Zubereitungen gelten als mögliche Risikoprodukte. Produziere deshalb nichts davon auf Vorrat, lagere Pesto bei höchstens 6 °C im Kühlschrank, stelle auch selbst angesetztes Kräuteröl in den Kühlschrank und verbrauche es spätestens am Tag nach der Herstellung.
Dill im Glas: Smoothies, Wasser, Drinks
Dill und Gurke passen auch im Mixer zusammen. Ein grüner Smoothie aus Gurke, Apfel, Spinat und ein paar Dillspitzen schmeckt frisch und nicht nach Salat. Für ein Sommerwasser legst du Gurkenscheiben und Dillzweige in eine Karaffe mit kaltem Wasser und lässt sie im Kühlschrank ziehen.
Bei Drinks ersetzt Dill die übliche Gurkenscheibe im Gin Tonic oder ergänzt sie. Ich gebe den Dillzweig ins Glas, bevor das Tonic darüberläuft, und lasse ihn beim Trinken stehen. Auch eine hausgemachte Zitronenlimonade nimmt ein paar Dillspitzen gut an. Wichtig ist, den Dill frisch zu verwenden und nicht im Getränk zu erhitzen.
Dill im Dessert: süß trifft würzig
Die anisartige Note von Dill verträgt sich mit Zitrone, Erdbeere, Gurke und Honig. Zitronensorbet mit fein gehacktem Dill ist der einfachste Einstieg. Ein Erdbeer-Kompott, das kurz vor dem Servieren Dill bekommt, passt zu Panna Cotta oder Joghurt. Naturjoghurt mit Honig und Dillspitzen ist der unkomplizierteste Nachtisch dieser Liste.
Ich probiere Dill in Süßem zuerst an einer einzelnen Portion, bevor der ganze Nachtisch damit gewürzt wird. Der Verwandte Fenchel geht denselben Weg von der Vorspeise bis zur Nachspeise – wenn dir die Anis-Richtung schmeckt, lies, welche Fenchelrezepte von der Vorspeise bis zum Dessert reichen.
Herzhaft jenseits von Fisch
Dill in der Frikadellenmasse, Dill in der Steakmarinade, Dill über Lammhack: Fleisch nimmt das Kraut gut an, solange die Blätter roh oder erst am Ende dazukommen. Bei Gemüse funktioniert ein frisch angerührtes Dillöl über Grillgemüse, Ofenmöhren oder Röstkartoffeln – wie beim Pesto gilt: kühl stellen, am Folgetag verbraucht. Dill hebt Hummus, Linsenaufstrich und veganen Kartoffelsalat aus der Routine.
Bei Dips und Saucen ist Dill zu Hause: Mayonnaise mit Dill für Pommes, Joghurt-Dill-Dip für Rohkost, kalte Gurken-Dill-Suppe an heißen Tagen. Dill in Essig eingelegt ergibt eine würzige Basis für Dressings; angebrochene Gläser mit in Essig Eingelegtem gehören in den Kühlschrank und werden innerhalb weniger Tage verbraucht.
Die Frankfurter Grüne Soße ist seit 2016 EU-weit als geschützte geografische Angabe geschützt und besteht aus sieben Kräutern: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Dill gehört nicht dazu. Wer ihn trotzdem in eine grüne Kräutersoße gibt, kocht eine eigene Variante – lecker, aber keine Frankfurter.
Vorrat für die kreative Küche: einfrieren statt trocknen
Getrocknet verlieren Dillblätter ihr Aroma. Zum Konservieren wird Dill deshalb eingefroren oder in Essig eingelegt. Eingefroren ist Dill fein geschnitten oder als Eiswürfel mit wenig Wasser gut aufgehoben, und eingefrorene Kräuter halten sich bis zu einem Jahr. Ich hacke Dill gleich nach der Ernte fein und friere ihn mit wenig Wasser in Eiswürfelformen ein.
Dill-Eiswürfel sind die schnellste Basis für spontane Ideen: ein Würfel in den Smoothie, einer auf die heißen Kartoffeln, einer in die Suppe zum Schluss. Im Froster verlieren die Würfel weder Farbe noch Form, und du nimmst genau eine Portion.
Dill wird von Mai bis Oktober geerntet; wer bis August alle 3 Wochen nachsät, erntet bis in den Herbst. Wie du die Blätter schneidest und was mit Dolden und Samen passiert, zeigt der Artikel darüber, wie du Dill erntest und aufbewahrst, damit Aroma und Frische bleiben.
Dill aus dem eigenen Beet: die Grundlagen stehen im Hub
Wer Dill so vielseitig nutzt, braucht Nachschub. Dill ist einjährigEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten., läuft in einer Saison von der Aussaat bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. und wird jedes Jahr neu gesät. Im Beet passt er gut zu Gurken, Melonen, Mangold, Roter Bete und Bohnen; mit Kerbel, Koriander und Petersilie steht er dagegen als schwieriger Nachbar. Alles zu Standort, Aussaat, Pflege und Konservieren von Küchenkräutern findest du in den Grundlagen zu Anbau, Ernte und Konservierung von Küchenkräutern.





