Häufige Krankheiten und Schädlinge bei Kräutern: erkennen, vorbeugen, richtig reagieren
- Verfärbungen, Beläge und Gespinste sind Hinweise, keine Diagnose – erst die Blattunterseite und der Boden zeigen, ob Pilz, Schädling oder Pflegefehler dahinterstecken.
- Vorbeugen heißt: passender Standort, Kompost zum Start statt Stickstoffgaben, Blattkräuter morgens an den Fuß gießen, mediterrane Arten erst nach dem Abtrocknen.
- Echter Mehltau zeigt sich als weißer, abwischbarer Belag oben, Falscher Mehltau als gelbe Flecken oben und grauer Belag unten.
- Spinnmilben-Weibchen sind bis 0,6 mm klein und sitzen in Gespinsten blattunterseits; Thripse sind 1 bis 2 mm lang und hinterlassen silbrig glänzende Saugschäden.
- Rückschnitt, Nützlinge fördern und Anbaupausen einhalten kommen vor jedem Spritzmittel – Chemie bleibt das letzte Mittel im Sicherheitsrahmen.

Ein gesundes Kräuterbeet riecht schon beim Vorbeigehen. Wenn stattdessen Blätter gelb werden, ein weißer Belag auf dem Salbei liegt oder das Basilikum trotz feuchter Erde schlappt, willst du wissen: Pilz, Schädling oder Pflegefehler? Diese Frage klärt der Artikel – und zwar so, dass du reagieren kannst, bevor eine ganze Pflanze weg ist. Wenn ich gieße, drehe ich bei jeder zweiten Pflanze ein Blatt um, denn fast alles, was Kräutern schadet, sitzt zuerst unten.
Woran du merkst, dass etwas nicht stimmt
Kräuter melden Probleme zuerst über das Blatt. Ein Symptom allein ist dabei nie eine Diagnose, sondern ein Hinweis, den du prüfst:
- Beläge (weiß, grau, pelzig) deuten auf Pilze hin.
- Sprenkel, silbrige Flächen, gekräuselte Triebspitzen oder klebrige Blätter können auf saugende Schädlinge hindeuten.
- Fraßränder und Schleimspuren sprechen für Schnecken.
- Gelbe oder blasse Blätter ohne Belag und ohne Tiere können auf Wasser-, Licht- oder Nährstoffprobleme hindeuten – also auf Umweltstress, nicht auf einen Erreger.
- Welke trotz feuchter Erde kann auf Wurzelfäule hindeuten.
Schau bei jedem Verdacht auf die Blattunterseite, in die Triebspitze und in die Erde. Erst wenn du weißt, welche Gruppe du vor dir hast, passt die Maßnahme. Die Grundlagen zu Standort, Gießen und Düngen trägt der Hub-Artikel – hier geht es um das, was schiefgeht.
Vorbeugen: die vier Stellen, an denen Probleme entstehen
Standort und Abstand
Die meisten Kräuter wollen einen sonnigen bis halbschattigen Platz, die mediterranen Arten die volle Sonne. Ebenso wichtig ist Luft zwischen den Pflanzen: Wo Blätter dicht an dicht stehen, trocknen sie langsamer ab, und Pilze finden ihre Feuchtigkeit. Halte deshalb die Abstände ein, die für jede Art als System aus Abstand in der Reihe und Reihenabstand gelten – Basilikum steht etwa mit 10 cm in der Reihe und 20 cm Reihenabstand, Salbei mit 35 cm in der Reihe und 40 cm Reihenabstand. Wie du das von der Planung an richtig anlegst, zeigt der Ratgeber dazu, wie du einen Kräutergarten von der Planung bis zur Nutzung anlegst.
Gießen nach Welten
Mediterrane Kräuter werden selten gegossen und erst, wenn die Erde spürbar abgetrocknet ist. Frisch-feuchte Blattkräuter bekommen gleichmäßig Wasser, bevor sie schlappen – morgens und an den Fuß der Pflanze statt über das Blatt. Trockenes Laub ist die einfachste Pilzvorbeugung, die es gibt. Mehr zum Maß steht im Hub-Abschnitt dazu, wie du Kräuter mit Maß gießt, düngst und pflegst.
Düngen mit Maß
Die große Mehrheit der Kräuter ist schwachzehrend. Kompost zum Start genügt vielen Arten für die ganze Saison; als Faustzahl reichen 3 bis 5 l Kompost je Quadratmeter und Jahr. Ich arbeite ihn im Frühjahr in die oberste Schicht ein und lasse die Kräuter danach in Ruhe. Basilikum, Borretsch und Liebstöckel sind die starkzehrenden Ausnahmen.
Kräuter wie Fruchtgemüse düngen. Üppige Stickstoff- und Wassergaben lassen das Kraut schneller wachsen, aber es schmeckt flacher, wird weicher und anfälliger – genau das Gewebe, das Blattläuse und Pilze bevorzugen.
Hygiene und Nachbarschaft
Welke Blätter kommen raus, Schnittwerkzeug bleibt sauber, befallene Teile landen nicht auf dem Beet. Mischkultur kann unterstützen, garantiert aber nichts: Basilikum gilt als guter Partner zu Tomaten, Gurken, Melonen und Kürbis; mediterrane Aromatiker wie Thymian, Salbei, Rosmarin und Lavendel stehen dagegen untereinander als schwierige Nachbarn, unter den DoldenblütlernDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. gilt dasselbe für Dill, Kerbel, Koriander und Petersilie.
Pilzkrankheiten erkennen
Echter Mehltau
Weißer, mehliger Belag auf der Blattoberseite, der sich abwischen lässt. Er tritt eher bei warmem, trockenem Wetter auf und kann auch Stängel und Blüten erfassen. Befallene Triebe schneidest du heraus; luftige Abstände können die Ausbreitung bremsen.
Falscher Mehltau
Gelbliche bis bräunliche Flecken auf der Oberseite, dazu ein grau-violetter, pelziger Belag auf der Unterseite. Dieser Pilz braucht Feuchtigkeit und ist unter anderem an Basilikum bekannt. Entferne befallene Blätter und halte das Laub trocken – das kann den Befall bremsen, garantiert aber nichts.
Grauschimmel (Botrytis)
Grauer, pelziger Überzug, meist bei feuchter Witterung und an geschwächten oder verletzten Pflanzenteilen. Schneide großzügig zurück, sorge für Luft und gieße nur den Boden.
Wurzelfäule
Die Pflanze welkt trotz feuchter Erde, Blätter vergilben, die Wurzeln sind braun und weich statt hell und fest. Das kann auf Wurzelfäule hindeuten, die Staunässe fördert. Vorbeugen heißt: durchlässiger Boden, kein stehendes Wasser im Untersetzer, Töpfe mit Abzug.
Beim Rückschnitt gilt für die verholzenden Halbsträucher Salbei, Thymian und Lavendel eine Grenze: Schneide in den belaubten Bereich, nicht tief ins alte, kahle Holz – dort treiben sie nur zögerlich wieder aus. Wie du Kräuter über die Saison gießt, düngst und schneidest, erklärt der Ratgeber zur richtigen Pflege von Kräutern über die Saison.
Schädlinge erkennen
Blattläuse
Grüne, schwarze oder rötliche Insekten an Triebspitzen und Blattunterseiten. Die Blätter kräuseln sich, oft glänzen sie klebrig vom HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn.. Ein kräftiger Wasserstrahl oder das Herausschneiden besetzter Triebspitzen reicht oft für den Anfang. Marienkäfer, Florfliegen und SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. kommen, wenn im Beet etwas blüht – Dill oder Fenchel etwa.
Spinnmilben
Feine Gespinste auf der Blattunterseite und helle Sprenkel oben, die später vergilben. Die Tiere selbst siehst du kaum: Die Weibchen der Gemeinen SpinnmilbeDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. sind winzig, bis 0,6 mm lang (0,44–0,57 mm), und sitzen geschützt in Gespinsten blattunterseits. Ich halte ein weißes Blatt Papier unter den Trieb, klopfe kurz und sehe mir an, was sich darauf bewegt. Befallene Triebe schneidest du heraus.
Thripse
Thripse sind meist 1 bis 2 mm lang, schmal gebaut, mit fransigen Flügeln; typisch sind silbrig glänzende Saugschäden auf dem Blatt, oft mit dunklen Kotpünktchen. Anders als Spinnmilben spinnen sie nicht. Befallene Teile entfernen, Nützlinge wie RaubmilbenRaubmilben sind winzige Milben, die andere Milben wie Spinnmilben und je nach Art auch Thripslarven fressen. Als Nützlinge werden sie im Gewächshaus und im Garten gezielt gegen Spinnmilben eingesetzt. fördern.
Spinnmilbe bis 0,6 mm, Thrips 1 bis 2 mm – beide sind mit bloßem Auge kaum als Tier zu erkennen. Entscheidend ist deshalb die Spur: Gespinst gleich Spinnmilbe, silbrige Fläche ohne Gespinst eher Thrips.
Weiße Fliege
Kleine weiße Insekten, die beim Schütteln der Pflanze aufwirbeln; sie saugen und scheiden ebenfalls Honigtau aus. Gelbtafeln zeigen dir, ob und wie stark sie fliegen; SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. parasitieren die Larven.
Schnecken
Fraßränder, Löcher und Schleimspuren, vor allem an Jungpflanzen von Basilikum, Dill oder Petersilie. Ich sammle in der Dämmerung ab und decke frisch gepflanzte Jungpflanzen anfangs ab. Schneckenzäune halten Beete frei; Igel und Laufkäfer helfen, wenn der Garten ihnen Unterschlupf bietet.
Für einzelne Arten gibt es eigene Diagnose-Ratgeber, etwa dazu, welche Krankheiten und Schädlinge Schnittlauch konkret befallen.
Wenn der Boden das Problem ist
Manche Probleme wandern mit dem Boden, nicht mit dem Wetter: Fäulniserreger an den Wurzeln oder NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt., deren Befall sich als Kümmerwuchs, Vergilbung und Knoten an den Wurzeln zeigen kann. Hier hilft kein Rückschnitt, sondern Fruchtwechsel. Für einjährig gezogene Kräuter gelten Anbaupausen, bevor dieselbe Art wieder an dieselbe Stelle kommt: Basilikum 4 Jahre, Petersilie 3 Jahre, Dill 5 Jahre. Lockerer, humusreicher Boden fördert außerdem das BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf., das Erreger in Schach halten kann.
Pflanze welkt trotz feuchter Erde? – Wurzeln ausgraben und ansehen. Braun und weich → Wurzelfäule wahrscheinlich, Standort und Gießen prüfen. Knoten und Gallen → Nematoden möglich, Fläche wechseln und Anbaupause einhalten. Hell und fest → Ursache oberirdisch suchen.
Umweltstress, der wie Krankheit aussieht
Nicht jedes gelbe Blatt hat einen Erreger. Frost trifft die Frostkandidaten: Basilikum übersteht draußen keinen Winter, Majoran ist ebenso frostempfindlich – beide kommen etwa Mai–Juni ins Freie und vor dem ersten Frost wieder rein, wenn du sie weiterkultivieren willst. Hitze und pralle Sonne können Blattkräuter schlappen lassen; Kerbel steht besser halbschattig, Basilikum kommt mit sonnig bis halbschattig zurecht. Lichtmangel zeigt sich in langen, dünnen Trieben mit blassem Laub, typisch bei Topfkräutern am dunklen Fenster. Und zu viel Wasser sieht oben oft genauso aus wie zu wenig: schlappe Blätter. Der Finger in der Erde entscheidet, welches von beidem es ist.
Reagieren, ohne zu übertreiben
Die Reihenfolge ist bei fast jedem Problem gleich: befallene Teile herausschneiden, Kulturbedingungen korrigieren (Luft, Wasser, Stickstoff), Nützlinge fördern, abwarten. Ich schneide mit einer sauberen Schere und reinige die Klinge, bevor ich zur nächsten Pflanze gehe. Was ich herausschneide, kommt nicht auf den Kompost neben dem Beet.
Chemische Pflanzenschutzmittel bleiben das letzte Mittel: nur Produkte mit Zulassung für den Haus- und Kleingarten und für Kräuter, strikt nach Gebrauchsanweisung, mit Schutzkleidung, unter Einhaltung der Wartezeit vor der Ernte und mit sachgerechter Entsorgung der Reste. Sie können Nützlinge treffen und das Gleichgewicht im Beet stören – gerade das, was dich langfristig vor dem nächsten Befall schützt. Bei Kräutern, die du frisch isst, ist der Rückschnitt fast immer der bessere Weg.




