Kräuterdünger selbst machen: Rezepte für Brennnesseljauche, Komposttee und Schachtelhalmbrühe
- Brennnesseljauche: etwa 1 kg frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser, 1 bis 3 Wochen warm gären lassen, fertig, wenn sie dunkel ist und nicht mehr schäumt.
- Zum Wurzelguss verdünnst du die Jauche mit 1 Teil auf 10 bis 20 Teile Wasser; für Starkzehrer wie Tomaten ist 1:10 belegt.
- Komposttee: etwa 1 Liter reifer Kompost auf 5 bis 10 Liter Wasser, ohne Belüftung kurz gezogen und durchmischt, etwa alle 1 bis 2 Wochen nach Bedarf.
- Schachtelhalmbrühe: 100 bis 150 g frisches oder 15 bis 20 g getrocknetes Kraut je Liter, 24 Stunden einweichen, 30 bis 60 Minuten kochen, 1:5 bis 1:10 verdünnen.
- Die Mehrheit der Kräuter ist schwachzehrend; Kompost im Spätwinter oder Frühjahr genügt vielen Arten, mediterrane Kräuter bekommen keine pauschale Kompostgabe.

Du suchst nach einem Rezept, um deine Kräuter üppig zu düngen. Genau da liegt der erste Haken: Übermäßige Düngung kann bei Kräutern zu mastigem Wachstum und schwächerem Aroma führen. Trotzdem lohnt es sich, Dünger selbst anzusetzen – für die wenigen Starkzehrer, für Topfkräuter, für den Frühjahrsstart im Beet. Ich habe hinter dem Gartenhaus einen Eimer mit Gitter stehen, in dem im Mai die erste BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. ansetzt, und ich gieße davon nur, was eine Pflanze nach meiner Beobachtung wirklich braucht. Hier bekommst du die Rezepte mit Mengen, Gärzeiten und Verdünnungen – und die Grenzen, an denen ich lieber gar nicht dünge.
Was Kräuter von deinem Dünger erwarten
Der Beetplaner stuft die große Mehrheit der Kräuter als schwachzehrend ein; Basilikum, Borretsch und Liebstöckel sind als starkzehrend hinterlegt, Kamille als mittelzehrend. Wie Stickstoff, Phosphor und Kalium im Kräuterbeet zusammenspielen und warum ein lebendiger Boden mit Kompost zum Start vielen Arten für die ganze Saison genügt, liest du im Kräuter-Ratgeber unter Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß. Welche Einstufung deine Arten haben, zeigt dir der Beetplaner mit seinen Zehrer-Werten.
Brennnesseljauche: das Grundrezept
Brennnesseljauche ist der Klassiker unter den selbst angesetzten Flüssigdüngern, und sie ist der einzige Ansatz, für den ich dir Mengen und Verdünnungen nennen kann.
Etwa 1 kg frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser. Der Ansatz gärt etwa 1 bis 3 Wochen an einem warmen Ort und ist fertig, wenn sich keine Blasen und kein Schaum mehr bilden.
So gehe ich vor:
- Ernten und zerkleinern. Ich schneide die Brennnesseln mit Handschuhen, kürze sie grob und gebe sie in den Eimer.
- Wasser drauf. Etwa 1 kg Brennnesseln auf 10 Liter Wasser.
- Luftdurchlässig sichern. Das Gefäß bekommt ein Gitter obendrauf, keinen Deckel. So kommt Luft an den Ansatz und nichts fällt hinein.
- Warm stellen und umrühren. Der Eimer steht bei mir sonnig hinter dem Gartenhaus, ich rühre beim Vorbeigehen um.
- Reife prüfen. Eine fertig vergorene PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. ist dunkel gefärbt und schäumt nicht mehr. Bilden sich noch Blasen, warte ich.
Die Gärung riecht kräftig. Stell den Eimer weg von Sitzplatz und Nachbargrenze, aber trotzdem warm – bei Kälte zieht sich die Gärung hin.
Verdünnen und gießen
Für den Wurzelguss verdünnst du die vergorene Jauche mit 1 Teil Jauche auf 10 bis 20 Teile Wasser; für Starkzehrer wie Tomaten ist 1:10 belegt. Bei Kräutern greife ich zum dünnen Ende dieser Spanne und gieße an den Fuß der Pflanze, nicht über das Blatt. Verdünnte Jauchegaben erfolgen während des Wachstums etwa alle 1 bis 2 Wochen, bedarfsabhängig – wobei für Pflanzenjauchen keine allgemein gültigen Ausbringmengen oder Düngeintervalle existieren, weil Pflanzenbedarf und Bodenvorrat maßgeblich sind. Ich schaue deshalb vor jeder Gabe auf die Pflanze: Ein schwachzehrender Thymian bekommt nichts, ein Basilikum im Topf schon eher.
Ich verdünne die Jauche immer in der Gießkanne und nie im Ansatzeimer. So bleibt der Rest im Eimer unverdünnt, und ich kann für jede Pflanze neu entscheiden, wie viel Wasser dazukommt.
Beinwell und andere Pflanzenjauchen
Nach demselben Prinzip lassen sich auch andere Pflanzen vergären. Beinwell gilt unter Gärtnern als kaliumbetonter Ansatz, Schachtelhalm und Löwenzahn werden ebenfalls genannt – das sind Erfahrungswerte, keine gesicherten Gehaltsangaben. Der Nährstoffgehalt einer Pflanzenjauche hängt von der Pflanzenart, ihrem Zustand und dem Erntezeitpunkt ab. Für Beinwelljauche gibt es deshalb keine verlässliche Menge und keine Verdünnung, die ich dir nennen könnte.
Wenn du Beinwell ansetzt, gilt für dich das Gleiche wie für jede Pflanzenjauche: Gefäß mit Gitter sichern, warten, bis der Ansatz dunkel ist und nicht mehr schäumt, dann an den Fuß der Pflanze gießen und beobachten, wie die Blätter reagieren. Auf Vorratsdüngung nach Kalender verzichte ich bei solchen Ansätzen ganz.
Pflanzenjauche ist der Oberbegriff für vergorene Pflanzenauszüge. Kräuterjauche meint meist einen Ansatz aus einer bestimmten Art, etwa Brennnessel oder Beinwell. Hergestellt werden beide gleich.
Komposttee: kurz gezogen, mild
KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. ist der schonendste Selbstmach-Dünger und mein Mittel der Wahl für SchwachzehrerSchwachzehrer sind Gemüse und Kräuter mit geringem Stickstoffbedarf, etwa Feldsalat, Radieschen, Rucola, Bohnen und Erbsen. Sie sind die genügsamste der drei Gruppen, nach denen man Kulturen für die Fruchtfolge einteilt., die im Topf etwas Unterstützung brauchen.
Etwa 1 Liter reifer Kompost auf 5 bis 10 Liter Wasser, ohne Belüftung kurz gezogen und durchmischt.
Ich gebe den reifen Kompost in einen alten Jutesack, hänge ihn in den Wassereimer und rühre um. Der Kompost muss vollständig verrottet sein – unreife Stücke gehören nicht in den Auszug. Einfache Kompost-Auszüge werden im Garten etwa alle 1 bis 2 Wochen nach Bedarf angewendet. Den ausgepressten Kompost aus dem Sack verteile ich als Mulch unter den Pflanzen, die ohnehin Kompost bekommen.
Schachtelhalmbrühe: eine Brühe, kein Dünger
SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. ist streng genommen kein Dünger. Verlass dich beim Pflanzenschutz nicht allein auf Schachtelhalmbrühe. Weil sie oft im selben Atemzug mit Jauchen genannt wird, gehört das Rezept hierher.
100 bis 150 g frisches oder 15 bis 20 g getrocknetes Ackerschachtelhalm-Kraut je Liter Wasser. Im Langverfahren weicht das Kraut 24 Stunden ein und wird anschließend 30 bis 60 Minuten gekocht.
Die abgeseihte Brühe wird 1:5 bis 1:10 mit Wasser verdünnt ausgebracht. Vorbeugend wird sie etwa alle 2 bis 3 Wochen vom Frühling bis in den Sommer angewendet. Ich koche sie im alten Einkochtopf im Freien, weil der Geruch im Haus stört, und lasse sie über Nacht auskühlen, bevor ich abseihe – die Einweichzeit von 24 Stunden läuft davor.
Feste Selbstmach-Dünger: Kompost, Hornspäne, Mulch
Für die meisten Beetkräuter ist der beste selbst gemachte Dünger gar keine Jauche, sondern der eigene Kompost. Als Faustzahl reichen 3 bis 5 Liter Kompost je Quadratmeter und Jahr, um Gartenpflanzen bedarfsgerecht zu ernähren; für viele genügsame Gartenkräuter genügt eine einmalige Frühjahrsdüngung mit 3 Litern je Quadratmeter. Kompost wird zur Verringerung der Nitratauswaschung erst im Spätwinter oder Frühjahr ausgebracht.
Zwei Einschränkungen halte ich ein: Trockenheitsliebende mediterrane Stauden sollen auf kargem Boden stehen und erhalten keine pauschale Kompostgabe. Und auch häufige Kompost- oder Stallmistgaben können Gartenböden mit Nährstoffen überversorgen – organisch heißt nicht harmlos.
Hornspäne ergänze ich dort, wo Stickstoff gebraucht wird: Sie liefern ihn verzögert über mehrere Monate. Falllaub kann auf Beeten als Mulch liegen bleiben und den Boden feucht, locker und humusreich halten. Den ganzen Werkzeugkasten aus Kompostwirtschaft, Mulch und Gründüngung findest du im Artikel über natürliche Düngung für kräftige Kräuter – hier bleibe ich bei den Rezepten.
Bokashi und Wurmhumus tauchen in vielen Selbstmach-Anleitungen auf. Für effektive Mikroorganismen, mit denen Bokashi angesetzt wird, ließ sich in Pflanzenbauversuchen kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis erbringen. Behandle beide Materialien wie organisches Material, das der Boden erst umsetzen muss.
Selbst gemischte Kräutererde für den Topf
Wer Dünger selbst ansetzt, mischt meist auch die Erde. Eine torffreie Mischung für robuste Kräuter besteht aus je 1 Teil Quarzsand, Gartenerde und reifem Kompost und wird nicht zusätzlich gedüngt. Der Kompost darin muss vollständig verrottet sein und darf wegen seines hohen Nährstoffgehalts nicht allein als Substrat dienen. Für mediterrane Topfkräuter kann torffreie Erde mit grobem Sand im Verhältnis 1:1 gemischt werden.
Ein Punkt, der bei torffreier Erde oft überrascht: Bestandteile torffreier oder torfreduzierter Substrate können Stickstoff binden, besonders zu Beginn oder gegen Ende der Kultur kann er fehlen. Die Nachdüngung richte ich deshalb am Pflanzenzustand aus, nicht am Kalender. Bei Kräutern in nährstoffhaltiger Kauferde wird in den ersten Wochen nach dem Eintopfen nur sparsam zusätzlich gedüngt.
Wann und wie du deinen Dünger ausbringst
Selbst angesetzt heißt nicht beliebig ausgebracht. Diese Regeln gelten für Jauche, Komposttee und Kompost gleichermaßen:
- Wenn Düngung nötig ist, wird im Hausgarten das Frühjahr gegenüber dem Herbst bevorzugt, um AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. zu vermindern.
- Dünger kommt möglichst auf feuchten Boden und nicht auf feuchte Pflanzenteile.
- Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei – dann ist die Gabe zwecklos.
- Bei Trockenheit und großer Hitze wird Flüssigdünger niedrig konzentriert auf zuvor angefeuchteten Boden gegossen, nicht über den Bestand.
- Kübelpflanzen, die auf die Winterruhe vorbereitet werden, bekommen ab Ende August nichts mehr.
- Bodenvorrat und bereits gegebener Kompost zählen mit, wenn du eine Gabe bemisst.
Bei den Arten unterscheide ich klar. Für Basilikum, Schnittlauch, Petersilie und Rucola wird eine Düngegabe nach jedem Schnitt empfohlen – dafür nehme ich die verdünnte Jauche oder Komposttee. Bei Basilikum im Boden ist gewöhnlich keine zusätzliche Düngung nötig, im Gefäß können Nährstoffe knapp werden, und eine organische Flüssiggabe kann das Blattwachstum unterstützen. Bei Zitronenmelisse gibt es Spielraum: Als Schwachzehrer kommt sie nach manchen Quellen ganz ohne Dünger aus, andere nennen während der Wachstumsphase eine Gabe alle 4 bis 6 Wochen als Richtwert. Thymian, Rosmarin, Oregano und Salbei haben geringen Nährstoffbedarf; Bohnenkraut braucht im Freiland keine Düngung, Kresse in ihrer kurzen Kultur ebenfalls nicht, Estragon wird nur zur Pflanzung gedüngt, und Koriander verträgt zu viel Stickstoff schlecht.
Wie du gekaufte Kräuterdünger Schritt für Schritt dosierst, gehört nicht in diesen Selbstmach-Artikel – das steht in der Anleitung, wie du Kräuterdünger als Einsteiger richtig anwendest. Wie Düngen, Gießen und Schnitt zusammenspielen und wie du Dünger lagerst, liest du im Beitrag zur richtigen Anwendung von Kräuterdünger im Pflegealltag.
Zu viel des Guten: Wann du die Kanne stehen lässt
Übermäßige Düngung kann bei Kräutern zu mastigem Wachstum und schwächerem Aroma führen; bei Basilikum kann eine hohe Stickstoffversorgung das Wachstum verstärken und den Gehalt an ätherischem Öl senken. Was das im Einzelnen für Geschmack und Duft bedeutet, behandelt der Artikel über Düngung und Aroma bei Kräutern.
Schlaffe Blätter werden als Nährstoffmangel gelesen und mit Jauche beantwortet. Schlaffe oder welke Blätter können aber ebenso auf TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. wie auf beginnende Wurzelfäule hinweisen und erlauben allein keine sichere Entscheidung. Ich prüfe zuerst die Erde unterhalb der Oberfläche, dann erst denke ich über Dünger nach.
Auch Trockenheit, ein ungeeigneter pH-Wert und Bodenverdichtungen können die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen – dann hilft mehr Jauche nicht, sondern Gießen, Lockern oder eine Bodenprobe. Für eine MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. sammelst du aus einer einheitlich genutzten Fläche 10 bis 15 Einzelproben, vermischst sie und schickst etwa 500 g ans Labor, zwischen Herbst und Frühjahr vor der Düngung. Für Bodenuntersuchungen werden Abstände von 2 bis 5 Jahren genannt, davon 2 bis 3 Jahre im allgemeinen Hausgarten und 3 bis 5 Jahre bei Kompostanwendung. Liegt der gemessene pH oberhalb des für Boden und Kultur passenden Bereichs, werden weder Kalk noch kalkhaltige Dünger ausgebracht.
Halte fest, was du wann angesetzt und gegossen hast. Bei Jauche ohne feste Dosierung ist dein Gießbuch die einzige Möglichkeit, eine Reaktion der Pflanze einer Gabe zuzuordnen.
Kreislauf im Kräutergarten – kurz
Eigener Dünger schließt den Kreislauf aus Schnittgut, Laub und Kompost im Garten, und genau dieser lebendige Boden ist es, der die meisten Kräuter trägt. Die Grundlagen dazu – die beiden Kräuter-Welten, Lebensdauer und das Düngen mit Maß – hält der Kräuter-Ratgeber zusammen; hier bleibt es bei den Rezepten und den Zahlen, mit denen du sie ansetzen kannst.
Bevor du ansetzt, lohnt ein Blick in den Beetplaner: Dort siehst du, welche deiner Kräuter als starkzehrend hinterlegt sind – das sind die wenigen, die von deiner Jauche wirklich etwas haben.




