Mischkultur im Obstgarten: Welche Partner zu Obstbäumen und Beerensträuchern passen
- Johannis- und Stachelbeeren passen in eine Reihe: Als Busch erzogen stehen beide mit etwa 1–1,3 m Abstand.
- Für Heidelbeeren werden im Boden pH-Werte von 4,5–5,0 empfohlen, sie bekommen deshalb ein eigenes Beet mit saurem Boden.
- In mehrjährigen Blühstreifen finden die Gegenspieler von Schädlingen Schutz und Nahrung, eine Garantie gegen Befall sind sie nicht.
- Unter jungen Bäumen wartet die Unterpflanzung: Die Baumscheibe bleibt bewuchsfrei, die Partner stehen am Rand.
- Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts: Ihre Vorteile zeigen sich nicht an jedem Standort gleich.
Unter dem Apfelbaum ist noch Platz, zwischen den Johannisbeeren auch. Was du dort pflanzt, entscheidet, wer künftig mit deinem Obst um Wasser und Licht konkurriert. Ich kläre deshalb zuerst die Ansprüche und suche erst danach die Partner aus: Welcher Strauch braucht welchen Boden, und wie alt ist der Baum?
Mischkultur heißt im Obstgarten, dass Obstgehölze mit BegleitpflanzenEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. zusammenstehen, die sie unterstützen sollen. Das kann gelingen, sicher ist es nicht. Die beobachteten Vorteile zeigen sich nicht an jedem Standort und nicht unter allen Bedingungen gleich.
Welche Beerensträucher kannst du nebeneinander pflanzen?
Sortiere Beerensträucher nach Boden, Wasser und ErziehungsformDie Erziehungsform ist die Gestalt, in die du eine Pflanze, vor allem ein Obstgehölz, durch Schneiden und Binden gezielt ziehst. Bei Obstbäumen gelten Spindel und Spalier als die einfachsten Erziehungsformen.. Sträucher mit denselben Ansprüchen kommen in eine Reihe, die anderen bekommen einen eigenen Platz.
| Strauch | Das bestimmt den Platz | So ordnest du ihn ein |
|---|---|---|
| Johannisbeere, Stachelbeere | bei Erziehung als Busch etwa 1–1,3 m Abstand | gemeinsame Reihe |
| Himbeere | etwa 7 Jahre Anbaupause vor neuen Himbeeren am gleichen Standort | eigene Reihe mit Ausweichplatz |
| Heidelbeere | pH 4,5–5,0 im Boden, ungefähr 4,0–5,0 im Kübelsubstrat | eigenes Beet mit saurem Boden |
| Aronia | selbstfruchtbar | auch als Einzelpflanze |
| Sanddorn | zweihäusig, sonniger Platz, durchlässiger Boden ohne Staunässe | männliche und weibliche Pflanze zusammen |
| Kornelkirsche | verträgt Trockenheit, bevorzugt kalkhaltige Böden | auch an trockenen Plätzen, nicht ins Heidelbeerbeet |
Johannisbeeren und Stachelbeeren teilen sich eine Reihe
Johannis- und Stachelbeeren pflanzt du bei Erziehung als Busch mit etwa 1–1,3 m Abstand. Weil für beide dieselbe Erziehungsform und derselbe Abstand gilt, kannst du sie in einer Reihe abwechseln. Der Wert gilt für den Busch, andere Erziehungsformen brauchen andere Abstände. Johannisbeeren vertragen auch leichten Halbschatten. Ich setze sie deshalb an die Seite, auf die am Nachmittag der Baumschatten fällt.
Himbeeren bekommen eine eigene Reihe
Himbeeren setze ich in eine eigene Reihe und merke im Plan gleich den Platz für die nächste vor. Der Grund ist die Anbaupause: Bevor am gleichen Standort wieder Himbeeren stehen, werden etwa 7 Jahre Pause empfohlen. Steht die Reihe mitten zwischen anderen Sträuchern, fehlt dir später dieser Ausweichplatz.
Bei Trockenheit kannst du Himbeeren etwa zweimal wöchentlich mit jeweils 5–8 l/m² versorgen. Das gilt von Mitte bis Ende Mai an bis zum Ernteende. Dieselbe Gabe passt bei Trockenheit auch für Heidelbeeren. Leg das Heidelbeerbeet deshalb in die Nähe der Himbeerreihe, dann hast du beide im selben Rhythmus im Blick.
Heidelbeeren brauchen einen eigenen Boden
Für Heidelbeeren werden im Boden pH-Werte von 4,5–5,0 empfohlen. Für Kern- und Steinobst werden auf mittelschweren Böden dagegen 6,0–6,5 angegeben. Ein Boden, der dem Apfelbaum passt, ist der Heidelbeere also nicht sauer genug. Gib ihr deshalb ein eigenes Beet mit saurem Boden. Ziehst du sie im Kübel, liegt der empfohlene Bereich im Substrat bei ungefähr 4,0–5,0, und du gießt mit kalkarmem Wasser.
Wildobst als Nachbar: Aronia, Sanddorn und Kornelkirsche
Aronia ist selbstfruchtbar, eine einzelne Pflanze kann also Früchte bilden. Beim Sanddorn ist das anders: Er ist zweihäusig, für den FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. brauchst du männliche und weibliche Pflanzen. Gib ihm einen sonnigen Platz mit durchlässigem, gut durchlüftetem und tiefgründigem Boden ohne Staunässe. Die Kornelkirsche kommt mit Trockenheit zurecht und bevorzugt kalkhaltige Böden. Neben Heidelbeeren mit ihrem sauren Boden steht sie deshalb falsch.
Mit Wildobst reicht die Ernte bis in den Herbst. Aronia erntest du je nach Reife ab Mitte August bis Oktober, Kornelkirschen im September und Oktober.
Welche Begleitpflanzen passen zu welchen Obstarten?
Die bekannten Paare stammen aus der Gartenpraxis und werden von Garten zu Garten weitergegeben. Ich nutze sie als Anregung und kontrolliere Blätter und Früchte trotzdem.
| Obstart | Überlieferte Partner | Was ihnen nachgesagt wird |
|---|---|---|
| Apfel | Knoblauch, Ringelblume | Knoblauchgeruch soll den Apfelwickler abhalten, Ringelblumen sollen Nützlinge anlocken |
| Birne | Kapuzinerkresse, Lavendel | Kapuzinerkresse soll Blattläuse fernhalten, Lavendel soll Bienen anziehen und Ameisen abhalten |
| Kirsche | Oregano, Tagetes | Oregano soll Pilzkrankheiten vorbeugen, Tagetes sollen NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt. im Boden mindern |
| Johannisbeere | Petersilie, Ringelblume | Petersilie soll den Geschmack der Beeren verbessern |
| Himbeere | Bohnen, Knoblauch | Bohnen sollen Stickstoff liefern, Knoblauch soll Schädlinge abhalten |
Lies die rechte Spalte als Überlieferung. Zusagen kann dir diese Wirkungen niemand, denn Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Genauer beantworten lässt sich, was Blühstreifen leisten, wann Leguminosen helfen und ab wann etwas unter den Baum darf.
Blühstreifen: Hier gibt es Messwerte
In mehrjährigen Blühstreifen finden die natürlichen Gegenspieler von Schädlingen Schutz und Nahrung. Im europäischen EcoOrchard-Freilandversuch waren die Fruchtschäden durch die Mehlige Apfelblattlaus an Bäumen mit benachbarten Blühstreifen um 15 % geringer als in den Kontrollparzellen. Das ist ein messbarer Beitrag, aber kein vollständiger Schutz.
Gemessen wurde an Blühstreifen neben den Bäumen, nicht an einzelnen Blumen unter der Krone. Ich lege meinen Streifen deshalb an den Rand der Obstfläche und lasse ihn über Jahre stehen. Ringelblume, Kapuzinerkresse und Tagetes kommen jedes Jahr neu dazu, weil sie kurzlebig kultiviert werden. Wie Blühflächen in ein Gesamtkonzept passen, zeigt der Ratgeber dazu, welche Prinzipien einen Obstgarten zum Bio-Obstgarten machen, von robusten Sorten bis zur Biodiversität.
Knoblauch unter dem Apfelbaum soll den Apfelwickler mit seinem Geruch fernhalten. Verlassen kannst du dich darauf nicht. Auch eine mechanische Maßnahme hat Grenzen: Leimfreie Wellpappringe können den Apfelwickler ab Mitte Juni mindern, wenn du die Larven alle 14 Tage entfernst und die Ringe erneut anlegst. Zur Bekämpfung reichen sie allein nicht aus. Pflanz Knoblauch also, weil du ihn ernten willst, und kontrolliere deine Äpfel trotzdem.
Leguminosen: Zusätzlicher Stickstoff ist nicht immer ein Gewinn
Bohnen, Erbsen, Klee und Lupinen sind Leguminosen. Sie können den Boden durch ihre Symbiose mit KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. zusätzlich mit Stickstoff anreichern. Diese Symbiose gehen die Bakterien allerdings nur mit der jeweils passenden Leguminosenart ein.
Obstbäume und Obststräucher versorgst du nur mäßig mit Stickstoff. Ein Überschuss verstärkt das Triebwachstum, und das geht zulasten von Blüten und Früchten. Eine Leguminose neben dem Baum ist deshalb kein sicherer Gewinn: Auf gut versorgtem Boden kann der zusätzliche Stickstoff genau das Triebwachstum fördern, das du nicht willst.
Stickstoffbedarf im Jahr, jeweils vor Anrechnung der Bodenlieferung: Apfel und Birne 3 g N/m², Johannisbeeren 6 g N/m², Pflaume, Zwetschge und Mirabelle 7 g N/m². Die Werte nennen den Bedarf, noch nicht die Düngermenge.
Unterpflanzung: Unter jungen Bäumen bleibt die Baumscheibe frei
Solange ein Baum einwächst, wartet die Unterpflanzung. Bleibt die BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. junger Streuobstbäume mindestens 5 Jahre bewuchsfrei, unterstützt das ihr Anwachsen. Dazu passt ein Versuch der LWG mit jungen Apfelbäumen auf leichten lehmigen Sandböden: Die geprüften Untersaaten waren dort ungeeignet, die Wasserkonkurrenz war zu hoch. Kräuter und Blumen stehen in dieser Zeit also am Rand der Baumscheibe und nicht darauf.
In trockenen Phasen hilft jungen oder schwachwurzelnden Obstbäumen eine bewuchsfreie Baumscheibe von 1–2 m Durchmesser, gemulcht mit angewelktem Grasschnitt. Organischer Mulch in dünnen Schichten hält die Bodenfeuchte länger, und er verringert die Wasserkonkurrenz durch Beikräuter.
Unter eingewachsenen Bäumen kannst du BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. wie Erdbeeren und Thymian ausprobieren. Beobachte in Trockenphasen, wie der Baum reagiert, und nimm die Unterpflanzung zurück, wenn das Wasser nicht für beide reicht.
Minze kann sich stark ausbreiten. Setz sie im Obstgarten in einen Kübel, dann bleibt sie an ihrem Platz.
Apfel und Birne brauchen eine zweite Sorte
Apfel- und Birnbäume brauchen in der Regel eine andere, passende Sorte als Befruchter. Sie muss nicht in deinem Garten stehen, ein Baum in der Nachbarschaft kann genügen. Kläre das, bevor du Kräuter und Blumen aussuchst.
Wie planst du die Mischkultur im Obstgarten?
Ich zeichne den Garten zuerst auf Papier und trage ein, wo im Sommer und im Winter Schatten liegt. Danach kommen die Gehölze in den Plan, dann die Beerensträucher und zuletzt Kräuter und Blumen.
Prüfe vor der Partnerwahl, ob Boden und Licht zu den Gehölzen passen, denn danach richtet sich, was daneben wachsen kann. Die Grundlagen dazu, was Obstgehölze an Standort und Boden brauchen, von der Wärme über den Humus bis zum pH-Wert, stehen im Überblick zu Obst und Obstgehölzen.
Wie groß ein veredelter Obstbaum wird, bestimmt wesentlich seine Unterlage, und damit auch den Platz für Partner. Abstände hängen an Baumform und Unterlage und setzen sich aus dem Abstand in der Reihe und dem Reihenabstand zusammen. Termin, Pflanzgrube und Abstand findest du im selben Überblick im Abschnitt zur Pflanzung.
Beim Stockwerkanbau stehen Bäume oben, Sträucher in der Mitte und Kräuter und Bodendecker unten. Für einen lichten Waldgarten mit Unterpflanzung wird als Planungsregel ein Baumabstand empfohlen, der mindestens der Summe beider ausgewachsenen Baumhöhen entspricht. Das Gesamtsystem beschreibt der Ratgeber dazu, wie du Obstbäume mit Zonen, Gilden und mehreren Schichten in eine Permakultur einbindest.
Schatten im Sommer und im Winter eintragen. Gehölze mit ihrer späteren Größe einzeichnen. Beerensträucher nach Boden und Wasser gruppieren. Unter jungen Bäumen noch nichts einplanen. Blühstreifen an den Rand der Obstfläche legen. Kräuter und Blumen zuletzt verteilen.
Für Kräuter und Gemüse am Rand der Obstfläche kannst du nachschlagen, welche Beetnachbarn sich in der Mischkultur vertragen. Die Beete dafür legst du im Planer für deine Gartenbeete an.
Wie pflegst du die Mischkultur?
Mehr Pflanzen auf derselben Fläche teilen sich dasselbe Wasser, deshalb verändert die Mischkultur vor allem das Gießen. Ich prüfe die Bodenfeuchte vor dem Gießen mit einer SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge., denn welke Blätter können auf Wassermangel hindeuten, aber auch auf geschädigte Wurzeln in nassem Boden. Wie du Baumscheibe, Mulch und Fruchtbehang durchs Jahr führst, steht im Überblick zu Obst und Obstgehölzen im Abschnitt zur Pflege im Jahreslauf.
Wo stößt die Mischkultur an Grenzen?
Unter dem Stichwort Allelopathie liest du, dass Pflanzen einander über ausgeschiedene Stoffe hemmen können. Für deine Planung ist der Nachbau die greifbarere Grenze.
Stehen Äpfel wiederholt am selben Platz, können biologische Ungleichgewichte im Boden komplexe Nachbauprobleme verursachen. Ersetzt du einen alten Baum, ist ein anderer Pflanzplatz deshalb die erste Wahl. Lässt sich der alte Standort nicht vermeiden, entfernst du die alten Wurzeln möglichst vollständig und tauschst den Boden aus. Das Pflanzloch dafür hat etwa den doppelten Durchmesser des neuen Wurzelwerks.
Bei Himbeeren gilt die Anbaupause von etwa 7 Jahren. Plane deshalb für Apfelbaum und Himbeerreihe von Anfang an einen Ausweichplatz ein, den keine Dauerpartner besetzen.
Ich gehe im Frühjahr mit dem Plan des Vorjahres durch den Garten. Dabei trage ich ein, welche Partner stehen geblieben sind und wo der Blühstreifen Lücken hat. Danach entscheide ich, was ich nachsäe und was ich umsetze.

