Obstgehölze richtig pflanzen: von der Pflanzgrube über den Pfahl bis zum Angießen
- Pflanzzeit: Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Zwetschge und Mirabelle im Herbst ab Mitte Oktober, junge Aprikosen und Pfirsiche vorzugsweise im Frühjahr.
- Pflanzgrube: etwa 50–60 cm tief und breit genug für die ausgebreiteten Wurzeln.
- Stützpfahl: kommt vor dem Baum in die Grube und endet unterhalb der Krone.
- Veredelungsstelle: bleibt mindestens 10 cm über der Bodenoberfläche.
- Angießen: unmittelbar nach dem Pflanzen, bei einem Streuobstbaum mit mindestens 20 l Wasser, angepasst an Bodenart und Pflanzlochgröße.
- Pflanzschnitt: Beim Streuobstbaum werden gewöhnlich 2–3 Seitentriebe als künftige Leitäste ausgewählt.
Sitzt ein Obstbaum zu tief, lässt sich das später nur mit viel Aufwand ändern. Am Pflanztag legst du deshalb mehr fest als den Platz: die Höhe der Veredelungsstelle, den Halt am Pfahl und die erste Wassergabe. Ich lege mir vor dem ersten Spatenstich alles zurecht, damit die Wurzeln nicht lange offen in Sonne und Wind liegen.
Vor dem ersten Spatenstich liegen bereit: Spaten und Grabegabel, der Pfahl, Bindematerial, ein Verbissschutz, eine scharfe Schere, eine Wanne mit Wasser für wurzelnackte Bäume und volle Gießkannen.
Was klärst du vor dem Graben?
Standort und Boden klärst du vor dem Kauf, denn nach dem Pflanzen lässt sich daran nur noch wenig ändern. Wärme, Staunässe, HumusgehaltHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. und pH-Wert gehören dazu, außerdem eine Bodenanalyse vor der ersten Düngung. Wirkt der Boden verdichtet, kommt eine Tiefenlockerung erst nach Prüfung des Bodenprofils und nur bei ausreichend trockenem Boden infrage. Die Einzelheiten stehen in der Übersicht zu Standort und Boden für Obstgehölze mit Wärme, Humus und pH-Wert.
Welcher Abstand passt zu Baumform und Unterlage?
Ein Abstand gilt immer für eine bestimmte Baumform und Unterlage. Er besteht aus zwei Angaben, dem Abstand in der Reihe und dem Reihenabstand. Die Fachstelle für Obst und Beeren am INFORAMA empfiehlt für den Hausgarten diese beiden Systeme:
| Baumform und Unterlage | Abstand in der Reihe | Reihenabstand |
|---|---|---|
| Apfelspindel auf M9 oder gegebenenfalls M26 | 2 m | 3,5 m |
| Apfelhochstamm auf Sämlingsunterlage | 10 m | 10 m |
Bei veredelten Obstbäumen bestimmt wesentlich die Unterlage, wie groß der Baum wird, und die beiden Systeme liegen weit auseinander. Über den Platzbedarf entscheidest du also schon beim Kauf mit der Unterlage. Für andere Obstarten und Unterlagen gelten eigene Werte. Lass dir den Abstand deshalb für genau deine Kombination aus Art, Baumform und Unterlage nennen. Johannis- und Stachelbeeren pflanzt du bei Erziehung als Busch mit etwa 1–1,3 m Abstand.
Befruchtersorte und Kübel mitdenken
Für Apfel und Birne brauchst du in der Regel eine andere, passende Sorte als Befruchter. Diese Sorte kann auch in der Nachbarschaft stehen. Welche Obstarten und Sorten sich für den Einstieg eignen, klärst du vor der Bestellung.
Fehlt der Platz im Beet, kommt ein kleinwüchsiges Obstgehölz in den Kübel. Dafür sind mindestens 20 l Gefäßvolumen vorgesehen. Vorzugsweise nimmst du 50–70 l. Wie du Obstbäume im Kübel pflanzt, gießt und überwinterst, folgt eigenen Regeln.
Wann pflanzt du Obstgehölze?
Wurzelnackte, frostunempfindliche Obstbäume pflanzt du bevorzugt ab Mitte Oktober. Aprikose und Pfirsich sind die Ausnahme, denn junge Bäume dieser Arten kommen vorzugsweise im Frühjahr in den Boden. Wer im Frühjahr pflanzt, hat je nach Obstgruppe eine andere Frist.
| Obstgehölz | Pflanztermin |
|---|---|
| Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Zwetschge, Mirabelle | Herbstpflanzung ab Mitte Oktober |
| junge Aprikosen und Pfirsiche | vorzugsweise im Frühjahr |
| Stein- und Beerenobst bei Frühjahrspflanzung | bis Ende März gepflanzt |
| Kernobst bei Frühjahrspflanzung | bis Mitte April gepflanzt |
Die Frühjahrsfristen gelten für die übliche Pflanzung vor dem Austrieb. Junge Aprikosen und Pfirsiche gehören ins Frühjahr, und Steinobst sollte dann bis Ende März gepflanzt sein. Für diese beiden Arten planst du den Pflanztag also vor Ende März.
Wie groß muss die Pflanzgrube sein?
Die Breite der Grube richtet sich nach den Wurzeln, die ausgebreitet hineinpassen müssen. Ich stelle den Baum deshalb zur Probe hinein, bevor ich weitergrabe.
Für die Pflanzgrube eines Obstbaums gelten etwa 50–60 cm Tiefe als Maß. Bei handgepflanzten Streuobstbäumen werden etwa 80 cm Durchmesser und 45 cm Tiefe genannt. In beiden Fällen wird die Grube wurzelgerecht bemessen.
Stich zuerst die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. ab und leg sie beiseite. Den dunkleren Oberboden und den Unterboden lege ich auf getrennte Haufen, damit beim Einfüllen jede Schicht wieder an ihren Platz kommt. Sind Wände und Sohle beim Stechen glatt und fest geworden, lockere ich sie mit der Grabegabel auf.
Was gehört in die Grube und was nicht?
Frische Holzhäcksel lasse ich aus dem Aushub heraus und halte sie auch von der BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. junger Obstgehölze fern. Bei ihrer Zersetzung können sie den Pflanzen verfügbaren Stickstoff entziehen. Reifer Kompost gehört ebenfalls nicht in die Tiefe, denn er wird vorzugsweise zum Austrieb im Frühjahr oberflächennah eingeharkt. Die Grube füllst du also mit dem eigenen Aushub, und was den Baum versorgen soll, kommt später von oben. Für Obstbäume und Beerensträucher in den ersten Standjahren nennt die Bayerische Gartenakademie 1–1,5 l reifen Kompost je Pflanze und Jahr. Diese Menge reicht in ihrem Kompostverfahren zur Versorgung mit PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. und Kalium.
Neuer Baum am alten Platz
Wo vorher schon ein Obstbaum stand, wählst du nach Möglichkeit einen anderen Pflanzplatz. Werden Äpfel wiederholt an derselben Stelle angebaut, können biologische Ungleichgewichte im Boden zu komplexen Nachbauproblemen führen. Lässt sich der alte Standort nicht vermeiden, entfernst du die alten Wurzeln möglichst vollständig und tauschst den Boden aus. Das Pflanzloch bekommt dafür etwa den doppelten Durchmesser des neuen Wurzelwerks. Bei Himbeeren wird vor einer neuen Pflanzung am gleichen Standort eine AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. von etwa 7 Jahren empfohlen.
Wie bereitest du die Wurzeln vor?
Wurzelnackte Bäume hältst du bis zur Pflanzung feucht und wässerst sie vor dem Setzen gründlich. Kommen sie im Frühjahr aus dem Kühlhaus, stehen sie vor dem Pflanzen 1–2 Stunden in Wasser. Beschädigte oder angefaulte Wurzeln schneidest du weg. Passt eine gesunde Wurzel nicht in die Grube, mache ich die Grube breiter, denn sie soll Platz für die ausgebreiteten Wurzeln bieten.
Containerobst nimmst du aus dem Topf und siehst dir den Ballen an. Ist er stark durchwurzelt oder laufen Ringelwurzeln im Kreis, ritzt du ihn an 3–4 Seiten an. Einen trockenen Ballen tauche ich vorher in Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
Einsetzen: erst der Pfahl, dann der Baum
Die Reihenfolge am Pflanzloch steht fest: Pfahl, Baum, Erde, Band.
Den Stützpfahl setzen
Der Stützpfahl kommt in die Grube, bevor der Baum darin steht. So schlägst du ihn in freien Boden und nicht nachträglich zwischen die Wurzeln. Oben endet er unterhalb der Krone. Ich setze ihn auf die Seite, von der bei mir meistens der Wind kommt. Für große Bäume an windigen Plätzen gibt es den Dreibock aus mehreren schräg eingeschlagenen, oben verbundenen Pfählen.
Für Buschbäume, Spindelbüsche und kleine Spaliere eignen sich beim Apfel die schwachen Unterlagen M27, M9 und M26. Bäume auf diesen Unterlagen sind nicht ausreichend standfest und brauchen zeitlebens eine Stütze. Wer einen kleinen Apfelbaum wählt, plant den Pfahl also dauerhaft ein.
Wie hoch muss die Veredelungsstelle sitzen?
Stell den Baum neben den Pfahl und prüfe die Höhe, bevor Erde in die Grube kommt. Die Veredelungsstelle muss nach dem Pflanzen mindestens 10 cm über der Bodenoberfläche liegen. Manche Empfehlungen nennen 15–20 cm. Ich lege dafür eine Latte quer über die Grube und messe von ihr hinauf zur Veredelungsstelle.
Die Veredelungsstelle erkennst du an einer leichten Verdickung oder Krümmung unten am Stamm. Dort ist die Edelsorte mit der Unterlage verwachsen.
Die Baumgröße hängt wesentlich an der Unterlage. Gerät die Veredelungsstelle unter die Erde, kann die Edelsorte eigene Wurzeln bilden und die Wirkung der Unterlage umgehen. Wer zu tief pflanzt, gefährdet also genau das, wofür er die Unterlage ausgesucht hat: die passende Baumgröße.
Rechne außerdem ein, dass sich die lockere Erde noch setzt. Bei Streuobstbäumen wird diese Setzung berücksichtigt, damit der Wurzelansatz auch danach über dem umgebenden Bodenniveau sichtbar bleibt.
Erde einfüllen und anbinden
Füll den Aushub lagenweise ein und rüttle den Baum dabei leicht, damit die Erde zwischen die Wurzeln rieselt. Jede Lage drückst du an, damit die Wurzeln Kontakt zum Boden bekommen. Kontrolliere zwischendurch die Höhe, denn beim Andrücken kann der Baum tiefer rutschen.
Zum Schluss bindest du den Baum an. Bei Streuobstbäumen sitzt die Anbindung 10–20 cm unterhalb der Krone. Zwischen Stamm und Pfahl bleiben dabei etwa 10 cm Abstand. Ich führe das Band als Acht zwischen beiden hindurch, damit die Rinde nicht am Pfahl reibt. Anbindung und Verbissschutz prüfst du mehrmals im Jahr, weil der Stamm dicker wird und ein Band einschnüren kann.
Wie viel Wasser braucht der Baum beim Angießen?
Aus der restlichen Erde formst du rund um die Pflanzstelle einen flachen Wall, den Gießrand. Er hält das Wasser dort, wo die Wurzeln sitzen. Gegossen wird unmittelbar nach dem Pflanzen, weil das Wasser die Erde an die Wurzeln spült. Für einen frisch gepflanzten Streuobstbaum sind das mindestens 20 l Wasser. Die Menge passt du an Bodenart und Pflanzlochgröße an. Ich gieße in mehreren Durchgängen und warte jedes Mal, bis das Wasser im Gießrand versickert ist.
Was gehört zum Pflanzschnitt?
Mit dem Pflanzschnitt legst du fest, aus welchen Trieben die Krone entsteht. Bei einem Streuobstbaum suchst du dir dafür gewöhnlich 2–3 Seitentriebe aus, die später die Leitäste werden. Das fertige Kronengerüst junger Streuobst-Hochstämme besteht aus einer Stammverlängerung und 3–4 Leitästen. Diese Leitäste stehen in einem Winkel von ungefähr 45° zur Stammverlängerung.
Die Auswahl am Pflanztag und das fertige Gerüst sind also nicht dasselbe, die Krone wird in den Folgejahren weiter aufgebaut. Bei jungen Streuobst-Hochstämmen folgt dafür die Erziehungsphase mit einem Schnitt in jedem Jahr, vom zweiten bis ungefähr zum zehnten Standjahr. Echte Säulenäpfel sind die Ausnahme: Ihre Mittelachse schneidest du zunächst nicht an.
Wie stark du einzelne Triebe einkürzt, hängt von Obstart und Baumform ab. Mit welchen Schnitttechniken du Kern-, Stein- und Beerenobst in jeder Lebensphase gesund und ertragreich hältst, ist ein eigenes Thema.
Was steht nach dem Pflanztag an?
Gepflanzt ist der Baum jetzt, angewachsen ist er noch nicht.
Gießen in den ersten Jahren
Nach dem Angießen richtest du dich nicht nach dem Kalender, sondern nach dem Zustand des Bodens.
Bei welken Blättern sofort gießen. Das Welken kann auf Wassermangel hindeuten, tritt aber auch bei geschädigten Wurzeln in nassem Boden auf. Prüfe deshalb vor dem nächsten Gießen mit einer SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge., wie feucht der Boden ist.
Ist der Boden trocken, gießt du durchdringend. Je nach Bodenart werden dafür 10–20 l/m² angesetzt. Das Wasser bringst du möglichst morgens und bodennah aus, damit der Wurzelraum versorgt und das Laub wenig benetzt wird. Auf die Wasserversorgung achtest du bei Trockenheit noch lange, denn für Gehölze gelten die ersten 5–8 Jahre nach der Pflanzung als besonders heikel. Deshalb lohnt es sich, früh zu klären, mit welcher Technik du Obstbäume und Sträucher bedarfsgerecht bewässerst.
Baumscheibe frei halten
Bei jungen Streuobstbäumen hilft es beim Anwachsen, wenn die Baumscheibe mindestens 5 Jahre bewuchsfrei bleibt. Besonders jungen oder schwachwurzelnden Obstbäumen hilft bei Trockenheit eine bewuchsfreie Baumscheibe von 1–2 m Durchmesser, auf die du angewelkten Grasschnitt als Mulch legst. Ab September nimmst du den Mulch bei jungen Obstgehölzen wieder herunter, damit Wühlmäuse darunter keinen Schutz finden. Was im Jahreslauf sonst ansteht, vom Mulch bis zum Fruchtbehang, steht im Pflege-Abschnitt der Übersicht zu Obst und Obstgehölzen. Einen Überblick, welche Arbeiten im Obstgarten in Frühling, Sommer, Herbst und Winter anfallen, bekommst du im Pflegeratgeber für das ganze Jahr.
Begleitpflanzen erst später
In einem Versuch der LWG mit jungen Apfelbäumen auf leichten lehmigen Sandböden waren die geprüften Untersaaten ungeeignet, weil die Wasserkonkurrenz zu hoch war. Zusammen mit der bewuchsfreien Baumscheibe heißt das: BegleitpflanzenEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. direkt am Stamm verschiebst du auf später. Die Vorteile einer MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. zeigen sich ohnehin nicht an jedem Standort gleichermaßen. Wie du Obstbäume mit Gilden und mehreren Pflanzschichten kombinierst, planst du, während der Baum einwurzelt.

