Leichtes Substrat für Balkonpflanzen: Blähton, Perlit, Vermiculit und Kokos im Vergleich
- Perlit und Blähton machen Substrat leicht und luftig, halten aber wenig Wasser und puffern kaum Nährstoffe.
- Vermiculit ist ebenfalls leicht, hat eine mittlere Wasserkapazität und kann Nährstoffkationen puffern.
- Viel Kokos- oder Holzfaser spart Gewicht, speichert aber weniger Wasser: Feuchte öfter und tiefer im Topf prüfen.
- Mischbeispiel für den Balkonkasten: 30 % vollständig verrotteter Kompost, 70 % gleiche Teile Rindenhumus, Kokosfaser und gebrochener Blähton oder Perlit.
- Komposthaltige Mischungen passen wegen ihres oft hohen pH-Werts nicht generell zu Fächerblumen, Surfinien und Zitrusgewächsen.
- Hohe Kübelpflanzen in leichtem Substrat brauchen ein standfestes Gefäß, damit Wind sie nicht umwirft.
Ein großer Kübel voll feuchter Erde lässt sich kaum noch verrücken, und auf dem Balkon trägt die Konstruktion alles mit, was du hinstellst. Wenn ich im Frühjahr einen Kübel neu befülle, überlege ich deshalb zuerst, wie schwer er am Ende wird. Leichte Zuschlagstoffe wie Blähton, Perlit, VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe. oder Kokosfaser nehmen Gewicht aus dem Gefäß. Sie verändern aber auch, wie viel Wasser und Nährstoffe die Erde hält.
Als Grundlage für Balkonkästen und Gefäße empfiehlt die Bayerische Gartenakademie torffreie Qualitätserden mit mindestens 3 verschiedenen Torfersatzstoffen. Wie leicht dein SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. wird und wie gut es Wasser und Nährstoffe hält, hängt an den Zuschlagstoffen darin. Genau diese Abwägung zwischen Gewicht, Wasser und Nährstoffen begleitet jeden, der auf dem Balkon gärtnert.
Warum das Gewicht im Balkongefäß zählt
Das Gewicht eines bepflanzten Gefäßes setzt sich aus Gefäß, Substrat und dem Wasser darin zusammen. Große Kübel fassen viel Substrat. Für eine hochwachsende Stabtomate, die bis zum Herbst Früchte trägt, gelten 35 bis 40 Liter Substrat als optimal. Nach dem Gießen wiegt jeder dieser Liter mehr als im trockenen Zustand.
Bevor du mehrere große Kübel aufstellst, fragst du deshalb bei Vermieter oder Hausverwaltung nach.
Leichte Substrate helfen dir an zwei Stellen. Sie senken die Last auf dem Balkon, und sie machen Kästen und Kübel handlicher, wenn du umstellen oder umtopfen willst.
Das Gewicht verrät dir außerdem, wie feucht die Erde ist. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während der untere Topfbereich noch feucht ist. Ich hebe meine Balkonkästen deshalb vor dem Gießen an einer Ecke an und vergleiche, wie schwer sie sich anfühlen.
Leichtigkeit hat auch eine Kehrseite. Hohe Kübelpflanzen brauchen standfeste Gefäße, damit kräftiger Wind sie nicht umwirft. Wer bei einer hohen Pflanze am Substrat Gewicht spart, nimmt dem Kübel Ballast, und umso mehr kommt es dann auf ein standfestes Gefäß an.
Dazu kommt der begrenzte Wurzelraum im Gefäß. Wie viel Wasser eine Pflanze darin braucht, hängt von Art, Sorte, Wetter und Substrat ab, außerdem davon, wie stark Sonne und Wind den Standort treffen. Was das Gärtnern im begrenzten Wurzelraum grundsätzlich ausmacht, steht im Ratgeber darüber, was Balkon und Kübel beim Gärtnern im Gefäß verbindet.
Blähton: leicht und luftig, aber kein Wasserspeicher
Blähton ist eine leichte mineralische Komponente mit hoher Luftkapazität. In Mischsubstraten sorgt er für Stabilität und hält Luft im Wurzelraum. Wasser und Nährstoffe hält er dagegen kaum: Seine Wasserkapazität ist gering, seine Nährstoffpufferung ebenso. Blähton nimmt also Gewicht aus der Mischung, ohne selbst zum Vorrat für Wasser oder Nährstoffe zu werden.
Für meine Kastenmischung nehme ich gebrochenen Blähton und mische ihn gleichmäßig unter die übrigen Bestandteile.
Wer Blähton als Drainageschicht unten ins Gefäß füllt, legt ein Vlies zwischen Substrat und Blähton. So wird keine Erde in die Drainageschicht geschwemmt. Ablauflöcher braucht das Gefäß trotzdem, damit sich an regenreichen Tagen kein Wasser staut.
Speichert Blähton Wasser für heiße Tage? Als Substratkomponente hat er eine geringe Wasserkapazität und puffert kaum Nährstoffe. Seine Aufgabe in der Mischung sind Luft und Stabilität, den Vorrat liefern andere Bestandteile.
Perlit und Vermiculit: beide leicht, beim Wasser verschieden
Perlit und Vermiculit sind beide leicht, im Wurzelraum arbeiten sie aber unterschiedlich. Perlit ist ein strukturstabiler Zuschlagstoff mit hoher Luftleitfähigkeit. Seine Wasserkapazität ist gering, und auch Nährstoffe puffert er kaum.
Vermiculit hat eine mittlere Wasserkapazität. Als Tonmineral kann er außerdem Nährstoffkationen puffern.
| Zuschlagstoff | Gewicht | Wasserkapazität | Nährstoffpufferung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Blähton | leicht | gering | gering | hohe Luftkapazität, stabilisiert Mischsubstrate |
| Perlit | leicht | gering | gering | hohe Luftleitfähigkeit, strukturstabil |
| Vermiculit | leicht | mittel | kann Nährstoffkationen puffern | Tonmineral |
Wurzeln nehmen Nährstoffe als Ionen auf, die im Bodenwasser gelöst sind. Ein Material, das Nährstoffkationen puffert, hält einen Teil dieser gelösten Nährstoffe fest. Die Wasserkapazität sagt dir, wie viel Wasser ein Material halten kann, die Luftkapazität, wie viel Luft.
Für deine Mischung heißt das: Perlit und Blähton halten wenig Wasser und kaum Nährstoffe, Vermiculit bringt mittlere Wasserkapazität und Nährstoffpufferung mit. Soll eine leichte Mischung vor allem Wasser und Nährstoffe halten, greifst du deshalb eher zu Vermiculit. Soll sie vor allem luftig werden, passen Perlit und Blähton besser.
Kokosfaser: leicht und luftig, aber mit weniger Wasservorrat
Neben den mineralischen Zuschlagstoffen gibt es einen zweiten Weg zu leichter Erde: einen hohen Faseranteil. Substrate mit viel Kokos- oder Holzfaser sind leicht und gut durchlüftet. Allerdings speichern solche Substrate weniger Wasser, sodass du die Feuchte häufiger kontrollieren musst.
Öfter kontrollieren heißt bei torffreien Gefäßsubstraten aber auch, tiefer zu prüfen. Dort kann das untere Drittel noch feucht sein, obwohl die Oberfläche trocken aussieht. Wer bei faserreicher, torffreier Erde nur oben fühlt, gießt deshalb womöglich in feuchte Erde nach.
Bei meinen faserreichen Kästen prüfe ich die Feuchte mit dem Finger weiter unten im Substrat und nicht nur an der Oberfläche.
Kokosfaser als Wasserspeicher einplanen. Ein hoher Kokosfaseranteil macht das Substrat leicht und luftig, speichert aber weniger Wasser. Plane deshalb häufigere Feuchtekontrollen ein.
Leichte Mischungen, die Wasser und Nährstoffe halten
Keiner der leichten Stoffe kann allein alles. Blähton und Perlit bringen Luft, Vermiculit eine mittlere Wasserkapazität, Fasern sparen Gewicht. Erst in der Mischung kommen Leichtigkeit, Wasser und Nährstoffe zusammen.
Eine mögliche Balkonkastenerde besteht zu 30 % aus vollständig verrottetem Kompost. Die übrigen 70 % sind eine Mischung aus gleichen Teilen RindenhumusRindenhumus ist feine, kompostierte Rinde. Du arbeitest ihn leicht in die Beeterde ein, um dem Boden organische Substanz und Nährstoffe zuzuführen – anders als Rindenmulch, der als Abdeckung obenauf liegt., Kokosfaser und gebrochenem Blähton oder Perlit.
In dieser Mischung sorgen Kokosfaser und Blähton oder Perlit für ein leichtes, luftiges Substrat. Der Kompost bringt Nährstoffe mit. Je Liter enthält er je nach Zusammensetzung durchschnittlich 3 bis 7 g GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist.. Mehr Kompost gibst du nicht dazu, denn gesiebter Kompost kann Balkonkastensubstraten mit höchstens 30 % beigemischt werden.
Ein anderes Balkonerde-Rezept arbeitet mit einem Drittel Kompost, allerdings mit eigenen übrigen Bestandteilen. Übernimm deshalb immer ein Rezept als Ganzes und kombiniere keine Anteile aus zwei Rezepten.
Kompost ist dabei kein schnell wirkender Dünger. Im ersten Jahr nach einer Kompostgabe stehen den Pflanzen nur etwa 10 bis 30 % seines Gesamtstickstoffs zur Verfügung. Zudem kann auch vorgedüngte torffreie Erde zeitweise zu wenig pflanzenverfügbaren StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). liefern. Eine komposthaltige Mischung ist also nicht automatisch gut mit Stickstoff versorgt, und heller werdendes Laub kann auf einen solchen Engpass hindeuten.
Diese komposthaltige Mischung eignet sich wegen ihres oft hohen pH-WertsDer pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch etwas ist, etwa Gartenboden, Blumenerde, Gießwasser oder Kompost. Die Skala reicht von 0 bis 14; der Wert 7 gilt als neutral, niedrigere Werte sind sauer, höhere alkalisch. nicht generell für Fächerblumen, Surfinien und Zitrusgewächse. Für Heidelbeeren und andere Moorbeetpflanzen ist Kompost wegen seiner Kalkwirkung ungeeignet.
Für Kompost wird ein pH-Bereich von 6,5 bis 7,5 angegeben. Wie pH-Wert und Salzgehalt die Nährstoffaufnahme beeinflussen, beschreibt der Balkon-und-Kübel-Ratgeber im Abschnitt Nährstoffe und Düngerarten.
Manche Pflanzen verlangen von sich aus ein leichtes Substrat. Schmucklilien etwa bevorzugen einen leichten, porösen, sehr gut durchlässigen Boden mit reichlich Laubhumus. Sieh deshalb bei jeder Pflanze nach, welches Substrat sie braucht, bevor du mischst.
Ich mische die Bestandteile in einer großen Wanne gründlich durch, bevor ich den Kasten fülle. Vorher prüfe ich bei jedem Gefäß, ob die Wasserabzugslöcher vorhanden und frei sind.
Fertige Erde statt eigener Mischung
Wer fertige Erde kauft, liest zuerst die Deklaration, denn die Kennzeichnung als Bio-Erde garantiert keine Torffreiheit. Für Kübel, die mehrere Jahre bepflanzt bleiben, eignet sich strukturstabile Kübelpflanzenerde, die Verdichtung und VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen. im unteren Topfbereich entgegenwirkt. Wie du Erde auswählst und gebrauchte Erde aufbereitest, steht im Balkon-und-Kübel-Ratgeber im Abschnitt Erde und Substrat.
Gießen und Düngen in leichter Erde
Leichte Mischungen prüfst du vor dem Gießen tiefer im Topf und gießt dann so, dass das Substrat bis zum Topfboden durchfeuchtet. Beim Düngen helfen bedarfsgerecht verteilte Gaben leicht löslicher mineralischer Dünger, Stickstoffverluste durch AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. zu begrenzen. Rhythmus und Mengen je Pflanzengruppe beschreibt der Balkon-und-Kübel-Ratgeber in den Abschnitten Gießen und Düngen im Kübel.

