Bokashi im Winter: Fermentieren bei Kälte und Vererden in der Wanne
- Bokashi fermentiert unter Luftabschluss und kann auch bei Zimmertemperatur arbeiten, im Winter steht der Eimer deshalb am besten im Haus.
- Für die geschlossene Fermentation werden je nach Verfahren etwa 2 bis 6 Wochen angesetzt, bei Kälte kann es länger dauern.
- Den Sickersaft lässt du auch im Winter etwa alle 2 bis 3 Tage ab.
- Frisches Ferment gehört nicht direkt an Pflanzen, es wird erst mit Erde oder Kompost weiter umgesetzt.
- Bei gefrorenem oder nassem Boden vererdest du in einem offenen Behälter statt im Beet.
- Die reife Bokashi-Erde kommt zum Wachstumsbeginn im Frühjahr aufs Beet.

Im Winter füllt sich der Bokashi-Eimer weiter, aber das Beet nimmt nichts mehr an. Der Boden ist gefroren oder so nass, dass du ihn nicht bearbeiten solltest, und frisches Ferment gehört ohnehin nicht direkt an Pflanzen. Ich hole den Eimer deshalb im Spätherbst ins Haus und vererde den fertigen Inhalt in einer offenen Wanne mit Gartenerde. Im Frühjahr kommt diese Bokashi-Erde dann aufs Beet.
Wie Bokashi funktioniert, kurz gefasst
Bokashi behandelt Küchenabfälle durch Milchsäuregärung im luftdicht verschlossenen Eimer vor, danach folgt ein zweiter Schritt in Erde oder Kompost. Die Einordnung neben Wurmkiste und Komposthaufen findest du unter Kompost pflegen, prüfen und verwenden. Welche Küchenabfälle in den Eimer dürfen und wie du das Ferment im Garten verwertest, erklärt ein eigener Ratgeber.
Wo steht der Bokashi-Eimer im Winter am besten?
Die Fermentation im Haushaltseimer kann bei Zimmertemperatur ablaufen. Bei kalten Bedingungen kann sie dagegen länger dauern. Im Winter ist der warme Raum deshalb der einfachste Standort, weil er genau die Kälte vermeidet, die die Gärung verlängern kann.
Ich stelle meinen Eimer vom Spätherbst bis zum Frühjahr in die Küche, in die Ecke neben dem Vorratsschrank. Garage, Gartenhaus und Balkon kühlen im Winter aus, dort planst du für die Fermentation mehr Zeit ein. Den vollen Eimer trage ich zum Entleeren nach draußen, weil Ferment und Saft geruchsintensiv sein können.
Wie isolierst du den Eimer, wenn er kühl stehen muss?
Nicht in jeder Wohnung ist Platz für zwei Eimer, manchmal muss einer in den Keller oder die Garage. Für diesen Fall übernehme ich, was im Winter auch Kübelpflanzen schützt: eine isolierende Unterlage, eine Ummantelung und einen windgeschützten Platz. Ich stelle den Eimer auf eine Styroporplatte und wickle ihn in eine alte Wolldecke. Den Ablasshahn lasse ich frei, damit ich den Saft ablassen kann, ohne die Hülle abzunehmen. Eine Garantie gegen Frost ist die Hülle nicht.
„Die Hülle muss Luft durchlassen, sonst fehlt den Mikroorganismen Sauerstoff.“ Beim Winterkompost stimmt der Gedanke, denn eine Abdeckung soll dort vor Nässe und Wärmeverlust schützen und trotzdem Belüftung zulassen. Bokashi fermentiert dagegen unter Luftabschluss, der Eimer ist ohnehin dicht verschlossen. Eine geschlossene Hülle um den Eimer nimmt dem Inhalt also nichts weg.
Was ändert sich beim Befüllen im Winter?
Die Handgriffe bleiben dieselben wie im Sommer. Obst- und Gemüsereste schneide ich klein, gebe sie in den Eimer und drücke jede Portion fest an. So bleibt zwischen den Resten möglichst wenig Luft. Danach schließe ich den Deckel gleich wieder, denn die Gärung läuft unter Luftabschluss. Welcher Eimer zu deinem Haushalt passt und wie du ihn befüllst und reinigst, zeigt der Ratgeber zum Bokashi-Eimer.
Ein zweiter Eimer nimmt neue Küchenreste auf, während der erste geschlossen fermentiert. Weil diese Phase bei Kälte länger dauern kann, bleibt der volle Eimer im Winter womöglich länger zu. Ohne zweiten Eimer fehlt dir in dieser Zeit der Platz für neue Reste.
Vorfermentieren: ein Warmstart für den ganzen Eimer
Manche lassen Küchenreste vor dem Einfüllen erst bei Zimmertemperatur stehen, damit die Gärung im kalten Eimer schneller anläuft. Ich gebe die Reste frisch und zerkleinert in den Eimer und hole mir die Wärme auf anderem Weg. Der ganze Eimer steht während der Fermentation im Haus, also bei Zimmertemperatur. Welche Rolle Effektive Mikroorganismen und Kleie bei der Fermentation spielen, liest du im Ratgeber zur Bokashi-Methode.
Wie lange dauert die Fermentation bei Kälte?
Nach dem letzten Befüllen bleibt der Eimer für die Fermentation etwa 2 bis 3 Wochen verschlossen. Je nach Verfahren werden für diese geschlossene Phase auch etwa 2 bis 6 Wochen angesetzt. Bei kalten Bedingungen können längere Zeiten nötig sein, im kühlen Keller lässt du den Eimer also eher länger zu.
In dieser Zeit sammelt sich unter dem Siebeinsatz Flüssigkeit. Du lässt sie etwa alle 2 bis 3 Tage ab, auch wenn der Eimer kühl steht. Nach dem Entleeren reinigst du den Eimer und lässt ihn an der Luft trocknen, bevor er wieder befüllt wird.
Ich klebe einen Streifen Malerkrepp auf den Deckel und notiere darauf das Datum der letzten Befüllung. Im Keller sehe ich so auf einen Blick, wie lange der Eimer schon geschlossen ist.
Ob das Ferment gelungen ist, zeigen Geruch und Aussehen. Welche Merkmale dazugehören und was ein Fehlgeruch bedeutet, beschreibt der Ratgeber zur Verwertung von Küchenabfällen.
Wie vererdest du Bokashi im Winter?
Fermentierter Bokashi ist noch kein fertiger Dünger. Er muss anschließend durch Vermischen mit Erde oder durch Kompostierung weiter umgesetzt werden. Im Winter kommen dafür das Beet, eine Wanne oder der Komposter infrage, und ich nehme die Wanne.
Frisches Ferment gehört nicht an bestehende Pflanzen, auch nicht an Kübelpflanzen oder Wintergemüse. Es kann sie schädigen und wird deshalb zuerst mit Erde oder Kompost weiter umgesetzt.
Warum das Ferment nicht ins gefrorene Beet gehört
Gefrorenen Boden bekommst du kaum auf, und nassen Boden solltest du nicht bearbeiten. Bereit ist ein Beet erst, wenn die Erde nicht mehr an Schuhen und Spaten haftet. Organische Dünger setzen bei Frost keine oder nur wenige Nährstoffe frei, und auf einem leeren Beet kann keine Pflanze aufnehmen, was in milderen Phasen frei wird. Für eingegrabenes Ferment heißt das: Im Frost ruht es, und was später frei wird, kann ausgewaschen werden, bevor im Frühjahr etwas wächst. Ich grabe im Winter deshalb nichts ins leere Beet ein.
Vererden in der Wanne: so gehe ich vor
Ein häusliches Bokashi-Verfahren kommt ohne Beet aus, weil die Nachreife in einem offenen Behälter läuft:
| Schritt | Angabe |
|---|---|
| Fermentation im geschlossenen Eimer | 6 Wochen |
| Mischung | 1 Teil Ferment auf 4 Teile Gartenerde oder Kompost |
| Nachreife | weitere 3 Monate im offenen Behälter |
| Pflege während der Nachreife | gelegentlich umsetzen |
Ich nehme dafür eine Mörtelwanne ohne Deckel und stelle sie unter das Vordach am Schuppen. Die Gartenerde fülle ich schon im Herbst ab, solange der Boden offen ist, und lagere den Sack trocken. Gegen Regen und Schnee lege ich ein Brett schräg über die Wanne, sodass weiter Luft an die Mischung kommt. Feucht, aber nicht nass soll sie sein, ähnlich einem ausgedrückten Schwamm.
Ein geschützter Platz kann helfen, denn die Aktivität der BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben. hängt unter anderem von Temperatur und Feuchte ab. Bei Kälte kann die Nachreife deshalb länger dauern als im Sommer. Nach dem Umsetzen wasche ich mir die Hände.
Asche aus dem Kaminofen in die Wanne geben. Holzasche kann mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet sein und gehört weder als Dünger aufs Beet noch in den Kompost. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll.
Das Ferment in den Winterkompost geben
Schnellkomposter, die laufend mit geringen Abfallmengen befüllt werden, entwickeln auch mit Wärmedämmung häufig nur wenig Eigenwärme. Bokashi konserviert Küchenabfälle dagegen durch Fermentation und kann als Zwischenstufe vor der Kompostierung dienen. Im Winter fängt der Eimer die Küchenreste also auf, und der kalte Komposter bekommt sie bereits vorbehandelt. Auch ohne ausgeprägte Heißrotte kann im Garten durch Kaltrotte guter Kompost entstehen.
Ich lege das Ferment im Komposter in dünnen Lagen zwischen Herbstlaub aus meinem Vorrat. Hast du auch gekochte Reste fermentiert, gehört das Ferment nicht auf den Gartenkompost, weil gekochte Speisereste Ratten anlocken können. Wie du den Kompost im Winter mit Isolierung und passendem Material in Gang hältst, steht im Ratgeber zur Winterkompostierung.
Woran du erkennst, dass die Bokashi-Erde reif ist
Ich prüfe die Mischung wie jungen Kompost. Eine gleichmäßig feinkrümelige Struktur und ein Geruch nach feuchter Walderde sind Hinweise auf Reife. Zusätzlich hilft ein KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch.: Du säst Kresse in die Mischung und zum Vergleich in Gartenerde. Wächst sie in der Mischung schwächer oder färbt sie sich gelblich-braun, braucht die Bokashi-Erde noch Zeit.
Wohin mit dem Bokashi-Saft im Winter?
Verdünnt im Verhältnis 1:100 mit Wasser dient Bokashi-Saft als Flüssigdünger auf Gartenfreiflächen. Weil er geruchsintensiv sein kann, verwendest du ihn eher draußen als in der Wohnung. Im Winter fehlen draußen allerdings die Abnehmer. Topf- und Kübelpflanzen, die im Freien überwintern, werden nicht gedüngt, und auf leeren Beeten können Nährstoffe ausgewaschen werden. Ich gieße den Saft im Winter deshalb weder auf leere Beete noch in ruhende Kübel.
Auch drinnen ist der Bedarf gering: Zimmerpflanzen bekommen in der winterlichen Ruhephase wenig oder gar keinen Dünger, winterblühende ausgenommen. Ohne Garten hilft dir der Ratgeber, wie du Ferment und Saft in der Stadtwohnung bei Topf- und Zimmerpflanzen unterbringst.
Was im Frühjahr mit der Bokashi-Erde passiert
Die reife Mischung behandle ich wie Kompost und bringe sie zum Wachstumsbeginn im Frühjahr aus, weil winterliche Niederschläge nach einer Herbstgabe Nährstoffe auswaschen können. In einem vierjährigen Feldversuch brachte die Zugabe Effektiver Mikroorganismen keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Die beobachteten Wirkungen der Bokashi-Gaben wurden dort auf organisches Material und Nährstoffzufuhr zurückgeführt. Wie du das Ferment im Garten einsetzt, vertieft der Ratgeber zur Verwertung von Küchenabfällen.
Bevor der erste Frost kommt, räumst du im Haus einen Platz für den Eimer frei und stellst einen zweiten Eimer bereit. Füll außerdem einen Sack Gartenerde ab, solange der Boden offen ist, und such dir für die Nachreife eine Wanne ohne Deckel und einen geschützten Platz.
