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Raublattgewächse (Boraginaceae): Borretsch, Vergissmeinnicht und Büschelschön im Garten nutzen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Raublattgewächse (Boraginaceae) erkennst du an rauer Behaarung, einfachen wechselständigen Blättern und häufig wickelförmigen Blütenständen.
  • Borretsch enthält 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide und gehört deshalb nicht in Salate oder grüne Smoothies.
  • Büschelschön (Phacelia tanacetifolia) liefert nektarreiche Blüten und lässt sich von Mitte März bis Ende August als Gründüngung säen.
  • Vor Erdbeeren ist Büschelschön als Gründüngung nicht empfohlen.
  • Wald-Vergissmeinnicht säst du meist im Juni oder Juli in Saatschalen und pflanzt es im Herbst an seinen Platz.
  • Borretsch säst du von April bis Juni direkt ins Beet, je nach Saatgut auch noch im Juli.
Nahaufnahme von blauen Vergissmeinnicht-Blüten mit gelber Mitte auf einem Stiel vor unscharfem grünem
Foto: PetrGanaj · Pixabay Content License · Quelle ↗

Borretschblüten auf dem Salat sehen hübsch aus, und genau dort lasse ich sie weg. Die Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide, deshalb ist sie für mich kein Salatkraut. Im Garten ist dieselbe Familie trotzdem nützlich: Büschelschön begrünt freie Beete, Vergissmeinnicht füllt das Frühjahrsbeet, Borretsch blüht für Bienen und Hummeln. Ich pflanze Raublattgewächse für Blüten, Insekten und Boden, nicht für die Küche.

Botanisch heißt die Familie Boraginaceae, seltener sagt man Borretschgewächse. Verwandte Arten werden zu Gattungen zusammengefasst, verwandte Gattungen zu Familien. Deshalb stehen Borretsch, Vergissmeinnicht und Büschelschön in verschiedenen Gattungen, aber in derselben Familie.

Woran erkennst du Raublattgewächse (Boraginaceae)?

Fass ein Borretschblatt an, dann weißt du, woher der Name kommt. Blätter und Stängel sind rau und oft kratzig behaart. Bei den heimischen Arten kommen einfache, wechselständige Blätter und häufig wickelförmige Blütenstände dazu. Die Blätter sind meist ganzrandig, die Blüten fünfzählig. Ihre Kronblätter sind meist zu einer Röhre oder einem Stielteller verwachsen.

Tropische Gattungen der Familie sehen teils deutlich anders aus. Im Garten bei uns kommst du mit Behaarung, Blattstellung und Blütenstand gut zurecht.

Kurz erklärt

Ein Wickel ist ein Blütenstand, der anfangs eingerollt ist und sich beim Aufblühen nach und nach streckt. Bei den Raublattgewächsen wird er als Doppelwickel beschrieben.

Verwechseln kannst du die Familie mit anderen behaarten Kräutern. Typische Lippenblütler wie Salbei haben einen vierkantigen Stängel und gegenständige Blätter. Raublattgewächse tragen ihre Blätter wechselständig. Die Blattstellung ist also dein schneller Prüfpunkt, bevor du auf die Blüte wartest.

Wozu dienen die Haare?

Die Pflanzenhaare heißen in der Botanik Trichome. Wozu sie den Raublattgewächsen genau dienen, ist nicht abschließend geklärt. Bei vielen Pflanzen können solche Haare Fraß erschweren, vor Kälte schützen und die Verdunstung bremsen. Beim Arbeiten merkst du vor allem, dass die Borsten auf der Haut kratzen. Ich ziehe deshalb Handschuhe an, bevor ich Borretsch ausreiße.

Warum gehört Borretsch nicht in den Salat?

Borretsch (Borago officinalis) heißt auch Gurkenkraut, weil seine Blätter leicht nach Gurke schmecken. Er stammt aus dem Mittelmeerraum und gilt als traditionelle Zutat der Grünen Soße. Meide ihn trotzdem, wenn du Pflanzen für Salate oder grüne Smoothies sammelst. Der Grund sind die 1,2-ungesättigten Pyrrolizidinalkaloide, die Borretsch enthält. Der Name Gurkenkraut beschreibt also den Geschmack der Blätter, nicht ihre Eignung als Salatzutat.

In meiner Küche bleibt Borretsch draußen, auch aus der Grünen Soße. Die blauen Blüten werden oft als Tellerdekoration empfohlen, ich lasse sie an der Pflanze. Mit den übrigen Arten der Familie halte ich es genauso: Sie stehen bei mir im Beet, nicht auf dem Speiseplan.

Achtung

Meide Borretsch in Salaten und grünen Smoothies. Für Kinder gilt im Garten die Regel: Vor dem Essen von Gartenpflanzen wird eine erwachsene Person gefragt. Erinnere sie daran, wenn der Borretsch blau blüht.

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Wie nutzt du Borretsch im Garten?

Als Blütenpflanze passt Borretsch gut ins Beet. Bienen und Hummeln fliegen die blauen Blüten an, und die Pflanze schiebt lange neue Blüten nach. Du säst ihn von April bis Juni direkt ins Beet, manche Saatgutanleitungen nennen auch noch den Juli. Die Saattiefe liegt je nach Saatgut zwischen 0,5 und 2 cm. Maßgeblich ist die Anleitung auf deiner Tüte.

Borretsch wächst schnell und üppig, deshalb planst du den Abstand als System. Zwischen den Reihen bleiben 30 cm. In der Reihe sind es je nach Saatgut 15 bis 30 cm. Eine Erziehungsform gibt es bei Borretsch nicht, er wächst frei.

Im Gemüsebeet bringt Borretsch Blütenbesucher zwischen die Kulturen. Verlass dich beim Schutz der Nachbarpflanzen nicht allein auf Borretsch. Im Mischkultur-Werkzeug siehst du, welche Gemüse als Beetnachbarn zusammenpassen.

Borretsch kann sich selbst aussäen. Dann keimen im nächsten Jahr Sämlinge an Stellen, die du nicht eingeplant hast.

Marias Erfahrung

Ich gehe im Frühjahr mit der Hacke durch die Beete und lasse nur die Borretsch-Sämlinge stehen, die keiner Kultur im Weg sind. Den Rest hacke ich flach weg, solange die Pflanzen klein sind.

Wie setzt du Büschelschön als Gründüngung ein?

Büschelschön (Phacelia tanacetifolia) stammt aus Übersee und wird als Gründüngung kultiviert. Du kannst es von Mitte März bis Ende August säen, also auch auf Beete, die im Sommer frei werden. Das lange Fenster erlaubt dir, immer dann nachzusäen, wenn eine Fläche abgeerntet ist. Die Saat kann den Boden rasch bedecken. Ihre Wurzeln können Nährstoffe aufnehmen, die sonst im Herbst ausgewaschen würden.

Friert der Bestand im Winter ab, lässt du die Reste auf dem Beet liegen. Sie wirken wie eine Mulchdecke, und die schützt die Bodenoberfläche bei Starkregen vor Verschlämmung. Arbeitest du die Gründüngung später ein, zählt sie beim Düngen der Folgekultur als Nährstoffquelle mit.

Bei der Fruchtfolge gilt: Gemüsearten derselben Pflanzenfamilie sollten nicht unmittelbar nacheinander auf demselben Beet stehen. Auch Gründüngung zählt dabei, denn Gelbsenf und Ölrettich sind Kreuzblütler wie Kohl und Radieschen und werden bei deren Anbauabständen mitgezählt. Büschelschön ist ein Raublattgewächs und fällt nicht in diese Rechnung. Auf Beeten mit viel Kohl ist das ein Vorteil. Wie du die Fruchtfolge nach Pflanzenfamilien planst, zeigt die Übersicht zur Gartenplanung.

Häufiger Fehler

Büschelschön wird gern auf jede freie Fläche gesät. Vor Erdbeeren ist es als Gründüngung aber nicht empfohlen. Planst du ein Erdbeerbeet, nimm für diese Fläche eine andere Gründüngung.

Ich trage in meinen Plan ein, wo Büschelschön stand und was danach folgt. Dafür eignet sich ein Beetplan mit Belegungszeiten, Vor- und Nachkulturen.

Büschelschön als Bienenweide

Die Beinamen Bienenweide und Bienenfreund sagen, wofür die Art noch gesät wird. Ihre Blüten sind nektarreich und liefern Insekten Nahrung, sie wird auch gezielt als Trachtpflanze für Honigbienen angebaut. Eine heimische Art ist Büschelschön nicht. Spezialisierte Wildbienen brauchen bestimmte heimische Pflanzen, geeignete früh- und spätblühende Arten anderer Herkunft können dieses Angebot ergänzen. Büschelschön ist also eine Ergänzung zum heimischen Blütenangebot und kein Ersatz dafür.

Heimische Verwandte aus der Familie sind zum Beispiel Natternkopf und Lungenkraut.

Für das Blumenbeet gibt es eine dekorative Verwandte. Phacelia campanularia trägt himmelblaue Glockenblüten und eignet sich, um Lücken im Blumenbeet zu füllen.

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Wie ziehst du Vergissmeinnicht für das Frühjahrsbeet?

Vergissmeinnicht (Myosotis) blüht früh im Jahr mit kleinen blauen Blüten und gelber Mitte. Die Arbeit dafür liegt im Sommer davor. Wald-Vergissmeinnicht säst du meist im Juni oder Juli in Saatschalen im Freiland. Im Herbst pflanzt du die Jungpflanzen an ihren endgültigen Platz. Der Standort ist sonnig bis halbschattig, der Boden locker, durchlässig und nährstoffreich.

In größeren Gruppen, als Beetrand oder zwischen Stauden kommen die Pflanzen gut zur Geltung. Tulpen passen dazu, auch vom Ablauf her: Sie werden von Ende September bis Mitte November in durchlässigen Boden ohne Staunässe gepflanzt. Vergissmeinnicht kommt ebenfalls im Herbst an seinen Platz und will durchlässigen Boden. Du erledigst beides also in einem Arbeitsgang.

Vergissmeinnicht kann sich selbst aussäen und besetzt dann Lücken im Beet. Ich lasse einen Teil der verblühten Pflanzen stehen, bis die Samen ausgefallen sind, und räume erst danach ab.

Wann säst du welche Art?

Die Arten unterscheiden sich in Saattermin und Verfahren. Mit diesen Werten plane ich:

Art Aussaat So gehst du vor
Borretsch April bis Juni, je nach Saatgut bis Juli direkt ins Beet, 0,5 bis 2 cm tief nach Saatgutanleitung; 30 cm Reihenabstand, in der Reihe 15 bis 30 cm
Büschelschön als Gründüngung Mitte März bis Ende August auf die freie Fläche säen; nicht vor Erdbeeren
Wald-Vergissmeinnicht meist Juni oder Juli in Saatschalen im Freiland säen; im Herbst an den endgültigen Platz pflanzen

Die Termine verschieben sich mit der Witterung. Im Weinbauklima können sie früher liegen als in klimatisch ungünstigeren Lagen.

Welche Verwandten wachsen noch im Garten?

Zur Familie gehören außerdem Steinsame, Natternkopf, Lungenkraut und Beinwell, die du vor allem aus dem Ziergarten kennst. Gängiges Beetgemüse stellt die Familie nicht. Bei anderen Familien ist das anders, dort bestimmt die Verwandtschaft direkt deine Beetfolge. Zu den Gänsefußgewächsen etwa gehören Mangold, Speise-Bete und Spinat. Was die Gänsefußgewächse für den Anbau von Mangold, Roter Bete und Spinat bedeuten, steht im Porträt dieser Familie.

Häufige Fragen

Was sind Raublattgewächse und warum werden sie so genannt?
Raublattgewächse sind die Pflanzenfamilie Boraginaceae, seltener Borretschgewächse genannt. Der Name kommt von der rauen, oft kratzigen Behaarung an Blättern und Stängeln. Zur Familie gehören unter anderem Borretsch, Vergissmeinnicht, Natternkopf und Beinwell.
Welche Merkmale sind typisch für die Pflanzenfamilie der Boraginaceae?
Typisch für heimische Raublattgewächse sind raue Behaarung, einfache wechselständige Blätter und häufig wickelförmige Blütenstände. Die Blüten sind fünfzählig, ihre Kronblätter meist zu einer Röhre oder einem Stielteller verwachsen. Tropische Gattungen der Familie können deutlich anders aussehen.
Warum sollte man Borretsch nur in geringen Mengen verzehren?
Borretsch enthält 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide. Beim Sammeln von Pflanzen für Salate oder grüne Smoothies solltest du ihn deshalb ganz meiden, statt nur die Menge zu verringern. Im Garten bleibt er als Blütenpflanze für Bienen und Hummeln sinnvoll.
Worin unterscheiden sich Borretsch und Büschelschön in ihrer Verwendung?
Borretsch gilt traditionell als Küchenkraut, sollte wegen seiner Pyrrolizidinalkaloide aber in Salaten und grünen Smoothies gemieden werden. Im Garten ist er vor allem Blütenpflanze für Bienen und Hummeln. Büschelschön (Phacelia tanacetifolia) wird als Gründüngung kultiviert und liefert zugleich nektarreiche Blüten für Insekten.
Wie baut man Büschelschön als Gründüngung richtig an?
Büschelschön (Phacelia tanacetifolia) kannst du als Gründüngung von Mitte März bis Ende August säen. Vor Erdbeeren ist es nicht empfohlen, plane dort eine andere Gründüngung ein. Friert der Bestand im Winter ab, können die Pflanzenreste als Decke auf dem Beet liegen bleiben. Eingearbeitete Gründüngung zählt beim Düngen der Folgekultur als Nährstoffquelle mit.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat von Vergissmeinnicht?
Wald-Vergissmeinnicht säst du meist im Juni oder Juli in Saatschalen im Freiland. Im Herbst pflanzt du die Jungpflanzen an ihren endgültigen Platz, dort blühen sie im folgenden Frühjahr. Geeignet ist ein sonniger bis halbschattiger Standort mit lockerem, durchlässigem und nährstoffreichem Boden.
Was ist der Unterschied zwischen Bienenweide und Bienenfreund?
Bei dieser Pflanze gibt es keinen: Bienenweide und Bienenfreund sind beides Beinamen des Büschelschöns (Phacelia tanacetifolia). Die Namen beziehen sich auf die nektarreichen Blüten, die Insekten Nahrung liefern. Dieselbe Art wird zugleich als Gründüngung kultiviert.
Wie unterscheidet man Raublattgewächse von anderen behaarten Pflanzen?
Achte auf die Blattstellung und den Blütenstand. Heimische Raublattgewächse haben raue Behaarung, einfache wechselständige Blätter und häufig wickelförmige Blütenstände. Typische Lippenblütler erkennst du dagegen am vierkantigen Stängel und an gegenständigen Blättern.
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