Richtig düngen nach Fruchtfolge: jede Kultur nach Bedarf und Bodenbefund versorgen
- Vor der Düngeplanung lässt du Bodenart, pH, Phosphat, Kalium und Magnesium untersuchen; die Standarduntersuchung wird üblicherweise alle 4 bis 5 Jahre wiederholt.
- Die Kompostgabe richtet sich nach dem Phosphatbefund: bei Gehaltsstufen C bis E höchstens 3 l/m² je Gemüsekultur.
- Kompost, Mist, eingearbeitete Gründüngung und Erntereste zählen bei der Berechnung weiterer Gaben mit.
- Eine einzelne Stickstoffgabe soll 10 g N/m² nicht überschreiten, höherer Bedarf wird auf mehrere Gaben verteilt.
- Bei hohen Phosphat- und Kaliumgehalten ergänzt ein reiner Stickstoffdünger statt pauschaler Volldüngung.
Im Frühjahr sind alle Beete gleichzeitig frei, und der reife Kompost wartet schon. Gibst du jedem Beet dieselbe Menge, bekommt das Bohnenbeet womöglich mehr Stickstoff, als es braucht, und der Kopfkohl nebenan zu wenig. Ich lege deshalb vor jeder Gabe zwei Unterlagen nebeneinander: meine Beetskizze und den letzten Bodenbefund.
Bedarfsgerecht düngen heißt, in vier Schritten vorzugehen. Du startest beim Befund und ordnest die Kultur ein, die dieses Jahr auf dem Beet steht. Dann ziehst du ab, was Kompost, Mist oder Gründüngung schon liefern. Den Rest gibst du in Teilgaben, mit dem Dünger, der genau den fehlenden Nährstoff bringt.
Was bedeutet die Fruchtfolge fürs Düngen?
Bei der Fruchtfolge folgt auf einem Beet keine Kultur derselben Familie oder Fruchtfolgegruppe direkt nach, damit bodenbürtige Krankheiten wie die KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. weniger Gelegenheit bekommen. Für die Düngung heißt das: Jedes Jahr steht auf dem Beet eine Kultur, deren Nährstoffbedarf sich vom Vorjahr unterscheiden kann. Wie du den Pflanzenwechsel über mehrere Jahre planst, steht im Ratgeber zur Fruchtfolge im Gemüsegarten.
Wie viel Stickstoff braucht welche Kultur?
Stark-, Mittel- und SchwachzehrerSchwachzehrer sind Gemüse und Kräuter mit geringem Stickstoffbedarf, etwa Feldsalat, Radieschen, Rucola, Bohnen und Erbsen. Sie sind die genügsamste der drei Gruppen, nach denen man Kulturen für die Fruchtfolge einteilt. unterscheiden sich für die Düngung vor allem im Stickstoffbedarf. Diese Beispiele helfen dir beim Einordnen:
| Stickstoffbedarf | Beispiele |
|---|---|
| niedrig | Feldsalat, Radieschen, Bohnen |
| mittel | Möhren |
| hoch | Tomaten, Kopfkohl |
| mittel bis hoch | Gurken, je nach Beet- oder Treibkultur |
Ich schreibe in meiner Beetskizze hinter jedes Beet die Kultur des Jahres und ihre Stickstoffgruppe. Bohnen stehen in der niedrigen Gruppe, und als Leguminosen können sie über Wurzelbakterien Luftstickstoff binden. Bevor das Bohnenbeet Stickstoffdünger bekommt, prüfst du also besonders genau, ob dort wirklich etwas fehlt.
Teilen sich mehrere Kulturen ein Beet, ordnest du jede für sich ein. Wie du Mischkultur und Fruchtfolge auf einem Beet verbindest, zeigt ein eigener Ratgeber.
Was muss der Bodenbefund zeigen?
Vor der Düngeplanung lässt du Bodenart, pH, Phosphat, Kalium und Magnesium untersuchen. Die Standarduntersuchung wird üblicherweise alle 4 bis 5 Jahre wiederholt, und die nutzungsbezogene Düngeempfehlung dazu hilft dir, die Nährstoffzufuhr auf deinen Boden abzustimmen. Wie du den Boden erst prüfst und dann verbesserst, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung.
Wie rechne ich die Düngermenge aus?
Ausgangspunkt ist der Nährstoffbedarf deiner Kultur, den du aus der Düngeempfehlung zum Befund übernimmst. Davon ziehst du ab, was schon auf dem Beet ankommt: Kompost, Mist, eingearbeitete Gründüngung und Erntereste zählen als Nährstoffquellen mit. Erst für den verbleibenden Bedarf rechnest du einen weiteren Dünger aus.
Düngermenge in g/m² = verbleibender Nährstoffbedarf in g/m² × 100 ÷ Nährstoffanteil des Düngers in %. Eine einzelne Stickstoffgabe soll dabei 10 g N/m² nicht überschreiten.
Den Nährstoffanteil findest du auf der Packung des Düngers. Liegt der Stickstoffbedarf über dieser Obergrenze, verteilst du ihn auf mehrere bedarfsgerechte Gaben und rechnest jede einzeln aus. Ich rechne die Menge vor dem Ausbringen auf einem Zettel aus und wiege den Dünger ab, statt nach Augenmaß zu streuen.
Wie viel Kompost bekommt ein Beet?
Kompost gibst du im Frühjahr als Grundlage, und die Menge bestimmt der Phosphatbefund.
| Phosphat-Gehaltsstufe im Befund | Kompostgabe |
|---|---|
| A bis B | 6 l/m² jährlich können zur Phosphatversorgung dienen |
| C bis E | höchstens 3 l/m² je Gemüsekultur |
Bei passendem Bodenbefund können Gemüsebeete im Frühjahr 3 l Kompost je m² erhalten. Kompost bringt also Phosphat mit, und auf gut versorgten Böden begrenzt genau das die Menge. Braucht ein Starkzehrer dort mehr Stickstoff, schau auf Phosphat und Kalium im Befund. Sind beide schon hoch, ergänzt du den Stickstoff mit einem reinen Stickstoffdünger statt mit einer pauschalen Volldüngung.
Ich nehme für die Beete nur reifen Kompost: feinkrümelig, dunkelbraun und mit Geruch nach Walderde. Grobe Bestandteile dürfen zur Bodenverbesserung drinbleiben, aussieben musst du sie nur für Rasenpflege und Erdmischungen.
„Mit Kompost kann man nicht überdüngen.“ Auch Kompost hat eine Obergrenze, weil er Phosphat mitliefert. Die Gabe richtet sich deshalb nach dem Phosphatbefund und nicht danach, wie voll der Kompostbehälter ist.
Welche organischen Dünger liefern Stickstoff?
Bekommt eine kurze Frühjahrskultur wie Radieschen oder Kopfsalat Stickstoff, nimmst du Hornmehl. Es ist schneller verfügbar als Hornspäne, die ihren Stickstoff langsamer freisetzen.
PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. aus frischem Kraut, etwa aus Brennnesseln, setzt du selbst an:
| Schritt | So gehst du vor |
|---|---|
| Ansetzen | 1 kg frisches Kraut auf 10 l Wasser |
| Vergären | bei Wärme etwa 14 Tage |
| Verdünnen | im Verhältnis 1:10 mit Wasser |
| Ausbringen | an die Wurzeln gießen |
Auf selbst angesetzter Jauche steht kein Nährstoffanteil, deshalb lässt sie sich nicht in die Mengenformel einsetzen. Plane sie als eine deiner Teilgaben ein und beobachte, wie die Kultur weiterwächst.
Mist und Erntereste rechnest du genauso als Nährstoffquelle mit wie Kompost. Hältst du Hühner, liest du in einem eigenen Ratgeber, wie Hühner Boden und Düngung im Gemüsebeet unterstützen können.
Mineralische Dünger: Vor- und Nachteile
Mineralische Dünger haben auch im Hausgarten ihren Platz, wenn du sie gezielt nach Befund einsetzt.
Was für mineralische Dünger spricht
- Der Nährstoffanteil steht in Prozent auf der Packung, du setzt ihn direkt in die Mengenformel ein.
- Es gibt sie als EinzelnährstoffdüngerEin Einzelnährstoffdünger enthält nur einen einzigen Pflanzennährstoff, zum Beispiel nur Stickstoff oder nur Kalium. Ein Mehrnährstoffdünger liefert dagegen mehrere Nährstoffe als Mischung., sodass du genau den Nährstoff ergänzt, der nach dem Befund fehlt.
- Sie müssen nicht erst von Bodenlebewesen abgebaut werden, wie es bei organischen Düngern der Fall ist.
Was gegen mineralische Dünger spricht
- Sie bringen keine organische Substanz mit, die liefern Kompost, Mist und Gründüngung.
- Eine zu große Einzelgabe kann mehr liefern, als die Pflanzen aufnehmen, und Überschüsse können ausgewaschen werden. Die Obergrenze je Stickstoffgabe gilt auch hier.
- Ein VolldüngerEin Volldünger, auch NPK-Dünger genannt, enthält die drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem Produkt. Häufig sind zusätzlich Magnesium, Kalzium oder Schwefel beigemischt. bringt Phosphat und Kalium mit, auch wenn der Befund davon schon hohe Gehalte zeigt.
So kombinierst du beide
Die Grundversorgung übernimmt bei mir Kompost nach dem Phosphatbefund. Fehlt danach noch Stickstoff, ergänze ich ihn in Teilgaben: bei kurzen Frühjahrskulturen mit Hornmehl, auf Beeten mit hohen Phosphat- und Kaliumgehalten mit einem reinen Stickstoffdünger.
Ein Volldünger wird pauschal auf allen Beeten verteilt, obwohl der Befund schon hohe Phosphat- und Kaliumgehalte zeigt. So kommen Nährstoffe aufs Beet, die dort gar nicht fehlen. Weitere typische Fehler beim Gemüseanbau und wie du sie behebst findest du in einem eigenen Ratgeber.
Wie hilft Gründüngung bei der Düngung?
Zwischen zwei Kulturen kann eine Gründüngung das Beet belegen. Unter den Gründüngungspflanzen sind Lupinen und andere Leguminosen interessant, weil sie Luftstickstoff binden können. Im Oktober kommen Winterroggen, Wintererbse und Winterackerbohne als späte GrüneinsaatenGrüneinsaat ist die Aussaat einer Gründüngung, etwa Gelbsenf, Phacelia oder Ackerbohne, auf einem abgeernteten Beet. Die Pflanzen halten den Boden über Herbst und Winter bedeckt, schützen ihn und verbessern seine Struktur. infrage. Winterroggen kannst du noch bis Mitte oder Ende Oktober säen.
Wintererbse und Winterackerbohne sind ebenfalls Leguminosen, und eingearbeitete Gründüngung zählt als Nährstoffquelle. Was sie mitbringen, rechnest du deshalb im Frühjahr beim Bedarf der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. mit ein.
Sonnenblumen können als tiefwurzelnde Gründüngung helfen, untere Bodenschichten zu lockern. Unmittelbar vor oder nach Salat säst du allerdings weder Sonnenblumen noch Ringelblumen als Gründüngung.
Wann steht im Gartenjahr welche Gabe an?
| Zeit | Was ansteht |
|---|---|
| Frühjahr | Kompost nach Phosphatbefund einarbeiten, kurze Frühjahrskulturen bei Bedarf mit Hornmehl versorgen |
| Saison | fehlenden Stickstoff mit der Formel berechnen und in Teilgaben geben |
| August | noch kräftig wachsende Starkzehrer prüfen, humusreiche Böden liefern häufig genug nach |
| Oktober | späte Gründüngung säen, abgeräumte Beete ohne Einsaat mit Herbstlaub in dünnen Lagen bedecken |
Im August lohnt ein zweiter Blick auf die Starkzehrer. Wachsen sie noch kräftig, können sie weiter Stickstoff brauchen. Humusreiche Böden liefern aber häufig genug nach, deshalb prüfst du vor jeder weiteren Gabe, ob sie wirklich nötig ist.
Welche Kultur wann auf welchem Beet stand, samt Vor- und NachkulturenEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen., kannst du in einem digitalen Beetplan festhalten.
Ich trage jede Gabe mit Datum, Beet, Dünger und Menge in meine Beetskizze ein. Im Frühjahr lege ich diese Notizen neben den Bodenbefund, bevor ich die erste Menge ausrechne.
Vor jeder Gabe gehe ich diese Fragen durch.
- Liegt ein aktueller Bodenbefund vor?
- In welcher Stickstoffgruppe steht die Kultur?
- Was liefern Kompost, Mist, Gründüngung und Erntereste schon?
- Welche Menge ergibt die Formel für den verbleibenden Bedarf?
- Hält die einzelne Stickstoffgabe die Obergrenze ein?
Und wie düngst du Obstbäume?
Obstbäume stehen in keiner Fruchtfolge, deshalb lassen sich Stickstoffgruppen und Kompostmengen fürs Gemüsebeet nicht auf sie übertragen. Auch unter Obstbäumen beginnst du mit einer Bodenuntersuchung, weil eine nutzungsbezogene Düngeempfehlung hilft, die Nährstoffzufuhr auf genau diese Fläche abzustimmen. Brauchst du danach einen Dünger, rechnest du seine Menge mit derselben Formel aus verbleibendem Bedarf und Nährstoffanteil aus.

