Hülsenfrüchtler: Stickstoff aus der Luft, rohe Bohnen und Fruchtfolge
- Die meisten Hülsenfrüchtler können über Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft nutzen.
- Samen und Hülsen grüner Gartenbohnen enthalten Phasin und werden nur ausreichend gegart gegessen.
- Buschbohnen folgen weder unmittelbar auf Buschbohnen noch auf andere Hülsenfrüchtler, also auch nicht auf Erbsen.
- Sojabohnen für Edamame ziehst du ab Ende April in Töpfen vor und pflanzt sie nach den Eisheiligen aus.
- Die Duftwicke heißt botanisch Lathyrus odoratus und duftet besonders am Abend.

Erbsen und Bohnen können mithilfe von Bakterien an ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft nutzen. Das hat Folgen dafür, wie du sie düngst und was im nächsten Jahr auf ihr Beet kommt. Bei Gartenbohnen kommt die Küche dazu, denn ihre Samen und Hülsen gehören nur gegart auf den Teller. Ich plane Erbsen und Bohnen deshalb als eine Familie und nicht als einzelne Gemüse.
Was sind Hülsenfrüchtler?
Hülsenfrüchtler sind eine artenreiche Pflanzenfamilie mit zwei gültigen wissenschaftlichen Namen: FabaceaeFabaceae ist der botanische Name der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, die auch Leguminosen heißen. Dazu gehören etwa Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen und Klee. Sie versorgen sich mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln selbst mit Stickstoff aus der Luft. und Leguminosae. Der zweite Name leitet sich vom lateinischen legumen für Hülsenfrucht ab, daher heißen sie auch Leguminosen. Zur Familie gehören Gemüse wie Erbsen, Gartenbohnen, Puffbohnen und Sojabohnen. Dazu kommen Futterpflanzen wie Klee und Luzerne sowie Zierpflanzen wie Lupinen und Duftwicken.
Woran erkennst du einen Hülsenfrüchtler?
Typisch ist die Schmetterlingsblüte, nach der die Pflanzen auch Schmetterlingsblütler heißen. Sie gliedert sich in die aufrechte Fahne, zwei seitliche Flügel und das Schiffchen. Darin sitzen zehn Staubblätter. Die Blätter stehen meist wechselständig und sind gefiedert. Bei manchen Arten ist das Blattende zu einer Ranke umgebildet, mit der sich die Pflanze festhält.
Aus der befruchteten Blüte wächst die Hülse, die der Familie ihren Namen gibt. Darin reifen mehrere Samen heran. Zur Reife öffnet sich die Hülse und gibt die Samen frei.
Wie holen sich Hülsenfrüchtler Stickstoff aus der Luft?
Die meisten Hülsenfrüchtler gehen eine Lebensgemeinschaft mit Knöllchenbakterien ein und können so Luftstickstoff für ihre Ernährung nutzen. Die Bakterien stammen überwiegend aus den Gattungen Rhizobium und Bradyrhizobium. An den Wurzeln bilden sich kleine, verdickte Knöllchen, in denen sie leben. Dort bindet das Enzym Nitrogenase unter Sauerstoffausschluss den Stickstoff aus der Luft. Die Bakterien geben ihn als Ammoniak an die Pflanze weiter, die Pflanze versorgt sie im Gegenzug mit Zucker.
Das klappt nur mit den passenden Partnern. Erbse, Soja oder Klee haben jeweils eigene Bakterienstämme. Manche Stämme kommen von Natur aus in unseren Böden vor, andere fehlen dort. Fehlt der passende Stamm, kann die StickstoffbindungStickstoffbindung heißt, dass Knöllchenbakterien an den Wurzeln von Leguminosen wie Bohnen, Erbsen oder Klee Stickstoff aus der Luft aufnehmen und in eine Form umwandeln, die Pflanzen nutzen können. ausbleiben. Für solche Fälle lässt sich das Saatgut mit den passenden Bakterien impfen.
Im Sommer hebe ich am Reihenende eine Bohnenpflanze vorsichtig mit der Grabegabel aus. Dann breche ich ein paar Knöllchen auf und schaue hinein. Ist das Innere rot oder rötlich, spricht das dafür, dass die Bakterien arbeiten.
Diese Fähigkeit nutzt du auch ohne Ernte, als Gründüngung. Leguminosen wie Erbsen, Bohnen und Lupinen binden dabei mithilfe ihrer Wurzelbakterien Luftstickstoff. Als späte GrüneinsaatGrüneinsaat ist die Aussaat einer Gründüngung, etwa Gelbsenf, Phacelia oder Ackerbohne, auf einem abgeernteten Beet. Die Pflanzen halten den Boden über Herbst und Winter bedeckt, schützen ihn und verbessern seine Struktur. kommen im Oktober Wintererbse und Winterackerbohne infrage, neben Winterroggen. Eingearbeitete Gründüngung zählt bei der Berechnung weiterer Düngergaben als Nährstoffquelle mit. Wer also Wintererbsen oder Winterackerbohnen einarbeitet, rechnet sie in den Düngeplan ein, statt das Beet wie gewohnt zu düngen.
Was heißt das fürs Düngen?
Beim Stickstoffbedarf stehen Bohnen in der niedrigen Gruppe, gemeinsam mit Feldsalat und Radieschen. Eine üppige Stickstoffgabe kann die Bindung durch die Knöllchenbakterien bremsen. Eine Bodenuntersuchung mit nutzungsbezogener Düngeempfehlung hilft dir, die Nährstoffzufuhr abzustimmen; wie du die Düngung nach Bodenbefund und Nährstoffbedarf planst, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung.
Warum kommen Gartenbohnen nur gegart auf den Teller?
Samen und Hülsen grüner Gartenbohnen enthalten Phasin, einen Sammelbegriff für bestimmte giftige Lektine. Grüne Bohnen isst du deshalb nur ausreichend gegart. Schonendes Dünsten oder Dämpfen ist dafür keine verlässliche Zubereitung. Ich gare Bohnen aus meinem Beet immer ausreichend, auch wenn sie danach in einen Salat kommen.
Wer aus Hülsenfrüchten Sprossen zieht, hält sich an eine eigene Regel: Sprossen und Keimlinge, auch selbst gezogene, isst du nur durcherhitzt.
Grüne Gartenbohnen nascht niemand roh vom Beet, auch nicht beim Ernten. Mit Kindern vereinbarst du, dass sie vor dem Essen von Gartenpflanzen eine erwachsene Person fragen. Bei Bohnen lautet die Antwort dann: erst ausreichend garen.
Was gilt für Hülsenfrüchtler in der Fruchtfolge?
Im Grundsatz folgen Kulturen derselben Familie nicht direkt aufeinander. Bei Bohnen heißt das: Buschbohnen kommen weder unmittelbar nach Buschbohnen noch nach anderen Hülsenfrüchtlern aufs Beet. Als Vorkultur zählen Erbsen, Puffbohnen und Sojabohnen dabei genauso wie Gartenbohnen. Stangenbohnen stehen lange im Beet, und für solche Kulturen ist eine dreijährige Familienpause vorgesehen.
Auf das abgeerntete Erbsenbeet noch schnell Buschbohnen säen. Buschbohnen lassen sich zwar bis Anfang Juli säen, doch Erbsen sind ebenfalls Hülsenfrüchtler. Auf das Erbsenbeet gehört deshalb eine NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen. aus einer anderen Familie.
Ich trage jedes Jahr in eine Beetskizze ein, wo Erbsen und Bohnen standen. Die Skizze behält dieselbe Beet- und Wegeeinteilung, das erleichtert die Planung über die Jahre. Digital kannst du Beete, Kulturen und Belegungszeiten im Beetplaner festhalten.
Die Grundregeln der Fruchtfolge für den ganzen Garten stehen im Ratgeber zur Gartenplanung. Wie eine andere Gemüsefamilie im Plan funktioniert, zeigt das Porträt der Gänsefußgewächse mit Mangold, Spinat und Roter Bete.
Welche Hülsenfrüchtler lohnen sich im Garten?
Im Gemüsebeet säst du vor allem Erbsen, Gartenbohnen, Puffbohnen und Sojabohnen, im Ziergarten Duftwicken. Die AussaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. reichen von Februar bis Anfang Juli.
| Kultur | Aussaat | Hinweis |
|---|---|---|
| Schal- oder Palerbse | Anfang März bis Anfang April | sortenabhängig |
| Markerbse | Anfang April bis Ende Juni | sortenabhängig |
| Zuckererbse | Ende April bis Ende Juni oder Anfang Juli | sortenabhängig |
| Puffbohne | ab Februar unter Folie oder Vlies | nur bei geeigneten Bodenbedingungen: Boden abgetrocknet und etwas erwärmt |
| Buschbohne | ab etwa 10 °C Bodentemperatur, gewöhnlich ab Mitte Mai bis Anfang Juli | Samen höchstens 2 bis 3 cm mit Erde bedecken |
| Sojabohne für Edamame | Vorkultur in Töpfen ab Ende April, Direktsaat ab Mitte Mai bis Ende Juni | vorgezogene Pflanzen nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr. setzen |
| Duftwicke ‘Ripple’ | März bis Mai, 2 bis 3 cm tief | vorgezogene Pflanzen erst ab Mitte Mai ins Freiland |
Erbsen (Pisum sativum)
Erbsen teilst du in drei Typen ein. Schal- oder Palerbsen erntest du ausgereift und trocknest sie, im Winter sind sie die Grundlage deftiger Eintöpfe. Markerbsen sind für den Frischverzehr gedacht und eignen sich nicht zum Trocknen. Bei Zuckererbsen erntest du die junge, unreife Schote und isst sie mit. Die Zuckererbse ‘Delikata’ kannst du doppelt nutzen: jung als zarte Schote, ausgereift wegen ihrer süßen Samen.
Frühe Erbsen haben ihren größten Wasserbedarf im Mai und Juni und können sommerlicher Trockenheit so teilweise ausweichen. Schalerbsen haben das früheste Aussaatfenster der drei Typen, deshalb passen sie gut in einen Garten, der im Hochsommer schnell austrocknet.
Eine Reihe Radieschen passt als kurzlebige ZwischenkulturEine Zwischenkultur ist eine schnell wachsende Gemüsekultur, die gleichzeitig mit einer langsam wachsenden Hauptkultur auf dem Beet steht, meist in Reihen dazwischen. Sie ist geerntet, bevor die Hauptkultur den ganzen Platz braucht. zwischen zwei Erbsenreihen.
Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris)
Die Gartenbohne wächst als niedrige Buschbohne, als halbhohe Reiserbohne oder als kletternde Stangenbohne. Je nach Sorte erntest du grüne Brechbohnen oder ausgereifte Trockenbohnen. Stangenbohnen ranken 2 bis 3 m hoch, deshalb planst du die Rankhilfe schon beim Anlegen des Beets ein. Buschbohnen säst du ab etwa 10 °C Bodentemperatur. Wer bis Anfang Juli direkt ins Beet sät, kann noch im September ernten.
Für die Horstsaat legst du 5 bis 10 Buschbohnenkörner an jede Stelle. In der Reihe liegen die Stellen 25 bis 30 cm auseinander. Zwischen den Reihen bleiben 60 cm frei. Mit Erde bedeckst du die Körner höchstens 2 bis 3 cm hoch.
Die Buschbohne ‘Bluevetta’ trägt tief violette Hülsen über dem Laub, wo du sie leicht pflücken kannst. Beim Kochen werden die Hülsen grün.
Bei Gartenbohnen kommt es besonders während Blüte und Fruchtbildung auf ausreichend Wasser an. Wie du durchdringend gießt, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung im Abschnitt Gießen.
Für eine Mischkultur aus Mais, Stangenbohnen und Kürbis rechnest du mindestens 4 m², wobei der Kürbis darüber hinauswachsen kann. Pauschale Schutz- oder Förderwirkungen einzelner Beetnachbarn sind häufig nicht ausreichend belegt und ersetzen keine passende KulturführungKulturführung bezeichnet alle Pflegearbeiten, mit denen du angebaute Pflanzen während ihres Wachstums begleitest. Dazu gehören vor allem Bewässerung, eine an den Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung, Unkrautregulierung und vorbeugender Pflanzenschutz.. Kombinationen für dein Beet kannst du im Mischkultur-Planer zusammenstellen.
Puffbohnen (Vicia faba)
Puffbohnen gehören zu den frühen Hülsenfrüchtlern im Beet. Bei geeigneten Bodenbedingungen säst du sie bereits ab Februar unter einer Folien- oder Vliesabdeckung. Der Boden muss dafür ausreichend abgetrocknet und schon etwas erwärmt sein. Wie frühe Erbsen haben sie ihren größten Wasserbedarf im Mai und Juni.
Sojabohnen (Glycine max)
Im Garten lohnt sich die Sojabohne vor allem für Edamame. So heißen grün geerntete Sojabohnen, die in der Hülse gegart und gesalzen werden; gegessen werden die Kerne. Die wärmeliebenden Pflanzen ziehe ich ab Ende April in Töpfen vor und pflanze sie nach den Eisheiligen aus. Direktsaat ins Freiland ist ab Mitte Mai bis Ende Juni möglich. Geerntet wird, wenn die Körner ausgewachsen und noch weich sind und die Hülsen grün bleiben. Die Sorte ‘Summer Shell’ bildet große Körner, die sich gut für Edamame eignen.
Duftwicken (Lathyrus odoratus)
Die einjährige Duftwicke gehört zur Art Lathyrus odoratus und nicht zur Gattung Vicia, auch wenn der Name daran erinnert. Ich setze sie in die Nähe der Sitzecke, weil sie ihren Duft besonders am Abend entfaltet. Für die Mischung ‘Ripple’ reicht das Aussaatfenster von März bis Mai, gesät wird 2 bis 3 cm tief. Vorgezogene Pflanzen kommen erst ab Mitte Mai ins Freiland. Die hängend wachsende Sorte ‘Sommerduft’ passt in Töpfe und in die Ecken eines Hochbeets.
