Gartenpraxis · Werkzeug, Bewässerung & Anzucht-Technik · Wissen

Drucksprühgerät im Gemüsegarten: so setzt du es für Pflanzenschutz, Dünger und Wasser ein

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Vor jeder Pflanzenschutzbehandlung bestimmst du die Schadursache, bei Unsicherheit mit fachkundiger Beratung.
  • Gesprüht werden nur für Haus- und Kleingarten zugelassene Mittel, nach Gebrauchsanweisung und mit der darin empfohlenen Schutzausrüstung.
  • Die Wartezeit zwischen letzter Behandlung und Ernte gilt auch für Tomaten, Gurken und Zucchini, die laufend Früchte bilden.
  • Eine Probespritzung mit Wasser zeigt, wie viel Spritzbrühe dein Beet braucht.
  • Zur Abdriftminderung liegt der Arbeitsdruck nicht über 1,5–2 bar.
  • Flüssigdünger richtest du nach einer Bodenuntersuchung und bringst ihn möglichst auf feuchten Boden.
  • Für frische Aussaaten passt der feine Sprühstrahl, ein durchdringender Gießgang im Gemüsebeet braucht etwa 10–25 l/m².

Wer im Gemüsebeet sprüht, sprüht auf etwas, das bald in der Küche landet. Deshalb fülle ich mein Drucksprühgerät, im Garten oft Sprühkanne genannt, erst, wenn ich weiß, was hinein soll und wann ich ernte. Drei Aufgaben hat es bei mir im Gemüsegarten: Pflanzenschutz als letzter Schritt, Flüssigdüngung und das Anfeuchten frischer Aussaaten.

Ich bleibe dabei im Gemüsebeet. Wofür sich das Gerät im übrigen Garten einsetzen lässt, beschreibt ein eigener Ratgeber.

Was ein Drucksprühgerät ist und welche Bauarten es gibt

Ein Drucksprühgerät bringt Flüssigkeit unter Druck über eine Düse aus; wie es aufgebaut ist, erklärt der Abschnitt über Aufbau, Auswahl, Pflege und Sicherheit von Drucksprühgeräten in der Technik-Übersicht. Zu den tragbaren Kleingeräten zählen Druckspeicherspritzen sowie handbetätigte und motorbetriebene Rückenspritzgeräte. Welche Bauart zu deinen Beeten passt, klärt der Ratgeber zu den verschiedenen Drucksprühgeräten und ihrer Auswahl.

Pflanzenschutz im Gemüsebeet: vorbeugen, bestimmen, zuletzt sprühen

Biologischer Pflanzenschutz beginnt im Gemüsegarten lange vor dem Sprühen. Bei mir kommt die Sprühkanne erst dran, wenn Vorbeugen nicht gereicht hat und die Ursache feststeht.

Vorbeugen, damit seltener gesprüht werden muss

Keine dieser Maßnahmen garantiert gesunde Pflanzen, zusammen können sie Befall und Krankheiten bremsen.

  • Ein Kulturschutznetz legst du direkt nach Aussaat oder Pflanzung auf und schließt es am Boden dicht ab.
  • Tomaten stehen zum Schutz vor anhaltender Blattnässe unter einem lichtdurchlässigen Dach, an einem sonnigen und gut durchlüfteten Platz.
  • Gieß morgens, dann können benetzte Blätter abtrocknen, und Pilzerkrankungen werden weniger begünstigt.
  • Mischkultur kann unterstützen, eine Garantie ist sie nicht. Welche Gemüse gut nebeneinander stehen, prüfst du im Mischkultur-Planer.
  • Kopfkohl und andere Kreuzblütler stehen höchstens alle 4–5 Jahre auf demselben Beet. Flächen und Anbaupausen planst du Beet für Beet im Beetplaner.

Die Ursache bestimmen, bevor der Tank gefüllt wird

Vor jeder Behandlung bestimmst du die Schadursache. Bist du unsicher, holst du fachkundige Beratung ein. Ich drehe auffällige Blätter um, schaue mir die Unterseite an und fühle mit dem Finger die Bodenfeuchte, bevor ich an den Tank denke.

Manches Symptom hat mit Schädlingen nichts zu tun. Blütenendfäule an Tomaten kann durch dauerhaft trockenen Boden entstehen oder dadurch, dass andere Nährsalze die Kalziumaufnahme behindern. Dann führt der Weg eher über Boden und Gießwasser als über die Sprühkanne.

Häufiger Fehler

Schlappe Blätter sofort für Befall halten. Welke kann bei Wassermangel auftreten, aber auch nach Wurzelschäden durch anhaltende Überwässerung. Prüf deshalb zuerst, ob die Erde trocken oder dauerhaft nass ist.

Wenn gesprüht wird: Zulassung, Gebrauchsanweisung, Wartezeit

Ein Pflanzenschutzmittel ist im Gemüsebeet der letzte Schritt. Du nimmst nur Mittel, die für Haus- und Kleingarten zugelassen sind, und hältst ihre Gebrauchsanweisung samt der darin empfohlenen Schutzausrüstung ein. Gelagert werden sie in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank, den Kinder und Tiere nicht erreichen. Mehr zur sicheren Handhabung steht im Drucksprühgeräte-Abschnitt der Technik-Übersicht.

Ein Mittel kann auch Nützlinge treffen. Deshalb sprühst du nur dort, wo die bestimmte Ursache sitzt.

Im Gemüsebeet kommt die Wartezeit hinzu: Die Frist zwischen letzter Behandlung und Ernte steht in der Gebrauchsanweisung und muss eingehalten werden. Tomaten, Gurken und Zucchini bilden bis zur Ernte fortlaufend Früchte. Bei ihnen fällt jede Behandlung also mitten in die Erntezeit. Wer hier sprüht, plant vorher, welche Pflückungen ausfallen, bis die Wartezeit vorbei ist.

Marias Erfahrung

Nach jeder Behandlung stecke ich ein Schild ans Beet, darauf stehen Datum, Mittel und das Ende der Wartezeit. Das Schild bleibt stehen, bis die Frist abgelaufen ist.

Anzeigen

Dosieren ohne Rest: Probespritzung und Auslitern

Wie viel Mittel in die Spritzbrühe gehört, legt die Gebrauchsanweisung fest. Wie viel Brühe dein Beet braucht, findest du selbst heraus, und zwar mit einer Probespritzung mit klarem Wasser. Du gehst das Beet dabei so ab, wie du es später behandeln würdest, und misst danach, wie viel Wasser fehlt.

Den Ausstoß der Düse prüfst du durch Auslitern mit klarem Wasser beim üblichen Arbeitsdruck. Das gilt nicht nur für neue Geräte, denn Verschleiß und Ablagerungen können den Ausstoß einer Düse im Lauf der Nutzung verändern. Welche Düsengröße welchen Ausstoß hat, liest du in der passenden Herstellertabelle ab. Auf die Farbe allein verlässt du dich nicht, weil nicht alle Düsen dieselbe Farbcodierung verwenden.

Die Spritzbrühe setzt du frisch in einem gereinigten Gerät an. Reste gehören zur Schadstoffsammlung und weder in Ausguss oder Gully noch in Garten oder Hausmüll. Weil die Probespritzung die benötigte Menge zeigt, setzt du nur an, was du für das Beet brauchst, und hast entsprechend weniger zu entsorgen.

Mini-Checkliste

So läuft die Probespritzung bei mir.

  • Tank mit klarem Wasser füllen und den Druck aufbauen, mit dem du später sprühst.
  • Das Beet in den Bahnen abgehen, in denen du später behandelst.
  • Nachmessen, wie viel Wasser verbraucht ist, und die Menge notieren.
  • Genau diese Menge Spritzbrühe nach Gebrauchsanweisung ansetzen.

Flüssigdünger mit dem Drucksprühgerät: auf den Boden oder aufs Blatt

Bevor Flüssigdünger in den Tank kommt, klärst du, was dem Beet fehlt. Die Düngung im Hausgarten richtet sich nach einer Bodenuntersuchung und den Nährstoffen, die tatsächlich fehlen. Ob du einen organischen Flüssigdünger nimmst, etwa eine selbst angesetzte Jauche, oder einen mineralischen, wählst du anhand der Nährstoffversorgung, die die Untersuchung zeigt. Die Empfehlung auf der Verpackung passt bei optimaler Versorgungsstufe C nur dann unverändert, wenn kein weiterer Dünger und kein Kompost dazukommt.

Wurzeldüngung: die Lösung auf den Boden

Bei der Wurzeldüngung sprühst du die Lösung auf den Boden rund um die Pflanze. Dünger soll möglichst auf feuchten Boden, deshalb gieße ich das Beet vorher an. Selbst angesetzte Jauche seihe ich durch ein feines Tuch ab, bevor sie in den Tank geht. Die Maschenweite des Gerätefilters muss ohnehin zu den verwendeten Düsen passen, so wie es deren Hersteller angibt.

Blattdüngung: die Lösung aufs Blatt

Bei der Blattdüngung landet die Lösung direkt auf den Blättern. Menge und Mischung gibt die Gebrauchsanweisung des Düngers vor. Tomaten baust du zum Schutz vor anhaltender Blattnässe unter einem Dach an, und morgens benetzte Blätter können danach abtrocknen. Besprühst du Tomatenblätter, dann also am Morgen, damit sie abtrocknen können. Anhaltende Blattnässe ist genau das, wovor das Dach sie schützen soll.

Anzeigen

Wässern mit der Sprühkanne: wo der feine Strahl hilft

Bei frisch gesäter Paprika und Chili gießt du vorsichtig mit einer zarten Brause oder Sprühflasche an, damit die Saat nicht abgeschwemmt wird. Ich feuchte meine anderen Saatreihen mit der Sprühkanne genauso an. Ein weicher Strahl hilft außerdem, dass die Bodenoberfläche nicht verschlämmt, wegschwemmt oder verkrustet. Im Saatbett soll der Boden mäßig feucht und locker sein, damit die Keimlinge Wasser aufnehmen und atmen können. Sobald Wasser auf der Saatreihe schwemmt, sprühe ich erst die Nachbarreihe an und komme dann zurück.

Für ein ganzes Beet zählt dagegen die Menge. Ein durchdringender Gießgang im Gemüsebeet liegt je nach Situation bei etwa 10–25 l/m². Ob das Wasser angekommen ist, prüfst du durch vorsichtiges Nachgraben: Der Boden sollte 15 bis 20 cm tief durchfeuchtet sein. Ist nur die Oberfläche dunkel, war der Gießgang noch nicht durchdringend. Wie sich das Drucksprühgerät beim Bewässern gegen Gießkanne, Schlauch und Sprinkler schlägt und wo seine Grenzen liegen, zeigt ein eigener Ratgeber.

Wasser sparst du, wenn es im Boden ankommt und nicht auf dem Laub. Halte die Lanze deshalb auf den Boden, die Blätter bleiben möglichst trocken. Fang an, solange der Untergrund noch leicht feucht ist, denn völlig ausgetrockneter Boden nimmt Wasser schlechter auf. Kompost und Gründüngung erhöhen den Humusgehalt und verbessern so, wie der Boden Wasser aufnimmt und speichert.

Mythos-Check

Tropfen in der Mittagssonne verbrennen die Blätter? Bei den meisten Pflanzenblättern verursachen sie keine Verbrennungsflecken. Morgens gießt du trotzdem besser, weil der Boden dann noch kühl ist und weniger Wasser verdunstet.

Wie viel Wasser ein Beet hält, hängt an der Bodenart, und sandige Böden brauchen häufiger Wasser. Die Orientierungswerte im Überblick:

Was Orientierung
Durchdringender Gießgang im Gemüsebeet etwa 10–25 l/m², je nach Situation
Gemüsebeet bei sommerlicher Trockenheit etwa 20–25 l/m² alle 3 Tage
Prüftiefe nach dem Gießen 15 bis 20 cm durchfeuchtet
10 cm Sandboden speichern ungefähr 5 l/m²
10 cm Tonboden speichern ungefähr 13 l/m²
10 cm Lehmboden speichern ungefähr 22 l/m²
Organischer Mulch im Gemüsebeet normalerweise etwa 2–3 cm dick, feiner Rasenschnitt nur dünn

Umweltfreundlich sprühen: Druck, Düse, Wetter

Abdrift heißt, dass der Sprühnebel nicht auf der Pflanze landet, sondern wegweht. Beim Pflanzenschutzsprühen im Hausgarten sollte der Arbeitsdruck zur Abdriftminderung nicht über 1,5–2 bar liegen. Bei gleicher Düse erhöht steigender Druck den Ausstoß und verkleinert die Tropfen, während grobe Tropfen die Abdrift mindern. Wer kräftig nachpumpt, bringt also mehr Brühe aus und erzeugt genau die feinen Tropfen, die leichter verwehen.

Ein Druckminderer mit Manometer hält bei Rückenspritzen den Düsendruck gleich, sodass auch die Ausstoßmenge gleich bleibt. Grobtropfige Düsen mindern die Abdrift. Injektordüsen mischen dafür Luft in die Spritzflüssigkeit und erzeugen große Tropfen.

Pflanzenschutzmittel bringst du bei Windstille und bei höchstens 25 °C aus, sofern die Gebrauchsanweisung nichts Strengeres vorgibt. Unmittelbar vor Regen behandelst du nicht. Ich schaue vor dem Sprühen auf die Gräser am Beetrand, und bewegen sie sich, bleibt der Tank zu.

Befüllen und Pflege in Kürze

Befüllen

Vor jedem Einsatz kontrollierst du Schlauchverbindungen, Filter und Düsen. Beim Befüllen bleibt das Nennvolumen des Behälters die Grenze, nichts darf überschäumen, und der Zulaufschlauch taucht nicht in die Flüssigkeit ein. Wie du die Sprühlösung ansetzt, Druck aufbaust und gleichmäßig ausbringst, zeigt ein eigener Ratgeber.

Reinigen und pflegen

Nach der Anwendung reinigst du das Gerät innen, bevor Reste antrocknen. Ausgebaute Düsen säuberst du schonend mit einer weichen Bürste, spezielle Reiniger setzt du nur nach Anweisung ihres Herstellers ein. Wie du Filter, Dichtungen und Düsen auf Dauer pflegst, beschreibt der Drucksprühgeräte-Abschnitt der Technik-Übersicht.

Häufige Fragen

Was sind Drucksprühgeräte und wofür werden sie im Gemüsegarten eingesetzt?
Ein Drucksprühgerät, oft auch Sprühkanne genannt, bringt Flüssigkeit unter Druck über eine Düse aus. Im Gemüsegarten nutzt du es für zugelassene Pflanzenschutzmittel nach Gebrauchsanweisung, für Flüssigdünger nach Bodenuntersuchung und zum schonenden Anfeuchten frischer Aussaaten. Zu den tragbaren Kleingeräten zählen Druckspeicherspritzen sowie handbetätigte und motorbetriebene Rückenspritzgeräte.
Welche besonderen Vorteile bieten Drucksprühgeräte gegenüber der Gießkanne?
Beim Gießen hilft das Drucksprühgerät vor allem bei frischen Aussaaten, weil ein feiner Strahl die Saat anfeuchtet, ohne sie wegzuschwemmen. Ein durchdringender Gießgang im Gemüsebeet braucht dagegen etwa 10–25 Liter je Quadratmeter. Ob er angekommen ist, zeigt vorsichtiges Nachgraben: Der Boden sollte 15 bis 20 cm tief durchfeuchtet sein. Bei Pflanzenschutz und Flüssigdünger kommt hinzu, dass du den Ausstoß der Düse vorab mit klarem Wasser auslitern kannst.
Wie wird ein Drucksprühgerät richtig befüllt und vorbereitet?
Vor jedem Einsatz kontrollierst du Schlauchverbindungen, Filter und Düsen. Die Spritzbrühe setzt du frisch in einem gereinigten Gerät an, und zwar in der Menge, die eine Probespritzung mit klarem Wasser als Bedarf ergeben hat. Beim Befüllen darf nichts überschäumen, das Nennvolumen des Behälters ist die Obergrenze, und der Zulaufschlauch taucht nicht in die Flüssigkeit ein.
Welche Düsentypen eignen sich für unterschiedliche Anwendungsbereiche im Garten?
Flachstrahldüsen erzeugen einen Fächer, Dralldüsen je nach Aufbau ein Hohl- oder Vollkegelbild. Für Pflanzenschutzmittel sind grobtropfige Düsen sinnvoll, etwa Injektordüsen, die Luft in die Spritzflüssigkeit mischen und große, weniger abdriftgefährdete Tropfen bilden. Welche Größe und welcher Ausstoß zu einer Düse gehören, liest du in der passenden Herstellertabelle ab, weil nicht alle Düsen dieselbe Farbcodierung verwenden.
Welche Sicherheitsmaßnahmen sind beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in Drucksprühgeräten wichtig?
Du verwendest nur Mittel, die für Haus- und Kleingarten zugelassen sind, und hältst die Gebrauchsanweisung samt der darin empfohlenen Schutzausrüstung ein. Gesprüht wird bei Windstille, bei höchstens 25 °C und nicht unmittelbar vor Regen, sofern die Gebrauchsanweisung nichts Strengeres vorgibt. Vor der Ernte hältst du die angegebene Wartezeit ein. Die Mittel lagerst du in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank außer Reichweite von Kindern und Tieren, Reste gehören zur Schadstoffsammlung.
Zuletzt geprüft:
↑