Folien und Vliese im Gemüsegarten: welcher Schutz zu welchem Gemüse passt
- Vlies und Folie können gesäte Radieschen, Möhren und Puffbohnen sowie gepflanzte Salate und Kohlrabi verfrühen.
- Schwarze Mulchfolie hemmt Unkraut, beschleunigt die Bodenerwärmung und mindert die Verdunstung.
- Bei wärmeliebendem Gemüse entfernst du das Vlies, sobald die Temperaturen anhaltend 25 °C erreichen.
- Kulturschutznetze legst du direkt nach Saat oder Pflanzung auf und schließt sie am Boden dicht ab.
- Gemischt blühende Gurkensorten, die Insekten bestäuben, dürfen nicht dauerhaft unter geschlossenem Vlies bleiben.
Im April liegt über meinen ersten Salaten ein Vlies. Im Sommer setze ich Kürbisse durch schwarze Folie, und über jungen Kohl kommt ein Netz. Jede dieser Abdeckungen erledigt im Gemüsebeet eine andere Aufgabe. Lässt du ein Vlies bei steigender Wärme zu lange liegen, kann sich darunter Hitze stauen.
Pflanzenfolie, Vlies und KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. können Wärme halten, Unkraut bremsen, die Verdunstung mindern und Insekten fernhalten. Entscheidend ist, die Abdeckung nach Zweck und Kultur zu wählen und rechtzeitig wieder abzunehmen.
Vlies, Pflanzenfolie und Netz: was die drei unterscheidet
Leichtes Gemüsevlies ist luft- und wasserdurchlässig und wiegt zum Beispiel 17 g/m². Folie liegt gelocht über den Pflanzen oder als Mulchfolie auf dem Boden, Kulturschutznetze sind zum Aussperren von Insekten gedacht. Eine biologisch abbaubare Mulchfolie gehört nur dann auf den eigenen Kompost, wenn sie ausdrücklich als heim- oder gartenkompostierbar gekennzeichnet ist. Wenn du wissen willst, welche Folien und Vliese es gibt und welches Material zu welchem Zweck passt, lies den eigenen Ratgeber zur Materialwahl.
Frostschutz im Frühjahr: Vlies und Folie über Frühgemüse
Eine Beetabdeckung hält tagsüber eingestrahlte Sonnenwärme zurück. Nachts gibt der Boden diese Wärme an die Luft unter Vlies oder Folie ab. Darauf beruht der Kälteschutz für frühe Kulturen.
Vlies- und Folienabdeckungen eignen sich zur Verfrühung gesäter Puffbohnen, Radieschen und Möhren. Bei den gepflanzten Kulturen gilt das für Salate und Kohlrabi. Deren Jungpflanzen können je nach Witterung im April ins Freiland, während wärmeliebendes Gemüse noch warten muss.
Die nächtliche Wärme unter der Abdeckung kommt aus dem Boden. Deshalb deckst du am besten ein Beet ab, das abgetrocknet und schon etwas erwärmt ist. Abgetrocknet ist es, wenn keine Erde mehr an den Gartengeräten haften bleibt.
Ich lege das Vlies locker über die Reihen und lasse den Pflanzen darunter Spielraum. Decke ich doppelt ab, kommt das Vlies nach unten und die Folie darüber.
Salat und Kohlrabi setze ich im Frühjahr gern nebeneinander, damit ein Vlies beide Reihen deckt. Vorher schaue ich nach, welche Gemüse sich als Nachbarn im Beet vertragen.
Unkraut unterdrücken mit schwarzer Mulchfolie
Schwarze Mulchfolie hemmt das Unkrautwachstum, beschleunigt die Bodenerwärmung und mindert die Verdunstung aus dem Boden. Im Gemüsegarten kommt sie bei Kürbissen, Einlegegurken und Salaten zum Einsatz.
Vor dem Verlegen bereitest du das Beet vor, düngst bedarfsgerecht und gießt es durch. Wurzelunkräuter grabe ich vorher vollständig aus, weil zerteilte Wurzelstücke erneut austreiben können.
Zum Pflanzen schneidest du an jeder Pflanzstelle ein Kreuz von 3 bis 5 cm in die Folie. Durch diesen Schlitz setzt du die Jungpflanze in die Erde.
Die Mulchfolie kommt auf ein trockenes Beet, ohne Bewässerung darunter. Ist die Folie wasserundurchlässig, erreicht Gießwasser von oben den Boden kaum noch. Deshalb gießt du vorher durch und verlegst einen Tropfschlauch unter der Folie.
Bodentemperatur: Wärme halten, Hitzestau vermeiden
Bei wärmeliebenden Gemüsekulturen fördern schwarze Mulchmaterialien die Bodenerwärmung. Dazu zählen im Gemüsebeet etwa Tomaten, Gurken, Kürbisse und Zucchini. Ein Vlies über den Pflanzen hält ebenfalls Wärme, und bei steigenden Temperaturen kann das zu viel werden.
Vom Salat nimmst du das Vlies ab, wenn es anhaltend 20 bis 22 °C warm ist. Bei wärmeliebendem Gemüse liegt die Grenze bei anhaltenden Temperaturen ab 25 °C. Ich achte dabei nicht auf eine einzelne warme Mittagsstunde, sondern darauf, ob die Wärme anhält.
Steigen die Temperaturen stark, nimmst du die Abdeckung an einem trüben oder regnerischen Tag ab. Das senkt das Risiko für Hitzestau und Sonnenbrand am Gemüse. Wer die Wärmegrenze kommen sieht, wartet also nicht auf den ersten heißen Sonnentag, sondern nutzt einen bedeckten Tag davor.
Gelochte Folie über dem Beet braucht ebenfalls Luft.
Lochfolie als Flachabdeckung über Gemüse braucht zur Belüftung mindestens 500 Löcher je m², jedes mit 1 cm Durchmesser.
Wasser sparen: gießen unter Folie und Vlies
Schwarze Mulchfolie mindert die Verdunstung, sodass das Wasser länger im Boden bleibt. Gießen musst du unter jeder Abdeckung trotzdem, nur auf unterschiedliche Weise.
„Zum Gießen muss das Vlies runter.“ Leichtes Gemüsevlies ist wasserdurchlässig, du gießt einfach hindurch. Zurückschlagen musst du dagegen Lochfolie, weil sie Wasser nicht ausreichend durchlässt.
Unter wasserundurchlässiger Mulchfolie ist eine TröpfchenbewässerungBei der Tröpfchenbewässerung gelangt das Wasser langsam aus einzelnen Tropfstellen in Schläuchen oder Tropfern direkt in den Wurzelbereich der Pflanzen. Dabei geht nur wenig Wasser durch Verdunstung verloren. zweckmäßig, die unter der Folie verlegt ist. Tropfbewässerung braucht einen Filter, weil die Tropfer verstopfen oder verkalken können. Ich verlege den Tropfschlauch, bevor die Folie aufs Beet kommt. Nach dem Gießen grabe ich an einer Pflanzstelle vorsichtig nach und schaue, ob der Boden 15 bis 20 cm tief durchfeuchtet ist.
Tomaten, Gurken und Zucchini brauchen während der fortlaufenden Fruchtbildung eine gute Wasserversorgung. Bei Gurken kommt es zusätzlich auf Gleichmäßigkeit an, denn Wassermangel kann Knospenabwurf und Blattnekrosen verursachen.
Bewässerung und Abdeckung lassen sich auch in einem System verbinden. Bei einer Bauart der Unterflurbewässerung sind Tropfrohre in Geotextilmatten eingebettet und versorgen diese mit Wasser. Unterflur-Tropfbewässerung führt das Wasser im Wurzelraum zu, erschwert aber die Fehlersuche und schließt tiefe Bodenbearbeitung aus.
Schädlinge und Krankheiten: Netz, Regendach und gelüfteter Tunnel
Kulturschutznetze legst du unmittelbar nach der Aussaat oder Pflanzung auf und schließt sie am Boden dicht ab. Bei fliegenden Schädlingen wie KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. oder MöhrenfliegeDie Möhrenfliege ist ein Gartenschädling: eine Fliege, deren weiße Maden meist über die Wurzeln in Möhren eindringen. Befallene Möhren sind von rostbraunen Fraßgängen durchzogen, und dieses Schadbild heißt Eisenmadigkeit. kann ein dichtes Netz den Befall bremsen, garantieren kann es nichts.
Leg das Netz schon neben das Beet, bevor du säst oder pflanzt. Dann liegt es gleich danach auf, und du schließt den Rand rundum mit Erde.
Tomaten baust du zum Schutz vor anhaltender BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. unter einem lichtdurchlässigen Dach an. Der Standort sollte sonnig und gut durchlüftet sein. Das Dach hält Regen von den Blättern ab. Benetzte Blätter, die abtrocknen können, begünstigen Pilzerkrankungen weniger, deshalb gehören Dach und Durchlüftung zusammen.
Im Herbst schützt ein gelüfteter Folientunnel Herbst- und Wintergemüse vor Nässe und der Fäulnis, die sie begünstigt. Ich öffne den Tunnel an milden Tagen an den Enden.
Welche Abdeckung zu welchem Gemüse passt
In der Übersicht steht, welche Abdeckung ich bei welcher Kultur nutze und worauf ich dabei achte.
| Gemüse | Abdeckung | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Salat | Vlies oder Folie zur Verfrühung, schwarze Mulchfolie | Vlies bei anhaltenden 20 bis 22 °C abnehmen |
| Kohlrabi | Vlies oder Folie zur Verfrühung | Jungpflanzen je nach Witterung im April ins Freiland |
| Radieschen, Möhren, Puffbohnen | Vlies oder Folie über der Saat | Boden vorher abgetrocknet und etwas erwärmt |
| Kohl, Möhren | Kulturschutznetz | unmittelbar nach Saat oder Pflanzung auflegen, Rand dicht schließen |
| Kürbis | schwarze Mulchfolie | Kreuzschnitte von 3 bis 5 cm zum Pflanzen |
| Einlegegurken | schwarze Mulchfolie, Vlies nur zeitweise | gemischt blühende, insektenbestäubte Sorten nicht dauerhaft unter geschlossenem Vlies; gleichmäßig gießen |
| Wärmeliebendes Gemüse unter Vlies | Vlies im Frühjahr | Vlies bei anhaltenden Temperaturen ab 25 °C abnehmen |
| Tomaten | lichtdurchlässiges Regendach | sonniger, gut durchlüfteter Standort |
| Herbst- und Wintergemüse | Folientunnel | Tunnel lüften gegen Nässe |
Gurken: Blüten für Insekten offen halten
Gemischt blühende Gurkensorten, die Insekten bestäuben, dürfen zur BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. nicht dauerhaft unter geschlossenem Vlies bleiben. Ich schlage das Vlies über den Gurken auf, sobald sich die ersten Blüten zeigen.
Kohl: Netz und Fruchtfolge zusammen planen
Kohl und andere KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. sollten höchstens alle 4 bis 5 Jahre auf demselben Beet stehen. Das Netz zieht deshalb mit dem Kohl auf ein neues Beet um. Wo der Kohl als Nächstes hinkommt, kannst du mit Beeten und Anbaupausen im Voraus planen.
Vor und nach dem Abdecken: Boden, Verlegen, Saisonstart
Boden vorbereiten
Im Frühjahr lockerst du den abgetrockneten Boden mit Grabgabel oder Krail, statt ihn erneut umzugraben. Wie viel Wasser das Beet danach hält, hängt an der Bodenart, und organischer Mulch ist die Alternative zur Folie. Beides vertieft der Ratgeber dazu, wie du richtig gießt, den Boden als Wasserspeicher nutzt und mit Mulch Wasser sparst.
Verlegen, befestigen und pflegen
Flachabdeckungen legst du locker auf und befestigst die Ränder mit Erde, Steinen oder Brettern. Nach der Saison lagerst du wiederverwendbare Folien und Vliese sauber, trocken, dunkel und mäusesicher. Schritt für Schritt steht im Praxisratgeber, wie du Folien und Vliese verlegst, befestigst und pflegst, auch mit den typischen Fehlern.
Früher ernten
Mit Vlies kann die Freilandsaison je nach örtlichem Klima etwa 3 bis 4 Wochen früher beginnen. Wie Frühbeetfolien die Saison verlängern und wann du sie auflegst und wieder abnimmst, beschreibt der Ratgeber zum FrühbeetEin Frühbeet, auch Frühbeetkasten genannt, ist ein Beetkasten, der die Wachstumsbedingungen für Gemüse verbessert. Darin kannst du früher aussäen und ein bis drei Wochen früher ernten als im offenen Beet..

