Futterrüben bewässern: Wassergaben, Bodenfeuchte und die passende Technik
- Für junge Futterrübenbestände setzt die landwirtschaftliche Trockenheitsberatung des Kantons Bern Wassergaben von 15 l/m² an.
- Für geschlossene Bestände nennt dieselbe Beratung Gaben von 20 bis 40 l/m².
- Welke Blätter können auf Wassermangel hindeuten, aber auch auf Wurzeln, die durch zu viel Wasser geschädigt sind. Prüfe zuerst den Boden.
- Gieße früh morgens und bodennah. Staunässe vertragen Futterrüben nicht.
- Ein Tropfschlauch braucht einen Filter, weil Tropfer verstopfen oder verkalken können.

Wenn die Blätter meiner Futterrüben an einem heißen Nachmittag schlaff hängen, greife ich zuerst zum Spaten. Die Gießkanne kommt erst danach. Schlaffe Blätter können auf Wassermangel hindeuten. Wurzeln, die durch zu viel Wasser geschädigt sind, lassen eine Rübe aber ähnlich welken. Wer dann nachgießt, gibt den Wurzeln womöglich noch mehr von dem, was ihnen schadet.
Futterrüben, auch Runkelrüben genannt, brauchen feuchten Boden und einen vollsonnigen Platz. Am liebsten stehen sie auf mittelschweren bis schweren, tiefgründigen Böden, Staunässe vertragen sie dagegen nicht. Gießen heißt bei ihnen deshalb: Gabe abmessen, Boden prüfen und erst wieder gießen, wenn die Wurzelzone trocken wird.
Wie viel Wasser brauchen Futterrüben?
Wie oft Futterrüben Wasser brauchen, hängt von Boden, Wetter und Entwicklungsstand ab. Eine feste Wochenmenge passt deshalb nicht. Für die einzelne Gabe gibt es dagegen Richtwerte. Die landwirtschaftliche Trockenheitsberatung des Kantons Bern setzt für Zucker- und Futterrüben je nach Bestand unterschiedliche Wassergaben an.
| Entwicklungsstand | Woran du ihn erkennst | Wassergabe |
|---|---|---|
| Junger Bestand | Die Blätter bedecken den Boden zwischen den Reihen noch nicht | 15 mm, also 15 l/m² |
| Geschlossener Bestand | Die Blätter schließen die Reihen | 20 bis 40 mm, also 20 bis 40 l/m² |
Die Werte gelten je Gabe und stammen aus der Feldberatung bei Trockenheit. Im Garten nehme ich sie als Anhaltspunkt dafür, wie viel Wasser ich auf einmal gebe. Für dein Beet multiplizierst du die Liter je Quadratmeter mit der Beetfläche. Wann die nächste Gabe fällig ist, entscheidet die SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge. und nicht der Kalender.
1 mm Wasser entspricht 1 l/m². Das gilt für Regen ebenso wie für eine Gießgabe. Deshalb kannst du Regenmesser, Beratungswert und Gießkanne direkt miteinander vergleichen.
Woran erkennst du, ob deine Rüben Wasser brauchen?
Spatenprobe: der Blick in die Wurzelzone
Ich steche neben der Reihe den Spaten tief ein und drücke die Erde zur Seite. An der Schnittkante sehe ich, wie weit die letzte Gabe oder der letzte Regen eingedrungen ist. Oben trocken heißt dabei noch nicht unten trocken. Etwas Erde aus der Tiefe drücke ich in der Hand zusammen. Hält sie als Klumpen und fühlt sich kühl an, ist dort noch Wasser. Zerfällt sie staubig, spricht das für die nächste Gabe.
Regenmesser: was der Regen gebracht hat
Ein Regenmesser am Beet zeigt dir die Niederschlagshöhe in Millimetern. Weil ein Millimeter einem Liter je Quadratmeter entspricht, liest du den Regen in derselben Einheit ab wie die Wassergaben aus der Tabelle. Nach einem kräftigen Schauer ziehe ich die gefallene Menge von der geplanten Gabe ab.
Tensiometer und Bodenfeuchtesensoren
Ein Tensiometer misst die Saugspannung im Boden. Elektronische Sensoren zeigen die Bodenfeuchte laufend an und lassen sich mit einer automatischen Bewässerung koppeln. Bevor ich mich nach ihren Werten richte, gleiche ich sie mit der Spatenprobe ab.
Die nutzbare Feldkapazität, kurz nFK, ist der Wasservorrat im Boden, den Pflanzen nutzen können. Gemeint ist der Bereich zwischen Welkepunkt und Feldkapazität. Der relative Füllstand kann über 100 % liegen. Dann steckt mehr Wasser im Boden als bei Feldkapazität.
Bei schlaffen Blättern sofort nachgießen. Zeigt die Spatenprobe in der Tiefe feuchte Erde, spricht wenig für Wassermangel. Jede weitere Gabe kann die Wurzeln dann zusätzlich belasten, also lässt du die Kanne stehen.
Welche Bewässerungstechnik passt zu deinem Rübenbeet?
Im Garten kommen für Futterrüben vor allem drei Techniken infrage. Welche passt, hängt von der Beetgröße ab und davon, ob deine Reihen fest stehen.
| Technik | Passt, wenn | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Gießkanne oder Schlauch mit Brause | das Beet überschaubar ist | Fördermenge auslitern, bodennah gießen |
| Regner | eine größere Fläche auf einmal Wasser braucht | benetzt Blätter und Wege mit, Menge mit dem Regenmesser prüfen |
| Tropfschlauch | du gezielt an der Reihe gießen willst | Filter einbauen, Tropfer kontrollieren |
Ein Beet zu fluten oder Wasser in Furchen stehen zu lassen, passt nicht zu einer Kultur, die keine Staunässe verträgt.
Gießkanne und Brause: genau abmessen
Gartenpflanzen gießt du vorzugsweise früh morgens und bodennah, also unter die Blätter auf die Erde. Für Futterrüben gilt das genauso. Wie viel deine Brause liefert, findest du mit einem Eimer heraus, dessen Volumen du kennst: Stoppe die Zeit, bis er voll ist. Kennst du die Liter pro Minute und die Gabe in Litern je Quadratmeter, weißt du, wie lange du jeden Quadratmeter gießt. Die Füllzeit schreibe ich mir auf einen Zettel am Wasserhahn.
Regner: große Fläche, Menge nachmessen
Ein Regner wässert eine größere Fläche, ohne dass du daneben stehen musst. Dabei benetzt er auch Blätter und Wege, obwohl bodennahes Gießen vorzuziehen ist. Ich setze ihn deshalb nur auf größeren Rübenflächen ein und lasse ihn früh morgens laufen. Damit du weißt, wie viel ankommt, stellst du einen Regenmesser in den Wurfbereich. Zeigt er die geplante Gabe an, drehst du das Wasser ab.
Tropfschlauch: Wasser direkt an die Reihe
Ein Tropfschlauch bringt das Wasser gezielt an die Pflanzen. Futterrüben in ReihensaatReihensaat ist eine Saatweise, bei der die Samen in flache, gerade Rillen gesät werden, sodass die Pflanzen später in Reihen stehen. Gegenüber der Breitsaat, bei der die Samen flächig ausgestreut werden, erleichtert sie die Pflege. eignen sich dafür, weil die Reihen die ganze Saison an derselben Stelle bleiben. Zwischen den Reihen liegen bei Runkelrüben 40 cm. In der Reihe stehen die Pflanzen nach dem VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. 30 cm auseinander. Ich lege je Reihe einen Schlauch dicht an die Rüben. Wie viel Schlauch du brauchst, siehst du, wenn du die Reihen deines Rübenbeets im Beetplaner einzeichnest.
Ein Filter gehört vor jede Tropfleitung, weil Tropfer verstopfen oder verkalken und dann ausfallen können. Fällt ein Tropfer aus, bekommt die Rübe daneben kein Wasser mehr. Bei meinem Rundgang schaue ich deshalb an jeder Reihe nach, ob alle Tropfer Wasser abgeben.
Ich lege den Tropfschlauch direkt nach dem Vereinzeln aus, solange ich noch bequem zwischen die jungen Rüben komme. Den Filter setze ich gleich hinter den Wasserhahn.
Gieße Futterrüben nie mit unzureichend aufbereitetem Abwasser. Es kann Krankheitserreger und chemische Schadstoffe enthalten. Bei der Bewässerung gefährden diese Pflanzen, Tiere, Boden und Grundwasser.
Wie planst du das Gießen über die Saison?
Trockene Sommer und nasse Wochen passen in keinen festen Gießplan. Welche Futterpflanzen zu deinem Klima passen, gehört zu den Grundlagen über Standort, Boden und Winterhärte der Futterpflanzen. Für dein Rübenbeet zählt, was Regenmesser und Spatenprobe heute zeigen.
Von der Aussaat bis zum Auflaufen
Futterrüben säst du von März bis Mai. Das Saatgut kommt 2 bis 3 cm tief in die Erde. Die Keimtemperatur liegt zwischen 10 und 15 °C. Die Keimung dauert 14 bis 21 Tage. Weil Runkelrüben zugleich feuchten Boden brauchen, darf das SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. in dieser ganzen Zeit nicht austrocknen. Ich fühle mit dem Finger in Saattiefe nach und gieße mit feiner Brause, sobald die Erde dort trocken wird. Die Saattermine aller Futterpflanzen hat der Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken auf einen Blick.
Junger Bestand: Gaben abmessen, Unkraut kurz halten
Nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. gießt du nach der Spatenprobe. Ist die Wurzelzone trocken, bekommt der junge Bestand die Gabe für junge Bestände aus der Tabelle. Futterrüben brauchen besonders in der vierten bis achten Woche nach dem Auflaufen eine geringe Unkrautkonkurrenz. In dieser Zeit hacke ich zwischen den Reihen und mache bei derselben Runde die Spatenprobe. Unkraut in den Reihen ziehe ich von Hand.
Geschlossener Bestand: größere Gaben
Sobald die Blätter die Reihen schließen, setzt die Beratung deutlich größere Gaben an. Auf schwerem Boden kann so viel Wasser an der Oberfläche stehen bleiben. Sehe ich Pfützen, teile ich die Gabe auf und gieße den Rest erst, wenn das Wasser versickert ist. Bis zur Ernte zwischen September und November bleibt es bei diesem Ablauf. Für den Herbst erfährst du in einem eigenen Ratgeber, wann Futterrüben erntereif sind und wie du sie schonend erntest.
Bevor du gießt:
- Spatenprobe neben der Reihe machen
- Regenmesser ablesen und gefallenen Regen von der Gabe abziehen
- Gabe nach Entwicklungsstand wählen und mit der Beetfläche multiplizieren
- früh morgens und bodennah gießen
- beim Tropfschlauch prüfen, ob alle Tropfer Wasser abgeben
Wie hältst du das Wasser im Boden?
Eine Mulchschicht zwischen den Reihen deckt den Boden ab und bremst die Verdunstung an der Oberfläche. Für Gartenbeete gilt eine Schicht von etwa 2 bis 3 cm als allgemeiner Richtwert. Feinen Rasenschnitt trägst du nur locker, angetrocknet und dünn auf. Ich mulche erst, wenn die Rüben vereinzelt sind und der Boden durchfeuchtet ist.
Auf längere Sicht zählt der Humus. Die Humusbildung aus einer Gründüngung kann die Wasserspeicherung leichter Böden verbessern und schwere Böden durchlässiger machen. Im ökologischen Feldanbau stehen Futterrüben ohnehin nach humusaufbauenden Kulturen.
Zur Vorbeugung gegen Wurzelbrand meidet man für Futterrüben Böden, die zu Nässe neigen. Wer das Beet dauernd nass gießt, schafft genau die Bedingungen, die man bei der Standortwahl vermeiden will. Steht nach einer Gabe Wasser auf dem Beet, wartest du mit der nächsten, bis die Spatenprobe abgetrockneten Boden zeigt.
Fertigation: Wie düngst du Futterrüben über das Gießwasser?
Futterrüben zählen zu den StarkzehrernStarkzehrer sind Gemüsearten mit hohem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff, etwa Kohl, Kürbis, Tomaten und Zucchini. In der Fruchtfolge kommen sie zuerst auf ein frisch versorgtes Beet, zum Beispiel nach einer Kompostgabe.. Wer ohnehin mit Kanne oder Tropfschlauch gießt, kann einen Teil der Düngung mit dem Wasser ausbringen. Das nennt man Fertigation: Der Dünger ist im Gießwasser gelöst und kommt dorthin, wo auch das Wasser hinläuft.
Die Grundlage legst du vor der Saat. Gut verrotteter Mist eignet sich als organische GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. für Futterrüben. Als allgemeine Grunddüngung für Gartenboden gilt im Frühjahr eine jährliche Kompostmenge von höchstens 3 l/m². Diese Kompostgabe deckt schon den Stickstoffbedarf von Gemüse nicht vollständig. Bei einem Starkzehrer wie der Futterrübe verlässt du dich deshalb nicht auf Kompost allein. Die organische Versorgung im Detail findest du im Ratgeber darüber, wie du Futterrüben im Bio-Anbau mit Nährstoffen versorgst.
Bevor du über das Wasser nachdüngst, lässt du den Boden untersuchen. Die Menge richtest du nach dem Ergebnis und nach der Angabe auf der Packung. Über den Tropfschlauch gibst du nur vollständig gelösten Dünger, weil feste Reste die Tropfer zusetzen können. Nach dem Düngen spüle ich die Leitung mit klarem Wasser durch. Mit der Gießkanne geht Fertigation ohne Technik: Dünger ins Wasser geben und bodennah an der Reihe ausgießen.
Für eine Bodenuntersuchung im Gemüsebeet wird die Schicht von 0 bis 25 cm beprobt. Aus 10 bis 15 Einzelproben derselben Fläche entsteht eine MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle.. Im Rübenbeet gehe ich genauso vor. Liegt der gemessene pH-Wert über dem Zielbereich deiner Bodenart, gibst du weder Kalk noch kalkhaltige Düngemittel.
Futterrüben werden im Herbst geerntet und verfüttert. Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer zum Vergiftungsrisiko werden. Nitrat kann sich zu Nitrit umwandeln, und das kann die Bildung von Methämoglobin begünstigen. Eine pauschal sichere Menge gibt es nicht. Stickstoff gibst du nach Bodenprobe, nicht auf Verdacht.




