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Gebrauchsrasen als CO2-Speicher: was dein Rasenboden leisten kann und was nicht

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Ein Kohlenstoffvorrat im Boden ist keine jährliche CO2-Bindungsrate, denn bei Sättigung nimmt die zusätzliche Speicherung ab.
  • Eine Kohlenstoffmasse mal 3,67 ergibt die entsprechende CO2-Masse.
  • Schwingel und Rispen, also Festuca und Poa, gehören zu den C3-Pflanzen.
  • Rohrschwingel wurzelt tief, doch Bodenverdichtung begünstigt ein flaches Wurzelwerk.
  • Weniger häufiges Mähen, bedarfsgerechte Düngung und extensivere Grünflächen können den Ressourcenaufwand der Pflege senken.

Dein Rasen soll fürs Klima arbeiten, und du fragst dich, ob du mit Gräserwahl und Pflege mehr herausholen kannst. Bevor ich über Mischungen oder Mäher nachdenke, kläre ich, was mit „CO2 speichern“ überhaupt gemeint ist. Daran hängt, ob eine Zahl für deinen Garten taugt oder nur gut klingt.

Ein Gebrauchsrasen ist für mittlere Belastung ausgelegt, also für regelmäßiges Betreten und Spielen. Seine Gräser nehmen CO2 auf und bauen den Kohlenstoff in Blätter und Wurzeln ein. Mit abgestorbenen Pflanzenteilen gelangt ein Teil davon in den Boden, und dort entscheidet sich, was gespeichert bleibt.

Wie viel CO2 bindet ein Gebrauchsrasen?

Wie viel ein Rasen zusätzlich speichert, hängt am Zustand seines Bodens. Dafür musst du zwei Größen auseinanderhalten.

Kurz erklärt

Der Vorrat ist der Kohlenstoff, der bereits im Boden steckt. Die Bindungsrate beschreibt, was in einem Jahr zusätzlich hinzukommt. Ein vorhandener Vorrat ist keine jährliche Bindungsrate, und kommt der Boden in die Sättigung, nimmt die zusätzliche Speicherung ab.

Pauschale Angaben, die offenlassen, ob Vorrat oder Zuwachs gemeint ist, taugen deshalb nicht als Rechengrundlage für deinen Garten. Dazu kommt eine zweite Verwechslung, die Einheiten betrifft.

Zahl im Blick

Kohlenstoff und CO2 sind zwei verschiedene Massen. Eine Kohlenstoffmasse multiplizierst du mit 3,67, um die entsprechende CO2-Masse zu erhalten. Steht bei einer Angabe nicht dabei, welche der beiden gemeint ist, lassen sich zwei Zahlen nicht vergleichen.

Zur Bilanz gehört auch die andere Seite. In Klimabewertungen von Golfplatzrasen werden der Bodenkohlenstoff und die Emissionen durch Pflege und Management getrennt erfasst. Weniger häufiges Mähen, bedarfsgerechte Düngung und extensivere Grünflächen können den Ressourcenaufwand der Rasenpflege verringern. Kommt im Boden bei Sättigung weniger hinzu, kostet die Pflege trotzdem weiter Ressourcen. Sie ist damit der Teil der Rechnung, den du selbst in der Hand hast.

Marias Erfahrung

Begegnet mir eine CO2-Angabe zum Rasen, prüfe ich drei Dinge. Ist Kohlenstoff oder CO2 gemeint? Geht es um einen Vorrat oder um einen jährlichen Zuwachs? Und wurde die Pflege mitgerechnet?

Aussaatkalender Rasen
GartenkalenderAussaat: März, April, Mai, September, OktoberJFMAMJJASONDAussaatAussaat: MärzAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: SeptemberAussaat: OktoberAussaat

Was im Rasenboden mit dem Kohlenstoff passiert

Unter der Grasnarbe arbeitet das Bodenleben. Bodenmikroorganismen bauen Pflanzenreste ab und setzen dabei organisch gebundene Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form frei. Zu diesen Mikroorganismen zählen Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller. Regenwürmer verarbeiten organisches Material zu stabilen Bodenaggregaten, und ihre Röhren verbessern Belüftung und Wasserversickerung.

Wie gut das läuft, hängt von Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus ab. Organische Nahrung fördert die Bodenfauna, ebenso das Vermeiden von Verdichtung. Verdichtung vermindert den Grobporenraum sowie die Wasser- und Luftdurchlässigkeit und begünstigt ein flaches Wurzelwerk. Eine dauerhafte Pflanzendecke schützt außerdem die Bodenoberfläche vor dem Verschlämmen durch aufprallende Regentropfen.

Mythos-Check

Bodenhilfsstoffe aus dem Sack sollen das Bodenleben fördern. Mykorrhizapilze unterstützen zwar die Nährstoffaufnahme ihrer Wirtspflanzen. In einer Untersuchung von 28 kommerziellen Mykorrhizaprodukten führten aber rund 84 % in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht zur gewünschten Wurzelbesiedlung. In einem Laborversuch mit Wickroggenmaterial bei 12 °C veränderten effektive Mikroorganismen weder die mikrobielle Biomasse noch die Nährstofflöslichkeit nachweisbar. Pflanzenkohle hängt in ihren Eigenschaften von Ausgangsmaterial und Herstellung ab, und ihre hohe Sorption kann Nährstoffe zeitweise der Pflanzenverfügbarkeit entziehen.

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Welche Gräser passen zu einem klimabewussten Gebrauchsrasen?

Bei der Gräserwahl richte ich mich zuerst nach der Nutzung der Fläche und dann nach dem Standort. Eine feste Speicherleistung je Quadratmeter schreibe ich keiner Grasart zu. Was ich vergleiche, sind Wuchs, Wurzeln und Belastbarkeit. Für Gebrauchsrasen werden Kombinationen aus Deutschem Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel eingesetzt. An sehr trockenen Standorten kommt Rohrschwingel infrage.

Gras Was es mitbringt Worauf du achtest
Deutsches Weidelgras keimt schnell, regeneriert rasch, zählt mit Wiesenrispe zu den besonders trittfesten Hauptgräsern in Sportplatzmischungen eignet sich für Nachsaat und zügigen Lückenschluss
Wiesenrispe unterirdische Ausläufer, festigt die Narbe und kann Lücken schließen entwickelt sich anfangs langsam und kann von raschwüchsigen Partnern verdrängt werden
Rotschwingel trockenheitstolerant im Allgemeinen nur mäßig trittfest, die Sorten unterscheiden sich
Rohrschwingel wurzelt tief, hitze- und trockenheitsverträglich grobblättrig, passt zu Rasen an sehr trockenen Standorten
Mythos-Check

Oft heißt es, Rasengräser hätten einen C4-Stoffwechsel und arbeiteten deshalb bei Hitze besonders effektiv. Für die wichtigen Rasengattungen stimmt das nicht: Schwingel (Festuca) und Rispen (Poa) gehören zu den C3-Pflanzen.

Rohrschwingel wurzelt tief, Bodenverdichtung begünstigt dagegen ein flaches Wurzelwerk. Auf verdichtetem Boden arbeitest du deshalb gegen genau die Eigenschaft, für die du ihn ausgewählt hast.

Einen bestehenden Rasen reiße ich für eine neue Mischung nicht um. Brauner Rasen ist bei Trockenheit nicht automatisch abgestorben, weil etablierte Gräser eine Ruhephase überstehen und nach Regen wieder austreiben können. Bleiben danach tatsächlich abgestorbene Lücken, kannst du die Nachsaat mit einer Mischung verbinden, die besser zum Standort passt. Tiefer wurzelnde Gräser wie Rohrschwingel kommen vor allem bei einer notwendigen Neuanlage ins Spiel. Den passenden Zeitraum dafür findest du im Aussaatkalender für Rasen zum Ausdrucken.

Pflege: was den Boden stützt und wo du Aufwand sparst

Für die Pflege gilt dieselbe doppelte Rechnung. Sie soll Wurzeln und Bodenleben stützen und dabei möglichst wenig Ressourcen kosten. Die Grundregeln zu Mähen, Düngen und Gießen im Rasen-Ratgeber fasse ich hier nur kurz zusammen.

Mähen, Düngen, Gießen und Vertikutieren in Kürze

Für Garten-Gebrauchsrasen reichen die empfohlenen Schnitthöhen je nach Pflegekonzept von 3 bis 6 cm. Pro Mähgang nimmst du höchstens ein Drittel der Wuchshöhe ab. Zu kurzer Schnitt begünstigt Moos und unerwünschte Kräuter.

Die Nährstoffversorgung richtest du am Pflanzenbedarf und an der Bodenuntersuchung aus. Überhöhte Stickstoffgaben oder Düngung außerhalb der Vegetationsperiode können die Nitratauswaschung ins Grundwasser erhöhen. Bei großer Hitze und Trockenheit regst du den Rasen nicht durch Dünger zum Wachstum an.

Etablierten Rasen wässerst du durchdringend, sodass das Wasser 10 bis 15 cm tief in den Wurzelbereich eindringt. Frühes morgendliches Wässern verringert die Verdunstung. Örtliche Bewässerungsverbote und Einschränkungen haben Vorrang vor jeder allgemeinen Gießempfehlung.

Vertikutiert wird Hausrasen nur, wenn Rasenfilz oder abgestorbene Gräserreste entfernt werden müssen. In ausgeprägten Trockenphasen vertikutierst du nicht.

Schnittgut auf der Fläche lassen

Fein zerkleinertes Rasenschnittgut kann auf der Fläche bleiben und gibt bei seiner Zersetzung Nährstoffe an den Rasen zurück. Das organische Material bleibt so auf dem Rasen, statt abgefahren zu werden. Beim dauerhaften Einsatz eines Mähroboters kann die jährliche Nährstoffmenge durch die Rückführung des Schnittguts um etwa 15 bis 25 % sinken. Wie viel das Schnittgut nachliefert, hängt aber von seiner Mineralisierung ab und lässt sich nicht als einheitlicher Abschlag vom Dünger berechnen.

Damit es funktioniert, verteilst du trockenes, kurzes Schnittgut fein und gleichmäßig, ohne Klumpen oder eine undurchlässige Schicht. Ich mähe zum Mulchen nur bei abgetrockneten Halmen und gehe danach einmal über die Fläche, um liegen gebliebene Haufen zu verteilen.

Achtung

Zum Schutz von Kleintieren fährt ein Mähroboter weder nachts noch in der Dämmerung. Kinder und Haustiere halten sich während des Betriebs nicht im Garten auf.

Kompost geben und Verdichtung vermeiden

Kompost liefert organisches Material für das Bodenleben und kann die Wasserleit- und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessern. Für bestehenden Rasen kommt feiner RAL-Fertigkompost der Körnung 0/6 als gelegentliche Gabe infrage. Als Menge gelten etwa 3 bis 5 l je m². Der Abstand zwischen zwei Gaben liegt bei 3 bis 5 Jahren. Kompost bringt auch Nährstoffe mit, deshalb ziehst du sie vom weiteren Düngerbedarf ab. Bei fehlendem Nährstoffbedarf kann auch Kompost zu einer Überversorgung führen.

Verdichtete Oberflächen kann Aerifizieren mit anschließendem Besanden verbessern. Die Belüftungslöcher reichen dabei bis etwa 10 cm in den Boden, und Sand in den Löchern bildet durchlässige Kanäle. Eine tiefgründige Verdichtung behebt das nicht. Bei nassem Boden halte ich Ballspiele und schwere Geräte von der Fläche fern, weil intensive Nutzung bei hoher Bodenfeuchte den Boden verdichten kann.

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Teilflächen extensiver pflegen

Nicht jede Ecke muss Gebrauchsrasen sein. Häufiger gemähte Laufwege lassen sich mit abschnittsweise gemähten Kräuterrasenflächen und über Winter stehen gelassenen Teilbereichen kombinieren. Mähverträgliche Kräuter wie Gänseblümchen, Löwenzahn und Ehrenpreis bieten im Rasen blütenbesuchenden Insekten Nahrung. Wie das neben Spiel- und Liegeflächen funktioniert, zeigt der Beitrag, wie du Gebrauchsrasen und Artenvielfalt auf einer Fläche verbindest.

Hat jemand in deinem Haushalt eine bekannte Insektengiftallergie, berücksichtige das bei der Nutzung blühender Flächen, denn Bienenstiche können schwere allergische Reaktionen auslösen.

So schätzt du deinen eigenen Rasenboden ein

Ob sich im Boden etwas tut, siehst du von oben nicht. Eine Bodenuntersuchung zeigt Unter- und Überversorgung, und das Standardpaket umfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Humus lässt sich zusätzlich untersuchen. Unmittelbar vergleichbar sind die Ergebnisse über die Jahre nur bei gleichem Untersuchungsverfahren und übereinstimmender Nährstoffdarstellung. Eine einzelne Messung zeigt dir also einen Stand und keinen jährlichen Zuwachs; ob sich der Humusgehalt verändert, erkennst du erst im Vergleich zweier gleich gemessener Analysen.

Ich nehme die Proben mit Spaten und Löffel, entferne Wurzeln und Pflanzenreste und mische alles gründlich.

Mini-Checkliste

So läuft die Probe für deinen Rasen.

  • 10 bis 15 Einzelproben aus 0 bis 10 cm Tiefe zu einer Mischprobe vereinen
  • Wurzeln und Pflanzenreste entfernen, gründlich mischen
  • rund 500 g davon an das Labor schicken
  • Humus zusätzlich zum Standardpaket untersuchen lassen
  • bei Wiederholungen zur gleichen Jahreszeit und vor einer Düngung beproben
  • Abstände für Wiederholungen: Beratungsstellen nennen 2 bis 3 Jahre, teils auch 3 bis 4 Jahre
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Häufige Fragen

Welche Auswirkungen haben Bodenmikroorganismen auf die Kohlenstoffspeicherung im Rasen?
Bodenmikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller bauen Pflanzenreste ab, also das Material, mit dem Kohlenstoff in den Rasenboden gelangt. Dabei setzen sie organisch gebundene Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form frei. Wie aktiv sie sind, hängt von Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus ab. Organisches Material wie feiner Kompost versorgt das Bodenleben, und das Vermeiden von Verdichtung fördert die Bodenfauna.
Wie funktioniert die Humusbildung als langfristige Kohlenstoffspeicherung?
Abgestorbene Wurzeln, Blattreste, Schnittgut und Kompost liefern organisches Material, das Bodenorganismen abbauen. Regenwürmer verarbeiten es zu stabilen Bodenaggregaten und lockern und durchmischen dabei den Boden. Unbegrenzt wächst der Kohlenstoffvorrat nicht, denn bei Sättigung nimmt die zusätzliche Speicherung ab. Den Humusgehalt deines Rasenbodens kann eine Bodenanalyse zusätzlich zum Standardpaket erfassen.
Wie wirkt sich der Einsatz von Mulchmähern auf den Kohlenstoffkreislauf aus?
Beim Mulchmähen bleibt fein zerkleinertes Schnittgut als organisches Material auf der Fläche und gibt bei seiner Zersetzung Nährstoffe an den Rasen zurück. Beim dauerhaften Einsatz eines Mähroboters kann die jährliche Nährstoffmenge dadurch um etwa 15 bis 25 % sinken. Wichtig ist trockenes, kurzes Schnittgut, das sich fein und gleichmäßig verteilt, ohne Klumpen oder eine undurchlässige Schicht zu bilden. Zum Schutz von Kleintieren fahren Mähroboter weder nachts noch in der Dämmerung.
Welche Schnitthöhe und Mähfrequenz maximieren die CO2-Speicherung?
Eine Schnitthöhe, mit der du die CO2-Speicherung gezielt maximierst, lässt sich nicht festlegen. Für Garten-Gebrauchsrasen reichen die empfohlenen Schnitthöhen je nach Pflegekonzept von 3 bis 6 cm, und zu kurzer Schnitt begünstigt Moos und unerwünschte Kräuter. Je Mähgang nimmst du höchstens ein Drittel der Wuchshöhe ab. Weniger häufiges Mähen kann zudem den Ressourcenaufwand der Pflege senken.
Wie beeinflusst das Wurzelwachstum die CO2-Speicherkapazität von Gebrauchsrasen?
Über Wurzeln und abgestorbene Wurzelreste gelangt organisches Material unter die Grasnarbe, wo Bodenorganismen es abbauen. Bodenverdichtung vermindert den Grobporenraum sowie die Wasser- und Luftdurchlässigkeit und begünstigt ein flaches Wurzelwerk. Aerifizieren mit anschließendem Besanden kann verdichtete Oberflächen verbessern, behebt aber keine tiefgründige Verdichtung. Tief wurzelnde Gräser wie Rohrschwingel brauchen deshalb einen Boden, in den ihre Wurzeln auch eindringen können.
Welche Unterschiede bestehen zwischen Rohrschwingel und Rotschwingel bezüglich CO2-Speicherung?
Eine feste Speicherleistung je Quadratmeter lässt sich keiner der beiden Arten zuschreiben, die Unterschiede liegen im Wuchs. Rohrschwingel wurzelt tief, ist grobblättrig sowie hitze- und trockenheitsverträglich und eignet sich für Rasen an sehr trockenen Standorten. Rotschwingel ist ebenfalls trockenheitstolerant, aber im Allgemeinen nur mäßig trittfest, wobei sich die Sorten unterscheiden. Beide sind Schwingelarten und gehören damit zu den C3-Pflanzen.
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