Kakteensamen sammeln und aufbewahren: So bleiben sie keimfähig
- Bestäubt ist eine Blüte erst, wenn Pollen auf ihre Narbe gelangt.
- Feine, trockene Samen trennst du mit einem Teesieb von den Samenhäuten.
- Vor dem Verpacken trocknen die Samen ausgebreitet auf Papier nach.
- Vollständig trockene Samen lagerst du in geschlossenen Gefäßen kühl, trocken und dunkel.
- Jede Partie bekommt Art oder Sorte und Erntedatum aufs Etikett.
- Eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen zeigt, welcher Anteil noch keimt.
- Fragen zur Ein- und Ausfuhr geschützter Pflanzen beantwortet in Deutschland das Bundesamt für Naturschutz.

Hat dein Kaktus eine Frucht angesetzt, hältst du eigene Kakteensamen in der Hand. Ob daraus SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. werden, entscheidet sich nach der Ernte: beim Reinigen, beim Nachtrocknen und am Lagerort. Ich behandle deshalb jede Ernte wie eine eigene Saatgutpartie. Sie kommt sauber und trocken in eine beschriftete Tüte und bekommt vor der Aussaat eine KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt..
Ich gehe die Schritte in der Reihenfolge durch, in der ich arbeite. Am Ende steht der Artenschutz für alle, die außerhalb der eigenen Sammlung Samen nehmen wollen.
Bevor du ernten kannst: die Bestäubung
Samen entstehen erst, wenn eine Blüte bestäubt wurde. Ein Insekt in der Blüte reicht dafür nicht aus. Als Bestäuber zählt ein Blütenbesucher erst, wenn er Pollen auf eine Narbe überträgt. Bei Feigenkakteen übernehmen das meist Bienen, denn ihre Pollensuche am Griffel entlang begünstigt den Pollentransfer.
Bei Nachtblühern bleibt dafür wenig Zeit. Die einzelne Blüte von Selenicereus grandiflorus öffnet sich nur für eine Nacht und ist am Morgen verblüht. Auch die Drachenfrucht Hylocereus undatus öffnet ihre weißen, duftenden Blüten meist nur für eine Nacht. Weil erst der Pollen auf der Narbe zählt und diese Blüten nur eine Nacht offen sind, muss eine Handbestäubung genau in dieser Nacht stattfinden.
Ich tupfe dafür mit einem weichen Pinsel Pollen von den Staubblättern und streiche ihn auf die Narbe der Blüte, die Samen tragen soll. Die bestäubte Blüte markiere ich mit einem Wollfaden und notiere Datum und Pollenspender. Bei Rebutien fange ich früh im Jahr an, weil diese kleinen Kugelkakteen aus den Anden schon im frühen Frühjahr Blütenknospen entwickeln können.
Damit überhaupt Blüten kommen, spielt die Ruhezeit mit. Für Kakteen aus Wüsten- und Halbwüstenlebensräumen wird zur Blütenförderung eine trockene Winterruhe bei etwa 8 bis 12 °C beschrieben, eine Regel für alle Kakteen ist das nicht. Wie du das Winterquartier einrichtest, erklärt der Abschnitt zu Ruhezeit und Überwinterung von Zimmerpflanzen.
Reife Früchte ernten, ohne dich zu stechen
Die Reifezeichen einer Kakteenfrucht unterscheiden sich je nach Art. Ich behalte deshalb jede markierte Blüte im Blick, bis aus ihr eine Frucht geworden ist. Bin ich unsicher, schneide ich zuerst eine einzelne Frucht auf und sehe mir die Samen unter der Lupe an. Erst danach ernte ich den Rest.
Zwischen den Dornen greife ich die Frucht mit einer großen Pinzette, wie ich sie auch zum Umtopfen bedornter Kakteen nehme. Abgeschnitten wird mit einem sauberen Messer. Die Frucht lege ich sofort auf ein Blatt Papier, damit kein Samen verloren geht.
Bei Opuntia microdasys lösen sich die borstenartigen Glochiden leicht und können mit ihren Widerhaken in der Haut stecken bleiben. Kaktusähnliche Euphorbien können stark haut- und schleimhautreizenden Milchsaft enthalten. Kläre deshalb vor dem Schneiden, ob deine Pflanze wirklich ein Kaktus ist, und trag Handschuhe. Bei Verdacht auf eine Pflanzenvergiftung wendest du dich unverzüglich an ein Giftinformationszentrum oder an ärztliche Hilfe und löst kein Erbrechen aus.
Samen reinigen: Fruchtfleisch und Samenhäute entfernen
Wie ich reinige, hängt daran, ob die Samen in feuchtem Fruchtfleisch sitzen oder trocken aus der Frucht rieseln. Feuchtes Fruchtfleisch drücke ich in einem feinen Sieb aus. Dann spüle ich die Samen unter fließendem Wasser, bis keine Fruchtreste mehr an ihnen hängen.
Bei feinen Blumensamen trennt man trockene Samenhäute mit einem Teesieb ab. Trockene Kakteensamen reinige ich genauso und schüttle das Sieb dabei behutsam über einem hellen Teller. Was danach noch zwischen den Samen liegt, sortiere ich unter der Lupe mit der Pinzette aus.
Nachtrocknen: erst trocken, dann verpacken
Selbst geerntete Samen trocknen vor dem Verpacken nach, ausgebreitet auf Papier. Ich verteile sie in einer einzigen Lage, damit keine Samen aufeinanderliegen. Das Blatt kommt an einen trockenen Platz im Zimmer, an dem keine Zugluft die Samen verweht. Statt auf die Uhr schaue ich auf die Samen: Erst wenn sie lose über das Papier rollen und nichts mehr klebt, kommen sie in die Tüte.
Die Samen wandern in die Dose, solange sie noch feucht sind. Kühl und dunkel in geschlossenen Gefäßen lagerst du nur Saatgut, das vollständig trocken ist. Klebt noch etwas am Papier, bleibt die Partie liegen.
Kakteensamen lagern: kühl, trocken, dunkel
Vollständig trockenes Saatgut gehört in geschlossene Gefäße an einen kühlen, dunklen und trockenen Ort. Für selbst geerntete Samen eignen sich Papiertüten oder kleine Dosen. Ich kombiniere beides: Jede Partie bekommt eine eigene Papiertüte, und die Tüten stehen zusammen in einer Dose mit Deckel. So bleiben die Partien getrennt, und die Dose schließt sie gemeinsam ab.
Bei mir steht die Dose in einem Schrank, den weder die Heizung noch die Sonne erwärmt. Die Fensterbank fällt als Lagerort damit weg, auch wenn die Mutterpflanzen dort stehen.
Bevor die Dose zugeht, prüfe ich diese Punkte.
- Samen vollständig trocken, nichts klebt mehr
- eigene Papiertüte für jede Partie
- Tüte mit Art oder Sorte und Erntedatum beschriftet
- alle Tüten in einer geschlossenen Dose
- Lagerort kühl, dunkel und trocken
Beschriften: Was auf jede Tüte gehört
Behälter mit selbst geernteten Samen bekommen den Sortennamen und das Erntedatum. Bei Kakteen schreibe ich den Artnamen dazu, weil nicht jede Pflanze in meiner Sammlung eine Sorte ist. Nach einer Handbestäubung notiere ich außerdem den Pollenspender. Später trage ich auch das Ergebnis der Keimprobe mit Datum auf der Tüte nach.
Aus selbst geernteten Samen wächst wieder die Mutterpflanze? Bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. nicht unbedingt, denn deren Nachkommen aus selbst geernteten Samen können sich im Aussehen deutlich von ihr unterscheiden. Steht der Sortenname auf der Tüte, weißt du schon bei der Aussaat, bei welchen Sämlingen du mit solchen Abweichungen rechnen kannst.
Ich schreibe Art und Datum zuerst auf das Papier, auf dem die Frucht landet. Beim Umfüllen übertrage ich beides auf die Tüte, bevor ein einziger Samen hineinfällt. So hat jede Partie vom Aufschneiden bis zur Dose eine Aufschrift.
Keimfähigkeit prüfen: die Probeaussaat
Ob eine Partie noch keimt, siehst du den Samen nicht an. Eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen zeigt dir, welcher Anteil noch keimt. Zähle die Samen ab und schreib ihre Zahl auf das Etikett der Schale.
Für die Probe nimmst du frische Aussaaterde und ein sauberes Gefäß mit Wasserabzug. Die Erde soll nährstoffarm, luftdurchlässig und feinkrümelig sein. Wie du sie zusammenstellst, steht im Ratgeber dazu, welche Bodenmischung Kakteensamen zur Keimung brauchen.
Beim Säen halte ich mich an das Vorgehen, das für die Kakteen-Liebhaber-Mischung von Kiepenkerl beschrieben ist. Die Samen werden angedrückt und nur ganz leicht mit Sand bedeckt. Bis zur Keimung bleibt die Aussaat unter Folie oder Glas gleichmäßig feucht, aber nicht nass.
Für die Kakteen-Liebhaber-Mischung von Kiepenkerl ist eine KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. von 20 bis 26 °C angegeben. Die Keimdauer liegt bei 14 bis 28 Tagen. Beide Werte gelten für diese Mischung; deine eigene Art kann andere Ansprüche haben.
Wenn keine neuen Keimlinge mehr erscheinen, zählst du alle, die gekommen sind. Teile ihre Zahl durch die Zahl der ausgelegten Samen, dann kennst du den Anteil deiner Partie, der noch keimt. Den Termin der Probe trage ich in meinen ausgedruckten Aussaatkalender für Zimmerpflanzen ein.
Die eigentliche Aussaat und die anderen Wege über StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze., Ableger und Pfropfen beschreibt der Ratgeber, wie du Kakteen Schritt für Schritt vermehrst.
Sammeln in der Natur: Artenschutz geht vor
Kakteensamen sammle ich nur an Pflanzen aus Kultur, also aus meiner Sammlung oder mit Zustimmung der Besitzerin. Bei Wildpflanzen gilt zusätzlich der Artenschutz. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen regelt den internationalen Handel mit geschützten Arten, und darunter fallen verschiedene Kakteenarten.
In Deutschland gibt es dafür zwei Anlaufstellen. Fragen zur Ein- und Ausfuhr geschützter Pflanzen beantwortet das Bundesamt für Naturschutz. Für Fragen zu Besitz und Vermarktung sind die Landesbehörden zuständig. Kläre deine Fragen dort, bevor du Samen über eine Grenze bringst oder vermarktest.
Planst du, Kakteensamen aus dem Urlaub mitzubringen? Dann frag vor der Reise beim Bundesamt für Naturschutz nach, was für die Einfuhr dieser Art gilt.
Du beerntest auch Sommerblumen? Für die Spinnenpflanze gibt es einen eigenen Ratgeber, wie du Spinnenpflanzensamen erntest, trocknest und lagerst, samt Prüfung der KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut..

