Malven als Biodiversitäts-Booster: Was sie Wildbienen und Hummeln bieten und wie du nachhilfst
- Moschusmalve, Wilde Malve und Sigmarswurz bieten Hummeln, Bienen und Schwebfliegen Pollen und Nektar.
- Die Malven-Langhornbiene sammelt Pollen ausschließlich an Malvengewächsen und nistet an schütter bewachsenen Bodenstellen.
- Für Insekten wählst du Stockrosen mit ungefüllten Blüten.
- Moschusmalven blühen je nach Saatgut und Garten von Juni bis September, manchmal bis in den Oktober.
- Dicke, holzige Malvenstängel können Insekten als Winterquartier dienen und bleiben dafür über Winter stehen.

Eine Malve im Beet ist für Hummeln, Bienen und SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. eine Futterstelle mit Pollen und Nektar. Wie viel Artenvielfalt daraus wird, hängt an der Blütenform, an den Nachbarn im Beet und an dem, was im Herbst stehen bleibt. Ich schaue bei meinen Malven deshalb nicht nur in die Blüten, sondern auch auf den Boden daneben und auf die Stängel im Winter.
Gemeint sind hier vor allem Wildmalven wie Moschusmalve, Wilde Malve und Sigmarswurz sowie die Stockrose. Botanisch gehören Moschusmalven zu Malva moschata, Stockrosen dagegen zur Art Alcea rosea. Welche Malven es sonst noch gibt und worin sie sich unterscheiden, erklärt der Ratgeber über Malvenarten von der Wilden Malve bis zur Stockrose.
Was Malven Insekten bieten
Moschusmalve, Wilde Malve und Sigmarswurz bieten Hummeln, Bienen und Schwebfliegen beides: Pollen und Nektar. Das ist nicht bei jeder Sommerblume so. Klatschmohn etwa liefert Wildbienen Pollen, aber keinen Nektar. Neben reinen Pollenpflanzen wie Mohn liefern Wildmalven also zusätzlich Nektar.
Ein Spezialist: die Malven-Langhornbiene
Unter den Wildbienen gibt es eine Art, die beim Pollen ganz auf Malvengewächse setzt. Die Malven-Langhornbiene (Tetralonia macroglossa) sammelt Pollen ausschließlich an Malvengewächsen. Die Nester legt sie an schütter bewachsenen Bodenstellen an. Beides zusammen heißt: Malven allein reichen ihr nicht, im Garten braucht sie auch lückig bewachsenen Boden. Ein dicht zugewachsenes Beet bietet ihr Futter, aber keinen Platz für das Nest.
Lass neben deinen Malven eine sonnige Stelle mit lückigem Bewuchs frei und betritt sie möglichst wenig. Offene, besonnte und ungestörte Bodenstellen bieten bodennistenden Wildbienen Lebensraum. Auch Totholz kann Wildbienen Nistplätze bieten.
Ungefüllte Blüten wählen
Bei Stockrosen entscheidest du schon beim Saatgut, ob Insekten etwas davon haben. Für die Insektenecke wählst du Sorten mit ungefüllten Blüten, denn sie bieten vor allem Pollen. Gefüllte Zuchtformen sind häufig steril und fallen dann als Nahrung für Bienen aus. Ganz pauschal gilt das allerdings nicht: Auch manche gefüllt blühende Zierpflanze bildet noch zugänglichen Pollen oder Nektar. Die Füllung allein sagt also nicht sicher, wie viel eine Blüte Bienen bringt. Ich nehme für meine Insektenecke trotzdem nur ungefüllte Sorten und lese dafür beim Saatgut die Angabe zur Blütenform.
Schwebfliegen und andere Nützlinge
Zu den Gästen an Wildmalven gehören auch Schwebfliegen. Die Larven der Schwebfliegen zählen wie Marienkäfer und FlorfliegenlarvenFlorfliegenlarven sind die räuberischen Larven der zarten, hellgrünen Florfliege. Mit langen Saugzangen saugen sie Blattläuse, Spinnmilben, Thripse und andere Kleininsekten aus und gelten deshalb im Garten als wichtige Nützlinge. zu den natürlichen Feinden von Blattläusen. Wer Schwebfliegen an den Malven Pollen und Nektar bietet, unterstützt also Tiere, deren Nachwuchs Blattläusen nachstellt. Eine Garantie gegen Blattläuse ist das nicht. Der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz schont im Garten auch diese nützlichen Insekten.
Wie du aus Malven gezielt eine Bienenweide anlegst und den Garten insektenfreundlich gestaltest, zeigt ein eigener Ratgeber.
Malven in guter Gesellschaft: Futter vor und nach der Malvenblüte
Hummeln brauchen ein möglichst durchgehendes Blütenangebot vom frühen Frühjahr bis in den Herbst. Moschusmalven blühen je nach Saatgut und Garten von Juni bis September. Damit decken sie den Sommer ab, für Frühjahr und Herbst brauchst du andere Pflanzen. Auch dabei wählst du ungefüllt blühende Arten, damit Insekten vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst Nahrung finden.
Diese Partner ergänzen das Angebot rund um die Malve:
| Zeit | Partner | Beitrag für Insekten |
|---|---|---|
| Frühjahr | Krokus, Lungenkraut | ergänzen das Blütenangebot für Bienen, bevor die Malven blühen |
| Sommer | Schmuckkörbchen, Kornblume | ergänzen das Angebot für Bienen im Sommer |
| Sommer | Löwenmäulchen | Nektarpflanze für Hummeln |
| Sommer | Männertreu | liefert Nektar und Pollen für Blütenbesucher |
| Sommer bis Spätherbst | ungefüllte Tagetes | bieten Insekten frei zugänglichen Nektar |
| Herbst | ungefüllte Herbstastern | ergänzen das Blütenangebot für Bienen |
| Herbst bis zum ersten Frost | Raublatt- und Glattblatt-Astern | werden von Honigbienen, Wildbienen, Schwebfliegen und Tagfaltern besucht |
| Oktober | Myrten-Astern | ergänzen das Blütenangebot für Bienen |
Ich gehe im Sommer an warmen Vormittagen mit einem Notizbuch am Beet entlang und schreibe auf, welche Besucher an den Malven sitzen. Fällt mir eine Zeit ohne offene Blüten auf, notiere ich die Lücke und plane dort im nächsten Jahr einen Partner ein.
Die Verteilung der Partner auf der Fläche kannst du mit dem Beetplaner für dein Blumenbeet durchspielen. Wie Malven als Hintergrund im Staudenbeet, im Bauerngarten oder als Sichtschutz wirken, zeigt der Ratgeber zu Gestaltung und Sortenwahl mit Malven. Grundsätze zu Höhe, Duft und Bienen stehen im Sommerblumen-Überblick unter Gestalten mit Sorten und Mischungen.
So verlängerst du die Blütezeit deiner Malven
Moschusmalven blühen je nach Saatgutangebot und Gartenbedingungen von Juni bis September. Unter passenden Bedingungen blühen sie bis in den Oktober weiter. Zwei Handgriffe bestimmen, wie du diese Zeit nutzt: das AusputzenAusputzen heißt, verblühte Blüten regelmäßig von der Pflanze zu entfernen. So steckt sie keine Kraft in die Fruchtbildung. und der Zeitpunkt, an dem du damit aufhörst.
Ausputzen: weitere Blüten oder Samen
Entfernst du verwelkte Blüten vor dem Samenansatz, kann das bei Sommerblumen die Bildung weiterer Blüten fördern. Zugleich begrenzt das Ausputzen die Samenbildung. Die Moschusmalve lebt zwei bis mehrere Jahre und kann sich selbst aussäen. Wer bis zum Saisonende jede welke Blüte abknipst, verzichtet deshalb auf den Nachwuchs, den die Pflanze selbst aussät.
Ich putze meine Malven im Hochsommer beim Gießen aus. Gegen Ende der Blüte lasse ich einzelne BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. stehen, bis die Samen reif sind. Wie du Sommerblumen ausputzt, steht im Sommerblumen-Überblick unter Pflege.
Hohe Stängel stützen
Hohe Moschusmalven stützt du bei Bedarf mit einem Stab. Stockrosen lassen sich an einem stabilen Stab festbinden, etwa aus Bambus. Eine Rankhilfe ist dafür nicht gemeint: Die Stockrose ‘Nigra’ etwa ist keine Rank- oder Schlingpflanze.
Nach der Blüte: Stängel, Raupenfutter und Malvenrost
Im naturnahen Garten reicht der Nutzen über die Blüte hinaus, denn Wildmalven dienen verschiedenen Schmetterlingsarten als Raupenfutterpflanzen. Dicke, holzige Malvenstängel können Insekten einschließlich Wildbienen als Winterquartier dienen, deshalb bleiben sie über Winter stehen. Welche Rolle Malven für Falter, Vögel und überwinternde Insekten spielen, vertieft der Beitrag über Malven als Nahrung und Lebensraum im Naturgarten.
Gelbe bis rötlichbraune Blattflecken mit Rostpusteln auf der Blattunterseite können bei Stockrosen auf Malvenrost hindeuten. Solche Teile entfernst du umgehend, rostkranke Reste kommen ganz aus dem Beet, damit dort keine Infektionsquelle überwintert. Über Winter bleiben deshalb nur gesunde Stängel stehen, die Vorbeugung beschreibt der Sommerblumen-Überblick unter Krankheiten und Schädlinge.
Malven ansiedeln: Standort und Aussaat in Kürze
Wildmalven wie Moschusmalve, Wilde Malve und Sigmarswurz gedeihen an sonnigen bis halbschattigen Standorten mit nährstoffreichem Boden. Moschusmalven der ‘Moschus Mischung’ und Wilde Malven ‘Zebrina’ säst du etwa 0,5 bis 1 cm tief, die Moschusmalve ab Mai auch direkt ins Beet. Den passenden Monat für deine Aussaat findest du im Aussaatkalender für Sommerblumen.
Biodiversität über den Gartenzaun hinaus
Malven wirken über dein Beet hinaus, wenn ihre Samen weiterwandern. Dafür sorgst du mit geernteten Samen, mit Tausch und mit Malven an Orten ohne Garten.
Samen ernten und weitergeben
Für eigenes Saatgut lässt du einzelne Blüten bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen. Geerntet wird bei trockenem, sonnigem Wetter, sobald die Samen ausgereift sind. Dunkle und trockene Körner zeigen häufig die Erntereife an. Danach trocknest du die Samen auf Papier nach und trennst sie von Pflanzenresten. Anschließend lagerst du sie kühl, dunkel und trocken.
Stammen deine Malven aus einer Hybridsorte, können die Nachkommen anders aussehen als die Mutterpflanze. Wer Samen verschenkt, sagt das dazu.
Bevor du Malvensamen verschenkst:
- Tütchen mit Sortenname und Ernteangabe beschriften
- vermerken, wenn die Mutterpflanze eine Hybridsorte war
- nur vollständig nachgetrocknete Samen ohne Pflanzenreste abfüllen
- dazuschreiben, dass die Samen in den Garten gehören und nicht in die freie Landschaft
Streue Garten-Malvensamen nicht an Feldrändern, Böschungen oder anderswo in der freien Landschaft aus. Für Aussaaten in der freien Natur sind heimische Pflanzen regionaler Herkunft vorgesehen, nichtheimische Arten kannst du dagegen im privaten Garten verwenden. Für Blühstreifen empfiehlt sich regionales, artenreiches Wildpflanzensaatgut mit zertifizierter Herkunft, dabei gelten die jeweiligen Fördervorgaben.
Gemeinschaftsgärten, Kinder und Balkon
Gemeinschaftsgärten ermöglichen gemeinsames Lernen, Tauschen und Teilen, dazu Angebote wie Workshops und Gartenfeste. Selbst geerntete Malvensamen kannst du dort tauschen oder an andere Beete weitergeben. Ein Malvenbeet eignet sich dort auch zum Beobachten, weil sich an den Blüten zeigt, wer Pollen und Nektar holt.
Mit Kindern lässt sich an einer Malve verfolgen, wie aus einem Samen eine Futterpflanze wird. Kinder können das Wachstum regelmäßig durch Messen, Zeichnen und Fotografieren dokumentieren.
Wer keinen Garten hat, zieht Malven im Kübel auf Balkon oder Terrasse. Wilde Malve, Moschusmalve und Stockrose brauchen im Kübel ein kühles, frostfreies Winterquartier. Für Stockrosen empfiehlt sich zur besseren Standfestigkeit ein Topf mit mindestens 40 cm Durchmesser. Gefäß, Erde und Winterplatz behandelt der Ratgeber über Malven in Töpfen und Kübeln.
Im Boden und auf dem Dach
Auch jenseits des Blumenbeets kommen Malven zum Einsatz. Kulturmalve kann mit ihrer PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. zur biologischen Bodenlockerung beitragen und eignet sich als bodendeckende ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut.. Wie das funktioniert, zeigt der Ratgeber über Malven als Bodenverbesserer und Gründüngung.
Moschusmalve wurde in einem Dachversuch als Bestandteil einer bewässerten und gedüngten Wildgemüsemischung kultiviert. Bevor du ein Dach begrünst, müssen Tragfähigkeit, wurzelfeste Abdichtung und Entwässerung fachgerecht geklärt sein. Für Dächer, Fassaden und städtische Grünflächen gibt es einen eigenen Beitrag über Malven in der Stadtbegrünung.
Gerade im Herbst lohnt ein Rundgang am Malvenbeet. Lass gesunde, holzige Stängel über Winter stehen, ernte bei trockenem Wetter reife Samen von einzelnen Blütenständen und markiere dir eine sonnige, lückige Bodenstelle für das Frühjahr.




