Ziergräser richtig pflegen: Schnitt nach Art, Höhe und Wuchsform
- Sommergrüne Ziergräser schneidest du im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb bodennah zurück.
- Eine Handbreit alter Halme in Kuppelform bleibt stehen und schont den Neuaustrieb im Inneren.
- Bei wintergrünen Gräsern wie der Wald-Segge entfernst du nur braune und abgestorbene Teile.
- Pampasgras bindest du für den Winter zum Schopf und deckst die Wurzelscheibe mit Falllaub oder Stroh ab.
- Innen verkahlte Horste kannst du im Frühjahr ausgraben und teilen.

Wenn dein Pampasgras in der Mitte kahl wird, lohnt sich ein Blick auf drei Dinge: den letzten Winter, den Zeitpunkt des RückschnittsBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. und das Alter des Horsts. Ich gehe im Spätwinter jeden Grashorst einzeln durch und schaue an der Basis nach, ob zwischen dem braunen Laub noch Grünes steckt. Davon hängt ab, ob ich zur Schere greife oder nur mit der Hand ausputze.
Hohe Gräser wie das Reitgras ‘Karl Foerster’ oder das Riesen-Federgras wirken mit ihren Halmen bis in den Winter. Deshalb bestimmt der Schnitt mit, wie dein Garten zwischen Herbst und Frühsommer aussieht. Ein Kurzporträt von Stauden, Zweijährigen und Gräsern findest du im Ratgeber Stauden und Ziergräser. Hier geht es um Schnitt und Pflege nach Art, Wuchshöhe und Wuchsform.
Sommergrün oder wintergrün: die erste Frage vor jedem Schnitt
Ob du einen Horst kürzt oder nur auskämmst, hängt am Laub. Bei sommergrünen Gräsern stirbt das Laub über Winter ab, im Frühjahr treiben sie neu aus. Dazu gehören Chinaschilf, Rutenhirse und Reitgras. Wintergrüne Gräser behalten ihr Laub über den Winter, etwa die heimischen Seggen Carex sylvatica und Carex pendula oder die Schnee-Hainsimse Luzula nivea.
Sommergrüne Gräser bekommen im zeitigen Frühjahr einen bodennahen Rückschnitt. Bei wintergrünen und immergrünen Gräsern entfernst du nur, was braun geworden ist.
Bin ich mir bei einem Gras unsicher, ziehe ich die alten Halme an der Basis vorsichtig auseinander. Steckt dort grünes Laub zwischen dem braunen, behandle ich das Gras wie ein wintergrünes.
Das Japanische Waldgras Hakonechloa macra ‘Aureola’ wie eine Segge nur auszuputzen. Es ist sommergrün und bekommt seinen Rückschnitt im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb.
Einjährige Ziergräser fallen aus diesem Schema heraus. Die Mischung ‘Ikebana’ säst du von März bis Mai direkt an den vorgesehenen Platz, im folgenden Jahr säst du neu. Die Anleitung dazu, wie du Ziergräser Schritt für Schritt aussäst, begleitet dich bis zu den etablierten Sämlingen. Für deine Termine kannst du dir den Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser ausdrucken.
Frühjahrsschnitt bei sommergrünen Gräsern
Sommergrüne Ziergräser schneidest du im zeitigen Frühjahr zurück, bevor der Neuaustrieb beginnt. Der Schnitt sitzt bodennah. Ganz glatt am Boden ist er trotzdem nicht: Von den alten Halmen bleibt eine Handbreit in Kuppelform stehen, damit der Neuaustrieb im Inneren geschont wird.
Ich nehme dafür eine scharfe Gartenschere und schneide von außen nach innen, sodass die Mitte etwas höher bleibt als der Rand. Chinaschilf, Waldschmiele und Lampenputzergras dürfen mit ihren Samenständen überwintern. Bei Bedarf kommen sie erst im Frühjahr an die Reihe.
Gesundes Schnittgut kommt bei mir auf den Kompost. Halme mit Krankheitszeichen gehören in den Haus- oder Biomüll, weil im Gartenkompost möglicherweise keine ausreichenden Temperaturen entstehen, um Erreger abzutöten. Ist die Schere mit Erde aus einem kranken Bestand verschmutzt, reinige ich sie, bevor ich am nächsten Horst weiterarbeite.
Es ist zeitiges Frühjahr, und der Neuaustrieb hat noch nicht begonnen. Das Laub ist braun, das Gras also sommergrün. Die Schere ist scharf und sauber. Eine Handbreit Kuppel aus alten Halmen bleibt stehen. Krankes Schnittgut wandert in den Haus- oder Biomüll.
Wintergrüne Gräser: ausputzen statt abschneiden
Wintergrüne und immergrüne Gräser schneidest du nicht pauschal herunter. Bei ihnen entfernst du braun gewordene Halme und Blätter, das grüne Laub bleibt stehen. Ich fahre dazu mit den Fingern durch den Horst und ziehe heraus, was sich trocken löst. Hängt ein braunes Büschel fest, schneide ich es einzeln an der Basis ab.
Bei immergrünen Schattengräsern reicht normalerweise das Entfernen abgestorbener Teile. Hat ein solches Gras im Winter starken Schaden genommen, ist ein vollständiger Schnitt im zeitigen Frühjahr möglich.
Pampasgras in der Mitte kahl: was dahinterstecken kann
Wird dein Pampasgras in der Mitte kahl, kann das auf Nässe im Winter hindeuten. Pampasgras ist durch winterliche Nässe gefährdet, seine Überwinterungssprosse können darunter verfaulen. Eine kahle Mitte kann aber auch ein Alterszeichen sein, denn ältere Gräserhorste können innen verkahlen.
Für den Winter bindest du Pampasgras zu einem Schopf zusammen und deckst die Wurzelscheibe mit Falllaub oder Stroh ab. Den Standort wählst du so, dass Wasser gut abziehen kann. Wenn ich im Frühjahr den Schopf öffne, schaue ich zuerst in die Mitte und taste die Basis ab, bevor ich schneide.
Vor dem Winter bindest du den Pampasgras-Schopf locker zusammen und legst Falllaub oder Stroh auf die Wurzelscheibe. Die übrigen Gräser lässt du stehen.
Neues Pampasgras setzt du im zeitigen Frühjahr, wenn der Boden schon erwärmt ist. Im Herbst pflanzt du es nicht, auch nicht in Weinbaugebieten auf durchlässigem Boden, wo andere Ziergräser dann noch gesetzt werden können.
Ist ein Horst innen schon verkahlt, kannst du ihn im Frühjahr ausgraben und teilen. Bei Schattengräsern pflanzt du dabei die vitalen äußeren Teilstücke neu. Wie du vorgehst, steht im Abschnitt darüber, wie du Stauden und Gräser teilst und vermehrst.
Wuchshöhe: niedrige, mittelhohe und hohe Gräser
Die Höhe ändert vor allem die Handgriffe und die Wirkung im Winter. Die Tabelle zeigt Beispiele mit ihren Höhen und dem, was beim Schnitt und im Winter zählt.
| Gras | Höhe | Was beim Schnitt und im Winter zählt |
|---|---|---|
| Blauschwingel, blaulaubige Sorten der Festuca-cinerea-Gruppe | Laub etwa 10 bis 15 cm, BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. 20 bis 30 cm | reagiert empfindlich auf WinternässeWinternässe ist Nässe in der kalten Jahreszeit, unter der vor allem Pflanzen aus Gebieten mit trockenen Wintern leiden. Bei ungünstiger Witterung können ihre Überwinterungssprosse faulen – auch wenn die Pflanzen als winterhart gelten., braucht warmen, trockenen, durchlässigen Boden |
| Japanisches Waldgras Hakonechloa macra ‘Aureola’ | Blatt etwa 30 bis 40 cm, Blüte 40 bis 60 cm | sommergrün, Rückschnitt im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb |
| Reitgras ‘Karl Foerster’ | Laub etwa 100 cm, Blüte etwa 180 cm | sommergrün, bleibt mit aufrechter Gestalt bis in den Winter wirksam, steril |
| Rutenhirse ‘Nordwind’ | 150 bis 180 cm | sommergrün, Samenstände der Rutenhirse können Vögeln im Winter Nahrung bieten |
| Chinaschilf ‘Rotsilber’ | 160 bis 180 cm | sommergrün, darf mit Samenständen überwintern |
| Riesen-Federgras | Blütenhalme bis zu 2 m | Zierwirkung der Blütenhalme hält bis in den Winter an |
Bei niedrigen Polstergräsern wie dem Blauschwingel schaue ich zuerst auf den Boden. Der Blauschwingel reagiert empfindlich auf zu hohe Bodenfeuchtigkeit und auf Winternässe. Im Frühjahr ziehe ich aus den Polstern nur heraus, was eindeutig braun ist.
Mittelhohe Gräser wie das Japanische Waldgras schneidest du nach der Regel für sommergrüne Arten. Hohe Gräser stehen bei mir über Winter. Vor dem Frühjahrsschnitt binde ich ihre Halme mit einer Schnur zusammen, schneide unterhalb davon und nehme das Bündel in einem Stück ab.
Wuchsform: horstig oder mit Ausläufern
Horstige Gräser bilden geschlossene Büschel, ihr Neuaustrieb kommt aus dem Inneren. Beim Schnitt schonst du ihn mit der Kuppel aus alten Halmen. Mit den Jahren können solche Horste innen verkahlen, dann kannst du sie im Frühjahr teilen.
Andere Gräser breiten sich über Rhizome oder AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. aus. Die Mandschurische Breitblatt-Segge wächst über flach verlaufende Rhizome kräftig in die Fläche und eignet sich als BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. für Plätze mit viel Falllaub. Carex flacca bildet starke Ausläufer und passt deshalb nicht in artenreiche Pflanzungen mit schwachwüchsigen Nachbarn. Auch die ausläuferbildende Carex foliosissima ‘Ice Dance’ braucht kräftige Nachbarn. Für den Schnittzeitpunkt stellst du bei diesen Arten dieselbe Frage wie bei allen Gräsern: sommergrün oder wintergrün.
Ausbreiten können sich Gräser auch über Samen. Die heimischen Seggen Carex sylvatica und Carex pendula säen sich im Garten stark selbst aus. Willst du die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. von Chinaschilf begrenzen, wählst du spät blühende oder sterile Sorten. Das Reitgras ‘Karl Foerster’ ist steril. Welche Gräser zu einem naturnahen Garten passen, beschreibt der Beitrag darüber, wie du Ziergräser im naturnahen Garten auswählst, ohne dass sie sich unkontrolliert ausbreiten.
Herbst und Winter: warum die Halme stehen bleiben
„Ziergräser müssen im Herbst runter.“ Das stimmt nicht. Der Rückschnitt sommergrüner Gräser gehört ins zeitige Frühjahr vor den Neuaustrieb, und Pampasgras wird für den Winter zusammengebunden.
Stehende Halme haben auch einen Nutzen für Tiere. Die Zwischenräume der Gräser dienen NützlingenNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. als Winterquartier, und die Samenstände der Rutenhirse können Vögeln im Winter Nahrung bieten. Was Gräser darüber hinaus für Insekten und Vögel leisten, liest du im Beitrag darüber, wie du mit Ziergräsern die Biodiversität im Garten förderst.
Der Schnitt entscheidet auch über das Gartenbild im Jahreslauf. Das Reitgras ‘Karl Foerster’ blüht ab Mitte Juni und bleibt mit seiner aufrechten Gestalt bis in Herbst und Winter gestalterisch wirksam. Beim Riesen-Federgras hält die Zierwirkung der Blütenhalme ebenfalls bis in den Winter an.
Gräserhecken aus Rutenhirse ‘Nordwind’ oder Chinaschilf ‘Rotsilber’ sind von März bis Mai niedrig. Blickdicht werden sie erst ab August. Wer sommergrüne Gräser als Sichtschutz pflanzt, hat nach dem bodennahen Frühjahrsschnitt also bis in den Sommer hinein eine offene Stelle. In Staudenmischpflanzungen überbrücken frühjahrsblühende Zwiebelpflanzen die Zeit zwischen dem Winterrückschnitt und dem neuen Austrieb. Welche Partner zu deinen Gräsern passen und wie du sie in Gruppen setzt, beschreibt der Ratgeber Stauden und Ziergräser im Abschnitt „Gestalten und kombinieren“.
Gießen, Düngen und Winterschutz rund um den Schnitt
Auch trockenheitsverträgliche Gräser brauchen nach der Pflanzung eine verlässliche Wasserversorgung, bis sie fest im Boden verwurzelt sind. Winterharte Gräser im Freilandgefäß schützt du über Winter mit einer isolierenden Topfumhüllung, wobei Gießen und Wasserabfluss möglich bleiben müssen. Das Blutgras Imperata cylindrica ‘Red Baron’ profitiert von Winterschutz. Wie du Ziergräser vom Einwachsen über das Gießen bis zum Winterschutz begleitest, steht im Beitrag darüber, wie du Ziergräser für üppiges Wachstum pflegst.
Ob ein Gras nach dem Schnitt Nährstoffe braucht, hängt an seinem Standort: Chinaschilf bevorzugt nährstoffreiche Böden, das Pfeifengras Molinia caerulea nährstoffarme. Bei Stauden nährstoffarmer Standorte kann übermäßige Düngung die WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. verschlechtern. Wann Kompost sinnvoll ist und wann du ganz darauf verzichtest, erklärt der Ratgeber Stauden und Ziergräser im Abschnitt „Düngen: von Kompost bis gar nicht“.




