Wildblumenwiesen für Insekten: was sie bieten, was sie bedroht, was Studien zeigen
- Artenreiche Wiesen bieten Insekten Nahrung und Raum für Fortpflanzung, Rückzug und Überwinterung.
- Zu viel schnell verfügbarer Stickstoff und zu seltenes Mähen fördern beide die Gräser und können die Blütenvielfalt verringern.
- Einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen.
- In Riedstadt wurden auf Wildblumenflächen je nach Fangmethode 212 bis 260 % mehr Insektenexemplare erfasst als auf Flächen mit exotischen Gehölzen.
- Langlebige Wiesen sind für Insekten wertvoller als kurzlebige Blühflächen, und mehrjährige Mischungen brauchen weniger Pflegezeit.
Du hast ein Stück Rasen, das kaum jemand betritt, und überlegst, ob daraus eine Wiese für Insekten werden soll. Ich schaue bei dieser Frage zuerst auf Vergleiche echter Flächen und erst danach auf schöne Fotos. In einer Untersuchung in Riedstadt wurden auf Wildblumenflächen je nach Fangmethode 212 bis 260 % mehr Insektenexemplare erfasst als auf Flächen mit exotischen Gehölzen. Diese Zahl zeigt eine Richtung, erklärt aber noch nicht, warum auf einer Wiese so viel lebt. Hier liest du, was eine artenreiche Wiese Insekten bietet, wodurch sie verarmt und was Forschung und Monitoring dazu zeigen.
Eine dauerhafte Blumenwiese besteht aus Gräsern und Wildkräutern. Davon zu unterscheiden ist eine überwiegend einjährige Sommerblumenansaat, die in der Regel jedes Jahr neu eingesät wird. Das Wort „Wildblumen“ auf einer Saatgutpackung garantiert allein noch keine heimischen Arten.
Wie sind artenreiche Wiesen entstanden?
Artenreiche Wiesen sind keine unberührte Wildnis, sie sind aus Nutzung hervorgegangen. Gemäht wurde für Heu, und das Schnittgut verließ die Fläche. Regelmäßige Mahd, bei der das Schnittgut vollständig abgeräumt wird, entzieht einer Wiese nach und nach Nährstoffe. Ohne Düngung werden konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert, und niedrigwüchsige Wiesenkräuter behalten eher ihren Platz.
Wie eng manche Arten an diesen Rhythmus gebunden sind, zeigt der Klappertopf. Er wächst besonders in wenig gedüngten Wiesen, die spät zum ersten Mal gemäht werden. Als Halbschmarotzer entzieht er seinen WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter. Wasser und Nährstoffe, was Gräser schwächen kann. Eine gezielte Frühmahd setzt dagegen dem Klappertopf selbst zu und kann seinen Bestand schon innerhalb eines Jahres wirksam schwächen. Das Abräumen hält den Boden mager, und vom Schnittzeitpunkt hängt ab, ob sich eine Art wie der Klappertopf hält. Die Vielfalt solcher Wiesen beruht also auf einem Nutzungsrhythmus, nicht auf der Abwesenheit des Menschen. Ich plane deshalb bei jeder Wiese zuerst den Mährhythmus und erst danach die Arten.
„Eine Wildblumenwiese entwickelt sich am besten ganz ohne Eingriffe.“ So stimmt das nicht. Zu seltenes Mähen kann auf Dauer die Gräser fördern und die Blütenvielfalt einer etablierten Wiese verringern.
Wodurch sind artenreiche Wiesen bedroht?
Lebensraumverlust, Strukturverarmung, Zerschneidung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gehören zu den Belastungen für Insekten. Auf der Wiese selbst wirken zusätzlich zwei gegensätzliche Kräfte: zu viele Nährstoffe und zu wenig Nutzung.
| Was die Wiese belastet | Was dabei passieren kann |
|---|---|
| Zu viel schnell verfügbarer Stickstoff | Gräser und hochwüchsige Kräuter werden gefördert, niedrigwüchsige Wiesenkräuter verdrängt. |
| Düngung, auch mit Kompost oder StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. | Kompost und Stallmist sind ebenfalls Dünger und können bei zu hohen Gaben Nährstoffe anreichern. Der BUND weist darauf hin, dass Düngung Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängen kann. |
| Zu seltenes Mähen | Die Gräser können auf Dauer zunehmen, die Blütenvielfalt kann sinken. |
| Aufkommende Gehölze | Das Frühlings-Adonisröschen, eine Zeigerpflanze stickstoffarmer bis sehr stickstoffarmer Standorte, reagiert empfindlich auf Beschattung. Es kann erst die Blüte einstellen und später verschwinden. |
Dünger fördert die Gräser, und fehlende Mahd fördert sie ebenfalls. Eine Wiese kann also von zwei Seiten verarmen: durch Intensivierung ebenso wie durch Aufgabe der Nutzung.
Das Kraut des Frühlings-Adonisröschens ist giftig, es enthält herzwirksame Steroidglykoside.
Auch die Mahd selbst kann Tiere treffen, denn Rotationsmäher gefährden mehr Tiere als Balkenmäher mit Messerschneidwerk. Welche Tiere eine Wildblumenwiese bewohnen und wie du sie beim Mähen schonst, erklärt der Beitrag über die Wiese als Lebensraum für viele Tiergruppen.
Was bietet eine artenreiche Wiese Insekten?
Artenreiche Wiesen liefern Insekten nicht nur Nahrung, sie bieten auch Raum für Fortpflanzung, Rückzug und Überwinterung. Ein insektenfreundlicher Garten braucht deshalb neben Blüten auch Nistplätze, Winterquartiere und Futterpflanzen für die Entwicklungsstadien.
Nahrung: mehr als Pollen und Nektar
In artenreichen Wiesen liefern Gräser und Kräuter gleichermaßen Nahrung und Deckung. Die Raupen des Großen Ochsenauges etwa nutzen Gräser als Futterpflanzen. Andere Arten nutzen für ihre Eier eine bestimmte Pflanze: Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling legt seine Eier an die Blüten des Großen Wiesenknopfs. Bei blattlausfressenden Schwebfliegen ernähren sich die erwachsenen Tiere an Blüten, ihre Larven fressen dagegen Blattläuse.
Verstecke und Kinderstuben
Viele Insekten brauchen die Wiese auch dann, wenn nichts mehr blüht. Stehen gelassene Pflanzenstängel können als Winterquartier und Eiablageplatz dienen. Bleiben abgestorbene Staudenstängel länger als ein Jahr stehen, können manche Wildbienen darin nisten und ihre Nachkommen dort schlüpfen. Bodennistende Wildbienen finden dagegen an offenen oder schütter bewachsenen Bodenstellen Lebensraum. Altgrasstreifen, die über Winter stehen bleiben, dienen Tieren als Quartier und Vögeln als Sitzwarte. Totholz, Laub- und Steinhaufen sowie Trockenmauern ergänzen das Blütenangebot um Brutplätze für verschiedene Insekten.
Ich lasse abgestorbene Kardenstängel am Rand meiner Wiese zwei Jahre stehen, weil bestimmte Wildbienen sie dort nutzen können. Daneben bleibt über den Winter ein Streifen Altgras stehen. Im Frühjahr schaue ich mir die Stängel genau an, bevor ich etwas abschneide.
Wer von den Wiesen-Insekten lebt
Insekten, die von heimischen Wildpflanzen leben, sind ihrerseits Nahrung, unter anderem für Vögel, Igel, Amphibien und Reptilien. Viele Gartenvögel brauchen während der Brutzeit tierische Nahrung, im Herbst und Winter kommen Fruchtstände und Beeren dazu. Der Stieglitz nutzt Sämereien, deshalb helfen ihm ausgereifte Fruchtstände, die stehen bleiben.
Die Wilde Karde zeigt, wie eine Pflanze mehrere Rollen übernimmt. Im Sommer bieten ihre Blüten zahlreichen Insekten Nahrung, im Winter frisst der Stieglitz ihre Samen. Ihre abgestorbenen Stängel können in Randbereichen zusätzlich bestimmten Wildbienen dienen.
Warum zählt die Vielfalt der Arten?
Verschiedene Insekten nutzen verschiedene Blüten, und manche sind auf eine Pflanzengruppe festgelegt. Einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen. Auch die Glockenblumen-Sägehornbiene ist beim Pollensammeln auf Glockenblumen spezialisiert. Polylektische Wildbienen nutzen dagegen verschiedene Pflanzengruppen. Für die Spezialisten muss die passende Pflanze im Blütenangebot stehen, sonst fehlt ihnen der Pollen.
Andere Blüten versorgen viele Gruppen zugleich. Die Wiesenmargerite bietet Nahrung für verschiedene Wildbienen, darunter Masken-, Furchen- und Schmalbienen, und zusätzlich für Käfer und Schwebfliegen. Was sie im Naturgarten sonst noch leistet, steht im Porträt der Wiesenmargerite und ihrer Rolle im Naturgarten.
Blüten über die ganze Saison
Eine heimische Blumenwiese hat ihren Hauptblühzeitraum häufig im Frühsommer, etwa im Mai und Juni. Insektenfreundliche Pflanzungen sollten aber ungefüllte Blüten und ein gestaffeltes Angebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst bieten. Wer nur auf den Höhepunkt im Frühsommer setzt, lässt Insekten im Spätsommer und Herbst also mit weniger Angebot zurück. Welche heimischen Arten nach Blühzeit, Wuchshöhe und Konkurrenzkraft zusammenpassen, zeigt der Beitrag über heimische Wildblumen für eine artenreiche Wiese.
Lies bei jeder Mischung zuerst die Artenliste, denn die Bezeichnung Wildblumenmischung garantiert keine heimischen Wiesenarten. Prüf dort auch Lebensdauer und Standortangaben. Ich achte dabei besonders darauf, ob Glockenblumen enthalten sind. Welche Mischungen bedrohten Wildbienen und Schmetterlingen helfen, ordnet der Beitrag über Wildblumenmischungen für bedrohte Insektenarten ein.
Wie sind Blüten auf Insekten eingestellt?
Blüten bieten nicht alle dasselbe. Klatschmohn liefert reichlich Pollen, aber keinen Nektar. Die Blüten des Frühlings-Adonisröschens liefern ebenfalls Pollen und besitzen keine Nektarien. Insekten, die Pollen sammeln, finden hier Nahrung. Wer Nektar sucht, geht leer aus.
Bei der Wiesenmargerite sitzen viele Einzelblüten in einem Körbchen. Eine weiße Randzone umgibt eine goldgelbe Mitte aus zahlreichen RöhrenblütenRöhrenblüten sind die röhrenförmigen Einzelblüten im Blütenstand der Korbblütler. Sie bilden ihn allein, etwa bei Disteln, oder zusammen mit den Zungenblüten am Rand, etwa bei Astern.. An diesem offenen Körbchen finden Wildbienen, Käfer und Schwebfliegen Nahrung.
Andere Arten öffnen ihre Blüten nur zu bestimmten Zeiten. Ein Blütenköpfchen der Wegwarte öffnet sich nur an einem Tag und schließt je nach Saison und Bestäubung unterschiedlich schnell. Die Gemeine Nachtkerze öffnet ihre gelben Blüten erst am Abend. In der Saatmischung „Fledermaus & Nachtfalter“ steht sie unter anderem neben Gewöhnlicher Nachtviole und Weißer Lichtnelke.
Gefüllte Blüten können das Angebot schmälern, weil bei ihnen pollenführende Staubblätter zu Blütenblättern umgebildet sein können. Für Insekten bleibt dann weniger Pollen.
Wer die Samen verbreitet
Die Früchte des Frühlings-Adonisröschens werden von Ameisen verbreitet. Reife Klatschmohnsamen streut dagegen der Wind aus den Kapseln. Tiere helfen also nicht nur beim Bestäuben, bei manchen Arten auch beim Verbreiten der Samen.
Was leisten Wildblumenwiesen für Boden, Klima und Luft?
Ein Teil der Leistung spielt sich im Boden ab. Fein verzweigte Wurzeln stabilisieren Bodenkrümel und hinterlassen nach ihrem Abbau Kanäle, durch die Luft und Wasser eindringen. Bakterien, Pilze und Regenwürmer bauen Pflanzenreste ab und wirken an Humusbildung und NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. mit.
| Leistung | Was man weiß | Wo die Grenze liegt |
|---|---|---|
| Erosionsschutz | Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen. | Eine feste Schutzleistung für eine bestimmte Blumenmischung folgt daraus nicht. |
| Bodenkohlenstoff | Auf 120 untersuchten Gießener Campus-Grünflächen hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittener Rasen. | Auch die frühere Flächennutzung beeinflusste dort den Vorrat. |
| Kühlung | Grünflächen kühlen durch die Verdunstung von Bodenwasser und die Transpiration ihrer Pflanzen. Sie reflektieren mehr Sonnenstrahlung als dunkler Asphalt. | Die Verdunstungskühlung setzt eine ausreichende Wasserversorgung voraus. |
Ein höherer Kohlenstoffvorrat im Boden heißt allerdings nicht, dass eine Fläche jedes Jahr CO2 aus der Luft holt. Im Münchner CO2-Flussmodell waren Grasflächen im Jahresmittel Quellen, weil ihre Bodenatmung die PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. überstieg. Vorrat und Jahresbilanz sind also zwei verschiedene Fragen, und eine Wiese ist nicht automatisch ein Klimaschutzprojekt.
„Eine Wildblumenwiese filtert die Stadtluft.“ So pauschal lässt sich das nicht sagen. Pflanzenoberflächen können zwar Staubpartikel aufnehmen, doch eine höhere Ablagerung auf der Vegetation erlaubt keinen direkten Rückschluss auf weniger Schadstoffe in der Umgebungsluft. Im Straßenraum kann eine niedrige, möglichst ganzjährige Bodenbedeckung immerhin die Wiederaufwirbelung bereits abgelagerter Partikel verringern.
Rechnet sich eine Wildblumenwiese?
Für Kommunen gibt es dazu ein konkretes Beispiel. In Riedstadt war die Pflege der Wildblumenwiesen um den Faktor 5 günstiger als die der exotischen Gehölzflächen, die vorher dort angelegt waren. Verglichen wurde also mit Gehölzpflanzungen, nicht mit Rasen.
Im Garten lässt sich der Aufwand in Minuten fassen:
| Fläche | Pflegezeit je m² und Jahr | Bestand |
|---|---|---|
| Einjährige Garten-Blühmischung | etwa 5 bis 8 Minuten | jedes Jahr neue Einsaat |
| Mehrjährige Garten-Blühmischung | etwa 1 bis 2 Minuten | auf Dauer angelegt, kann 10 Jahre und länger bestehen |
Mehrjährige Mischungen brauchen also deutlich weniger Pflegezeit, und langlebige Wiesen sind für Insekten zugleich wertvoller als kurzlebige Blühflächen. Zeitaufwand und Insektenschutz sprechen damit für dieselbe Wahl. Ich rechne bei jeder neuen Fläche die Minuten je Quadratmeter durch, bevor ich mich zwischen einjährig und mehrjährig entscheide.
In der Landwirtschaft fällt die Rechnung nüchterner aus. In einer Untersuchung von Winterweizenfeldern in neun Landschaften bei Göttingen lag der Gewinn von Feldern mit Blühstreifen einschließlich Zuschüssen geringfügig unter dem konventioneller Kontrollflächen. Im Projekt FlowerBeet gab es neben Blühstreifen mehr Nützlinge und teilweise weniger Blattläuse, der Zuckerrübenertrag stieg aber nicht zuverlässig.
Auch mit Humus als CO2-Speicher lässt sich nicht einfach rechnen. Eine humusbasierte Kompensation erfordert zusätzliche und dauerhaft erhaltene Kohlenstoffspeicherung, eine bloße Verlagerung zwischen Flächen bringt keinen Klimanutzen. Zusätzliche Treibhausgase, etwa durch Kraftstoffverbrauch und Lachgas, gehören mit in die Bilanz.
Was zeigen Forschung und Monitoring?
Die Riedstadt-Untersuchung lief über zwei Jahre und verglich Wildblumenflächen mit Flächen, auf denen exotische Gehölze wuchsen. Gezählt wurden Insektenexemplare, und wie groß der Unterschied ausfiel, hing von der Fangmethode ab. Über die Zahl der Arten sagt dieser Wert nichts. Wie sich umgestaltete Grünflächen insgesamt entwickeln, lässt sich mit Kartierungen vor und nach der Maßnahme festhalten.
Andere Versuche schauen auf den Boden. Im Jena-Graslandexperiment erhöhte größere Pflanzenvielfalt den Gehalt an organischem KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. im Boden. In einem Feldversuch mit eingebrachten Bodenmineralen begünstigten Pflanzenvielfalt und Produktivität im Grünland die Bildung mineralgebundener organischer Substanz. Wie viel davon entstand, hing allerdings wesentlich von der Mineralart ab.
Wer Bodenkohlenstoff bestimmen will, braucht Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte, Steinanteil und Beprobungstiefe. Wiederholungsproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll. Weil zusätzlich die frühere Nutzung den Vorrat mitbestimmt, wie die Gießener Flächen zeigen, sagt ein schneller Vorher-Nachher-Vergleich im Boden wenig aus.
Für Insekten gibt es standardisierte Zählungen. Beim Tagfalter-Monitoring werden feste Zählstrecken von April bis September mindestens zehnmal begangen, besser wöchentlich. Phänologische Beobachtungen halten fest, wann Austrieb, Blüte und Fruchtreife eintreten.
ZeigerwerteZeigerwerte sind Kennzahlen, die angeben, unter welchen Standortbedingungen eine Pflanzenart in der Natur bevorzugt vorkommt, etwa bei Licht, Feuchte, Bodenreaktion oder Stickstoff. Umgekehrt kannst du aus wild wachsenden Pflanzen so auf die Bedingungen am Standort schließen. nach Ellenberg ordnen Pflanzen nach ihren Standortansprüchen ein. Die StickstoffzahlDie Stickstoffzahl ist einer der Zeigerwerte nach Ellenberg, also eine Kennzahl von 1 bis 9. Sie zeigt, ob eine Pflanzenart in der Natur eher auf stickstoffarmen (1) oder stickstoffreichen Standorten (9) wächst. reicht von 1 für stickstoffärmste bis 9 für übermäßig stickstoffreiche Standorte. Die Margerite hat den Wert 3, die Wilde Karde den Wert 7. Für eine Standortdeutung sind größere Bestände und mehrere Arten aussagekräftiger als eine einzelne Pflanze.
Leg an deiner Wiese eine feste Strecke an und geh sie nach dem Vorbild des Tagfalter-Monitorings ab. Notier jedes Mal, welche Falter du erkennst, und halte fest, wann die ersten Blüten aufgehen und wann Samen reifen. Ich gehe meine Strecke immer in derselben Richtung ab, damit die Notizen vergleichbar bleiben.
Welche Herausforderungen kommen auf Wildblumenwiesen zu?
Hitze, Trockenheit und verschobene Blühzeiten
Hitze und Trockenheit können Blüten schneller verblühen lassen und das Angebot an Pollen und Nektar verringern. Zugleich reagieren die Entwicklungsphasen von Wildpflanzen auf längerfristige Witterungsverläufe. Dadurch kann sich verändern, wann Blüten und Bestäuber zusammentreffen.
Auch die Herkunft des Saatguts spielt hinein. Regionale Herkünfte derselben Art können sich in Blühzeitpunkt und Widerstandskraft gegen Frost oder Hitze unterscheiden. Für gebietseigenes Saat- und Pflanzgut krautiger Arten ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete gegliedert. Für sonnige, eher trockene Siedlungsflächen wie Steingärten gibt es eigens dafür vorgesehene regionale Mischungen. Welche Wildblumen und Mischungen zu trockenen, feuchten oder schattigen Flächen passen, beschreibt der Beitrag über Wildblumen und Wiesentypen für verschiedene Standorte.
Eingewanderte Konkurrenten
Unerwünscht auf Wiesen ist zum Beispiel die Riesen-Goldrute. Kleine Bestände lassen sich über mehrere Jahre wiederholt von Hand entfernen. Den Boden verletzt du dabei möglichst wenig, weil Bodenverletzungen ihre Keimlinge fördern.
Säume, Wegränder und Blühstreifen
Nicht nur Wiesen zählen. Auch langlebige Säume und Wegränder sind für Insekten wertvoller als Blühflächen, die nur vorübergehend bestehen. In der Agrarlandschaft kommen Ackerblühstreifen hinzu, also gezielt eingesäte Bereiche am Feldrand oder im Feldinneren. Sollen sie Feldvögel und Niederwild schützen, liegen die fachlichen Empfehlungen zur Mindestbreite bei 10 bis 15 m. Auf größeren Wiesen erhält eine zeitlich versetzte Mahd von Teilflächen Rückzugsräume für Insekten.
Erhalten, bevor du neu säst
Vor einer Neuansaat lohnt die Prüfung, ob sich eine vorhandene Fläche durch angepasste extensive Pflege oder Selbstbegrünung ökologisch aufwerten lässt. Auf wüchsigen Wiesenstandorten kann regelmäßiges Abräumen des Mähguts bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken. Verlass dich aber nicht darauf. Auch nährstoffreichere Böden tragen eigene geeignete Wiesengesellschaften, und für solche Gartenböden lässt sich eine angepasste Blumenwiesenmischung wählen. Weil Abmagern Jahre dauern kann und auch nährstoffreichere Böden eigene Wiesen tragen, ist eine zum Boden passende Mischung oft der direktere Weg.
Selbst anlegen, pflegen, Stadt und Recht: kurz eingeordnet
Anlegen: Feines Kräutersaatgut für eine Blumenwiese wird auf der Bodenoberfläche verteilt und angewalzt. Zeitfenster, Saatmenge und Saattiefe findest du im Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt Aussaat und Pflanzung mit Zeitfenstern, Saatmenge und Saattiefe.
Pflegen: Etablierte Blumenwiesen werden je nach Standort und Wüchsigkeit ein- bis dreimal im Jahr gemäht, das Mähgut wird abgeräumt. Schnittzeitpunkte, Staffelung und den Umgang mit Vergrasung findest du im selben Ratgeber unter „Mähen und Pflege im Jahreslauf“.
Stadt: Blumenwiesen eignen sich vor allem für selten betretene Flächen, ein Blumenrasen verträgt mehr Nutzung durch Freizeitaktivitäten. An Straßen müssen Blühwiesen so geplant und gepflegt werden, dass sie die nötige Verkehrssicht nicht verdecken. Mehr dazu steht im Ratgeber unter „Wo Wildblumen hinpassen: Garten, Wegrand und Stadt“.
Recht und Förderung: Gärten, die Gebäuden zugeordnet sind, zählen grundsätzlich nicht zur freien Natur im Sinne von § 40 BNatSchG, maßgeblich bleibt aber die tatsächliche Zuordnung im Einzelfall. Auch extensiv genutzte Flächen in Siedlungen können zur freien Natur gehören; was das für die Saatgutherkunft heißt, steht im Ratgeber unter „Mischungen und Saatgut wählen“. Für landwirtschaftliche Blühstreifen kommen je nach Land und Fläche Agrarumweltmaßnahmen, Öko-Regelungen oder Vertragsnaturschutz infrage.





