Kartoffeln anhäufeln: wann, wie hoch und wie oft du den Damm aufbaust
- Anhäufeln schützt die heranwachsenden Knollen vor Licht und Ergrünen und gibt Platz für zusätzliche Knollen an den Stolonen.
- Erstes Anhäufeln: handhoch, sobald die Triebe aufgelaufen sind und die ersten Blätter offen sind – oder erst bei etwa 20 bis 30 cm Pflanzenhöhe; beide Wege sind belegt.
- Zweites Anhäufeln etwa drei bis vier Wochen nach dem ersten, bis ein etwa 20 cm hoher Erdwall steht.
- Werkzeug: Hacke oder Häufler; vorher Unkraut hacken oder jäten, Triebe dabei nicht beschädigen.
- Im Kübel oder Pflanzsack ersetzt das Nachfüllen von Erde das Anhäufeln: bei 20 cm hohem Laub Erde bis zu den Trieben ergänzen.

Grüne Kartoffeln in der Erntekiste sind ärgerlich: Alles, was ergrünt ist, musst du großzügig wegschneiden oder aussortieren. Meist ist der Grund einfach – die Knollen lagen zu nah unter der Oberfläche und haben Licht bekommen. Genau das verhindert der Erddamm, den du im Frühsommer um deine Kartoffelreihen aufbaust. Ich häufle meine Reihen jedes Jahr zweimal an und nutze jeden Durchgang gleich, um Unkraut zu hacken und das Laub auf Käfereier und dunkle Flecken abzusuchen. Wann du anfängst, wie hoch der Damm wird und was im Kübel anders läuft, steht hier.
Was Anhäufeln bewirkt
Kartoffelknollen wachsen nicht an der Wurzel, sondern an den Enden unterirdischer Seitentriebe, der Stolonen. Häufelst du Erde an den Stängel, liegt ein weiterer Abschnitt der Pflanze im Dunkeln – und dort können sich zusätzliche Knollen bilden. Gleichzeitig hält der Damm Licht von den Knollen fern, die schon da sind, und beugt so dem Ergrünen vor.
Grüne Stellen an der Knolle deuten auf einen erhöhten Gehalt an Glykoalkaloiden wie Solanin und Chaconin hin; die sitzen vor allem in Keimen und Augen. Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht, Keime und grüne Stellen entfernst du großzügig. Der Damm ist die Vorbeugung im Beet, dunkle Lagerung die Vorbeugung danach.
Der Damm hat noch zwei Nebenwirkungen: Er lässt den Boden schneller abtrocknen und verbessert besonders auf schweren Böden den Wasserabfluss. Und weil du beim Häufeln ohnehin mit der Hacke im Reihenzwischenraum arbeitest, räumst du dabei das Unkraut mit weg – in der langsamen Jugendentwicklung bis zum Reihenschluss reagieren Kartoffeln auf Unkrautkonkurrenz besonders empfindlich.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Voraussetzung: genug Erde zwischen den Reihen
Ob du überhaupt anhäufeln kannst, entscheidest du schon beim Pflanzen. Die Knollen kommen rund 10 cm tief in eine Furche, mit 30 bis 35 cm Abstand in der Reihe und 50 bis 70 cm zwischen den Reihen (Dammkultur, die Reihe wird später angehäufelt). Am Reihenabstand würde ich nicht sparen: Aus diesem Zwischenraum holst du die Erde für den Damm, und ein weiterer Abstand wird auch als Vorbeugung gegen Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen. genannt – im Erwerbsanbau sogar mindestens 75 cm zusammen mit sorgfältiger Beikrautregulierung.
Zum Boden nur so viel: Kartoffeln wollen einen tiefgründigen, nährstoffreichen und wasserspeichernden Boden; schwere Böden erwärmen sich langsam und bilden Kluten, leichte neigen eher zu Schorf und Wassermangel. Was Standort und Boden im Detail brauchen, liest du im Hub-Abschnitt „Standort und Boden: das Fundament” zum Kartoffelanbau. Die komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung von der Bodenvorbereitung bis zur Lagerung findest du im Nachbarartikel; hier geht es nur um den Damm. Wenn du deine Reihen vorab planst, rechnet der Beetplaner mit 30 cm in der Reihe und 50 cm Reihenabstand für Kartoffeln.
Wann du zum ersten Mal anhäufelst
Für den ersten Durchgang gibt es zwei belegte Empfehlungen, und beide funktionieren:
- Früh und handhoch: Sobald die Triebe aufgelaufen sind und sich die ersten Blätter entfalten, hackst oder jätest du das Unkraut und häufelst handhoch an. Die jungen Triebe bleiben dabei sichtbar.
- Spät und kräftig: Im Hausgarten wird auch empfohlen, zu warten, bis die Pflanzen etwa 20 bis 30 cm hoch sind. Dann liegt beim Anhäufeln ein längerer Stängelabschnitt in der Erde, in dem sich zusätzliche Knollen bilden können.
Die Empfehlungen reichen also vom sichtbaren Austrieb bis zu 20 bis 30 cm Pflanzenhöhe. Ich fahre den frühen Weg, weil ich beim handhohen Häufeln gleich das erste Unkraut erwische; wer wenig Zeit hat, kommt mit einem späteren, kräftigeren Durchgang aus.
Erster Durchgang handhoch beim AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. oder bei etwa 20 bis 30 cm Höhe – zweiter Durchgang etwa drei bis vier Wochen nach dem ersten – Ziel ein etwa 20 cm hoher Erdwall.
Kündigt sich Nachtfrost an, decke Beete mit austreibenden Kartoffeln über Nacht mit Vlies ab. Die Triebe erfrieren sonst; die Knolle im Boden überlebt einen späten Frost meist.
Wie du den Damm aufbaust
Zum Anhäufeln eignet sich eine Hacke oder ein Häufler. Ich gehe so vor: Erst lockere ich den Reihenzwischenraum mit der Hacke und ziehe dabei das Unkraut heraus. Dann schiebe ich die lose Erde von beiden Seiten an die Reihe und drücke sie mit dem Hackenrücken leicht an, damit der Damm nicht beim nächsten Regen zerläuft. Ich warte damit, bis die Bodenoberfläche abgetrocknet ist – nasse Erde klumpt und verschmiert die Triebe.
Der Damm kann bis auf 20 cm Höhe zusammengeschoben werden, ohne die Triebe zu beschädigen. Genau das ist der Punkt, an dem du aufmerksam sein musst: Die Blätter dürfen verschmutzen, aber kein Trieb sollte knicken oder abbrechen.
Erst häufeln, dann jäten. Das Unkraut steckt dann unter dem Damm und wächst durch. Immer zuerst hacken oder jäten, dann anhäufeln.
Ich häufle grundsätzlich nur, wenn ich Zeit für die ganze Reihe habe – auf halbem Weg stehen zu bleiben heißt, dass ein Teil der Knollen wochenlang näher am Licht liegt als der Rest. Und ich drehe beim Häufeln immer ein paar Blätter um: Orange Eigelege des Kartoffelkäfers auf den Blattunterseiten und die Larven sammle ich gleich ab.
Der zweite Durchgang
Etwa drei bis vier Wochen nach dem ersten Anhäufeln folgt der zweite. Bis dahin sind die Pflanzen deutlich gewachsen, und du kannst den Damm auf seine Endhöhe bringen. Insgesamt wird ein- oder zweimal angehäufelt, bis ein etwa 20 cm hoher Erdwall entstanden ist. Mehr Durchgänge bringen nach den belegten Anleitungen keinen weiteren Nutzen, und mit jedem Durchgang steigt das Risiko, Triebe zu brechen.
Beim zweiten Durchgang schaue ich mir das Laub genau an. Graugrüne bis bräunliche Flecken an Blättern und Stängeln bei feuchter Witterung können auf KrautfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. hindeuten. Anhaltende BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. und 13 bis 18 Grad gelten im Haus- und Kleingarten als optimale Infektionsbedingungen für den Erreger. Befallene Pflanzenreste gehören nicht auf den Hauskompost.
Nach dem zweiten Anhäufeln ist auch der Zeitpunkt, an dem spätere Hauptkultursorten auf armen Böden von einem stickstoffbetonten organischen Dünger profitieren können; gewöhnlich brauchen Kartoffeln im Boden aber keine Zusatzdüngung. Wie du das für deinen Boden einordnest, steht im Artikel zur Düngung von Kartoffeln mit Grundlagen und Tipps.
Was der Damm für den Ertrag braucht
Der Damm allein macht keine Ernte. Weil er den Boden schneller abtrocknen lässt, gehört das Gießen dazu: Die wasserkritischste Phase ist der Knollenansatz bis zur Blüte, und die Bodenfeuchte sollte dort 50 % der nutzbaren Feldkapazität nicht unterschreiten, weil Trockenheit die Anzahl der angelegten Knollen verringert. Ich gieße morgens auf den Boden statt aufs Laub und prüfe danach mit dem Finger, ob die Erde 15 bis 20 cm tief durchfeuchtet ist. Eine MulchdeckeEine Mulchschicht ist eine Abdeckung des Bodens, meist aus organischem Material wie Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht, verringert Erosion und hemmt Unkraut. aus angetrocknetem Rasenschnitt, in dünnen Schichten wiederholt aufgelegt, hält die Feuchte länger im Damm.
Zwei Zusammenhänge helfen dir beim Einordnen deiner Ernte: Eine dichtere Pflanzung kann die Knollenzahl je Fläche erhöhen, verringert aber die durchschnittliche Größe der einzelnen Knollen. Und solange das Kraut grün ist, wachsen die Knollen weiter und lagern Stärke ein – wer früh gräbt, bekommt kleinere Kartoffeln.
Alles Weitere zur Pflege nach dem Anhäufeln – Gießen, Düngen, Krankheiten und Schädlinge – ist Grundlagenstoff und steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Kartoffelanbau und im Hub; ich wiederhole es hier nicht.
Anhäufeln im Kübel, Pflanzsack, Turm und Hochbeet
Ohne Reihenzwischenraum gibt es keine Erde zum Heranziehen. Im Gefäß übernimmt das Nachfüllen die Rolle des Damms: Du füllst das Gefäß zunächst nur teilweise, setzt die Knollen und ergänzt bei etwa 20 cm hohem Laub Erde, bis die Triebe bedeckt sind oder der Gefäßrand erreicht ist. Das wiederholst du, bis das Gefäß gefüllt ist. Als SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. eignet sich eine Kompost-Gartenerde-Mischung oder Blumenerde; das Gefäß braucht Abflusslöcher im Boden, und ein schwarzer Plastikeimer sollte nicht in der prallen Sonne stehen, weil er sich zu stark aufheizt. Wie du das Gefäß wählst und die Saison im Kübel durchziehst, erklärt der komplette Ratgeber zum Kartoffelanbau im Kübel.
Beim seitlich bepflanzten Drahtturm arbeitest du abschnittsweise mit etwa 15 cm hohen Strohrändern und ebenso hohen Erdschichten. Die Knollen liegen auf jeder Erdschicht am Turmrand, die Keimsprosse zeigen nach außen zum Draht. Die Stützstäbe verankerst du mit mindestens 30 cm Überstand unterhalb des Drahts im Boden, scharfe Drahtkanten biegst du nach innen. Beim Gießen müssen auch die unteren Pflanzen Wasser bekommen.
Im HochbeetEin Hochbeet ist ein erhöhtes, stabil eingefasstes Beet, das mit Erde gefüllt wird, etwa aus Holz, Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Es erlaubt rückenschonendes Gärtnern auf wenig Grundfläche. häufelst du wie im Beet, brauchst dafür aber Tiefe: Kleine Hochbeete mit nur 20 bis 30 cm Wurzelraum gelten für Kartoffeln als ungeeignet. Wie es mit mehr Substrat gelingt, steht im Artikel zu Kartoffeln im Hochbeet mit mehr Ertrag und weniger Aufwand.
Reihenabstand 50 bis 70 cm eingehalten · Unkraut vor dem Häufeln gehackt · erster Durchgang handhoch beim Auflaufen oder bei 20 bis 30 cm Höhe · zweiter Durchgang drei bis vier Wochen später · Wall etwa 20 cm, Triebe unbeschädigt · Laub auf Käfereier und Flecken kontrolliert · in Trockenphasen morgens auf den Boden gegossen.
Ernte und Lagerung nach dem Damm
Frühkartoffeln kannst du bei noch grünem Laub und dünner, weicher Schale portionsweise für den sofortigen Verzehr aus dem Damm holen; für den Anbau auf frühe Ernte lohnt der eigene Artikel zu Frühkartoffeln und den Tricks für eine frühe Ernte. Lagerkartoffeln lässt du liegen, bis das Kraut vollständig abgestorben ist, und wartest dann als Faustregel noch zwei bis drei Wochen, bis die Schale fest ist. Was die Reife sonst verrät, steht im Hub-Abschnitt „Ernte: wann die Knollen wirklich reif sind”.
Gelagert werden die Knollen dunkel und kühl bei 4 bis 6 Grad; über 8 Grad beginnen sie zu keimen, und Licht lässt sie ergrünen. Für die Dauerlagerung wird zusätzlich eine konstante relative Luftfeuchte von 85 bis 92 % empfohlen. Die Einzelheiten – vom Abtrocknen bis zum Lagerraum – trägt der Hub-Abschnitt „Lagern: kühl, dunkel und luftfeucht”.
Deine Kartoffeln sind aufgelaufen? Dann steht der erste Durchgang an: Hacke in die Hand, Unkraut raus, handhoch anhäufeln – und in drei bis vier Wochen mit dem zweiten Durchgang den Wall auf etwa 20 cm bringen.



