Mehligkochende Kartoffeln über den Winter lagern: Sortenwahl, Lagerplatz und Kontrolle
- Mittelfrühe Sorten gelten als lagerfähig bis ins Frühjahr; dazu gehören die mehligkochenden Sorten Adretta, Afra und Freya.
- Das Winterlager bleibt dunkel, frostfrei und kühl bei 4 bis 6 Grad.
- Für die Dauerlagerung gilt eine konstante relative Luftfeuchte von 85 bis 92 % als Richtwert.
- Kleine Vorräte kommen in Papiertüten oder Jutesäcke, größere locker bis etwa 40 cm hoch auf Lattenroste oder Holzhorden; Folie ist ungeeignet.
- Kartoffeln getrennt von Obst lagern, alle paar Tage durchsehen und kranke oder faule Knollen sofort aussortieren.
- Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen werden nicht gegessen.

Im Herbst liegen die mehligen Knollen in der Kiste, im Frühjahr sollen sie noch lockeres Püree hergeben. Dazwischen liegt der Winter, und ein zu heller oder zu warmer Platz lässt Kartoffeln ergrünen oder austreiben. Ich lege deshalb schon beim Pflanzen fest, welche Sorten in den Vorrat gehen, und richte den Lagerplatz vor der Ernte ein.
Mehligkochende Sorten haben unter den drei Kochtypen den höchsten Stärkegehalt und zerfallen beim Kochen leichter. Sie eignen sich besonders für Püree, Suppen und Klöße. Die Richtwerte für Temperatur und Luftfeuchte im Lager gelten für Speisekartoffeln allgemein, also auch für mehlige Sorten. Wie lange dein Vorrat hält, hängt aber auch an der Sorte: an ihrer Reifegruppe und ihrer Keimruhe.
Welche mehligkochenden Sorten eignen sich für den Wintervorrat?
Die Reifegruppe zeigt dir, wie lange eine Sorte überhaupt lagerfähig ist. Sehr frühe Sorten sind nicht lagerfähig, frühe halten bis in den Herbst und mittelfrühe bis ins Frühjahr. Adretta, Afra und Freya gehören zu den mittelfrühen mehligkochenden Sorten. Für einen Vorrat, der durch den Winter reichen soll, greife ich deshalb zu ihnen.
Danach schaue ich auf die Keimfreudigkeit, denn Sorten mit geringer Keimfreudigkeit eignen sich als Lagerkartoffeln. Adretta hat eine niedrige Keimfreudigkeit, und ihr Züchter beschreibt sie mit sehr langer Keimruhe und guter Lagerfähigkeit. Auch die mehligkochende Melody bringt eine hohe Keimruhe mit.
Alle Sorten in dieser Übersicht sind mehligkochend:
| Sorte | Reifegruppe | Merkmale |
|---|---|---|
| Adretta | mittelfrüh | niedrige Keimfreudigkeit, laut Züchter sehr lange Keimruhe und gute Lagerfähigkeit, hellgelbes Fleisch |
| Freya | mittelfrüh | gut lagerfähig |
| Afra | mittelfrüh | gehört zur Reifegruppe, die als lagerfähig bis ins Frühjahr gilt |
| Vitelotte | mittelfrüh | blauviolettes Fleisch, trotz mehliger Konsistenz schnittfest, eher geringe Erträge |
| Gunda | früh | mittlere bis niedrige Keimfreudigkeit |
| Highland Burgundy Red | mittelspät | rotes Fleisch mit weißem Außenring |
Bei Agria schwankt die Einordnung: Ihr Kochtyp reicht je nach Quelle von vorwiegend festkochend bis vorwiegend mehligkochend.
Frühkartoffeln mit loser Schale gehören nicht ins Winterlager. Erntest du sie unreif bei grünem Kraut, verbrauchst du sie möglichst sofort, denn sie halten höchstens eine Woche.
Eine Sorte mit geringer Keimruhe neigt dazu, früh auszutreiben. Die festkochende Annabelle ist so ein Fall und braucht deshalb ein kühles Lager. Für den Wintervorrat suchst du das Gegenteil: lange Keimruhe und geringe Keimfreudigkeit.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Bevor die Knollen ins Lager kommen
Als Faustregel erntest du Lagerkartoffeln bei trockenem Wetter etwa 2 bis 3 Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts, wenn die Schale fest ist. Ich lasse sie ungewaschen, entferne nur grobe Erdklumpen, lasse sie rasch abtrocknen und lege verletzte Knollen zum baldigen Verbrauch beiseite. Wie du den Termin triffst und die Knollen vorbereitest, zeigen die Beiträge, woran du erntereife mehlige Knollen erkennst und wie du mehlige Sorten schonend erntest und einlagerst.
Wie kühl, dunkel und feucht soll das Lager sein?
Mein Lager halte ich bei 4 bis 6 Grad und dunkel, weil Licht die Knollen ergrünen lässt. Für die Dauerlagerung gilt eine konstante relative Luftfeuchte von 85 bis 92 % als Richtwert. Mehr zu Temperatur, Licht und Feuchte findest du im Kartoffel-Ratgeber, der erklärt, wie du Kartoffeln kühl, dunkel und luftfeucht lagerst, und im Beitrag zur Ernte und Lagerung mehliger Sorten.
Wohin mit dem Wintervorrat?
Das Winterlager muss frostfrei bleiben. Ich nutze einen dunklen Kellerraum und hänge dort ein Thermometer auf, damit ich die Temperatur beim Durchsehen ablesen kann. Kannst du Kartoffeln nur in der Küche oder einem gewöhnlichen Keller aufbewahren, kaufst du besser kleine Mengen, die du bald verbrauchst.
Anhaftende Feuchtigkeit kann den Verderb der Knollen begünstigen, und warme Luft auf kalten Kartoffeln kann Kondenswasser bilden. Beim Lüften achte ich deshalb darauf, dass keine deutlich wärmere Luft über die kalten Knollen streicht.
Ein alter Lagertipp lautet, Äpfel zwischen die Kartoffeln zu legen, damit sie später keimen. Dagegen steht die klare Empfehlung, Kartoffeln getrennt von Obst zu lagern. Ich halte beides in getrennten Räumen und setze gegen frühes Keimen auf Sortenwahl und einen kühlen Platz.
Worin lagerst du mehlige Kartoffeln?
Für kleine Vorräte eignen sich Papiertüten oder Jutesäcke, weil beide Luft durchlassen. Größere Mengen schüttest du locker auf Lattenroste oder hölzerne Horden, bis etwa 40 cm hoch. Ich fülle meine Horden nur so hoch, dass ich beim Durchsehen bis zu den unteren Knollen greifen kann. Weitere Lagermethoden und typische Lagerprobleme findest du im Beitrag, wie du Kartoffeln lange haltbar lagerst.
Die Knollen bleiben im Folienbeutel liegen. In Folie können sich Feuchtigkeit und Schimmel bilden, deshalb füllst du den Vorrat gleich in eine Papiertüte oder einen Jutesack um.
Jede Sorte bekommt bei mir eine eigene Kiste mit Namensschild. So sehe ich beim Durchsehen, welche Sorte zuerst austreibt, und verbrauche frühe Sorten wie Gunda vor den mittelfrühen.
Wie oft solltest du den Vorrat kontrollieren?
Ich sehe meinen Vorrat alle paar Tage durch und sortiere kranke oder faule Knollen sofort aus. Dabei nehme ich die obersten Knollen in die Hand, taste nach weichen Stellen und rieche an der Kiste. Bleigraue, eingesunkene Flecken außen und braunes Gewebe innen können auf Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen. hindeuten. Wie du der Krankheit schon im Beet vorbeugst, steht im Kartoffel-Ratgeber im Abschnitt über Krankheiten und Schädlinge.
Faule oder weiche Knollen nimmst du sofort heraus. Knollen mit Keimen oder grünen Stellen nimmst du aus der Kiste und prüfst sie wie im Kasten weiter unten beschrieben. Am Thermometer liest du ab, ob der Platz kühl und frostfrei bleibt. Obst lagert in einem anderen Raum.
Was tun, wenn die Kartoffeln im Lager keimen?
Oberhalb von 8 Grad beginnen Kartoffeln zu keimen. Treiben meine Knollen früh aus, prüfe ich deshalb zuerst die Temperatur am Lagerplatz. Auch eine Sorte mit geringer Keimruhe kann dahinterstecken. Keime und grüne Stellen schneide ich großzügig weg, bevor die Knollen in den Topf kommen.
Glykoalkaloide wie Solanin und Chaconin sitzen vor allem in den Keimen und Augen der Knolle, grünliche Stellen deuten auf einen erhöhten Gehalt hin. Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht. Das BfR hat vorsorglich einen Richtwert abgeleitet: Speisekartoffeln sollten höchstens 100 Milligramm Glykoalkaloide je Kilogramm enthalten.
Gekeimte Kellerknollen wandern bei mir trotzdem nicht ins Beet. Für die nächste Saison kaufe ich zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut und plane den Pflanztermin mit dem Aussaatkalender für Kartoffeln zum Ausdrucken.
Wenn du im nächsten Jahr mehr mehlige Knollen für den Keller ernten willst, lies, mit welchen Techniken du den Ertrag mehligkochender Kartoffeln steigerst.



