Mehlige Kartoffeln ernten und lagern: vom Beet in den Keller
- Mehligkochende Sorten haben den höchsten Stärkegehalt, als Ziel gelten sortenabhängig 14 bis 17 %.
- Lagerkartoffeln erntest du etwa 2 bis 3 Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts, wenn die Schale fest ist.
- Gelagert wird dunkel und kühl bei 4 bis 6 Grad, oberhalb von 8 Grad beginnen die Knollen zu keimen.
- Mittelfrühe Sorten mit geringer Keimfreudigkeit wie Adretta eignen sich für den Wintervorrat.
- Grüne, stark keimende oder bittere Knollen isst du nicht, Keime und grüne Stellen schneidest du großzügig weg.

Mehlige Kartoffeln für den Winter anzubauen lohnt sich nur, wenn sie im Keller gut bleiben. Wer zu früh gräbt oder zu warm lagert, holt später keimende oder grüne Knollen aus der Kiste. Ich plane deshalb schon bei der Sortenwahl, welche Knollen in den Vorrat gehen und welche gleich in den Topf. Hier zeige ich dir den Weg vom Beet bis zur Kiste im Keller.
Was mehlige Kartoffeln ausmacht
Kartoffeln werden nach ihrem Stärkegehalt in festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend eingeteilt. Mehligkochende Sorten tragen am meisten Stärke und zerfallen beim Kochen leichter. Genau das macht sie gut für Püree, Suppen und Klöße.
Vorwiegend festkochende Kartoffeln liegen als grobe Orientierung bei etwa 13 bis 15 % Stärke, mehligkochende darüber, festkochende darunter. Für mehligkochende Speisekartoffeln wird ein sortenabhängiger Zielstärkegehalt von 14 bis 17 % genannt. Beides sind Richtwerte, denn die Kartoffel ist ein Naturprodukt mit Schwankungen.
Die Koch- und Speiseeigenschaften einer Sorte bleiben nicht jedes Jahr gleich. Boden, Witterung, Düngung und Bewässerung verschieben sie von Jahr zu Jahr. Als mehligkochende Sorten werden unter anderem Adretta, Afra, Melina, Karlena und Likaria genannt. Auch Freya, Gunda und Melody gehören dazu. Linda gilt dagegen als festkochend.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Welche mehligen Sorten gut lagern
Für den Vorrat schaue ich auf zwei Dinge: die Reifegruppe und wie keimfreudig eine Sorte ist. Die Reifegruppe sagt dir, wie lange eine Sorte im Beet steht und wie lange sie sich danach hält.
| Reifegruppe | Kulturdauer bis zur Ernte | Ernte und Lagerfähigkeit |
|---|---|---|
| sehr früh | rund 100 bis 110 Tage | Ernte im Juli, nicht lagerfähig |
| früh | 110 bis 130 Tage | lagerfähig bis in den Herbst |
| mittelfrüh | 130 bis 150 Tage | lagerfähig bis ins Frühjahr |
| spät | 150 bis 170 Tage | Ernte im September oder Oktober |
Sorten mit geringer Keimfreudigkeit eignen sich als Lagerkartoffeln. Adretta ist mittelfrüh und hat eine niedrige Keimfreudigkeit. Ihr Züchter beschreibt eine sehr lange Keimruhe und gute Lagerfähigkeit. Freya ist ebenfalls mittelfrüh und gilt als gut lagerfähig. Mittelfrühe Sorten halten sich bis ins Frühjahr, und Adretta wie Freya gehören zu dieser Gruppe: Für einen Wintervorrat aus mehligen Knollen kommen sie deshalb zuerst in Frage.
Melody hat eine hohe Keimruhe. Dafür braucht sie beim Pflanzen mindestens eine Keimstimulierung, damit sie zügig startet. Gunda gehört zur frühen Reifegruppe und keimt mittel bis wenig freudig. Wie du mehlige Sorten im Beet großziehst, liest du in meinem Ratgeber, wie du mehligkochende Kartoffeln für Püree und Knödel anbaust.
Was im Beet die Lagerqualität mitbestimmt
Ein Überangebot an StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). kann den Trockenmassegehalt der Knollen senken. Es kann außerdem die Abreife und die Schalenfestigkeit verzögern. Lagerkartoffeln brauchen zur Ernte eine feste Schale, und zu viel Stickstoff hält genau diese Festigung auf: Wer für den Keller anbaut, stimmt die Düngung deshalb auf den gemessenen Bodenvorrat ab.
Mit steigender Kaliumdüngung kann der Stärkegehalt der Knollen abnehmen. Chlorid im Dünger kann die Verlagerung von Stärke aus den Blättern in die Knollen behindern. Auch ausgeprägte Trockenschäden können Knollenertrag und Stärkegehalt verringern. Ich gieße meine Kartoffeln deshalb in Trockenphasen und prüfe mit dem Finger, ob der Boden durchfeuchtet ist.
Beim Anhäufeln entstehen Erddämme, die die heranwachsenden Knollen vor Licht und Ergrünen schützen. Wie du dabei vorgehst, steht im Kartoffel-Grundlagenartikel im Abschnitt über das Anhäufeln.
Wann du mehlige Kartoffeln für den Vorrat erntest
Solange das Kraut grün ist, wachsen die Knollen weiter und lagern Stärke ein. Lagerkartoffeln erntest du als Faustregel etwa 2 bis 3 Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts. Die Schale ist dann fest. Die Stärke kommt bis zuletzt aus dem grünen Laub, und eine weiche Schale taugt nicht für die längere Lagerung: Wer zu früh gräbt, verliert also Stärke und lagert Knollen ein, die den Winter schlecht überstehen.
Ich grabe bei trockenem Wetter und hebe die Knollen schonend aus dem Boden. Frühkartoffeln mit dünner, weicher Schale kannst du schon bei grünem Laub für die Küche holen. Für den Keller eignen sie sich nicht. Mehr dazu, woran du die Reife mehliger Kartoffeln erkennst und wie du sie aus dem Boden holst.
Nach dem Ausgraben: sortieren vor dem Einlagern
Ich nehme bei der Ernte alle Knollen auf, auch die kleinen. Das beugt der Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen. vor. Durchwuchskartoffeln in der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. entferne ich, weil sie Krankheiten und Schädlingen das Überdauern ermöglichen. Danach lasse ich die Knollen an einem schattigen, luftigen Platz abtrocknen und bürste nur grobe Erde ab.
Diese Knollen kommen nicht in die Lagerkiste: grüne Knollen, Knollen mit Faulstellen, angeschnittene oder verletzte Knollen, Knollen mit weicher, loser Schale. Die verletzten Knollen verbrauche ich zuerst in der Küche.
Graugrüne bis bräunliche Flecken an Blättern und Stängeln können bei feuchter Witterung auf KrautfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. hinweisen. Befallene Pflanzenreste gehören nicht auf den Hausgartenkompost. Wie du deine Kartoffeln von Anfang an gesund hältst, steht in meinem Ratgeber zur Vorbeugung bei mehligen Kartoffeln.
Die Schritte zwischen Beet und Keller beschreibe ich ausführlicher in der Anleitung, was du direkt nach der Ernte mit den Knollen machst, bevor sie ins Lager gehen.
So lagerst du mehlige Kartoffeln über den Winter
Kartoffeln lagern dunkel und kühl bei 4 bis 6 Grad. Oberhalb von 8 Grad beginnen sie zu keimen. Für die Dauerlagerung wird eine konstante relative Luftfeuchte von 85 bis 92 % in einem dunklen Raum empfohlen.
Licht lässt die Knollen ergrünen. Ich decke meine Lagerkisten deshalb ab und stelle sie in den dunkelsten Winkel des Kellers. Oberhalb von 8 Grad keimen die Knollen, und Sorten mit geringer Keimfreudigkeit eignen sich als Lagerkartoffeln: Wer keinen kühlen Keller hat, fährt mit keimträgen Sorten wie Adretta sicherer.
Die Grundregeln stehen im Grundlagenartikel, wie du Kartoffeln kühl, dunkel und luftfeucht lagerst. Lagerorte, Behälter und Probleme im Lager findest du in meinem Überblick zur Kartoffellagerung für lange Haltbarkeit. Speziell für mehlige Sorten habe ich aufgeschrieben, wie du mehligkochende Kartoffeln gut über den Winter bringst.
Kontrolle im Winter: Keime und grüne Stellen
Ich sehe meine Kisten durch und achte auf Keime, weiche Stellen und grüne Schale. Glykoalkaloide wie Solanin und Chaconin sitzen vor allem in den Keimen und Augen der Knolle. Grünlich gefärbte Stellen deuten auf einen erhöhten Gehalt hin. Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht. Keime und grüne Stellen schneide ich großzügig heraus.
Das BfR hat vorsorglich einen Richtwert abgeleitet, wonach Speisekartoffeln höchstens 100 Milligramm Glykoalkaloide je Kilogramm enthalten sollten. Zu Hause kannst du das nicht messen. Sortiere entsprechend verdächtige Knollen aus oder schäle sie großzügig.



