Kohl pflegen von Wirsing bis Rosenkohl: hacken, anhäufeln, Schosser erkennen
- Flach hacken, solange das Beet nicht gemulcht ist: Das hält Beikraut zurück und vermindert die Verdunstung.
- Erst hacken, wenn keine Erde mehr an der Hacke haften bleibt.
- Hohe Arten wie Grünkohl und Rosenkohl am Stängelfuß anhäufeln, Kohlrabi nie.
- Kühle Temperaturen in der Anzucht können Kopfkohl, Chinakohl und frühen Kohlrabi zum Schossen bringen.
- Seitentriebe beim Brokkoli nach dem Hauptschnitt sind Nachernte, keine Schosser.
- Staunässe vermeiden: Feuchte bis staunasse Böden begünstigen bei 20 bis 25 °C die Kohlhernie.

Kohl steht lange im Beet. Rosenkohl braucht je nach Sorte etwa 160 bis 250 Tage ab der Pflanzung, und Grünkohl erntest du je nach Sorte von Oktober bis März. In dieser Zeit keimt immer wieder Beikraut, hohe Pflanzen brauchen Halt, und mancher Kohl schiebt vorzeitig einen Blütentrieb. Ich gehe deshalb die ganze Saison mit denselben Handgriffen durchs Beet: flach hacken, anhäufeln, auf SchosserSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. achten und dafür sorgen, dass nirgends Wasser steht.
Hier findest du diese Schritte der Reihe nach und dazu eine Übersicht je Kohlart, von Wirsing bis Rosenkohl. Netz, Blumenkohlkopf und Entgipfeln erklärt der Abschnitt Pflege im Kohl-Ratgeber, deshalb reiße ich sie hier nur an. Stehst du noch ganz am Anfang, lies vorher, wie du als Hobbygärtner in den Kohlanbau einsteigst.
Hacken: flach, früh und bei abgetrocknetem Boden
Flaches Hacken hält auf ungemulchten Beeten das Beikraut zurück und vermindert die Verdunstung. Beim Weißkohl entferne ich Beikraut früh und möglichst, bevor es Samen bildet. Rotkohl hacke und jäte ich vor allem zu Kulturbeginn, solange die Jungpflanzen noch klein sind.
Einen festen Rhythmus habe ich dafür nicht. Ich greife zur Hacke, sobald ich zwischen den Reihen keimendes Beikraut sehe. Die Klinge ziehe ich flach durch den Reihenzwischenraum und arbeite mich vorsichtig an den Stängel heran. Pak Choi wurzelt flach, deshalb jäte ich direkt an seinen Pflanzen von Hand.
Hacken direkt nach dem Regen. Bleibt Erde an der Hacke kleben, ist der Boden noch zu nass zum Bearbeiten. Ich warte, bis er so weit abgetrocknet ist, dass nichts mehr am Gerät haftet.
Wo ich mulche, vermindert die Decke Verdunstung und VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten.. Brokkoli bekommt bei mir eine Rasenschnittauflage von etwa 2 cm. Angetrockneten Rasenschnitt bringe ich nur so hoch aus, dass er den Boden bedeckt, und ergänze ihn dafür öfter.
Liegt ein Kulturschutznetz über dem Beet, soll es bis zur Ernte geschlossen bleiben. Zum Hacken öffne ich es deshalb nur kurz und lege die Ränder danach sofort wieder dicht auf.
Anhäufeln: welche Kohlarten Erde am Stängel bekommen
Beim Anhäufeln ziehe ich lockere Erde aus dem Reihenzwischenraum an den Stängelfuß. Das mache ich bei hohen Arten, die lange im Beet stehen, damit sie fester sitzen. Grünkohl wird 40 bis 100 cm hoch und steht bis in den Winter. Kohlröschen erreichen etwa 80 bis 100 cm. Weißkohl kultiviere ich dagegen eher flach und häufele ihn nicht an.
Es gibt auch niedrige Grünkohlformen mit ungefähr 25 bis 30 cm Höhe. Deshalb entscheide ich am Beet und nicht nach Kalender: Neigt sich eine Pflanze oder steht ihr Stängel lang und frei, bekommt sie Erde. Den Wall forme ich so, dass Regenwasser vom Stängel wegläuft und sich keine Mulde bildet. Die unteren Blätter bleiben dabei frei.
Ich hacke und häufele in einem Arbeitsgang. Erst ziehe ich die Hacke flach durch die Reihe, dann schiebe ich mit derselben Hacke die gelockerte Erde an die hohen Pflanzen.
Bei Rosenkohl sitzt die Ernte am Stängel, denn die Röschen sind verdickte Blattknospen. Ich häufele ihn deshalb nur am Fuß an, damit die BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. mit den Knospen frei bleiben. Brokkoli setze ich schon beim Pflanzen etwa 2 bis 3 cm tiefer, als er in der Anzucht stand.
Kohlrabi häufele ich nie an. Er wird so flach gepflanzt, dass die Keimblätter über der Erde bleiben, und schon beim Pikieren nicht tiefer gesetzt. Erde an der Knolle widerspricht dieser Pflanzweise.
Schosser erkennen und richtig reagieren
Ein Kohl schießt, wenn er vorzeitig einen Blütentrieb in die Höhe schiebt. Kopfkohl ist zweijährig: Den Kopf bildet er im ersten Jahr, die Samen erst im zweiten.
Warum Kohl zu früh schießt
Ein Blütentrieb im ersten Jahr ist deshalb verfrüht. Der Anstoß kann schon in der Anzucht liegen, denn bei Kopfkohl führen zu niedrige Anzuchttemperaturen zu vermehrtem Schossen. Wer Kopfkohl zu kühl anzieht, riskiert also, dass er die Samenbildung vorzieht und schon im ersten Jahr einen Blütentrieb schiebt. Auch bei Chinakohl, Pak Choi und frühem Kohlrabi spielt Kälte eine Rolle.
Schossen vorbeugen: Auslöser je Kohlart
| Kohlart | Auslöser | Was ich tue |
|---|---|---|
| Kopfkohl: Weißkohl, Rotkohl, Spitzkohl, Wirsing | Anzucht unter 16 °C bis zu den Keimblättern, unter 14 °C bis zum Pikieren, unter 11 °C bis zum Pflanzen | diese Temperaturen in der Anzucht nicht unterschreiten |
| Kohlrabi, früh | gleichmäßig kühle Tage und Nächte: 12/12 °C gilt als schosskritischer als 22/2 °C | auf den ganzen Tag-Nacht-Verlauf achten, nicht nur auf den Nachtwert; für frühen Anbau unter Glas oder Folie eine schossfeste Sorte wie Lanro wählen |
| Chinakohl | 5–8 °C in der Jungpflanzenanzucht wirken besonders schossfördernd | im Frühanbau über 15 °C anziehen; für frühen Anbau schossfeste, für lange Sommertage weitgehend tagneutrale Sorten wählen |
| Pak Choi | Kälte nach der Frühjahrsaussaat | als Nachkultur ab Mitte Juli säen |
| Blumenkohl, Frühsorten | 7–14 °C im 3–5-Laubblattstadium können eine verfrühte Kopfanlage mit zu wenig Blattmasse auslösen | erste Sätze nach dem Pikieren bei 14–16 °C weiterziehen |
Wie du Jungpflanzen warm genug anziehst, pikierst und abhärtest, erklärt der Beitrag darüber, wie du Kohlgemüse selbst vorziehst. Die Saatzeiten je Art stehen im Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken.
Was ich tue, wenn ein Kohl schießt
Schiebt ein Kohlrabi, Chinakohl oder Kopfkohl einen Blütentrieb, ernte ich die Pflanze zeitnah. Ich verwende dann, was an Knolle, Kopf oder Blättern noch zart ist.
Beim Grünkohl ist ein Blütentrieb im Frühjahr dagegen kein Pflegefehler. Er blüht im April und Mai, und seine Blätter erntest du meist bis ins späte Frühjahr. Der Blütentrieb zeigt also das Ende seiner Erntezeit an. Ich hole dann die letzten Blätter und mache das Beet frei für die nächste Kultur.
Nicht jeder Trieb ist ein Schosser
Beim Brokkoli ist der Blütenstand selbst die Ernte. Du schneidest ihn, solange die Knospen deutlich ausgeprägt, aber noch fest geschlossen sind. Nach dem Schnitt der Hauptrose bildet etwa die Sorte Calinaro weitere Seitentriebe. Bei Sprossenbrokkoli lasse ich beim Ernten einen belaubten Stängelabschnitt stehen, weil aus den Blattachseln neue Seitentriebe entstehen können.
Seitentriebe beim Brokkoli als Schosser ausbrechen. Nach dem Schnitt der Hauptrose sind sie deine Nachernte.
Hört ein junger Brokkoli nach meist 4 bis 8 Blättern auf, neue Blätter zu bilden, und zeigt er ein trichter- oder nadelförmiges Endblatt, kann genetische Herzlosigkeit dahinterstecken. Das ist kein Schosser.
Staunässe im Kohlbeet erkennen und vermeiden
Kohl braucht gleichmäßig feuchten Boden, aber kein stehendes Wasser. Für Blumenkohl passt ein Boden, der Feuchtigkeit hält und überschüssiges Wasser gut ableitet. Chinakohl bevorzugt lockere, tiefgründige Erde ohne Staunässe, und Kohlröschen wollen Boden ohne Wasserstau.
Feuchte bis staunasse Böden begünstigen außerdem Infektionen mit Kohlhernie, besonders bei 20 bis 25 °C. Die DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren. des Erregers können bis zu 20 Jahre im Boden überdauern. Eine Infektion in einem nassen Sommer kann ein Beet also sehr lange belasten. Wie du Kohlhernie erkennst und mit befallenen Pflanzen umgehst, steht im Kohl-Ratgeber unter Krankheiten.
Ob dein Boden schwer ist, zeigt die Fingerprobe: Leicht feuchter Sandboden zerfällt körnig, toniger Boden klebt und lässt sich gut ausrollen. Nach kräftigem Regen schaue ich nach, ob zwischen den Reihen Wasser stehen bleibt.
So beuge ich Staunässe vor.
- Reifen Kompost einarbeiten, denn er verbessert bei schweren Böden KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. und Durchlüftung.
- Vor Kohl als Gründüngung Phacelia oder Buchweizen säen, nicht Senf, Ölrettich oder Raps; Gründüngung kann schwere Böden durchlässiger machen.
- Bestehende Beete mit dem Sauzahn lockern, ohne die Schichten zu wenden; Umgraben ist vor allem bei Neuanlagen und sehr schweren Böden sinnvoll.
- Den Boden erst bearbeiten, wenn keine Erde mehr am Gerät haftet.
- Beim Anhäufeln keine Mulde am Stängel formen.
- Gefäße nur mit freien Ablauflöchern nutzen und bei torffreier Erde vor dem Gießen die Feuchte unter der Oberfläche prüfen.
Pflege je Kohlart: von Wirsing bis Rosenkohl
Die Handgriffe bleiben gleich, die Schwerpunkte unterscheiden sich je Art. So gehe ich bei den Kohlarten in meinem Beet vor.
| Kohlart | Anhäufeln bei mir | Worauf ich in der Saison achte |
|---|---|---|
| Wirsing | nein, flach hacken | Kompost vor dem Pflanzen, während der Kultur regelmäßig nachdüngen |
| Weißkohl | nein, eher flach kultiviert | Beikraut früh und vor der Samenbildung entfernen |
| Rotkohl | nein | zu Kulturbeginn hacken und jäten, in Hitzeperioden regelmäßig wässern |
| Grünkohl | ja, am Stängelfuß | Wassermangel von Anfang August bis Mitte September vermeiden |
| Rosenkohl | ja, Blattachseln frei lassen | Entgipfeln, bei Pflanzung Anfang Juni Mitte September |
| Kohlröschen | ja, Blattachseln frei lassen | bei trockenem Boden zusätzlich wässern |
| Kohlrabi | nie, die Knolle bleibt frei | Wassermangel vermeiden, damit die Knolle gut ausgebildet wird |
| Brokkoli | beim Pflanzen etwa 2–3 cm tiefer gesetzt | Seitentriebe nach dem Hauptschnitt stehen lassen |
| Blumenkohl | nein | ab beginnender Kopfbildung Wasser- und Nährstoffmangel vermeiden |
Wirsing durch die Saison
Wirsing bildet wie Weiß- und Rotkohl einen geschlossenen Kopf aus Blättern. Ich setze ihn in Reihen mit 40 cm Abstand zwischen den Pflanzen. Zwischen den Reihen lasse ich 50 cm frei, und genau dort arbeite ich mit der Hacke. Vor dem Pflanzen kommt reifer Kompost ins Beet, und während der Kultur dünge ich regelmäßig nach. Mit passender Sortenwahl erntest du Wirsing vom Herbst bis zum Frühjahr.
Wie du bei Weißkohl mehr Ertrag erzielst, liest du im Beitrag zu Ertragstechniken für Weißkohl im Hausgarten.
Gießen, Düngen, Schutz und Ernte in Kürze
Diese Grundlagen reiße ich hier nur an, ausführlich stehen sie im Kohl-Ratgeber.
Netz, Blumenkohlkopf und Entgipfeln
Das Kulturschutznetz legst du direkt nach der Pflanzung auf. Beim Blumenkohl kann ein umgeknicktes oberes Blatt den Kopf weiß halten, und Rosenkohl, der Anfang Juni gepflanzt wurde, wird Mitte September entgipfelt. Wie das im Einzelnen geht, steht im Kohl-Ratgeber unter Pflege.
Gießen
Wie viel Wasser dein Kohl braucht, hängt von Kultur und Sorte, Wetter, Boden sowie Sonne und Wind am Standort ab. Die Bayerische Gartenakademie rät, Gemüse lieber wöchentlich und gründlich mit rund 14 l/m² zu gießen als täglich in kleinen Mengen. Blumenkohl reagiert bei beginnender Kopfbildung besonders empfindlich auf Wassermangel, mehr dazu im Kohl-Ratgeber unter Gießen.
Düngen
Lagerkohl sowie Weiß- und Spitzkohl für Sauerkraut düngst du in der zweiten Hälfte der KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. nicht mehr. Bei überwinternden Blumenkohlsorten vermeidest du StickstoffüberschussStickstoffüberschuss heißt, dass Pflanzen mehr Stickstoff bekommen, als sie brauchen. Sie wachsen dann üppig, bilden weiches, schwammiges Gewebe und dunklere Blätter und werden anfälliger für Krankheiten., weil weiches Wachstum Kälteschäden begünstigen kann. Mengen und organische Varianten stehen im Kohl-Ratgeber unter Düngen.
Schädlinge
Überwinterte KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. erscheinen meist ab April, deshalb kontrolliere ich Saaten und Jungpflanzen ab dann regelmäßig, gern gleich beim Hacken. Welche weiteren Schädlinge Kohl befallen und mit welchem Methodenmix du sie eindämmst, erklärt der Ratgeber zu Kohlschädlingen im Hausgarten.
Mischkultur und Fruchtfolge
Zwischen jungem Blumenkohl kann Frühsalat stehen, wenn du ihn erntest, bevor der Kohl die Reihen schließt. Nachbarlisten sind dabei keine Wirkversprechen, weil sich günstige Wirkungen verschiedener Gemüsearten schwer nachweisen lassen. Gute und schlechte Nachbarn stellt dir der Ratgeber zu Kohlnachbarn im Beet vor, den Fruchtwechsel planst du im Beetplaner.
Ernte
Kohlrabi kann etwa 6 bis 8 Wochen nach der Pflanzung erntereif sein, Rosenkohl erntest du von Oktober bis Februar. Von Grünkohl lässt du bei der ersten Ernte mindestens die 5 bis 6 jüngsten Blätter am Strunk. Die Erntezeiten aller Arten stehen im Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.




