Wurzel- und Knollengemüse richtig bewässern: wie viel, wann und womit
- Gieß nach Fingerprobe statt nach Kalender: Maßgeblich ist die Feuchte unter der Oberfläche.
- Als allgemeine Orientierung für Gemüse gelten etwa 10 bis 20 l Wasser je m², damit die Wurzelzone erreicht wird.
- Beim langsamen Gießen verteilst du die Gabe auf mindestens 2 Stunden, damit sie einsickern kann.
- Starke Feuchtewechsel begünstigen geplatzte Möhren, deshalb hältst du den Boden gleichmäßig feucht.
- Eine Decke aus Grasschnitt, Stroh oder Ernteresten vermindert bei Sellerie die Verdunstung.
- Gieß an den Fuß der Pflanzen: Lange Blattnässe begünstigt bei Wärme Septoria an Sellerie.
- Im Gefäß trocknet die Erde schneller aus, ein größerer Kübel speichert mehr Wasser.
Beim Wurzelgemüse wächst die Ernte im Boden, und genau dort wirken sich Gießfehler aus. Bei Möhren begünstigen starke Feuchtewechsel das Platzen. Radieschen können bei stark schwankender Wasserversorgung pelzig werden oder aufplatzen, und Knollensellerie kann bei Wassermangel kleine, zähe Knollen bilden. Ich gieße deshalb nicht nach Kalender. Vor dem Gießen schiebe ich einen Finger neben der Reihe in die Erde und prüfe, wie feucht sie unter der Oberfläche ist.
Richtig bewässern heißt bei Wurzel- und Knollengemüse vor allem: gleichmäßig feucht halten, Staunässe vermeiden und so gießen, dass das Wasser die Wurzelzone erreicht. Was jede Art an Standort, Boden und Pflege braucht, steht im Überblick über Wurzel- und Knollengemüse von Standort bis Lagern.
Wie viel Wasser braucht Wurzelgemüse pro Gießgang?
Als allgemeine Orientierung für Gemüse im Garten gelten etwa 10 bis 20 l Wasser je m². Mit dieser Menge soll das Wasser die Wurzelzone in ungefähr 10 bis 20 cm Tiefe erreichen. Damit die Gabe einsickern kann, gibst du sie langsam. Beim langsamen Gießen verteilst du sie auf mindestens 2 Stunden.
Ich teile die Menge dafür in mehrere Durchgänge auf: erst eine Kanne über die Reihe, dann die nächste Reihe, später zurück zur ersten. Wie oft das nötig wird, entscheidet die Fingerprobe und nicht der Wochentag.
Wann gießen? Die Fingerprobe statt Kalender
Den Zeitpunkt bestimmt die Feuchte in der Wurzelzone, nicht der Blick auf die Oberfläche. Im Beet schiebe ich dafür einen Finger neben der Reihe in die Erde. Fühlt sie sich unter der Oberfläche noch feucht an, warte ich ab. Ist sie auch dort trocken, gieße ich die volle Gabe. Nach einem kräftigen Regen prüfe ich genauso, ob das Wasser bis nach unten gekommen ist.
Du gießt, weil die Oberfläche trocken aussieht. Gerade torffreie Erde kann oben trocken wirken, obwohl sie darunter noch nass ist. Prüf deshalb vor dem Gießen mit dem Finger auch die Schicht unter der Oberfläche.
Welche Rolle spielt der Boden?
Wie lange eine Gabe vorhält, hängt auch vom Boden ab: Sandreicher Boden lässt Wasser gut durch und hält wenig davon, tonreicher leitet es schlecht ab. Reifer Kompost hilft leichten Böden, mehr Wasser zu speichern, und lockert schwere Böden. Mehr dazu liest du im Beitrag darüber, wie du den Boden für Wurzel- und Knollengemüse vorbereitest.
Wann braucht welches Wurzelgemüse besonders Wasser?
Die Arten unterscheiden sich darin, wann sie besonders auf Wasser angewiesen sind und wie sie auf Mangel oder Schwankungen reagieren.
| Art | Worauf es beim Gießen ankommt |
|---|---|
| Möhre | Gleichmäßig feucht halten. Starke Feuchtewechsel begünstigen das Platzen, Trockenheit und stauende Nässe beeinträchtigen die Qualität. |
| Radieschen | Gleichmäßig feucht halten, Keimlinge vorsichtig gießen. Starke Schwankungen können pelzige oder geplatzte Knollen verursachen, Trockenheit fördert das SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen.. |
| Rote Bete | Nach der Aussaat und in den ersten Wochen ausreichend wässern, besonders bei Trockenheit und auf sandigem Boden. Wassermangel kann das Rübenwachstum praktisch zum Stillstand bringen. |
| Herbst- und Mairüben | Bei Sommeraussaat zusätzlich bewässern, weil Wassermangel die Schosserbildung begünstigt. |
| Knollensellerie | Während des Wachstums reichlich Bodenfeuchte sicherstellen. Im Freiland-Erwerbsanbau gilt Mitte Juli bis Anfang September als Phase mit besonders hohem Wasserbedarf. Wassermangel kann zu kleinen, zähen Knollen führen. |
| Schwarzwurzel | Von Anfang Juli bis Anfang September kann zusätzliche Bewässerung nötig sein. |
| Knollenfenchel | Gleichmäßig feucht halten, besonders im Gefäß. Trockenheit begünstigt das Schossen. |
| Pastinake | Tiefgründiger, leichter Boden, der gleichmäßig feucht bleibt. |
| Wurzelpetersilie | Feuchter, gut durchlässiger Boden. |
| Topinambur | Gleichmäßige Feuchte bei guter DrainageDrainage bedeutet, dass überschüssiges Wasser aus der Erde abfließen kann, damit keine Staunässe entsteht. Im Pflanzgefäß sorgen dafür Abzugslöcher und eine grobe Drainageschicht, etwa aus Tonscherben oder Blähton.. Mulch hilft, Wasser im Boden zu halten. |
Arten mit ähnlichem Wasserbedarf setze ich nebeneinander, damit ich sie in einem Durchgang gießen kann. Die Reihen dafür lege ich im Beetplaner für dein Gemüsebeet fest. Im Hochsommer fühle ich bei Knollensellerie und Schwarzwurzeln besonders genau nach, weil beide dann viel Wasser brauchen können.
Aussaat und Keimung
Solange die Samen quellen und keimen, hältst du das SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. ausreichend feucht, aber nicht nass. Frische Saaten und Keimlinge gieße ich vorsichtig mit feiner Brause. Wie Aussaat und Anbau Schritt für Schritt ablaufen, zeigt der Beitrag darüber, wie du Wurzelgemüse vom Samen bis zur Ernte anbaust.
Ist der Unterboden vor einer Aussaat sehr trocken, gib 1 bis 2 Tage vor der Saat 15 bis 20 l Wasser je m². So säst du in ein Beet, das auch in der Tiefe Feuchte hat.
Sommeraussaaten
Für Sommersaaten von Radieschen eignet sich eher HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone., weil Hitze und Trockenheit bei ihnen das Schossen begünstigen. Bei der Mairübensorte Polar trocknet die Sommersaat im Halbschatten weniger schnell aus. Welche Arten du im Sommer noch säen kannst, zeigt dir der Überblick, wann du welches Wurzelgemüse im Jahreslauf aussäst.
Womit gießen? Wasser an den Boden, nicht aufs Laub
Ich gieße mit der Kanne ohne Brause direkt an den Fuß der Pflanzen und zwischen die Reihen. Das Laub bleibt dabei trocken. Beim Sellerie hat das einen konkreten Grund: Lange BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. begünstigt zusammen mit Temperaturen über 20 °C Septoria-Blattflecken. Nässe auf dem Laub von über 70 Stunden gilt es deshalb zu vermeiden, wobei auch kürzere Nässe keinen sicheren Schutz vor Befall bietet. Regen lässt sich nicht steuern, die Gießkanne schon: Wer am Boden gießt, verlängert die Nässe auf dem Laub nicht zusätzlich.
Für lange Reihen lege ich einen Tropfschlauch aus. Er gibt das Wasser langsam am Boden ab und passt damit zum langsamen Gießen, bei dem die Gabe Zeit zum Einsickern bekommt. Meine Kannen fülle ich an der Regentonne.
Mulchen: Feuchte im Boden halten
Eine Mulchdecke hält Wasser im Boden. Bei Sellerie vermindert eine Bedeckung aus Grasschnitt, Ernteresten oder Stroh die Verdunstung und hält die Oberfläche aufnahmefähig für Regen. Beim Knollensellerie begrenzt sie außerdem Austrocknung und BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt.. Ist es im Sommer heiß und trocken, können ausreichend Wasser und eine Decke aus Rasenschnitt oder Stroh beim Knollenfenchel das Risiko senken, dass er schosst.
Ich mulche erst, wenn die Reihen vereinzelt und gehackt sind. Vorher gieße ich einmal gründlich, dann verteile ich angetrockneten Rasenschnitt zwischen den Reihen.
Was ein Bodenfeuchtesensor dir zeigt
Ein Bodenfeuchtesensor zeigt dir die Feuchte an der Stelle, an der er steckt. Ich stecke ihn deshalb in die Wurzelzone einer Reihe, die ich gieße. Anfangs vergleiche ich seine Anzeige mit der Fingerprobe, bis ich weiß, was die Werte in meinem Boden bedeuten. Nach dem Gießen zeigt er, ob die Gabe in der Wurzelzone angekommen ist.
Im Topf mit torffreier Erde kann der Sensor Feuchte melden, obwohl die Oberfläche schon trocken aussieht. Das ist dann kein Messfehler, denn solche Erde trocknet oben rascher aus als darunter. Den Blick auf Boden und Pflanzen ersetzt der Sensor nicht.
Gießen im Topf, Balkonkasten und Hochbeet
Im Gefäß haben die Wurzeln nur begrenzt Erde, und die trocknet schneller aus als gewachsener Gartenboden. Gießen gehört hier fest zum Ablauf. Radieschen brauchen auf Balkon oder Terrasse ein Gefäß, das mindestens 15 cm hoch mit Blumen- oder Gemüseerde gefüllt ist. Auch Knollenfenchel hältst du im Gefäß besonders gleichmäßig feucht.
Ein größeres Gefäß speichert mehr Wasser und kann längere Abstände zwischen den Gaben ermöglichen. Kommst du selten zum Gießen, greif also zum größeren Kübel. Achte auf freie Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser abläuft und keine Staunässe entsteht. Im HochbeetEin Hochbeet ist ein erhöhtes, stabil eingefasstes Beet, das mit Erde gefüllt wird, etwa aus Holz, Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Es erlaubt rückenschonendes Gärtnern auf wenig Grundfläche. erwärmt sich die Erde stärker und trocknet dadurch schneller aus, eine Mulchdecke aus Rasenschnitt wirkt dem entgegen.
Abzugslöcher frei? Fingerprobe auch unter der Oberfläche gemacht? Gefäß groß genug gewählt? Im Hochbeet eine Mulchdecke aus Rasenschnitt aufgelegt?
Zu nass oder zu trocken: Woran erkennst du es?
Die Zeichen am Gemüse sind Hinweise, keine sichere Diagnose. Kleine, zähe Sellerieknollen oder Rote Bete, die kaum weiterwächst, können auf Wassermangel hindeuten. Schossen Radieschen, Herbstrüben oder Knollenfenchel, kann Trockenheit beteiligt sein. Geplatzte Möhren und pelzige oder geplatzte Radieschen können auf stark wechselnde Feuchte hindeuten.
Bei zu viel Wasser schau auf den Boden: Bleibt nach dem Gießen Wasser stehen, droht Staunässe. Stauende Nässe beeinträchtigt zum Beispiel die Qualität von Möhren. Bei Knollenfenchel können Verdichtung und Staunässe mit anschließender Trockenheit das Randen der Knollen verursachen. Für Rettich und Radieschen meidest du staunasse, verdichtete Stellen, weil hohe Bodenfeuchte zusammen mit hohen Bodentemperaturen die KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. begünstigt.
Ist ein Beet ausgetrocknet, flute es nicht auf einmal. Starke Feuchtewechsel begünstigen bei Möhren das Platzen. Gib die übliche Gabe langsam und halte den Boden danach wieder gleichmäßig feucht.
Wie du düngst, Unkraut regulierst und jede Art bis zur Ernte begleitest, liest du im Beitrag darüber, wie du Wurzel- und Knollengemüse von der Aussaat bis zur Ernte pflegst.





