Anisgewürz im Vergleich: echter Anis, Sternanis und die Doldenblütler-Verwandten
- Echter Anis ist Pimpinella anisum, ein Doldenblütler; Sternanis (Illicium verum) gehört zu einer anderen Pflanzenfamilie und ist keine Anis-Sorte.
- Anis schmeckt süß bis fein würzig, Sternanis süß und sehr würzig bis beinahe scharf, Kümmel würzig mit süßlicher Anisnote.
- Anis, Fenchel, Kümmel, Dill und Koriander gelten untereinander als unverträgliche Nachbarn; für Anis gilt eine Anbaupause von 4 Jahren.
- Gewürz-Anis kommt unter anderem aus der Türkei, Spanien, Ungarn, dem Libanon und Ägypten; im oberösterreichischen Anbau ist die Landsorte Lüsener verbreitet.

Du hältst zwei Tütchen in der Hand: „Anis“ und „Sternanis“. Beide riechen ähnlich, beide tragen Anis im Namen – und trotzdem hast du zwei Pflanzen aus verschiedenen Familien vor dir. Beim Saatgut geht die Verwirrung weiter: Fenchel, Kümmel, Dill und Koriander sehen als Körner ähnlich aus, sind mit Anis verwandt und vertragen sich im Beet trotzdem nicht mit ihm. Ich lese deshalb auf jeder Saatguttüte zuerst den botanischen Namen, bevor ich sie ins Beet oder ins Gewürzregal einsortiere. Hier sortiere ich für dich, was botanisch zusammengehört, was nur ähnlich schmeckt, woher Gewürz-Anis im Handel kommt und woran du die Samen auseinanderhältst.
Echter Anis: was die Pflanze botanisch ausmacht
Echter Anis heißt botanisch Pimpinella anisum und gehört zu den DoldenblütlernDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. – wie Dill, Petersilie, Kümmel oder Koriander. Er ist keine DauerkulturDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst.: Du säst ihn in einer Saison, er blüht etwa im Juli und August in weißen Dolden, und im August und September erntest du die Samen. Danach ist die Pflanze fertig, im nächsten Jahr säst du neu – auf einer anderen Fläche, dazu gleich mehr.
Die Pflanze wird etwa 50 bis 70 cm hoch (Richtwert, andere Quellen nennen bis zu 90 cm). Anis ist schwachzehrend, braucht also keinen laufenden Dünger; ein lebendiger Boden mit Kompost zum Start genügt. Er kommt sonnig bis halbschattig zurecht, am wohlsten fühlt er sich an warmen, mäßig feuchten Standorten mit trockenen Sommern auf leicht erwärmbarem, humosem Boden ohne Staunässe.
Genutzt werden die getrockneten Früchte, die im Alltag Samen heißen. Im Handel liegen sie ganz, geschrotet oder gemahlen.
Gibt es überhaupt Anis-Sorten?
Fragst du im Saatguthandel nach Anis-Sorten, bekommst du meist einfach „Anis“ – die Art Pimpinella anisum ohne Sortennamen. Eine traditionelle Landsorte gibt es trotzdem: Im oberösterreichischen Anis-Anbau ist der Lüsener verbreitet. Der eigentliche Vergleich läuft deshalb nicht zwischen Anis-Sorten, sondern zwischen Anis und den Gewürzen, die ihm im Regal und im Beet ähneln.
Anis oder Sternanis: zwei Familien, ein ähnlicher Duft
Die häufigste Verwechslung passiert am Gewürzregal. Anis (Pimpinella anisum) und Sternanis (Illicium verum) gehören unterschiedlichen Pflanzenfamilien an und sind keine Sorten derselben Art. Der Name täuscht eine Nähe vor, die botanisch nicht existiert.
Anis schmeckt süß bis fein würzig. Sternanis schmeckt süß und sehr würzig bis beinahe scharf. Wer ein Rezept mit Anis auf Sternanis umstellt, verändert also nicht nur die Pflanze, sondern auch die Intensität.
„Sternanis ist die kräftigere Anis-Sorte.“ Nein. Sternanis ist eine andere Art aus einer anderen Pflanzenfamilie. Kräftiger ist er tatsächlich, aber eine Sorte des Anis ist er nicht.
Für dein Kräuterbeet ist damit klar, worum es geht: Säst du „Anis“, ziehst du Pimpinella anisum – den Doldenblütler, um den es in diesem Artikel geht.
Die Verwandten im Doldenblütler-Beet
Fenchel, Kümmel, Kreuzkümmel, Dill und Koriander liegen als Samen dicht bei Anis: ähnliche Körner, ähnliche Doldenblüten, ähnliche Verwendung als Brot- und Backgewürz. Die Unterschiede, die ich dir sicher nennen kann, stehen in der Tabelle.
| Gewürz | Botanik | Lebensdauer, Wuchs, Klima | Aroma der Samen | Küche |
|---|---|---|---|---|
| Anis | Pimpinella anisum, Doldenblütler | eine Saison; etwa 50–70 cm (Richtwert, andere Quellen nennen bis zu 90 cm); warme Standorte mit trockenen Sommern | süß bis fein würzig | ganz, geschrotet oder gemahlen als Gewürz |
| Kümmel | Carum carvi, Doldenblütler | zweijährig: im ersten Jahr Blattrosette, im zweiten Blüte und Samen; etwa 30–80 cm; bevorzugt kühlere Temperaturen | würzig mit süßlicher Anisnote | Brot, Sauerkraut |
| Kreuzkümmel | Cuminum cyminum, Doldenblütler | braucht ein heißes Klima | frischer, schärfer, dominanter als Kümmel; Früchte etwas größer und heller | arabische, indische, mexikanische Küche |
| Gewürzfenchel | Doldenblütler; Knollenfenchel ist die Gemüseform Foeniculum vulgare var. azoricum | Samen erntereif, wenn die Dolden von grün nach gelbbraun umfärben, je nach Sorte und Jahr etwa ab Ende August bis in den Herbst | – | Würze und Tee; Knollenfenchel wird gekocht oder roh gegessen |
| Dill | Anethum graveolens, Doldenblütler | einjährig; junge Blätter und ausgereifte braune Samen werden genutzt; im Herbst belassene Dolden säen sich selbst aus | – | Blatt- und Samengewürz |
| Koriander | Coriandrum sativum, Doldenblütler | liefert Würzblätter und Samen | herb-süß, an Orangenschalen erinnernd | Backwaren, Saucen, Lebkuchengewürz |
Kümmel und Kreuzkümmel lassen sich geschmacklich nicht ohne deutliche Veränderung des Gerichts gegeneinander austauschen – für Anis gilt dieselbe Vorsicht, wenn du ihn durch einen Verwandten ersetzen willst. Ganze Früchte von Kümmel und Kreuzkümmel mahlst du für ein kräftiges Aroma am besten erst kurz vor der Verwendung; ich handhabe Anis genauso und mahle nur die Menge, die ich gerade brauche.
Verwandt, aber keine guten Nachbarn
Botanische Nähe heißt im Beet nicht Freundschaft. Als unverträgliche Nachbarn für Anis gelten Dill, Kerbel, Stangensellerie, Knollensellerie, Schnittsellerie, Kümmel, Koriander, Kreuzkümmel, Möhren, Knollenfenchel, Fenchel, Liebstöckel, Pastinaken und Petersilie – also fast das gesamte Doldenblütler-Regal. MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. unterstützt, sie garantiert nichts; diese Paarungen aber legst du besser gar nicht erst an. Was zu deinen anderen Kulturen passt, prüfst du am schnellsten im Mischkultur-Werkzeug für deine Beetnachbarn.
Anis und Koriander in eine Reihe setzen, weil beide „Gewürzsamen“ liefern und ähnlich wachsen. Koriander steht ausdrücklich auf der Liste der unverträglichen Nachbarn für Anis. Ich halte die Doldenblütler in getrennten Beetabschnitten und rücke lieber ein Nicht-Doldenblütler-Kraut dazwischen.
Für Anis gilt eine AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. von 4 Jahren, in der FruchtfolgeFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt. sind mindestens vier Jahre empfehlenswert. Kümmel ist strenger: Zu anderen Doldenblütlern hält er eine Anbaupause von 7 bis 10 Jahren ein. Beetplaner-Fruchtfolgen kannst du dir im Beetplaner mit Fruchtfolge-Pausen anlegen.
Anbau in drei Sätzen
Anis will einen warmen, sonnigen bis halbschattigen Platz mit leicht erwärmbarem, humosem Boden ohne Staunässe, und als SchwachzehrerSchwachzehrer sind Gemüse und Kräuter mit geringem Stickstoffbedarf, etwa Feldsalat, Radieschen, Rucola, Bohnen und Erbsen. Sie sind die genügsamste der drei Gruppen, nach denen man Kulturen für die Fruchtfolge einteilt. reicht ihm Kompost zum Start. Gesät wird in Reihen mit 30 cm Abstand in der Reihe und 30 cm Reihenabstand, ohne Erziehung oder Stütze, im Erwerbsanbau nur seicht auf etwa 1 bis 1,5 cm Tiefe, sobald der Boden etwa 6 bis 8 °C erreicht hat. Wie DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest., VorkulturVorkultur heißt meist, dass du Gemüse im Haus oder geschützt aus Samen vorziehst und es später als abgehärtete Jungpflanze ins Freiland setzt. In Anbauplänen meint das Wort auch eine schnelle Kultur, die vor der Hauptkultur auf dem Beet steht. und die feinen Samen bei Kräutern grundsätzlich funktionieren, liest du im Grundlagenartikel im Abschnitt Aussaat: Vorkultur, Direktsaat und die feinen Samen; die Schritt-für-Schritt-Anleitung speziell für Anis samt Topf, Vermehrung und Problemen steht in der Anleitung zum Anisanbau vom Saatgut bis zur Ernte.
Ernte: Samen statt Blätter
Anis blüht etwa im Juli und August in weißen Dolden, die Samen erntest du etwa im August und September; die Dolden reifen nacheinander ab, im Erwerbsanbau gelten Bestände rund 3 bis 4 Wochen nach der Blüte als druschreif. Ich gehe deshalb mehrmals durch die Reihe und schneide nur die Dolden, die schon abgereift sind. Die Grundregeln zu Erntezeit und Vorrat stehen im Grundlagenartikel unter Ernten und Konservieren, die Pflege von der Saat bis zum Abräumen chronologisch in Anis im Jahreslauf mit Pflegetipps.
Woher Gewürz-Anis kommt: Anbauländer und Erwerbsanbau
Der Anis in deiner Gewürzdose ist in der Regel Importware. Zu den Anbauländern gehören die Türkei, Spanien, Ungarn, der Libanon und Ägypten. Auch in Oberösterreich wird Anis angebaut; dort ist die traditionelle Landsorte Lüsener verbreitet. Die Herkunftsliste passt zum Klimaanspruch: Anis bevorzugt warme, mäßig feuchte Standorte mit trockenen Sommern.
Im Erwerbsanbau läuft die Kultur so: Ausgesät wird, sobald der Boden etwa 6 bis 8 °C erreicht hat, nur seicht auf etwa 1 bis 1,5 cm Tiefe. Weil junger Anis Unkraut kaum unterdrückt, wird ab etwa 5 cm Wuchshöhe gehackt. In frühreifen Gebieten beginnt die Ernte etwa Ende Juli und zieht sich bis Anfang September, weil die Dolden nacheinander abreifen. Danach kommt die Fläche für mindestens vier Jahre aus der Anis-Fruchtfolge.
Was sich daraus für dich ableitet: Anis ist keine Kultur, die zwischen die Fingerspitzen gestreut wird und nebenbei läuft. Sie braucht Wärme, ein sauber gehaltenes Beet in der Jugend und Geduld bei der Ernte. Wer das nicht leisten will, kauft die getrockneten Früchte – ganz, geschrotet oder gemahlen – und baut im Beet lieber die Blattkräuter an.
Verwendung: Gewürz, Tee und die Grenze zur Medizin
Anis hat eine lange Tradition als Brot- und Backgewürz und als Teekraut, und die Verwandten in der Tabelle zeigen, wo die Nachbarschaft in der Küche liegt: Kümmel zu Brot und Sauerkraut, Koriander in Backwaren und Lebkuchengewürz, Gewürzfenchel für Würze und Tee. Rezepte, Dosierung in Gerichten und süße wie herzhafte Ideen findest du in den Küchenartikeln: wie du mit Anis Geschmacksvielfalt in der Küche entdeckst und konkrete Anisgerichte von süß bis herzhaft.
Für den Tee gilt, was für jeden Kräutertee gilt: mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen, mindestens fünf Minuten ziehen lassen, damit in seltenen Fällen vorhandene Keime sicher abgetötet werden – das ist besonders für Säuglinge, kleine Kinder und Kranke wichtig –, und den aufgegossenen Tee nicht über mehrere Stunden stehen lassen, weil hitzeresistente Sporen das Aufbrühen überstehen können.
Küchenkräuter sind Lebensmittel, keine Medizin. Anis wird traditionell auch als Teekraut genutzt, mehr sage ich dazu nicht. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.
Beim eng verwandten Fenchel gibt es eine ausdrückliche Vorsichtsempfehlung: Kinder unter 4 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollten vorsichtshalber auf Fencheltee verzichten; für das darin enthaltene Estragol lässt sich derzeit keine sichere Aufnahmemenge festlegen. Konzentrierte ätherische Öle – auch aus Gewürzpflanzen – können Hautreizungen, Atembeschwerden und allergische Reaktionen auslösen, und bei Säuglingen und Kleinkindern können sie in Mund oder Nase lebensbedrohliche Kehlkopfverkrampfungen und Atemstillstand verursachen. Unverdünnte ätherische Öle gehören nicht in Kinderhände.
Bevor ich eine größere Menge Gewürz-Anis kaufe, zerreibe ich ein paar ganze Früchte zwischen den Fingern und rieche daran. Ich vergleiche den Duft mit dem, was ich von Anis erwarte – süß bis fein würzig –, und lese danach den botanischen Namen auf der Packung. Beides zusammen entscheidet, ob die Tüte mitkommt.
Die Aussaat- und Erntemonate aller Kräuter auf einen Blick hast du mit dem Aussaatkalender für Kräuter zum Ausdrucken neben dem Saatgutregal.





