Echte oder Römische Kamille? So unterscheidest du die beiden Arten im Garten
- Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist einjährig und wächst aufrecht etwa 30–50 cm hoch; Römische Kamille (Chamaemelum nobile) ist eine ausdauernde Staude, die mit Blüten etwa 30 cm erreicht und Polster bildet.
- Sicherstes Merkmal: Der Blütenboden der Echten Kamille ist hohl und ohne Spreublätter – schneide ein Köpfchen längs durch.
- Echte Kamille verträgt weder Staunässe noch saure Böden; Römische Kamille will trockenen, sandigen, gut durchlässigen Boden.
- Echte Kamille ist Lichtkeimer: Samen nur andrücken, bei 10–20 °C keimt sie in 7–15 Tagen; Freilandsaat März bis Juni.
- Blütenköpfe der Echten Kamille erntest du zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen und trocknest sie luftig, schattig und bei höchstens etwa 45 °C.

Du hast „Kamille” gesät, wolltest Blüten für den Tee – und im Beet liegt ein flaches Polster, das kaum in die Höhe kommt. Oder umgekehrt: Du wolltest einen duftenden BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz., und jetzt stehen aufrechte, verzweigte Pflanzen da, die im Herbst absterben. Beides passiert, weil zwei sehr verschiedene Pflanzen denselben Alltagsnamen tragen. Ich schaue mir bei jeder Kamille im Garten zuerst den Wuchs und dann ein aufgeschnittenes Blütenköpfchen an, bevor ich entscheide, was ich mit ihr vorhabe.
Zwei Pflanzen, ein Name
Die Echte Kamille heißt botanisch Matricaria chamomilla, die Römische Kamille Chamaemelum nobile. Beide gehören zu den Korbblütlern, beide bilden Köpfchen mit gelben RöhrenblütenRöhrenblüten sind die röhrenförmigen Einzelblüten im Blütenstand der Korbblütler. Sie bilden ihn allein, etwa bei Disteln, oder zusammen mit den Zungenblüten am Rand, etwa bei Astern. in der Mitte und weißen Zungenblüten am Rand – deshalb die Verwechslung. Botanisch sind es aber zwei Gattungen mit unterschiedlichem Lebenslauf: Die Echte Kamille ist einjährig, die Römische eine ausdauernde Staude. Diese eine Tatsache bestimmt fast alles, was danach kommt: Aussaat, Pflege, Ernte und Verwendung.
Woran du die Arten im Beet erkennst
Wuchs. Die Echte Kamille wächst aufrecht und verzweigt, etwa 30–50 cm hoch, mit fein gefiederten, fast fadenförmigen Blättern. Die Römische Kamille bleibt niedrig: Mit Blüten erreicht sie etwa 30 cm, wächst polsterartig und breitet sich über AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. aus. Wo die Echte ein lockerer Sommerblüher ist, bildet die Römische einen dichten Teppich.
Blütenboden. Das ist das Merkmal, auf das ich mich verlasse. Der Köpfchenboden der Echten Kamille ist hohl und trägt keine Spreublätter. Bei der Römischen Kamille ist er dagegen gefüllt.
Nimm ein voll erblühtes Köpfchen und schneide es mit einem scharfen Messer längs durch. Siehst du in der Mitte einen Hohlraum, hast du Echte Kamille vor dir. Ist der Boden durchgehend markig, ist es eine andere Art – zum Beispiel die Römische Kamille oder ein verwandter KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen..
Duft. Die Römische Kamille riecht zerrieben intensiver und eher apfelartig, die Echte süßlich-krautig. Der Duft ist ein Hinweis, kein Beweis – wenn du sicher sein willst, schneidest du auf.
Standort und Boden: hier trennen sich die Wege
Beide Arten wollen Licht, doch beim Boden sind sie sich nicht einig. Für die Echte Kamille ist ein sonniger bis halbschattiger Platz hinterlegt; staunasse und saure Böden sind für sie ungeeignet, sonst ist sie genügsam und kommt auch auf mageren Stellen zurecht. Die Römische Kamille dagegen will trockenen, sandigen, gut durchlässigen Boden – sie gehört in die trocken-mediterrane Ecke des Gartens. Wie du Beete in eine trockene und eine frisch-feuchte Zone gliederst, liest du in den Grundlagen zu den zwei Kräuter-Welten und zur Aussaat feiner Samen; dort steht auch, was einjährige von mehrjährigen Kräutern in der Beetplanung unterscheidet.
Bevor ich Römische Kamille setze, grabe ich an der Stelle spatentief ein Loch und gieße es voll. Bleibt das Wasser lange stehen, mische ich Sand ein oder suche einen anderen Platz – Polsterpflanzen auf staunassem Boden kontrolliere ich sonst den ganzen Winter mit schlechtem Gefühl.
Aussaat: Lichtkeimer gegen Staude
Die Echte Kamille ist Lichtkeimer: Du säst die feinen Samen obenauf, drückst sie nur an und bedeckst sie nicht mit Erde. Bei 10–20 °C keimen sie in etwa 7–15 Tagen; FreilandsaatFreilandsaat ist die Aussaat direkt an Ort und Stelle im Gartenbeet unter freiem Himmel. Die Samen keimen dort, wo die Pflanzen anschließend weiterwachsen sollen. ist von März bis Juni möglich, VoranzuchtVoranzucht heißt, Pflanzen aus Samen in Schalen oder Töpfen unter geschützten Bedingungen heranzuziehen, etwa am Fenster, im Gewächshaus oder im Frühbeet. Die Jungpflanzen setzt du später ins Beet. im März und April, und auch ein Kulturstart von September bis November kommt in Frage. In Reihen gesät rechnest du mit 15 cm Abstand in der Reihe und 30 cm Reihenabstand. Die Römische Kamille wird als Staude meist gepflanzt statt gesät; Ableger aus den Ausläufern lassen sich abstechen und neu setzen. Alle Termine für die Saison findest du gebündelt im Aussaatkalender für Kräuter zum Ausdrucken, die Grundlagen zu Vorkultur und Direktsaat trägt der Hub-Abschnitt zur Aussaat.
0 cm Saattiefe – bei Echter Kamille heißt das wörtlich: nichts drüber. Schon eine dünne Erdschicht kann die Keimung ausbremsen.
Pflege: was die beiden Arten unterschiedlich verlangen
Echte Kamille ist als mittelzehrend eingestuft, braucht also keine üppige Versorgung. Wichtiger als Dünger ist bei ihr die Jugendphase: Sie entwickelt sich anfangs langsam, deshalb hältst du das BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. bis zum Bestandesschluss kurz, sonst wächst es ihr über den Kopf. Nach der Saison stirbt sie ab – sie ist nicht winterhart und wird jedes Jahr neu gesät, wobei sie sich gern selbst aussät. Auf derselben Fläche ist eine Anbaupause von 5 Jahren hinterlegt; für die Planung hilft dir der Beetplaner mit den hinterlegten Systemwerten.
Römische Kamille bleibt am Platz und braucht als Polsterstaude vor allem einen durchlässigen Boden und einen RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. nach der Blüte, damit der Teppich dicht bleibt. Ich schneide meine Polster nach dem Abblühen zurück und schaue beim Gießen, ob die Ausläufer frisch nachschieben.
Bei den Nachbarn ist die Echte Kamille wählerischer, als man denkt: Als unverträglich gelten unter anderem Estragon, Ringelblume, Würztagetes und Studentenblumen, Löwenzahn, Süßkraut/Stevia, Parakresse sowie Endivie, Zichorie, Radicchio, Chicoree, Artischocken und Topinambur. Prüfe Kombinationen im Mischkultur-Planer, bevor du säst; Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Was Kamille umgekehrt als Nachbarin leisten kann, steht in einem eigenen Artikel darüber, was Kamille als Begleitpflanze im Beet bewirken kann.
Alles, was für beide Arten gleich gilt – Gießen, Beetvorbereitung, Verwendung im Überblick – liest du dort, wo es hingehört: wie du Kamille im Garten grundsätzlich anbaust und pflegst. Und wer die Arbeiten über die Monate verteilen will, findet die Planung unter wie du Pflege und Ernte der Kamille über das Jahr verteilst.
Ernte und Trocknung: wo die Echte Kamille im Vorteil ist
Die Echte Kamille blüht von Mai bis September, die Blütenbildung beginnt ab Mitte Mai und kann sich bis zum Frost fortsetzen; geerntet wird von Juni bis September. Für den Vorrat zupfe ich die Köpfchen am Vormittag zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen ab, befreie sie von Verunreinigungen und breite sie noch am selben Tag zum Trocknen aus. Bei der Römischen Kamille erntest du voll erblühte Köpfe; sie ist im Garten aber eher Duft- und Polsterpflanze als Teelieferantin.
Getrocknet wird bei beiden luftig und schattig, zügig und schonend – mit Gerät bei höchstens etwa 45 °C. Fertig sind die Blüten, wenn sie beim Anfassen rascheln. Dann kommen sie luftdicht, lichtgeschützt und trocken in Gefäße, die du regelmäßig auf Schimmel prüfst, und werden am besten innerhalb von 12 Monaten verbraucht. Die Details zu Geräten, Schichtdicke und Lagerfehlern stehen dort, wie du Kamillenblüten trocknest und lagerst.
Beide Arten in einer Schale trocknen. Die Köpfchen sehen sich getrocknet noch ähnlicher als frisch – beschrifte die Gefäße, sonst landet die Römische im Teekännchen.
Verwendung: Tee hier, Duft und Teppich dort
Die Echte Kamille ist das Kraut mit der langen Teetradition. Wenn du sie aufbrühst, gießt du die Blüten mit sprudelnd kochendem Wasser auf und lässt den Tee mindestens fünf Minuten ziehen, damit in seltenen Fällen vorhandene Keime sicher abgetötet werden – das ist vor allem für Säuglinge, kleine Kinder und Kranke wichtig. Aufgegossenen Tee lässt du nicht über mehrere Stunden stehen, weil hitzeresistente Sporen das Aufbrühen überstehen können. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.
Die Römische Kamille spielt ihre Stärken woanders aus: als duftender Bodendecker, als niedrige Einfassung im trockenen Kräuterbeet und traditionell in der Pflege – Kamillenwasser oder eine Spülung setzen viele lieber mit ihr an. Wie du dabei sauber und in kleinen Mengen arbeitest, zeigt der Artikel darüber, wie du Kamille für selbst gemachte Kosmetik nutzt.
Kamille ist ein Korbblütler, und in dieser Familie sind Kreuzreaktionen bekannt: Wer auf Chrysanthemen, Arnika oder Schafgarbe allergisch reagiert, kann auch auf Kamille reagieren. Eine vermutete Allergie klärst du ärztlich ab.
Ein Wort noch zu den Insekten: Die Echte Kamille steht im amtlichen Bienenweidekatalog für Bauerngärten und Sommerblumenbeete. Ich lasse deshalb jedes Jahr einen Teil der Pflanzen unbeerntet in die Blüte gehen und ernte nur von den übrigen.
Welche Kamille passt zu dir?
- Du willst Blüten für Tee und Vorrat → Echte Kamille, jedes Jahr neu säen, Blüten am 3.–5. Tag nach dem Aufblühen ernten.
- Du suchst einen duftenden, niedrigen Teppich für die trockene Ecke → Römische Kamille, pflanzen und nach der Blüte zurückschneiden.
- Dein Boden hält Wasser oder ist sauer → für die Echte ungeeignet, für die Römische erst nach Sandeinarbeitung; sonst Platz wechseln.
- Du bist unsicher, was da wächst → Köpfchen aufschneiden: hohl ohne Spreublätter heißt Echte Kamille.
- Du hast im Beet Estragon, Ringelblumen oder Tagetes → Nachbarschaft zur Echten Kamille vorher im Mischkultur-Planer prüfen.





