Blattdüngung bei Obstbäumen: wann Sprühen sinnvoll ist und wie du Blattschäden vorbeugst
- Blattdüngung kann vorübergehende Engpässe bei Spurenelementen überbrücken, die Korrektur ungünstiger Bodenbedingungen ersetzt sie nicht.
- Günstig sind Temperaturen unter 20 °C bei hoher Luftfeuchte.
- Oberhalb von 25 °C bringst du keinen Blattdünger aus.
- Sprüh fein verteilt und nie auf bereits nasse Blätter oder Früchte.
- Calciumhaltige Blattdünger mischst du nicht mit phosphat- oder sulfathaltigen.
Die Blätter am Apfelbaum hellen auf, und der Blattdünger steht schon im Regal. Ob das Sprühen dann etwas bringt, hängt davon ab, warum dem Baum etwas fehlt. BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. kann einen vorübergehenden Engpass bei SpurenelementenSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. überbrücken, ungünstige Bodenbedingungen behebt sie nicht. Ich sehe mir deshalb zuerst den Boden an und setze erst danach die Spritzlösung an.
Was kann Blattdüngung bei Obstbäumen und was nicht?
Bei der Blattdüngung sprühst du eine Nährstofflösung fein verteilt auf das Laub. Der Baum nimmt die gelösten Nährstoffe über die Blätter auf, der Boden ist daran nicht beteiligt. Daraus ergibt sich der Nutzen: Das Sprühen kann vorübergehende Engpässe bei Spurenelementen überbrücken, wenn der Baum sie aus dem Boden nur eingeschränkt aufnimmt. Spurenelemente sind Nährstoffe, die er nur in geringen Mengen braucht, zum Beispiel Eisen oder Bor.
Die Korrektur ungünstiger Bodenbedingungen ersetzt das Sprühen nicht. Ein Beispiel ist die Quitte: Steht sie auf Boden mit einem pH-Wert über 7, neigt sie zu ChloroseChlorose ist eine unnatürliche Gelbfärbung der Blätter, weil das Blattgrün schlecht ausgebildet oder zerstört wird. Am häufigsten ist bei uns die Eisenmangel-Chlorose, oft ausgelöst durch kalkhaltigen Boden und Leitungswasser., also zu aufgehelltem Laub. Eine Blattdüngung kann dann das Blatt versorgen, die Ursache bleibt aber im Boden.
„Wer sprüht, muss am Boden nicht mehr düngen.“ Das stimmt nicht. Blattdüngung überbrückt Engpässe bei Spurenelementen, die Grundversorgung des Baums läuft weiter über den Boden.
Wann ist Sprühen dem Düngen am Boden überlegen?
Im Vorteil ist das Sprühen dort, wo der Baum einen Nährstoff aus dem Boden gerade nicht ausreichend aufnimmt. Die laufende Versorgung bleibt Aufgabe der Bodendüngung.
| Frage | Blattdüngung | Bodendüngung |
|---|---|---|
| Wofür? | überbrückt vorübergehende Engpässe bei Spurenelementen | trägt die Grundversorgung über die Wurzeln |
| Wohin? | fein verteilt auf trockenes Laub | auf feuchten Boden, nicht auf feuchte Blätter |
| Wann nicht? | bei Hitze und auf nassem Laub | bei Frost, Trockenheit oder Staunässe geben organische Dünger keine oder nur wenige Nährstoffe frei |
| Wo liegt die Grenze? | ersetzt nicht die Korrektur ungünstiger Bodenbedingungen | Überschüsse an Nitratstickstoff, Kalium und Magnesium können aus dem Boden ins Grundwasser ausgewaschen werden |
Ich greife in zwei Fällen zur Spritze. Der erste ist ein Engpass bei Spurenelementen, den der Boden vorübergehend nicht ausgleicht. Der zweite ist Calcium bei stippeanfälligen Apfelsorten, dazu steht weiter unten ein eigener Abschnitt.
Stockt die Versorgung, weil der Boden zu trocken oder vernässt ist, behebt zusätzliches Düngen diese Ursache nicht. Dann geht es zuerst um Wasser und Boden und um die Frage, wie du die Düngung an Baumalter, Trockenheit und Staunässe anpasst. Für die Grundversorgung zählt außerdem, wann im Jahr und mit welcher Technik du Dünger unter dem Obstbaum ausbringst.
Was fehlt dem Baum? Erst prüfen, dann sprühen
Aufgehelltes Laub kann auf einen fehlenden Nährstoff hindeuten, es beweist ihn aber nicht. Ich lasse deshalb den Boden untersuchen, bevor ich einen Blattdünger kaufe. Zum üblichen Umfang einer GrunduntersuchungDie Grunduntersuchung ist der Standardumfang einer Bodenuntersuchung im Labor: Bestimmt werden Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Sie zeigt, wie gut der Boden mit diesen Nährstoffen versorgt ist und ob er Kalk braucht. gehören Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Spurenelemente stehen damit nicht automatisch im Befund, obwohl es beim Sprühen gerade um sie geht. Frag beim Labor gezielt danach, wenn du dort einen Engpass vermutest.
Steht ein Nährstoff im Befund in der sehr hohen GehaltsklasseDie Gehaltsklasse ist eine Einstufung im Bodenuntersuchungsbefund, die angibt, wie gut der Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Sie reicht von A für niedrige bis E für besonders hohe Versorgung. E, ist für ihn grundsätzlich keine weitere Düngung vorgesehen. Das schließt die Gabe über das Blatt ein.
Welche Aufgabe welcher Nährstoff im Baum hat, brauchst du fürs Sprühen nur in Grundzügen. Calcium zum Beispiel steckt in den Zellwänden, und der Baum braucht es für Zellteilung und Zellstreckung. Die übrigen Nährstoffe und ihre Mengen stehen beim Nährstoffbedarf von Obstgehölzen.
Welches Wetter braucht die Blattdüngung?
Das Wetter entscheidet, ob du sprühen kannst. Günstig sind Temperaturen unter 20 °C bei hoher Luftfeuchte. Oberhalb von 25 °C wird kein Blattdünger ausgebracht. An Sommertagen bleiben dafür oft nur der frühe Morgen und der Abend.
Feuchte Luft ist also günstig, ein nasses Blatt ist es nicht: Blattdünger gehört nicht auf bereits nasse Blätter oder Früchte. Nach Regen und bei Tau warte ich, bis das Laub abgetrocknet ist. Kündigt sich Regen an, verschiebe ich das Sprühen, damit die Lösung nicht gleich wieder abgewaschen wird. Bei Wind bleibt die Spritze ebenfalls stehen, weil der Sprühnebel dann abtreibt.
Ich hänge ein Thermometer in den Schatten neben den Baum und lese es ab, bevor ich anmische. Zeigt es mehr als 25 °C, verschiebe ich das Sprühen auf einen kühleren Morgen.
Wie mische und dosiere ich Blattdünger?
Die Konzentration der Spritzlösung gibt die Gebrauchsanweisung des Produkts vor. Blattdünger unterscheiden sich in Nährstoff und Gehalt, deshalb hilft dir kein Pauschalwert für alle Obstarten. Ich wiege den Dünger ab und messe das Wasser mit dem Messbecher, statt nach Augenmaß zu mischen.
Mische calciumhaltige Blattdünger nie mit phosphat- oder sulfathaltigen Blattdüngern. Lies die Zusammensetzung auf dem Etikett, bevor du zwei Produkte in einen Behälter gibst.
Zwei Dünger, bei denen ich unsicher bin, sprühe ich getrennt. Mit anderen Mitteln mische ich Blattdünger nur, wenn die Gebrauchsanweisung das ausdrücklich vorsieht.
Sprüh ein neues Produkt zuerst auf einen einzelnen Ast. Sieh dir dessen Blätter auf Flecken und braune Ränder an, bevor der ganze Baum an die Reihe kommt.
Wie sprühe ich Schritt für Schritt?
Blattdünger wird fein verteilt. So gehst du vor:
- Lies am Thermometer ab, ob es kühl genug ist, und fass ins Laub: Es muss trocken sein.
- Setz die Lösung nach Gebrauchsanweisung an und rühr, bis sich der Dünger gelöst hat.
- Stell die Düse so ein, dass ein feiner Nebel entsteht.
- Führ die Düse von unten nach oben durch die Krone, einmal von außen und einmal von innen.
- Hör auf, bevor die Lösung von den Blättern tropft.
- Spül Spritze und Düse danach mit klarem Wasser aus.
Ich arbeite mich Ast für Ast vor und achte darauf, dass Ober- und Unterseiten der Blätter benetzt sind. An Spindel, Buschbaum und Spalier erreichst du mit der Handspritze die ganze Krone. Bei einem großen Hochstamm kommst du vom Boden aus nur an einen Teil des Laubs.
Was tun bei Blattschäden oder wenn sich nichts ändert?
Braune Blattränder oder Flecken nach dem Sprühen können auf einen Spritzschaden hindeuten. Ich setze dann aus und gehe drei Fragen durch: Stimmte die Konzentration, wie warm war es am Spritztag, und war das Laub trocken? Erst wenn ich die Ursache eingegrenzt habe, sprühe ich wieder.
Trübt sich eine Mischung im Behälter oder setzt sich etwas ab, bringe ich sie nicht aus. Das kann ein Hinweis sein, dass sich zwei Produkte nicht vertragen.
Regnet es kurz nach dem Sprühen, kann ein Teil der Lösung abgewaschen sein. Ob du wiederholst, richtet sich nach der Gebrauchsanweisung und nicht nach Gefühl.
Zeigt der Baum nach dem Sprühen keine Veränderung, liegt die Ursache möglicherweise woanders. Schlaffes Laub zum Beispiel ist kein Fall für Blattdünger: Welke Blätter können bei Wassermangel auftreten und ebenso bei geschädigten Wurzeln in nassem Boden. Ich prüfe dann mit einer SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge., wie feucht der Boden ist.
Auf Blattschäden folgt gleich die nächste Spritzung mit einem anderen Dünger. Leg stattdessen eine Pause ein und prüfe Konzentration, Wetter und Boden.
Calcium gegen Stippe am Apfel: Was ist vorgesehen?
Stippe zeigt sich an den Früchten und wird mit ihrer Calciumversorgung in Verbindung gebracht. Für stippeanfällige Apfelsorten ist deshalb ein fester Ablauf mit geeigneten Calciumpräparaten beschrieben.
Bei stippeanfälligen Apfelsorten sind für geeignete Calciumpräparate 3–4 Behandlungen beschrieben. Sie beginnen ab Mitte Juni und folgen im Abstand von ungefähr 10 Tagen, jeweils nach Gebrauchsanweisung.
Die Behandlungen beginnen also in der warmen Jahreszeit, und oberhalb von 25 °C wird kein Blattdünger ausgebracht. Ich lege die Termine deshalb auf kühle Morgen mit trockenem Laub und verschiebe einen Termin, wenn es zu warm ist. Eine Garantie für fleckenfreie Äpfel sind die Behandlungen nicht.
Taugen Jauche und Algenextrakt als Blattdünger?
BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. wird im Garten oft auch zum Sprühen empfohlen. Das für Pflanzenjauche übliche Verhältnis von 1:10 mit Wasser gilt allerdings für die allgemeine Wurzeldüngung, also für das Gießen auf den Boden. Ich gieße Jauche deshalb auf die feuchte BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. und sprühe sie nicht aufs Laub.
Algenextrakte zählen zu den nichtmikrobiellen Biostimulanzien. Sie sind damit etwas anderes als Präparate mit lebenden Mikroorganismen. Wenn ich sie sprühe, halte ich mich an dieselben Regeln wie beim Blattdünger: Gebrauchsanweisung, trockenes Laub, keine Hitze.
Wie passt das Sprühen in den Düngeplan?
Enthält ein Blattdünger Stickstoff, zählt er zur Stickstoffdüngung. Bei winterharten Obstgehölzen im Garten ist mit Stickstoff vor Juli Schluss, damit die Triebe rechtzeitig ausreifen können. Einen stickstoffhaltigen Blattdünger sprühe ich danach nicht mehr.
Zitrus und andere Mediterranpflanzen im Kübel sind ein eigenes Thema: Dort geht es darum, wann und wie du Zitruspflanzen über das Blatt düngst. Das Sprühen bleibt in jedem Fall nur ein Teil der Düngung. Welche Düngestrategie zu deinem Obstgarten passt, hängt davon ab, ob du wenige kleine Bäume pflegst oder eine Streuobstwiese.

