Gartenpraxis · Aussaat & Anzucht (Grundwissen) · Wissen

Anzuchterde wiederverwenden: Wann gebrauchte Erde taugt und wann nicht

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Für neue Aussaaten nimmst du frische Aussaaterde, ihr Salzgehalt sollte unter 0,5 g/l liegen.
  • Alte Gefäßerde mit frischer Erde und Kompost aufzufrischen, ist keine allgemeine Empfehlung für Aussaaterde.
  • Krankheitsfreie gebrauchte Erde kann auf den Kompost, an Baumscheiben oder eingearbeitet ins Gartenbeet.
  • Erde aus Gefäßen mit kranken oder abgestorbenen Pflanzen verwendest du nicht wieder als Pflanzsubstrat.
  • Unbenutzte Reste lagerst du im Gebinde dunkel, kühl und trocken.
Anzuchtzubehoer
Foto: Christina & Peter · Pexels License · Quelle ↗

Nach dem Pikieren stehen bei mir jedes Frühjahr Schalen und Multitopfplatten voller gebrauchter Erde auf dem Tisch. Daneben liegt meist noch ein angebrochener Sack vom Vorjahr. Für neue Aussaaten greife ich trotzdem zu frischer Aussaaterde, weil gebrauchte Erde angereicherte Nährsalze oder Krankheitserreger mitbringen kann. Gesunde gebrauchte Erde bekommt bei mir eine andere Aufgabe im Garten.

Kann man Anzuchterde wiederverwenden?

Ja, aber selten als Aussaaterde. Es kommt darauf an, was übrig ist und was vorher darin wuchs. Ich sortiere nach diesen Fällen:

Was übrig ist Wohin damit
Unbenutzter Rest im Sack im Gebinde dunkel, kühl und trocken lagern
Gebrauchte Erde aus Schalen mit gesunden Pflanzen auf den Kompost, an Baumscheiben oder eingearbeitet ins Gartenbeet
Erde aus Gefäßen mit kranken oder abgestorbenen Pflanzen oder Wurzelfäule-Erregern nicht wieder als Pflanzsubstrat verwenden
Gebrauchte Erde für die nächste Aussaat Auffrischen mit frischer Erde und Kompost ist dafür keine allgemeine Empfehlung, ich nehme frische Aussaaterde

Die Töpfe und Schalen selbst kannst du dagegen gut wiederverwenden, wenn du sie reinigst.

Was Anzuchterde ausmacht

Für die Aussaat eignet sich ein nährstoffarmes, humoses und durchlässiges Substrat, das wie jedes geeignete Kultursubstrat frei von Krankheitserregern, Schädlingen und Schadstoffen ist. Was sie bei Salzgehalt und Bestandteilen auszeichnet, erklärt der Abschnitt über Anzuchterde, Salzgehalt und torffreie Mischungen im Überblick zu Aussaat und Anzucht. Ein eigener Ratgeber zeigt, welche Rolle Anzuchterde von der Keimung bis zur Jungpflanze spielt und worin sie sich von Gartenerde unterscheidet.

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Warum gebrauchte Erde selten zurück in die Saatschale gehört

Nährsalze können sich anreichern

In gebrauchter Blumenerde, die regelmäßig gedüngt wurde, können sich Nährsalze anreichern. Das liegt daran, dass Pflanzen die enthaltenen Nährstoffe unterschiedlich stark verbrauchen. Für Sämlinge ist das wichtig: Ein zu hoher Salzgehalt im Topfsubstrat kann bei Jungpflanzen die Anfangsentwicklung verlangsamen und Wurzelspitzen schädigen. Wie viel Salz ein Substrat enthalten darf, hängt von seiner Aufgabe ab.

Substrat Salzgehalt
Aussaaterde unter 0,5 g/l
Substrat beim Pikieren bis zu 1,5 g/l
Topferde für Kübel und Blumenkästen 2,5 bis 3 g/l

Topferde für Kübel und Kästen darf also deutlich mehr Salz enthalten als Aussaaterde. Wer die alte Erde aus dem Balkonkasten in die Saatschale füllt, sät deshalb in ein Substrat, das für eine andere Aufgabe gemacht ist. Wurde sie regelmäßig gedüngt, können sich darin zusätzlich Nährsalze angereichert haben.

Ein eigener Ratgeber zeigt, woran du Verdichtung, einen falschen pH-Wert oder ein Nährstoffungleichgewicht in Anzuchterde erkennst und wie du gegensteuerst.

Erde aus kranken Gefäßen bleibt draußen

Erde aus Gefäßen, in denen Pflanzen krank waren oder abgestorben sind, nehme ich nicht wieder als Pflanzsubstrat. Das gilt genauso für Erde, in der Wurzelfäule-Erreger saßen. Bei mir zählen dazu auch Schalen, in denen Sämlinge umgefallen sind. Ich verlasse mich dabei nicht auf das Aussehen der Erde, sondern auf das, was in der Schale stand.

Auch Trauermücken über der Anzucht sind ein Grund, genauer hinzusehen. Ihre Larven vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde und können die Wurzeln von Jungpflanzen schädigen. Erde, in der ich Larven entdecke, kommt deshalb nicht wieder unter Jungpflanzen.

Auffrischen macht noch keine Aussaaterde

Naheliegend ist die Idee, alte Erde mit frischer Erde und Kompost zu mischen und wieder hineinzusäen. Eine allgemeine Empfehlung für Aussaaterde ist diese Aufbereitung alter Gefäßerden nicht. Für die Aussaat eignet sich ein nährstoffarmes Substrat. Keimlinge nutzen zunächst die Nährstoffreserven, die im Samen gespeichert sind. Reiner Kompost eignet sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts dagegen nicht als Anzuchterde. Mit Kompost holst du also genau das in die Mischung, wovon Aussaaterde wenig enthalten soll.

Gebrauchte Erde im Backofen zu erhitzen, gehört nicht zu meinem Ablauf. Für Aussaaten öffne ich frische Erde, und Erde aus kranken Gefäßen kommt bei mir gar nicht erst in Frage. Wie du frische Anzuchterde für Jungpflanzen gezielt ergänzt, steht im Ratgeber über organische und mineralische Zusätze für Anzuchterde.

Wohin gesunde gebrauchte Erde gehört

Krankheitsfreie gebrauchte Gefäßerde kann auf den Kompost, auf Baumscheiben oder eingearbeitet aufs Gartenbeet. Damit bleibt sie im Garten, nur eben nicht in der Saatschale.

Ich klopfe die Ballen aus Schalen und Platten in einen Eimer und zupfe grobe Wurzelreste heraus. Danach entscheide ich, wohin die Erde geht. Auf dem Beet arbeite ich sie ein, statt sie obenauf liegen zu lassen. An Baumscheiben verteile ich sie rund um den Stamm.

Marias Erfahrung

Ich schreibe mir beim Aussäen auf, was in welcher Schale steht. Beim Ausleeren weiß ich so noch, aus welcher Schale die Erde stammt und ob die Sämlinge darin gesund waren.

Unbenutzte Reste aus dem Sack richtig lagern

Übrig gebliebenes, noch unbenutztes Substrat lagerst du im Gebinde dunkel, kühl und trocken. Bei torffreier oder torfreduzierter Erde können organische Bestandteile während längerer Lagerung Nährstoffe freisetzen und so den Salzgehalt erhöhen. Weil der Salzgehalt von Aussaaterde unter 0,5 g/l liegen soll, kann ein lange gelagerter torffreier Rest für die Aussaat zu salzhaltig geworden sein. Ich öffne für die ersten Aussaaten deshalb einen frischen Sack und kaufe nur so viel, wie ich in einer Saison verbrauche.

Beim Neukauf lohnt der Blick aufs Etikett. Torffreie Substrate schonen Moore und vermindern die mit dem Torfabbau verbundenen CO₂-Emissionen. Die Bezeichnung Bio-Erde allein garantiert keine Torffreiheit, entscheidend ist die ausdrückliche Kennzeichnung als torffrei. Ein weiterer Ratgeber erklärt, nach welchen Kriterien du frische Anzuchterde kaufst, mischst und lagerst.

Was du gut wiederverwenden kannst: Töpfe und Schalen

Bei den Gefäßen ist die Sache einfacher als bei der Erde. Tontöpfe eignen sich für die Jungpflanzenanzucht und lassen sich nach der Reinigung wiederverwenden. Wiederverwendete Gefäße werden gereinigt und erst trocken ineinandergesteckt. Ich spüle Platten und Töpfe deshalb aus, sobald die Erde heraus ist, und stapele sie erst, wenn sie ganz abgetrocknet sind. Dabei schaue ich nach, ob die Abzugslöcher frei sind, denn Anzuchtgefäße müssen überschüssiges Gießwasser ablaufen lassen.

Tipp

Kalkränder an Tontöpfen löst du mit Essigwasser im Verhältnis 1:10. Danach spülst du die Töpfe mit klarem Wasser ab.

Vor dem Ausleeren kurz prüfen

Mini-Checkliste

Diese Fragen kläre ich, bevor eine Schale ausgeleert wird.

  • Waren alle Pflanzen in der Schale gesund? Dann darf die Erde auf den Kompost, an Baumscheiben oder ins Beet.
  • Gab es kranke oder abgestorbene Pflanzen oder Wurzelfäule-Erreger? Diese Erde verwendest du nicht wieder als Pflanzsubstrat.
  • Hast du Trauermückenlarven in der Erde entdeckt? Sie kommt nicht wieder unter Jungpflanzen.
  • Steht eine Aussaat an? Du nimmst frische Aussaaterde.
  • Bleibt ein unbenutzter Rest im Sack? Er wird im Gebinde dunkel, kühl und trocken gelagert.
  • Sind die Töpfe leer? Reinigen, trocknen lassen und erst dann stapeln.

Häufige Fragen

Was ist Anzuchterde und warum eignet sie sich für die Wiederverwendung?
Anzuchterde ist ein nährstoffarmes, humoses und durchlässiges Substrat für die Aussaat, ihr Salzgehalt sollte unter 0,5 g/l liegen. Für eine weitere Aussaat eignet sich gebrauchte Anzuchterde nur begrenzt, denn ihre Aufbereitung mit frischer Erde und Kompost ist keine allgemeine Empfehlung für Aussaaterde. Erde aus Gefäßen mit kranken oder abgestorbenen Pflanzen wird gar nicht wieder als Pflanzsubstrat verwendet. Krankheitsfreie gebrauchte Erde kann dagegen auf den Kompost, an Baumscheiben oder eingearbeitet ins Gartenbeet.
Wie bereitet man gebrauchte Anzuchterde für die erneute Verwendung auf?
Zuerst klärst du, ob die Pflanzen darin gesund waren: Erde aus Gefäßen mit kranken oder abgestorbenen Pflanzen wird nicht erneut als Pflanzsubstrat verwendet. Gesunde gebrauchte Erde mit frischer Erde und Kompost aufzubereiten, ist keine allgemeine Empfehlung, um wieder Aussaaterde zu erhalten. Reiner Kompost eignet sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts selbst nicht als Anzuchterde. Krankheitsfreie gebrauchte Erde bringst du deshalb besser auf den Kompost, an Baumscheiben oder arbeitest sie ins Gartenbeet ein.
Worin unterscheiden sich Keimerde und herkömmliche Gartenerde bei der Wiederverwendung?
Blumen- und Gartenerde darf nährstoffreicher und gröber strukturiert sein als Anzuchterde, die für die Aussaat nährstoffarm und durchlässig sein soll. Beim Salzgehalt sollte Aussaaterde unter 0,5 g/l bleiben. Topferde für Kübel und Blumenkästen darf dagegen 2,5 bis 3 g/l aufweisen, und in regelmäßig gedüngter gebrauchter Blumenerde können sich zusätzlich Nährsalze anreichern. Alte Blumen- oder Gartenerde ist deshalb kein Ersatz für frische Aussaaterde.
Welche Lagerungsmethoden eignen sich am besten für gebrauchte Anzuchterde?
Übrig gebliebene, noch unbenutzte Anzuchterde lagerst du im Gebinde dunkel, kühl und trocken. Bei torffreier oder torfreduzierter Erde können organische Bestandteile während längerer Lagerung Nährstoffe freisetzen und den Salzgehalt erhöhen. Bereits benutzte Erde hebst du besser nicht für die nächste Aussaat auf, weil ihre Aufbereitung zu Aussaaterde keine allgemeine Empfehlung ist. Ist sie krankheitsfrei, kann sie stattdessen auf den Kompost, an Baumscheiben oder eingearbeitet ins Gartenbeet.
Stimmt es, dass wiederverwendete Anzuchterde schlechte Keimergebnisse liefert?
Pauschal lässt sich das nicht sagen, gebrauchte Erde bringt für die Aussaat aber Risiken mit. Erde aus Gefäßen mit kranken Pflanzen oder Wurzelfäule-Erregern wird nicht erneut als Pflanzsubstrat verwendet. Alte Gefäßerde mit frischer Erde und Kompost aufzubereiten, ist keine allgemeine Empfehlung für Aussaaterde. Aussaaterde sollte einen Salzgehalt unter 0,5 g/l haben, weil zu viel Salz bei Jungpflanzen die Anfangsentwicklung verlangsamen und Wurzelspitzen schädigen kann.
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