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Fehleranalyse bei der Anzucht: Probleme am Symptom erkennen und lösen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 13 Min.Von der samen.live Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Symptome sind Hinweise, keine Diagnosen: Prüfe erst Erdfeuchte, Stängelgrund, Temperatur und Licht und ändere dann nur eine Sache.
  • Keimt nichts, kann die Temperatur nicht zur Art passen: Salat kann schon über 20 °C eine Keimhemmung zeigen.
  • Kommt Schimmel auf der Erde immer wieder, steckt häufig zu viel Gießwasser oder schlechte Durchlüftung dahinter.
  • Ein glasiger bis brauner, eingeschnürter Stängelgrund kann auf eine Auflaufkrankheit hindeuten; befallene Sämlinge kommen sofort aus der Schale.
  • Lange, dünne und blasse Triebe entstehen leicht bei zu wenig Licht oder zu viel Wärme.
  • Zu viel Salz im Substrat kann Wurzelspitzen schädigen, deshalb sollte der Salzgehalt einer Aussaaterde unter 0,5 g/l liegen.
  • Anzuchttöpfe aus Ton und Kunststoff lösen sich nicht auf; Kokosquelltöpfe von Tomaten, Paprika oder Chili setzt du durchwurzelt mitsamt der Pflanze um.

Die Schale steht auf der Fensterbank, und es rührt sich nichts. Oder die Sämlinge standen gestern noch aufrecht und liegen heute flach auf der Erde. In solchen Momenten bringt es wenig, alles gleichzeitig zu ändern. Ich fasse zuerst in die Erde, sehe mir den Stängelgrund an und lese das Thermometer ab, bevor ich etwas umstelle.

Dieser Ratgeber ordnet die Probleme nach dem, was du siehst. Ein Symptom ist dabei ein Hinweis und keine sichere Diagnose, weil mehrere Ursachen dasselbe Bild erzeugen können. Hier geht es um den Fall, dass das Problem schon da ist. Wie du Fehler von vornherein vermeidest, steht im Ratgeber, welche Fehler bei der Pflanzenanzucht typisch sind und wie du ihnen vorbeugst. Die Grundlagen findest du in unserem Überblick zu Aussaat und Anzucht, die Vorbeugung dort im Abschnitt über Krankheiten und Schädlinge bei Aussaat und Anzucht.

Welches Symptom deutet auf welche Ursache hin?

Die Tabelle ist dein Einstieg: Zu jedem Bild nennt sie mögliche Ursachen und den ersten Handgriff zur Prüfung.

Was du siehst Kann hindeuten auf Das prüfst du zuerst
Nichts keimt Temperatur passt nicht zur Art, Saat liegt zu tief, Erde zu nass oder zu trocken, Saatgut zu alt Thermometer, Saattiefe, Fingerprobe
Lückiger Aufgang ungleichmäßige Feuchte, weggeschwemmte Samen, schwaches Saatgut Feuchte in allen Ecken der Schale
Belag auf der Erde zu viel Gießwasser, zu wenig Luft unter der Abdeckung Tropfen an der Abdeckung, Wasserabzug
Sämlinge kippen um Auflaufkrankheit Stängelgrund: glasig, braun, eingeschnürt
Lange, dünne, blasse Triebe zu wenig Licht, zu viel Wärme, zu frühe Aussaat Helligkeit und Temperatur am Standort
Helle, violette oder braun gerandete Blätter Nährstoffe fehlen oder werden nicht aufgenommen, zu viel Salz, Kälte Temperatur, Art und Alter der Erde
Welke trotz feuchter Erde Wurzelschaden durch Nässe oder Larven, trockene Heizungsluft Feuchte unten im Topf, Wurzeln
Kleine dunkle Mücken über der Erde Trauermücken Erdfeuchte
Silbrig graue Blattflecken Thripse junge Blätter auf Verformungen

Ändere danach nur eine Sache und beobachte, wie die neuen Blätter aussehen. So arbeitet jeder saubere Vergleich: Wer nur das Licht verändert und Erde, Wassergaben und Temperatur gleich hält, erkennt, was das Licht bewirkt. Regelmäßige Sichtkontrollen helfen dir außerdem, Krankheiten und Schädlinge früh zu erkennen und Maßnahmen gezielt auszuwählen. Hebe auch die Saatguttüte mit der Partienummer auf, damit sich die Saat bei Qualitätsproblemen der gekauften Partie zuordnen lässt.

Mini-Checkliste

Finger in die Erde stecken. Topf anheben und das Gewicht fühlen. Stängelgrund ansehen. Temperatur ablesen. Abdeckung auf Tropfen prüfen. Erst danach etwas ändern.

Warum keimen meine Samen nicht oder nur lückig?

Eine leere Schale heißt noch nicht, dass die Saat verloren ist. Manche Arten brauchen lange, und manche keimen in der Wärme schlechter statt besser. Prüfe deshalb zuerst, ob Temperatur und Wartezeit zur Art passen.

Kultur Richtwert zur Keimung Für die Fehlersuche
Tomaten und Paprika Bereich von 22 bis 25 °C Temperatur direkt an der Schale messen
Paprika und Chili 25 °C optimal kühle Fensterbank als Ursache prüfen
Salat optimal 15 bis 18 °C; über 20 °C kann eine Keimhemmung einsetzen warmes Zimmer als Ursache prüfen
Petersilie etwa 21 bis 28 Tage bei 10 bis 15 °C abwarten, bevor du neu säst

Salat kann schon über 20 °C eine Keimhemmung zeigen. Paprika keimt dagegen bei 25 °C optimal. Stehen beide Schalen nebeneinander auf derselben Fensterbank, passt der Platz also höchstens für eine von beiden.

Die Keimwerte weiterer Arten stehen im Überblick im Abschnitt Keimbedingungen. Für die Regelung in der Schale gibt es einen eigenen Ratgeber, wie du Temperatur und Substratfeuchte in der Anzuchtschale im passenden Bereich hältst.

Liegt die Saat zu tief, zu nass oder zu trocken?

Als Orientierung bedeckst du Samen höchstens mit ihrer dreifachen Stärke mit Erde, Ausnahmen je Art stehen auf der Tüte. Basilikum drückst du nur an und deckst es nicht ab, und Salat bekommt nur eine dünne Substratschicht. Liegt solche Saat tief unter der Erde, kann das die Lücken erklären.

Die Erde soll gleichmäßig feucht sein und niemals nass. Das prüfst du vor dem Gießen mit dem Finger. Liegen Samen in einer Ecke zusammen, kann das Gießwasser sie weggeschwemmt haben. Fülle das Substrat beim nächsten Mal schon angefeuchtet ein und halte die Oberfläche mit der Sprühflasche feucht. Gegen das Austrocknen hilft eine luft- und lichtdurchlässige Haube.

Ist das Saatgut zu alt?

Ist die Tüte schon älter, zeigt eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen, ob das Saatgut noch ausreichend keimt. Lege dafür je Sorte mindestens 20 Samen getrennt auf feuchtes Küchenpapier, rolle es ein und gib es in eine Tüte mit Luftlöchern. Wartezeit und Auswertung beschreibt der Überblick im Abschnitt zum Saatgut.

Erwarte auch von frischem Saatgut keine lückenlose Schale. Für Tomatensaatgut nennt die deutsche Saatgutverordnung eine Mindestkeimfähigkeit von 75 % der reinen Körner. Geprüft wird die Keimfähigkeit zudem im Labor unter Bedingungen, die für die Art günstig sind. Einzelne leere Stellen in deiner Schale sind also noch kein Beweis für schlechtes Saatgut.

Mit welchen Handgriffen Samen schneller und gleichmäßiger auflaufen, zeigt der Ratgeber, wie du die Keimung mit Vorbehandlung und Hilfsmitteln förderst.

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Was tun bei Schimmel auf der Anzuchterde?

Ein weißer oder grauer Belag auf der Erde sagt zuerst etwas über das Klima in der Schale. Kommt Schimmel auf Blumenerde immer wieder, steckt häufig zu viel Gießwasser oder schlechte Durchlüftung dahinter. An beidem kannst du sofort etwas ändern:

  • Rinnen Wassertropfen von der Folienabdeckung herab, öffnest du sie teilweise, damit die Luft zirkulieren kann.
  • Tomatenaussaaten unter einer durchsichtigen Abdeckung lüftest du täglich, das beugt Schimmel vor.
  • Prüfe den Wasserabzug, denn Anzuchtgefäße müssen überschüssiges Gießwasser ablaufen lassen.
  • Lass Töpfchen nicht dauerhaft im Wasser stehen, damit nach dem Gießen wieder Luft an die Wurzeln gelangt.

Den Belag selbst hebe ich mit der obersten Erdschicht ab und gieße erst wieder, wenn die Fingerprobe es verlangt.

Die Haube hält die Aussaat feucht, und wiederkehrender Schimmel hängt häufig mit schlechter Durchlüftung zusammen. Was den Samen beim Keimen hilft, kann den Keimlingen also schaden. Deshalb kommt die Haube ab, sobald der erste Keimling erscheint.

Nicht jeder Verdacht trifft zu. Riecht frisch geöffnete, organisch gedüngte Erde intensiv, kann das von mikrobieller Umsetzung kommen, und der Geruch allein beweist keinen Verderb. Mehr zum Klima rund um die Schale steht im Ratgeber, wie du Luftfeuchtigkeit und Belüftung bei Setzlingen misst und regulierst.

Was bedeutet ein Belag auf Blättern und Stängeln?

Sitzt der Belag auf der Pflanze statt auf der Erde, sieh genauer hin. Ein weißer, mehliger Belag auf den Blättern kann auf Mehltau hindeuten. Ein grauer, pelziger Befall, besonders an den Stängeln, kann Grauschimmel sein. In beiden Fällen entfernst du die befallenen Pflanzenteile, lüftest mehr und hältst die Erde feucht statt nass.

Warum kippen meine Sämlinge plötzlich um?

Kippen Sämlinge um, sieh dir zuerst den Stängel direkt über der Erde an. Typisch für die Pythium-Stängelgrundfäule ist ein glasiger bis brauner Stängelgrund, der sich einschnürt und fault. Ist der Wurzelhals verbräunt und eingeschnürt, kann das allgemein auf Auflaufkrankheiten hinweisen, die auch Umfallkrankheit oder Damping-off heißen. Welcher Erreger beteiligt ist, lässt sich bei Mischinfektionen am Schadbild nicht sicher unterscheiden.

Hängt ein Sämling nur schlaff und sein Stängelgrund ist unverändert, prüfst du zuerst die Erdfeuchte. Ein schlaffer Sämling allein ist kein Grund, die Schale aufzugeben.

Was machst du mit einer befallenen Schale?

  1. Nimm Sämlinge mit eingeschnürtem, faulendem Stängelgrund sofort aus der Schale. Für Zierpflanzen-Aussaaten ist das die feste Regel, und ich halte es bei Gemüse genauso.
  2. Öffne die Abdeckung, damit Luft an die Sämlinge kommt.
  3. Gieße erst wieder, wenn die Fingerprobe es verlangt, und lass die Schale nicht im Wasser stehen.
  4. Verwende Substrat aus Gefäßen mit kranken oder abgestorbenen Pflanzen nicht noch einmal als Pflanzsubstrat.
  5. Reinige Gefäße und Stellfläche, bevor du neu säst, denn das verringert mögliche Infektionsquellen.

Diese Schritte können die Ausbreitung bremsen, eine Garantie sind sie nicht. Gesund wirkende Sämlinge aus derselben Schale beobachte ich weiter und sehe mir bei jeder Kontrolle ihren Stängelgrund an.

Achtung

Zur Vorbeugung gegen Pythium-Stängelgrundfäule gehört, kein mit dem Erreger belastetes Substrat zu verwenden. Auch aufbereitete alte Gefäßerde ist keine allgemeine Empfehlung für die Aussaat.

Wie senkst du das Risiko bei der nächsten Aussaat?

Bei Aussaaten von Zierpflanzen beugen drei Dinge den Auflauf- und Umfallkrankheiten vor: locker säen, gut durchlüften und zu nasse Flächen vermeiden. Die Erreger der Stängelgrundfäule können sich bei hoher Feuchtigkeit über bewegliche Sporen im nassen Substrat verbreiten. Mit allen drei Maßnahmen gehst du also nicht gegen den Erreger vor, sondern gegen die Nässe, die ihm die Ausbreitung erleichtert.

Feines Saatgut mischst du mit Sand, damit du weniger dicht säst. Bei Paprika lohnt besondere Vorsicht, weil zu nasses Anzuchtsubstrat das Wurzelwachstum hemmt und das Eindringen von Welkepilzen begünstigt. Fruchtgemüse-Jungpflanzen sollen nach dem Bewässern vor der Nacht abtrocknen können, deshalb gieße ich sie nicht mehr am Abend. Was Blumen bei der Aussaat sonst verlangen, steht im Ratgeber, wie du Blumen und Zierpflanzen aus Samen heranziehst.

Warum werden meine Sämlinge lang, dünn und blass?

Lange, dünne und blasse Triebe heißen vergeilt, in der Fachsprache Etiolierung. Solche Triebe entstehen leicht, wenn Jungpflanzen zu wenig Licht bekommen oder zu warm stehen. Je wärmer der Platz ist, desto heller muss er sein, weil Wärme bei Lichtmangel übermäßiges Längenwachstum begünstigt.

So greifst du ein:

  • Stell die Schale an den hellsten Platz, den du hast, und schütze frisch gekeimte Sämlinge zunächst vor praller Sonne.
  • Senke die Temperatur auf den Wert der Art. Tomatenjungpflanzen ziehst du nach dem Topfen bei 16 bis 18 °C weiter.
  • Setz Tomatensämlinge beim Pikieren tiefer in das Substrat.

Wer zu früh auf der Fensterbank sät, bekommt bei kurzen Tagen und Lichtmangel leicht lange, dünne Triebe. Solche bleichen, weich gewachsenen Pflanzen sind nach dem Auspflanzen krankheitsanfälliger und wachsen langsamer an. Der Vorsprung einer sehr frühen Aussaat kann also im Beet wieder verloren gehen.

Unter einer Pflanzenlampe gibt es das umgekehrte Problem: Sind die Pflanzen zu dicht an die LED herangewachsen, können hohe Belichtungsintensitäten die Blätter schädigen. Die Richtwerte für Licht und Temperatur je Kultur stehen im Überblick im Abschnitt Jungpflanzenpflege.

Helle, violette oder braune Blätter: Fehlt wirklich Dünger?

Verfärbte Blätter verleiten zum Düngen. Keimlinge zehren aber zunächst von den Nährstoffreserven im Samen, und das Substrat kann für Jungpflanzen schon genügend Nährstoffe enthalten. Lies die Blätter deshalb als Hinweis und prüfe die Bedingungen, bevor du düngst.

Was du siehst Kann hindeuten auf
Ältere Blätter werden gelb Stickstoffmangel
Junge Blätter vergilben zwischen den Blattadern Eisenmangel
Braune Ränder an älteren Blättern Kaliummangel
Dunkle, fast violette Verfärbung Phosphormangel
Zahl im Blick

Phosphor wird bei einem pH über 7 sowie bei Temperaturen unter 12 °C schlecht aufgenommen; das gilt für die Bio-Gemüsejungpflanzenanzucht.

Eine violette Verfärbung kann auf Phosphormangel hindeuten, und Phosphor wird in der Kälte schlecht aufgenommen. Auf einer kalten Fensterbank kann die Verfärbung also auch an der Temperatur liegen und nicht an der Erde. Stell die Schale wärmer und beobachte die neuen Blätter, bevor du düngst.

In torffreier Erde kommt ein zweiter Fall dazu. Beim Abbau von Holzfasern können Mikroorganismen Stickstoff binden, sodass hellgrüne Blätter dort auf fehlenden Stickstoff hindeuten können. Stimmen Wärme, Feuchte und Erde und die Blätter bleiben trotzdem hell, düngst du nach der Angabe auf der Packung. Mehr hilft dabei nicht mehr, denn auch organische Dünger können bei übermäßiger Gabe den Pflanzen schaden.

Kann zu viel Salz in der Erde der Grund sein?

Stockt das Wachstum gleich nach dem Auflaufen, sieh dir die Erde an. Ist der Salzgehalt des Topfsubstrats zu hoch, kann das bei Jungpflanzen die Anfangsentwicklung verlangsamen und Wurzelspitzen schädigen.

Zahl im Blick

Aussaaterde sollte beim Salzgehalt unter 0,5 g/l liegen. Pikiersubstrat darf bis zu 1,5 g/l haben, Topferde für Kübel und Blumenkästen 2,5 bis 3 g/l.

Drei Erden sind bei der Fehlersuche verdächtig:

  • Topferde für Kübel, weil sie mehr Salz enthalten darf als Aussaaterde.
  • Lange gelagerte torffreie oder torfreduzierte Erde, weil organische Bestandteile Nährstoffe freisetzen und den Salzgehalt erhöhen können.
  • Gebrauchte, regelmäßig gedüngte Blumenerde, weil sich darin Nährsalze anreichern können.

Reiner Kompost eignet sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts ebenfalls nicht als Anzuchterde. Topferde darf mehr Salz enthalten als Aussaaterde, und ein zu hoher Salzgehalt kann Wurzelspitzen schädigen. Wer den Rest aus dem Kübelsack für die Aussaat nimmt, riskiert also genau den Schaden, den salzarme Aussaaterde vermeiden soll. Säe im Zweifel neu in frische Aussaaterde und lagere angebrochene Säcke gut verschlossen, kühl und schattig.

Warum welken Sämlinge, obwohl die Erde feucht ist?

Welke bei feuchter Erde kann auf geschädigte Wurzeln hindeuten. Braune, weiche Wurzeln an welkenden Pflanzen können ein Zeichen für Wurzelfäule sein. Auch die Luft kommt als Ursache infrage: Trockene Heizungsluft unter der Fensterbank kann die Verdunstung so antreiben, dass die Wurzeln mit der Wasseraufnahme nicht nachkommen.

Bei torffreier Erde kommt eine Täuschung hinzu. Die Oberfläche kann schon trocken sein, während es unten im Topf noch nass ist, und Wurzeln brauchen nach dem Gießen wieder Luft. Wer nur nach der Oberfläche gießt, nimmt den Wurzeln also leicht die Luft, obwohl die Erde oben trocken wirkt. Ich stecke deshalb den Finger tiefer in die Erde und hebe den Topf an, bevor ich zur Kanne greife. Die Gießverfahren für Schale und Topf stehen im Überblick im Abschnitt Gießen.

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Welche Schädlinge treten in der Anzucht auf?

Kleine dunkle Mücken, die beim Gießen von der Erde auffliegen, können Trauermücken sein. Lästig sind die erwachsenen Tiere, den Schaden können ihre Larven anrichten. Die Larven können neben organischem Material auch Wurzeln und Stängel junger Pflanzen schädigen und vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde.

Gelbtafeln ohne Insektizid fangen die erwachsenen Mücken. Setz sie nur in Wohnräumen ein, damit draußen keine anderen Tiere daran hängen bleiben. An der Ursache ändern die Tafeln nichts, dafür muss die Erde feucht statt nass bleiben.

Trauermückenlarven vermehren sich besonders in ständig zu nasser Erde, und auch die Erreger der Stängelgrundfäule verbreiten sich im nassen Substrat. Wenn du das Gießen korrigierst, gehst du also beide Probleme zugleich an.

Silbrig graue Flecken auf den Blättern können auf Thripse hindeuten, die am Blatt saugen und junges Blattgewebe verformen können. Blattläuse saugen Pflanzensaft, und Spinnmilben hinterlassen Saugspuren. Bei allen gilt dieselbe Reihenfolge: vorbeugen, kontrollieren, Befallenes entfernen.

Mythos-Check

Schmierseife und Rapsöl gelten als Hausmittel gegen saugende Insekten, weil sie die Tiere benetzen sollen. Nasse Erde, stehende Luft und zu wenig Licht behebt ohnehin kein Hausmittel.

Wann kommen Pflanzenschutzmittel infrage?

Chemische Pflanzenschutzmittel sind in der Anzucht das letzte Mittel. Wenn du eines erwägst, sind die aktuelle Zulassung für Haus- und Kleingarten und die Gebrauchsanweisung maßgeblich. Dazu gehören Schutzkleidung, Wartezeit und die Entsorgung nach Vorschrift. Bedenke außerdem, dass ein Mittel Nützlinge treffen kann.

Lösen sich Anzuchttöpfe auf?

Das hängt vom Material ab. Töpfe aus Ton und Kunststoff lösen sich nicht auf, und Tontöpfe lassen sich nach dem Reinigen wiederverwenden. Kokosquelltöpfe bleiben an der Pflanze. Haben Tomaten, Paprika oder Chili den Quelltopf durchwurzelt, setzt du ihn mitsamt der Pflanze in einen größeren Topf mit nährstoffreicher Erde. Töpfe aus biologisch abbaubarem Material sind dafür gedacht, mit in die Erde zu kommen. Ähnlich verrottet das Papier eines Saatbands nach der Keimung im Boden und muss nicht herausgezogen werden. Wie schnell ein bestimmter Topf zerfällt, lässt sich nicht pauschal sagen, deshalb richtest du dich nach der Angabe auf der Packung.

Werden Pflanzen in Kokos-Quelltabletten hell, kann das auf fehlende Nährstoffe hindeuten, denn die spätere Versorgung hängt dort von Kultur und Produkt ab. Welche Gefäße es sonst gibt, zeigt der Überblick im Abschnitt zu Gefäßen, Abdeckungen und Gewächshaus.

Was tun, wenn es erst nach dem Pikieren oder im Beet hakt?

Hängen Sämlinge nach dem Pikieren, prüfe Zeitpunkt und Art. Pikiert wird, sobald nach den Keimblättern die ersten Laubblätter erscheinen; Gurken, Kürbisse und Zucchini säst du gleich einzeln in Töpfe, um Wurzelschäden zu vermeiden. Die Handgriffe beschreibt der Überblick im Abschnitt Jungpflanzenpflege.

Leiden Jungpflanzen, sobald sie draußen stehen, kamen sie womöglich zu schnell in die Sonne. Fruchtgemüse gewöhnst du bei geeigneter Witterung tagsüber zuerst im Halbschatten und erst danach in der Sonne an das Freiland. Den Ablauf beschreibt der Überblick im Abschnitt Abhärten und Auspflanzen.

Manche Fehler aus der Anzucht zeigen sich erst im Beet. Stehen Blumenkohl, Frühkohl, Kohlrabi oder Sellerie in der Anzucht unter 14 bis 16 °C, droht vorzeitiges Schossen. Stockt eine frisch gepflanzte Tomate, kann Kälte der Grund sein, denn Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika und Gurken kann schon bei niedrigen Plusgraden im Wachstum stocken.

Den gesamten Ablauf im Zusammenhang findest du im Ratgeber, wie die Anzucht von der Saat bis zum Auspflanzen abläuft.

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Neu säen oder Jungpflanzen kaufen?

Nicht jede Schale lässt sich retten, und nicht jede Kultur lässt einen zweiten Anlauf gleich gut zu. Gurken kommen mit 2 bis 3 Wochen Vorkultur aus. Zucchini und Kürbis säst du etwa 4 Wochen vor dem Auspflanzen. Paprika ziehst du für eine Pflanzung im Mai dagegen schon etwa zwischen Februar und Anfang März vor.

Gurken brauchen nur eine kurze Vorkultur, und frostempfindliches Fruchtgemüse kommt als Richtwert erst Mitte Mai ins Freiland. Fällt eine Gurkenaussaat im April aus, ist ein zweiter Anlauf also noch gut möglich. Freilandgurken kannst du im Normalanbau ab Mitte Mai auch direkt säen, wenn der Boden mindestens 12 °C hat. Bei Paprika können im späten Frühjahr kräftige, gesunde Jungpflanzen vom Gärtner die eigene Anzucht ersetzen. Die Termine weiterer Kulturen stehen im Überblick im Abschnitt Aussaattermin und Aussaatkalender.

Marias Erfahrung

Ich trage jeden Ausfall mit Sorte, Datum, Standort und vermuteter Ursache ins Gartentagebuch ein. Dort halte ich auch fest, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln, damit die nächste Planung auf eigenen Beobachtungen aufbaut.

Häufige Fragen

Wie erkennst und behebst du häufige Probleme bei der Keimung von Saatgut?
Keimt nichts oder nur lückig, prüfst du zuerst Temperatur, Saattiefe und Feuchte, denn Keimtemperatur und Saattiefe sind Artwerte. Die Erde soll gleichmäßig feucht und niemals nass sein, das zeigt dir die Fingerprobe vor dem Gießen. Bei älterem Saatgut klärt eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen, ob es noch ausreichend keimt. Kommt Schimmel auf der Erde immer wieder, steckt häufig zu viel Gießwasser oder schlechte Durchlüftung dahinter.
Was ist die Umfallkrankheit (Damping-off) und wie kannst du ihr vorbeugen?
Von Umfallkrankheit spricht man, wenn junge Sämlinge am Stängelgrund erkranken und umkippen. Typisch für die Pythium-Stängelgrundfäule ist ein glasiger bis brauner Stängelgrund, der sich einschnürt und fault. Die Erreger können sich bei hoher Feuchtigkeit über bewegliche Sporen im nassen Substrat verbreiten, deshalb senken lockere Aussaat, gute Durchlüftung und feuchte statt nasse Erde das Risiko. Befallene Sämlinge nimmst du sofort aus der Anzucht; sicher ausschließen lässt sich die Krankheit damit nicht.
Wie kann die Etiolierung bei Sämlingen praktisch vermieden werden?
Etiolierung, also das Vergeilen, zeigt sich an langen, dünnen und blassen Trieben. Das passiert leicht, wenn Sämlinge zu wenig Licht bekommen oder zu warm stehen, weil Wärme bei Lichtmangel übermäßiges Längenwachstum begünstigt. Stell die Schale deshalb an den hellsten Platz und halte sie nach der Keimung so kühl, wie es zur Art passt; Tomatenjungpflanzen werden nach dem Topfen bei 16 bis 18 °C weitergezogen. Säe außerdem nicht zu früh, denn Fensterbankaussaaten können bei kurzen Tagen und Lichtmangel lange, dünne Triebe entwickeln.
Welche Rolle spielen Temperatur und Feuchtigkeit bei der Anzucht von Sämlingen?
Beide entscheiden mit, ob Samen keimen und Sämlinge gesund bleiben, und die Temperatur ist ein Artwert. Tomaten und Paprika keimen im Bereich von 22 bis 25 °C. Salat kann dagegen schon über 20 °C eine Keimhemmung zeigen. Das Substrat soll gleichmäßig feucht und niemals nass sein, denn in ständig zu nasser Erde vermehren sich Trauermückenlarven besonders stark, und die Erreger der Stängelgrundfäule können sich im nassen Substrat verbreiten.
Welche Substrate eignen sich am besten für die Anzucht verschiedener Pflanzenarten?
Für die Aussaat eignet sich nährstoffarmes, humoses und durchlässiges Anzuchtsubstrat. Der Salzgehalt einer Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen, denn ein zu hoher Salzgehalt kann bei Jungpflanzen die Anfangsentwicklung verlangsamen und Wurzelspitzen schädigen. Beim Pikieren darf der Salzgehalt des Substrats bis zu 1,5 g/l betragen. Reiner Kompost eignet sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts nicht als Anzuchterde.
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