Gemüse in Töpfen und Kübeln düngen: wie Volumen, Gießen und Erdvorrat die Gabe bestimmen
- Angaben je Liter Substrat rechnest du auf das Volumen deines Gefäßes hoch, bei gekauftem Dünger gilt die Dosierungsanweisung auf der Verpackung.
- Für Kübeltomaten in torffreiem Substrat nennt die Bayerische Gartenakademie vor der Pflanzung etwa 5 g Hornmehl oder Horngrieß je Liter Substrat.
- Bei leicht löslichen mineralischen Düngern kann beim Gießen Stickstoff ausgewaschen werden, bedarfsgerecht verteilte Gaben begrenzen die Verluste.
- Düngerlösung kommt nur auf feuchte Erde, bei großer Hitze schwach konzentriert auf vorher angefeuchtete Erde und nicht über die Pflanzen.
- Die meisten Pflanzerden bringen eine Grunddüngung mit, torffreie Erde kann trotzdem zeitweise zu wenig pflanzenverfügbaren Stickstoff liefern.
- Depotdünger und organische Dünger geben ihre Nährstoffe je nach Feuchte und Temperatur frei, nicht nach Kalender.
Im Kübel wurzelt dein Gemüse nur in der Erde, die du eingefüllt hast. Wie viel Dünger dort hineingehört, hängt deshalb am Volumen des Gefäßes. Dazu kommt das Gießen: Stickstoff aus leicht löslichen mineralischen Düngern kann mit dem Wasser ausgewaschen werden, das unten abläuft. Ich schaue darum an jedem Kübel auf drei Dinge, bevor ich Dünger anrühre. Das sind die Literzahl, die Feuchte weiter unten und der Vorrat, der schon in Erde und Dünger steckt.
Welche Gemüse wie viel Stickstoff brauchen und wie du sie durch die Saison versorgst, liest du im Ratgeber, wie du Balkongemüse nach Zehrergruppe und Wachstumsphase düngst.
Wie viel Dünger passt zu wie viel Erde?
Im Gefäß ist das Substrat zugleich Wurzelraum und Nährstoffspeicher. Deshalb werden manche Empfehlungen nicht je Pflanze, sondern je Liter Substrat angegeben. Ein Beispiel stammt von der Bayerischen Gartenakademie für Tomaten im Kübel mit torffreiem Substrat: Vor dem Pflanzen mischst du etwa 5 g Hornmehl oder Horngrieß je Liter Substrat unter. Auch die beiden Nachdüngungen werden je Liter bemessen.
| Angabe | Wert | Gilt für |
|---|---|---|
| Gefäßvolumen, Mindestempfehlung | 8 bis 10 l je nach Fachquelle | Fruchtgemüse wie Tomaten und Gurken; Untergrenze, kein Optimum |
| Substratvolumen, optimal | 35 bis 40 l | hochwachsende Stabtomate, die bis zum Herbst Früchte trägt |
| Startgabe vor der Pflanzung | etwa 5 g Hornmehl oder Horngrieß je Liter Substrat | Kübeltomaten in torffreiem Substrat |
| Erste Nachdüngung | etwa 4 Wochen nach der Pflanzung 2 bis 3 g Hornmehl je Liter Substrat | Kübeltomaten in torffreiem Substrat |
| Zweite Nachdüngung | etwa 8 Wochen nach der Pflanzung 2 bis 3 g Hornmehl je Liter Substrat | Kübeltomaten in torffreiem Substrat |
Für deinen Kübel nimmst du die Literzahl mal den Wert je Liter. Ich schreibe mir deshalb beim Befüllen auf, wie viele Liter Erde in jedes Gefäß gegangen sind. Die Literzahl steht auf dem Erdsack, so muss ich später nicht schätzen.
Die Startgabe wird je Liter bemessen, und für eine Stabtomate, die bis zum Herbst tragen soll, gelten 35 bis 40 Liter als optimal. Ein Kübel an der Untergrenze hält für diese lange Saison also auch einen kleineren Startvorrat bereit.
Bei gekauftem Dünger richtet sich die Menge nach der Dosierungsanweisung auf der Verpackung. Mengen für Langzeitdünger, Granulat und Düngesticks je Topf findest du im Ratgeber, wie du Dünger für Balkon- und Kübelpflanzen richtig dosierst.
Neben dem Volumen zählt der Wasserabzug: Gefäße mit torffreier Erde prüfst du vor dem Befüllen auf Abzugslöcher. Größe, Tiefe und DrainageDrainage bedeutet, dass überschüssiges Wasser aus der Erde abfließen kann, damit keine Staunässe entsteht. Im Pflanzgefäß sorgen dafür Abzugslöcher und eine grobe Drainageschicht, etwa aus Tonscherben oder Blähton. behandelt der Abschnitt Gefäß und Drainage im Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten. Wie du auf wenig Fläche trotzdem Gemüse unterbringst, zeigt der Ratgeber, wie du einen kleinen Balkon platzsparend mit Gemüse nutzt.
Was passiert beim Gießen mit dem Dünger im Topf?
Pflanzenwurzeln nehmen Nährstoffe als Ionen auf, die im Bodenwasser gelöst sind. Beim Gießen durchfeuchtest du das Substrat bis zum Topfboden, und überschüssiges Wasser läuft durch die Ablauflöcher ab. Bei leicht löslichen mineralischen Düngern kann dabei Stickstoff ausgewaschen werden. Verteile solche Dünger bedarfsgerecht auf mehrere Gaben, damit die Verluste begrenzt bleiben.
AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. heißt, dass gelöste Nährstoffe mit dem Gießwasser aus dem Wurzelraum abfließen. Im Topf betrifft das zum Beispiel Stickstoff aus leicht löslichen mineralischen Düngern.
Fruchtgemüse in kleinen Balkongefäßen braucht an heißen Tagen tägliche Bewässerung. Wer dort im Hochsommer jeden Tag gießt und einen leicht löslichen Dünger verwendet, verteilt ihn deshalb besser auf Gaben nach Bedarf, statt alles auf einmal zu geben.
Düngerlösung gibst du nur auf feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen. Bei großer Hitze und langen Trockenphasen feuchtest du die Erde vorher an. Dann gießt du eine schwach konzentrierte Lösung auf die Erde und nicht über die Pflanzen.
Den ausgetrockneten Topf gleich mit Düngerlösung gießen, damit die Pflanze schnell etwas bekommt. Gib zuerst klares Wasser und dünge danach auf die feuchte Erde, sonst riskierst du Wurzelschäden.
Ob die Erde feucht genug ist, zeigt sich weiter unten im Topf. Bei torffreiem Substrat kann die Oberfläche schon trocken sein, während der untere Bereich noch feucht ist. Vor dem Gießen hebe ich jeden Kübel kurz an und stecke den Finger tiefer in die Erde. Mehr dazu steht im Abschnitt Gießen des Ratgebers zum Balkon- und Kübelgarten.
Welcher Vorrat steckt schon in Erde und Dünger?
Die meisten handelsüblichen Pflanzerden bringen schon eine Grunddüngung mit. Für Kübelpflanzen gilt: Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Blumenerde brauchen sie in den ersten 4 bis 6 Wochen keine zusätzliche Düngung. Startvorrat und Rhythmus danach ordnet der Abschnitt Düngen im Kübel des Ratgebers zum Balkon- und Kübelgarten ein. Wie du frisch gesetzte Pflanzen weiter versorgst, beschreibt der Ratgeber, wie du Neuanpflanzungen auf dem Balkon bis zum Ende der Anwuchsphase düngst.
Torffreie Erde braucht einen zweiten Blick. Auch vorgedüngt kann sie durch ihre Ersatzstoffe zeitweise zu wenig pflanzenverfügbaren Stickstoff liefern. Heller werdendes Laub kann ein Hinweis darauf sein.
Wie viele Nährstoffe ein Substrat festhalten kann, hängt auch an seinen Bestandteilen. Perlit und Blähton haben nur eine geringe Nährstoffpufferung. VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe. kann dagegen als Tonmineral Nährstoffkationen puffern.
Depotdünger und organische Dünger
Langzeitdünger ergänzen den Vorrat der Erde. Bei umhüllten mineralischen Depotdüngern verzögert eine Hüllschicht die Freisetzung der Nährstoffe. Wie sie verläuft, hängt von Feuchtigkeit, Temperatur und der Formulierung des Produkts ab. Du mischst Langzeitdünger gleichmäßig ins Substrat oder verteilst ihn an der Oberfläche, deckst ihn mit Erde ab und gießt danach von oben.
Bei organischen Düngern wie Hornmehl setzen Mikroorganismen die Nährstoffe frei. Wärme und Bodenfeuchte begünstigen das. Beide Vorräte laufen also nicht nach Kalender ab: Wie viel gerade frei wird, hängt bei DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt. wie bei organischem Dünger an Temperatur und Feuchte im Topf. Schau deshalb auf die Pflanze und nicht nur auf das Datum der letzten Gabe.
Ein Liter Kompost enthält je nach Zusammensetzung durchschnittlich 3 bis 7 g GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist.. Im ersten Jahr nach der Gabe stehen den Pflanzen davon nur etwa 10 bis 30 Prozent zur Verfügung. Gesiebt kann er dem Substrat im Balkonkasten mit einem Anteil von höchstens 30 Prozent beigemischt werden.
Auch der pH-Wert entscheidet mit: Steigt er im Substrat, nimmt die Verfügbarkeit von Eisen, Mangan, Kupfer, Zink und Bor ab. Wohin er sich im Topf entwickelt, hängt an der Stickstoffform des Düngers, der CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. des Gießwassers und der begrenzten Pufferung des Substrats. HauptnährstoffeHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund., pH-Wert, Kompost und Hornmehl erklärt der Abschnitt Nährstoffe und Düngerarten im Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten genauer.
Wie viel Vorrat braucht welche Kultur?
Beim Stickstoff zählen Tomaten zur hohen, Möhren und Spinat zur mittleren sowie Radieschen, Erbsen und Bohnen zur niedrigen Bedarfsgruppe. Braucht Fruchtgemüse während des Fruchtwachstums eine Nachdüngung, eignet sich handelsüblicher Flüssigdünger. Wann du im Jahreslauf mit dem Düngen beginnst und aufhörst, liest du im Ratgeber, wie du Balkon- und Kübelpflanzen übers Jahr düngst.
Wann düngst du nach, und wann wartest du besser?
Welkt eine Pflanze, obwohl die Erde feucht ist, dünge ich nicht nach. Schlaffe, welke Blätter können neben TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. auch auf beginnende Wurzelfäule hinweisen, und kranke Pflanzen bekommen erst nach ihrer Erholung wieder Dünger. Ist ein Mangel dagegen festgestellt, können mineralische und flüssige Dünger ihn in torffreier Gefäßerde vergleichsweise schnell ausgleichen. Symptome und Überdüngung behandelt der Abschnitt Nährstoffmangel und Überdüngung im Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten.
Diese Punkte gehe ich vor jeder Gabe durch.
- Wie viele Liter Substrat hat das Gefäß?
- Ist die Erde auch weiter unten feucht?
- Welcher Vorrat steckt schon drin, aus vorgedüngter Erde, Langzeitdünger oder Hornmehl?
- Was sagt die Dosierungsanweisung auf der Verpackung?
- Ist die Pflanze gesund, und welkt sie nicht trotz feuchter Erde?
Den Zettel mit der Literzahl klebe ich direkt an den Kübel, dazu kommen die Erdsorte und das Datum der letzten Gabe. Vor dem nächsten Düngen lese ich zuerst den Zettel und schaue dann auf die Blätter.

