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pH-Wert und Nährstoffaufnahme bei Balkonpflanzen: Erde messen und senken

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Mit steigendem pH-Wert im Substrat sinkt die Verfügbarkeit von Eisen, Mangan, Kupfer, Zink und Bor.
  • Kulturheidelbeeren im Kübel brauchen ein saures Substrat mit ungefähr pH 4,0 bis 5,0.
  • Für Rhododendren sollte der pH-Wert nicht über 5,5 liegen.
  • Kompost liegt bei pH 6,5 bis 7,5 und passt wegen seiner Kalkwirkung nicht zu Moorbeetpflanzen.
  • pH-Werte nur mit derselben Messlösung vergleichen und die Elektrode vorher kalibrieren.
  • Zum Senken nacheinander prüfen: Gießwasser, Stickstoffform des Düngers, Substrat.

Bevor ich bei einer blassen Kübelpflanze nachdünge, messe ich den pH-Wert der Erde. Er entscheidet mit darüber, ob die Wurzeln an die Nährstoffe im Topf überhaupt herankommen. Liegt er für die Pflanze zu hoch, kann sie unterversorgt sein, obwohl die Nährstoffe in der Erde vorhanden sind. Im Kübel hast du dabei einen Vorteil: Erde, Gießwasser und Dünger lassen sich einzeln prüfen und ändern.

Wie der pH-Wert die Nährstoffaufnahme beeinflusst

Pflanzenwurzeln nehmen Nährstoffe als Ionen auf, die im Bodenwasser gelöst sind. Was nicht gelöst vorliegt, kommt bei der Pflanze nicht an. Wie viel verfügbar bleibt, hängt auch am pH-Wert des Substrats. Mit steigendem pH nimmt die Verfügbarkeit von Eisen, Mangan, Kupfer, Zink und Bor ab.

Alle fünf zählen zu den Spurennährstoffen. Eisen ist an der Photosynthese beteiligt und für Enzyme der Chlorophyllsynthese von Bedeutung. Steigt der pH-Wert im Topf, kann also ausgerechnet die Bildung von Blattgrün leiden, obwohl Eisen in der Erde steckt. Welche Aufgaben die übrigen Haupt- und Spurennährstoffe übernehmen, erkläre ich im Ratgeber dazu, wie du die Nährstoffversorgung deiner Balkonpflanzen sicherst.

Warum im Kübel drei Dinge zusammenspielen

Im Kübel entwickelt sich der pH-Wert aus drei Faktoren zugleich: der Stickstoffform des Düngers, der Carbonathärte des Gießwassers und der begrenzten Pufferung des Substrats. Keiner davon wirkt allein. Wer einen ungünstigen Wert misst, schaut deshalb auf alle drei und nicht nur auf die Erde.

pH-Wert der Erde messen: so gehe ich vor

Ich messe vor jeder Änderung an Erde, Wasser oder Dünger und danach noch einmal. Für den Hausgebrauch gibt es Teststreifen und Messgeräte mit Elektrode. Ein Gerät mit Elektrode misst nur dann zuverlässig, wenn du es vorher mit geeigneten Pufferlösungen kalibrierst.

Zahl im Blick

Eine pH-Elektrode wird zum Beispiel mit Pufferlösungen bei pH 4 und pH 7 kalibriert. Erst danach kommt sie in die Probe.

Die Messlösung gehört zum Wert

Für eine vergleichbare Messung setzt du die Erde mit einer Messlösung an: Wasser, Calciumchlorid- oder Kaliumchloridlösung. Je nach Lösung kann dieselbe Erde unterschiedliche Werte zeigen. Ein Wert ohne Angabe der Messlösung lässt sich deshalb kaum vergleichen. Stell deine Werte nur nebeneinander, wenn sie mit derselben Lösung entstanden sind.

Marias Erfahrung

Neben jeden Messwert schreibe ich das Datum, die Messlösung und ob ich zuvor Wasser, Dünger oder Erde gewechselt habe. Die Probe nehme ich aus dem Wurzelraum und nicht nur von der obersten Schicht.

Wann ich messe und wann ein Labor weiterhilft

Ich messe, bevor ich umtopfe, wenn ich Dünger oder Gießwasser wechsle und wenn Blätter sich verfärben. Eine Vergilbung junger Blätter bei grünen Blattadern kann bei Zimmerpflanzen auf Eisenmangel hindeuten. Vergilbung kann aber auch von Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress kommen. Wie du solche Blattbilder einordnest, steht im Abschnitt Nährstoffmangel und Überdüngung im Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten.

Bei hartnäckigen Verfärbungen lohnt eine Laboruntersuchung. Für Koniferen mit verfärbten Nadeln sollte die Düngung auf einer Analyse beruhen, die den pH-Wert einschließt. Der Grund: Ähnliche Schäden können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Kurz erklärt

Ein Leitfähigkeitsmessgerät (EC) erfasst den gesamten Salzgehalt, auch Ionen, die keine Nährstoffe sind. Einen einzelnen Nährstoff bestimmt es nicht. Auch in Systemen mit umlaufender Nährlösung verhindert die Steuerung allein über EC- und pH-Wert bei längerem Umlauf keine Über- oder Unterversorgung mit einzelnen Nährstoffen.

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Den Messwert deuten: welcher pH-Wert zu welcher Pflanze passt

Ob dein Wert passt, hängt an der Pflanze. Für manche Gruppen gibt es klare Zahlen, für andere nur eine Einordnung in Worten. Die Übersicht zeigt, woran ich mich bei einigen typischen Balkon- und Kübelpflanzen orientiere.

Pflanze oder Material pH-Angabe Worauf du achtest
Kulturheidelbeere im Kübel ungefähr 4,0 bis 5,0 saures Substrat; in einem Erwerbsanbauversuch wurden 4,5 bis 5,5 genannt
Rhododendron nicht über 5,5 Wert vor dem Umtopfen prüfen
Fächerblume, Surfinie, Zitrusgewächse kein Zahlenwert komposthaltige Eigenmischungen können wegen ihres erhöhten pH-Werts ungeeignet sein
Schmucklilie verträgt schwach sauer, neutral und schwach alkalisch qualitative Eignung, kein Zahlenbereich; leichter, sehr gut durchlässiger Boden mit reichlich Laubhumus
Buchsbaum sauer, neutral und alkalisch Zeigerwert nach Ellenberg für die Bodenreaktion: 8 auf der Skala von 1 (stark sauer) bis 9 (basisch, kalkreich)
Kompost als Zuschlag 6,5 bis 7,5 Kalkwirkung, nicht für Heidelbeeren und andere Moorbeetpflanzen

Liegt dein Messwert knapp an einer Grenze, miss mit derselben Methode nach, bevor du eingreifst.

Säureliebende Pflanzen bekommen einen eigenen Kübel

Pflanzen mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen setze ich nicht zusammen in ein Gefäß. Eine Heidelbeere bekommt bei mir einen eigenen Kübel mit saurem Substrat. So stimme ich Erde und Gießwasser auf sie ab, ohne die Nachbarn mitzubehandeln.

Häufiger Fehler

Kompost als Bodenverbesserer in den Heidelbeerkübel mischen. Für Kompost wird ein pH-Bereich von 6,5 bis 7,5 angegeben, und wegen seiner Kalkwirkung eignet er sich nicht für Heidelbeeren und andere Moorbeetpflanzen.

Surfinien, Fächerblumen und Zitrus: Vorsicht mit Kompost

Komposthaltige Eigenmischungen können für Fächerblumen, Surfinien und Zitrusgewächse wegen ihres erhöhten pH-Werts ungeeignet sein. Das betrifft auch eine mögliche Balkonkastenerde mit 30 % vollständig verrottetem Kompost, weil ihr pH-Wert oft hoch liegt. Bei Surfinien solltest du außerdem die Eisenversorgung bei der Düngerwahl mitdenken. Da Eisen mit steigendem pH schlechter verfügbar wird, kann eine komposthaltige Mischung also genau die Eisenversorgung erschweren, auf die du beim Düngen achtest. Welcher Blühpflanzendünger zu Geranien, Petunien und Fuchsien passt, steht in einem eigenen Ratgeber.

pH-Wert der Erde senken: so gehe ich im Kübel vor

Liegt der Wert für deine Pflanze zu hoch, suche ich zuerst die Ursache. Infrage kommen Gießwasser, Dünger und Substrat. Ich ändere immer nur eines davon und messe danach erneut, damit ich sehe, was den Wert verschiebt.

Gießwasser: Regenwasser für kalkempfindliche Pflanzen

Leitungswasser kannst du für Kübelpflanzen grundsätzlich verwenden. Achte dabei auf seinen Kalkgehalt und auf die Ansprüche deiner Pflanze. Kalkempfindliche Pflanzen gießt du vorzugsweise mit Regenwasser. Ich fange dafür Regenwasser in einer Tonne auf und nehme es für meine Heidelbeerkübel.

Tipp

Wie hart dein Leitungswasser ist, erfährst du bei deinem örtlichen Wasserversorger. Mit dieser Angabe weißt du, ob dein Gießwasser viel Kalk in den Topf bringt.

Substrat: beim Umtopfen neu anfangen

Im Kübel lässt sich die Erde vollständig austauschen. Eine Pflanze, die saures Substrat braucht, setze ich beim Umtopfen in ausgewiesen saure Erde und mische keinen Kompost bei. Der obere Durchmesser des neuen Topfes soll dabei mindestens 2 cm größer sein als beim alten. Kommt eine Pflanze in ausreichend vorgedüngte Blumenerde, braucht sie in den ersten 4 bis 6 Wochen keine zusätzliche Düngung. Wie es danach weitergeht, beschreibt der Ratgeber zum Düngen frisch gepflanzter Balkonpflanzen.

Bei der Erde greife ich zu torffreier Qualitätserde mit mindestens 3 verschiedenen Torfersatzstoffen. Die Bezeichnung Bio-Erde garantiert keine Torffreiheit. Mehr zur Erdwahl steht im Abschnitt Erde und Substrat des Ratgebers zum Balkon- und Kübelgarten.

Dünger: auf die Stickstoffform schauen

Auch der Dünger wirkt auf den pH-Wert, und zwar über die Form, in der er Stickstoff enthält. Bei mineralischen Düngern ist auf der Packung meist aufgeschlüsselt, in welcher Form der Stickstoff vorliegt. Wie stark sich das im Topf zeigt, hängt zusätzlich an deinem Gießwasser und an der Pufferung der Erde. Nach einem Düngerwechsel vergleiche ich deshalb die nächsten Messwerte mit den alten. Die Menge richtet sich nach der Dosierungsanweisung auf der Packung.

Achtung

Düngerlösung gibst du nur auf feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen. Kranke Kübelpflanzen düngst du erst wieder, wenn sie sich erholt haben.

Organische Dünger setzen ihre Nährstoffe über Mikroorganismen frei, und Wärme und Bodenfeuchte begünstigen das. Mineralische und flüssige Dünger können einen festgestellten Mangel in torffreier Gefäßerde vergleichsweise schnell ausgleichen. Den Vergleich der Düngerarten vertieft der Abschnitt Nährstoffe und Düngerarten im Ratgeber zum Balkon- und Kübelgarten.

Wann und wie oft du über die Saison düngst, steht im Ratgeber, wie du Balkonpflanzen im Jahresverlauf düngst.

Und Kaffeesatz?

Kaffeesatz wird oft als Mittel zum Ansäuern genannt. Wenn du es ausprobierst, miss vorher und nachher mit derselben Methode.

Wenn die Erde zu sauer ist: pH-Wert anheben

Liegt der Wert für deine Pflanze zu niedrig, kannst du kalken. Wie viel, steht in den Anwendungshinweisen auf der Packung, danach misst du nach. Auch Kompost kann den Wert eher anheben, denn er wirkt kalkend. Für ihn wird ein pH-Bereich von 6,5 bis 7,5 angegeben. Gesiebt kann er Balkonkastensubstrat mit einem Anteil von höchstens 30 % beigemischt werden. Als Stickstoffquelle zählt er dabei nur zum Teil: Im ersten Jahr nach der Gabe stehen etwa 10 bis 30 % seines Gesamtstickstoffs zur Verfügung.

Jetzt dran

Nimm dir den Kübel vor, der dir Sorgen macht. Probe aus dem Wurzelraum nehmen, kalibriert messen, Messlösung notieren und den Wert mit dem Bereich deiner Pflanze vergleichen. Erst danach änderst du Wasser, Dünger oder Erde, eins nach dem anderen.

Häufige Fragen

Wie beeinflusst der Boden-pH die Nährstoffverfügbarkeit für Pflanzen?
Pflanzenwurzeln nehmen Nährstoffe als Ionen auf, die im Bodenwasser gelöst sind. Mit steigendem pH-Wert im Substrat nimmt die Verfügbarkeit von Eisen, Mangan, Kupfer, Zink und Bor ab. Eine Pflanze kann deshalb unterversorgt sein, obwohl diese Nährstoffe in der Erde vorhanden sind. Vor einer zusätzlichen Düngergabe lohnt darum eine pH-Messung.
Welche Methoden gibt es zur pH-Messung bei Substrat und Topferde?
Für den Hausgebrauch gibt es Teststreifen und Messgeräte mit Elektrode. Eine Elektrode misst nur zuverlässig, wenn sie vorher mit geeigneten Pufferlösungen kalibriert wurde. Werte aus Wasser-, Calciumchlorid- und Kaliumchloridextrakten können unterschiedlich ausfallen, deshalb gehört die Messlösung immer zum Ergebnis. Bei unklaren Schäden hilft eine Laboruntersuchung, die den pH-Wert einschließt.
Welchen pH-Wert brauchen Rhododendren und Heidelbeeren im Kübel?
Kulturheidelbeeren im Kübel brauchen ein saures Substrat mit einem pH-Wert von ungefähr 4,0 bis 5,0. In einem Erwerbsanbauversuch wurde für Heidelbeeren ein Bereich von 4,5 bis 5,5 genannt. Für Rhododendren sollte der pH-Wert nicht über 5,5 liegen. Kompost eignet sich wegen seiner Kalkwirkung nicht für Heidelbeeren und andere Moorbeetpflanzen.
Wie beeinflusst die Wasserhärte den pH-Wert im Kübel?
Die Carbonathärte des Gießwassers bestimmt die pH-Entwicklung im Substrat mit, zusammen mit der Stickstoffform des Düngers und der begrenzten Pufferung der Erde. Leitungswasser ist für Kübelpflanzen grundsätzlich verwendbar, sein Kalkgehalt und die Ansprüche der Pflanze sind dabei aber zu beachten. Kalkempfindliche Pflanzen gießt du vorzugsweise mit Regenwasser.
Welche praktischen Schritte helfen bei der pH-Korrektur von Topfpflanzen?
Miss zuerst mit einem kalibrierten Gerät und notiere die Messlösung. Prüfe dann nacheinander Gießwasser, Dünger und Substrat, weil alle drei die pH-Entwicklung im Topf beeinflussen. Säureliebende Pflanzen setzt du beim Umtopfen in saures Substrat ohne Kompost, kalkempfindliche gießt du mit Regenwasser. Ändere eine Sache nach der anderen und miss danach erneut.
Stimmt es, dass häufiges Umtopfen den pH-Wert automatisch korrigiert?
Nein, automatisch geschieht das nicht. Frische Erde bringt ihren eigenen Ausgangswert mit, komposthaltige Mischungen liegen zum Beispiel oft höher. Danach entwickelt sich der pH-Wert wieder aus der Stickstoffform des Düngers, der Carbonathärte des Gießwassers und der begrenzten Pufferung des Substrats. Prüfe deshalb neben der Erde auch Gießwasser und Dünger.
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