Kletterpflanzen insektenfreundlich düngen: Blüten statt bloßer Blattmasse
- Wilder Wein und Efeu liefern Bienen Nahrung, Jelängerjelieber-Arten auch Schmetterlingen.
- Stickstoff braucht die Pflanze vor allem für Blätter und Triebe, zusätzlich gibt es ihn nur nach Bedarf.
- Eine phosphatbetonte Düngung ist kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten.
- Mit jährlich etwa 3 l reifem Kompost je m² sind die Grundnährstoffe für die meisten Gartenpflanzen abgedeckt.
- Vergilbende Blätter können außer auf Nährstoffmangel auch auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress hindeuten.

Wenn du Kletterpflanzen für Bienen und Schmetterlinge setzt, willst du Blüten sehen und keine reine Blätterwand. Mehr Dünger bringt dich dem nicht automatisch näher, denn Stickstoff braucht die Pflanze vor allem für Blätter und Triebe. Auch ein Zuschlag Phosphat ist kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten. Ich plane an meinen Rankgittern deshalb zuerst die Blühzeiten. Gedüngt wird danach, und zwar nach Befund statt nach Gefühl.
Welche Kletterpflanzen Bienen und Schmetterlingen Nahrung bieten
Für Bienen zählt ein Angebot an Nektar und Pollen, das möglichst ohne Lücke durch die Saison reicht. Wilder Wein und Efeu liefern ihnen Nahrung. Jelängerjelieber-Arten dienen zusätzlich Schmetterlingen als Trachtquelle.
Beim Efeu kommt es auf das Alter der Triebe an. Die jugendlichen Klettersprosse bleiben ohne Blüten, erst die Altersform blüht, und zwar im September und Oktober. Willst du Bienen bis in den Herbst hinein ein durchgehendes Angebot machen, deckt ein Efeu in der Altersform also genau diese beiden Monate ab.
Für jede weitere Kletterpflanze stellst du dieselbe Frage: Wann blüht sie, und welche Wochen bleiben an deiner Wand ohne Blüte?
Für jede Kletterpflanze führe ich im Gartenheft eine Zeile mit dem Tag der ersten und der letzten offenen Blüte. Daneben notiere ich, wann und womit ich gedüngt habe. Aus diesen Zeilen lese ich ab, in welchen Wochen an meinen Rankgittern nichts blüht, und danach plane ich die nächste Pflanzung.
Warum mehr Dünger nicht automatisch mehr Blüten bedeutet
Stickstoff wird besonders für die Bildung und das Wachstum von Blättern und Trieben gebraucht. Bei Obstgehölzen und Beerensträuchern kann zu viel davon starkes Triebwachstum zulasten der Blüten- und Fruchtbildung auslösen. Dort drohen außerdem Frostschäden an unausgereiftem Holz. Ganz allgemein kann eine zu späte oder zu reichliche Düngung Stauden und Gehölze im Winter stärker gefährden.
Organische Dünger sind davon nicht ausgenommen, denn auch sie können bei übermäßiger Anwendung Pflanzen und Umwelt belasten. Stickstoff bekommen meine blühenden Kletterer deshalb nur, wenn Befund oder BlattbildDas Blattbild ist das sichtbare Erscheinungsbild der Blätter: Farbe, Flecken und das Muster von Verfärbungen. Es hilft dir einzuschätzen, ob einer Pflanze Nährstoffe fehlen oder ob eher eine Krankheit dahintersteckt. auf Bedarf hindeuten.
Ein Blütendünger mit viel Phosphat bringt mehr Blüten? Eine phosphatbetonte Düngung lässt sich nicht pauschal mit stärkerer Blütenbildung begründen. Aus Sicht der Pflanzenernährung ist ein phosphatbetonter Blütendünger keine sinnvolle pauschale Wahl. Was die Pflanze nicht aufnimmt, kann ausgewaschen werden, und übermäßige Phosphoreinträge fördern in Gewässern Algen und Wasserpflanzen, deren Abbau Sauerstoff verbraucht. Ein Phosphatzuschlag ohne Bedarf bringt deiner Kletterpflanze also keinen sicheren Blütengewinn, kann aber Gewässer belasten.
Grundlagen in Kürze: Nährstoffe, Zeitpunkt, Düngerwahl
Nährstoffe. Zu den Hauptnährstoffen zählen Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Calcium und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft., zu den Spurennährstoffen etwa Eisen und Mangan. Kalium beeinflusst den Innendruck der Pflanzenzellen und ist so wesentlich am Wasserhaushalt beteiligt. Wie die Nährstoffe zusammenwirken, erklärt der Abschnitt über Nährstoffe, Spurenelemente und Pflanzenbedarf im Überblick zu Düngen, Boden und Kompost.
Zeitpunkt. Im Garten ist eine Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung vorzuziehen, um Auswaschungsverluste zu verringern, mehr dazu im Abschnitt zum Düngen nach Bedarf im selben Überblick. Verholzende Kletterpflanzen behandle ich wie Ziergehölze: Nach Mitte Juli bekommen sie keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr, damit die Triebe vor dem Winter ausreifen. Den Ablauf übers Jahr zeigt der Ratgeber, welcher Dünger wann an deine Kletterpflanze gehört.
Düngerwahl. Mineralische Dünger decken mit meist leicht löslichen Nährstoffen einen kurzfristigen Bedarf rasch, organisch gebundene Nährstoffe müssen dagegen erst mineralisiert werden. Die Formen im Einzelnen ordnet der Abschnitt über Düngerarten und Düngerformen im selben Überblick ein. Für Kletterpflanzen vertiefen zwei eigene Ratgeber, wie du organischen und synthetischen Dünger abwägst und kombinierst und wann Langzeitdünger und wann schnell wirkender Dünger passt.
Natürliche Methoden. Mulchst du mit Holzhäcksel, Stroh oder Rindenmulch, kann deren Abbau Stickstoff binden, deshalb planst du vor dem Mulchen eine ergänzende Stickstoffversorgung ein. Für Pflanzenjauchen gibt es keine allgemeingültige Ausbringmenge oder Häufigkeit, weil Pflanzenbedarf und vorhandene Nährstoffe verschieden sind. Wie du Kletterpflanzen mit Kompost, Jauchen, Mulch und Gründüngung natürlich versorgst, zeigt ein eigener Ratgeber, die Grundlagen der Abschnitt über Mulchen, Gründüngung und natürliche Düngemethoden.
Erst der Befund, dann der Dünger
Ob und womit ich einen Kletterer nachdünge, entscheide ich nach einer Bodenuntersuchung. Die übliche Packungsempfehlung eines Gartendüngers geht von einer optimalen Bodenversorgung aus. Hat der Boden schon Kompost oder andere Dünger bekommen, passt du die Menge daran an. Dünger wiege ich ab, statt ihn nach Augenmaß zu streuen, weil sich die Produkte im Schüttgewicht unterscheiden.
Aus Befund und Kompostgabe ergibt sich, wie viel noch fehlt:
| Lage | Was daraus folgt |
|---|---|
| VersorgungsstufeDie Versorgungsstufe zeigt im Prüfbericht einer Bodenuntersuchung, wie gut dein Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Die Stufen reichen von A (sehr niedrig) über C (anzustreben) bis E (sehr hoch) oder F (überhöht). D bei einem Nährstoff | Nur 50 % des erwarteten Entzugs dieses Nährstoffs durch Düngung ersetzen |
| Versorgungsstufe E (sehr hohe Versorgung) | Zusätzliche Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend auf 0 reduzieren |
| Kompost als allgemeine Grundversorgung | Jährlich etwa 3 l reifer Kompost je m² im Frühjahr, flach eingearbeitet; über Abweichungen entscheidet die Bodenanalyse |
| Standarduntersuchung wiederholen | Allgemein alle 4 bis 5 Jahre, bei laufender Versorgungskorrektur alle 2 bis 3 Jahre |
Mit dieser Kompostgabe sind die Grundnährstoffe für die meisten Gartenpflanzen abgedeckt, zusätzlicher Stickstoff kommt nur nach Bedarf dazu. Eine Standarduntersuchung auf Phosphor, Kalium und pH liefert allerdings keinen Nmin-WertDer Nmin-Wert gibt an, wie viel mineralischer Stickstoff (Nitrat und Ammonium) im Boden steckt und damit den Pflanzen zur Verfügung steht. Er wird per Bodenprobe im Labor bestimmt und hilft dir, Stickstoff bedarfsgerecht zu düngen., den lässt du gesondert bestimmen. Beim Stickstoff gibt dir also weder der Kompost noch die Standarduntersuchung eine fertige Antwort. Ich schaue deshalb zusätzlich auf Wuchs und Blätter und rechne den Stickstoff mit ein, den eine dünne Mulchlage aus angewelktem Rasenschnitt nachliefert.
Für Kletterer im Kübel ist die Dosierungsanweisung des verwendeten Düngers maßgeblich. Düngerlösung gibst du nur auf bereits feuchte Erde, um Wurzelschäden zu vermeiden. Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Blumenerde braucht die Pflanze üblicherweise 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger.
Clematis: Wurzeln schonen, Wasser mitdenken
Bei Clematis achtest du besonders in den ersten beiden Standjahren auf eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung. Die fleischigen FeinwurzelnFeinwurzeln sind die dünnen, fein verzweigten Wurzeln einer Pflanze. Sie nehmen vor allem Wasser und Nährstoffe aus dem Boden auf, während die dicken Wurzeln der Pflanze Halt geben und Stoffe weiterleiten. liegen flach und sind empfindlich, deshalb schonst du sie bei jeder Arbeit im Wurzelbereich. Kompost wird ohnehin nur oberflächlich eingearbeitet, weil tiefer im Boden bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen können. Bei meiner Clematis verteile ich ihn obenauf und kratze ihn mit der Handgabel nur leicht ein.
Wurzeln nehmen Nährsalze in Wasser gelöst auf. In den ersten Standjahren gehört das Gießen deshalb zum Düngen dazu: Bleibt der Boden trocken, können trotz vorhandener Nährstoffe Mangelsymptome auftreten. Wie alle neu gepflanzten Stauden und Gehölze braucht auch eine junge Clematis in trockenen Phasen häufiger Wasser als ein eingewachsener Bestand.
Welkt eine Clematis plötzlich, kann das an ungeeignetem Boden, Temperaturstress, Wassermangel oder Pilzbefall liegen. Ich prüfe dann zuerst Bodenfeuchte und Standort, bevor ich über Dünger nachdenke.
Für eine durchdringende Bewässerung rechnest du je Gießgang mit 10 bis 20 l/m², abhängig von der Bodenart. Bodendünger bringst du möglichst auf feuchten Boden aus, er soll aber nicht auf nassen Blättern liegen bleiben, weil er dort Ätzschäden verursachen kann.
Gelbe Blätter, wenig Blüten: erst die Ursache klären
Vergilben Blätter und fallen ab, kann das auf Nährstoffmangel hindeuten. Es kann aber auch an Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. liegen. Bevor ich nachdünge, fühle ich die Erde am Wurzelfuß und schaue, ob alte oder junge Blätter betroffen sind.
Das Blattalter gibt einen Hinweis: Stickstoffmangel zeigt sich häufig an älteren Blättern. Hellen dagegen junge Blätter auf und die Adern bleiben grün, passt das zu Eisenmangel. Von ManganmangelManganmangel ist eine Unterversorgung der Pflanze mit dem Spurenelement Mangan. Er zeigt sich zuerst an jüngeren Blättern, etwa als abgestorbene Punkte oder Streifen, und entsteht oft, weil Mangan bei hohem pH-Wert oder Trockenheit für die Wurzeln nicht verfügbar ist. lässt sich das allerdings nicht immer sicher unterscheiden. Häufig fehlt dabei gar nicht das Eisen im Boden, sondern es ist bei zu hohem Boden-pH schlecht verfügbar. Eine Standarduntersuchung bestimmt Eisen nicht automatisch, die Spurenelementanalyse vereinbarst du gesondert mit dem Labor.
Frost, Trockenheit und Staunässe hemmen außerdem die NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. organischer Dünger. Eine zusätzliche Gabe behebt das akute Problem dann nicht zuverlässig.
Blüht ein Efeu nicht, kann das schlicht daran liegen, dass er nur jugendliche Klettersprosse trägt. Bei kräftigem Laub und wenig Blüten rechne ich zuerst nach, wie viel Stickstoff über Kompost, Mulch und Dünger schon in den Boden gekommen ist. Welche Fehler bei Dosis, Zeitpunkt und Wetter sonst typisch sind, zeigt der Ratgeber, wie du Düngefehler bei Kletterpflanzen vermeidest und korrigierst.
Vor jeder Düngergabe an einen Kletterer gehe ich fünf Fragen durch. Ist die Erde am Wurzelfuß feucht? Sind alte oder junge Blätter betroffen? Habe ich Kompost und Rasenschnitt-Mulch angerechnet? Ist der letzte Bodenbefund nicht älter als 4 bis 5 Jahre? Passt die Packungsmenge zu dem, was der Befund zeigt?