Linsen-Keimsprossen und Linsenwasser im Garten: ziehen, einarbeiten, kompostieren
- Für Keimsprossen nimmst du getrocknete, ungeschälte Linsen, die Keimdauer liegt bei 3 bis 5 Tagen.
- Linsenwasser ist Einweich- oder Spülwasser: als Gießwasser auf Erde brauchbar, als Dünger ohne planbare Wirkung.
- Sprossen sind organisches Material, dessen Nährstoffe das Bodenleben erst mineralisieren muss.
- Rohe Sprossenreste passen auf den Kompost, gekochte Linsen nicht, weil sie Ratten anlocken können.

Beim Keimen von Linsen bleibt immer etwas übrig: Einweichwasser, Spülwasser und manchmal ein Rest Sprossen. Ich fange das Wasser auf und gieße damit meine Topfpflanzen, übrige Sprossen kommen ins Beet oder auf den Kompost. Das ist sinnvolle Resteverwertung, aber kein Ersatz für eine Düngung nach Bedarf. Einen Nährstoffgehalt wie auf einem Düngeretikett haben Sprossen und Linsenwasser nicht, deshalb bekommst du hier Handgriffe statt Mengen.
Was bringt Linsenwasser deinen Pflanzen?
Mit Linsenwasser ist meist das Wasser gemeint, in dem Linsen vor dem Keimen einweichen oder später gespült werden. Was sich dabei aus den Samen löst, kannst du ohne Laboranalyse nicht beziffern. Als Dünger mit planbarer Wirkung taugt es deshalb nicht, als Gießwasser schon.
Ich gieße Linsenwasser im Beet direkt in den Wurzelbereich und in der Wohnung nur auf Topferde. Drinnen behandle ich es wie einen organischen Flüssigdünger: nicht in die HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze., weil es dort Geruchsprobleme geben kann. Ich gieße es gleich nach dem Spülen, statt es in der Kanne stehen zu lassen, denn Wasser mit organischen Bestandteilen kann sonst gären.
Gesalzenes Kochwasser kommt bei mir nicht in die Gießkanne. Salzhaltiges Gießwasser kann zum Beispiel im Gewächshaus Salze im Boden anreichern, weil dort kein Regen verdünnt.
Linsenwasser ist das Einweich- oder Spülwasser aus der Sprossenanzucht. Ein Sprossen-Tee entsteht, wenn du Sprossen in Wasser ansetzt und den Auszug gießt. Gärt ein solcher Ansatz, wird daraus eine PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung..
Wie ziehst du Linsen-Keimsprossen?
Für die Sprossenanzucht nimmst du getrocknete, ungeschälte Linsen. Gekeimt wird im Glas in der Wohnung, deshalb bist du an keine Jahreszeit gebunden.
| Schritt | So gehst du vor |
|---|---|
| Saatgut | getrocknete, ungeschälte Linsen |
| Einweichen | 24 Stunden lichtgeschützt in Wasser; das ist die allgemeine Regel für Hülsenfruchtsprossen |
| Spülen | ab dem zweiten Tag zwei- bis dreimal täglich kalt spülen, danach vollständig abtropfen lassen |
| Keimtemperatur | 18 bis 22 °C |
| Keimdauer | 3 bis 5 Tage |
Ich stelle das Glas nach jedem Spülen schräg kopfüber in eine Schale, damit das Wasser vollständig abläuft. Das Spülwasser fange ich in einer Kanne auf, das ist mein Linsenwasser für die Topfpflanzen. Sobald die Keimwurzeln sichtbar sind, entscheide ich, was in die Küche und was in den Garten geht.
Ich schreibe den Ansatztag mit einem Folienstift aufs Glas. So sehe ich beim Spülen, wie weit der Ansatz ist, und vergesse keinen Durchgang.
Wie wirken Sprossen im Boden?
Frische Sprossen sind pflanzliches Material, ihre Nährstoffe liegen organisch gebunden vor. Pflanzen nehmen Nährstoffe aber über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form auf. Erst wenn Bodenmikroorganismen die Sprossen mineralisiert haben, steht ihr Inhalt den Wurzeln zur Verfügung. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe wird dabei wenig frei, feuchtwarme Bedingungen fördern die Freisetzung.
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) stuft die Linse wegen ihres geringen Biomasseertrags als weniger geeignet für Futter oder Gründüngung ein. Ein Spross nach 3 bis 5 Tagen Keimdauer ist noch viel kleiner als die ausgewachsene Pflanze, er bringt also erst recht wenig organische Substanz ins Beet. Für BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. und Humus sorgt regelmäßig zugeführte organische Substanz wie Kompost. Kompost lockert schwere Böden und verbessert bei leichten Böden die Wasser- und Nährstoffspeicherung.
„Die Enzyme der Sprossen wecken das BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf..“ Wie aktiv BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben. sind, hängt von Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot ab. Sprossen sind für sie Futter wie andere Pflanzenreste auch.
Wie arbeitest du frische Sprossen ein?
Übrige Sprossen hacke ich flach in feuchte Beeterde, zwischen Pflanzen, die gerade wachsen. Dünger gehört möglichst auf feuchten Boden, und bei organischem Material ist das besonders wichtig, weil Trockenheit die Freisetzung bremst. Obenauf lasse ich die Sprossen nicht liegen, denn eine feuchte Mulchdecke kann Nacktschnecken begünstigen. Saatrillen und junge Pflanzen lasse ich frei, damit Keimung und Anwachsen ungestört bleiben.
Im Herbst und Winter bringe ich Sprossenreste auf den Kompost statt ins Beet. Auf leeren Beeten können freigesetzte Nährstoffe nicht mehr von Pflanzen aufgenommen werden und sind auswaschungsgefährdet. Im Hausgarten ist eine Düngung im Frühjahr der im Herbst möglichst vorzuziehen, damit weniger ausgewaschen wird.
Du arbeitest die Sprossen ein, die übrig bleiben. Auch organische Dünger können bei übermäßiger Zufuhr zur ÜberdüngungÜberdüngung heißt, dass ein Boden mehr Nährstoffe bekommt, als die Pflanzen brauchen. Die Überschüsse reichern sich im Boden an oder werden ausgewaschen und belasten dann Boden und Umwelt. führen. Nährstoffe aus Kompost oder Mist zählen bei jeder weiteren Gabe mit. Ob dein Beet überhaupt Nährstoffe braucht, zeigt eine Bodenuntersuchung, die Grundlage für Auswahl und Menge einer Düngung.
Taugt ein Sprossen-Tee als Flüssigdünger?
Sprossen lassen sich auch in Wasser ansetzen, um den Auszug zu gießen. Schon bei Pflanzenjauchen schwankt der Nährstoffgehalt mit Pflanzenart, Zustand des Materials und Erntezeit. Eine allgemeingültige Ausbringmenge oder ein festes Düngeintervall gibt es für sie nicht.
Lässt du den Ansatz stehen, bis er gärt, hast du eine Jauche. Dann deckst du das Gefäß mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz ab, damit keine Tiere hineinfallen, und nicht mit einem geschlossenen Deckel. Für eine Flüssigdüngung aus dem Garten setze ich lieber eine Jauche aus Brennnessel oder Beinwell an. Wie du sie ansetzt und verdünnst, gehört zu den natürlichen Düngemethoden rund um Mulchen und Gründüngung.
Dürfen Sprossen und Linsenreste auf den Kompost?
Rohe Sprossen sind Gemüsereste und passen in einen gemischten Gartenkompost. Ich mische die feuchten Sprossen mit trockenem Material wie Laub oder Stroh. Eine ausgewogene Kompostmischung verbindet feuchte mit trockenen und stickstoffarme mit stickstoffreichen Zutaten. Frische Küchenreste decke ich mit trockenen Gartenabfällen oder reifem Kompost ab, damit sie weniger Fruchtfliegen anlocken. Wie du einen Kompost aufsetzt und pflegst, steht im Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost.
Gekochte Linsen gehören nicht auf den Gartenkompost, weil gekochte Speisereste Ratten anlocken können. In die Wurmkiste kommen weder Gekochtes noch verschimmelte Lebensmittel.
Ohne Garten nimmt die Wurmkiste rohe Sprossenreste auf, denn pflanzliche Küchenreste sind dort geeignetes Futter.
Bindet die Linse auch als Spross Stickstoff?
Als Leguminose kann die Linse Stickstoff aus der Luft binden. Diese Bindung beruht auf der Zusammenarbeit mit Rhizobien in Wurzelknöllchen. Sprossen aus dem Glas einzugraben ist deshalb nicht dasselbe, wie Linsen im Beet wachsen zu lassen.
Wer Luftstickstoff ins Beet holen will, sät Leguminosen wie Klee, Wicken oder Lupinen als Gründüngung, die mithilfe von KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. Luftstickstoff binden können. Den beim Verrotten frei werdenden Stickstoff rechnest du bei der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. an; Aussaat und Einarbeiten findest du im selben Ratgeber.
Die Linse selbst baust du für die Ernte an. Gesät wird sie direkt an Ort und Stelle, an einen warmen, sonnigen und geschützten Platz. Die Linse bevorzugt trockene, kalkreiche, auch steinige Böden und verträgt keine Staunässe. Der Nährstoffbedarf der Linse ist gering, im Ökoanbau kommt sie in der Regel ohne zusätzliche Düngung aus. Weil sie konkurrenzschwach ist, regulierst du Unkraut früh. Für die Linse gilt eine Fruchtwechselpause von 6 Jahren, die du leichter einhältst, wenn du Anbaupausen bei der Beetplanung berücksichtigst. Vor der Aussaat lohnt der Blick, welche Nachbarn zur Linse passen.



