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Mykorrhiza: Wie die Wurzelsymbiose funktioniert und wann Präparate wirken können

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Mykorrhizapilze können ihre Wirtspflanze mit Wasser, Phosphat und Nitrat versorgen und erhalten dafür Zucker aus der Photosynthese.
  • Bei der Ektomykorrhiza umhüllt ein Pilzmantel die Feinwurzeln, bei der arbuskulären Mykorrhiza bilden die Pilze Arbuskeln in den Rindenzellen der Wurzel.
  • Kohlarten, Raps, Spinat und Rüben gelten als Nichtwirte, Karotten, Zwiebeln und Kürbisse bilden die Symbiose.
  • Eine ausreichende Phosphatversorgung kann die Ausbildung der Symbiose unterdrücken.
  • Ein Präparat muss lebende Wirtswurzeln erreichen und bringt selbst keine Nährstoffe in den Boden.
Gesunde, humusreiche Gartenerde in den Händen
Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Du stehst am Pflanzloch, das Mykorrhiza-Pulver in der Hand, und fragst dich, ob es deiner Pflanze etwas bringt. Die Antwort hängt von der Pflanzenart ab, von der Phosphatversorgung deines Bodens und davon, ob der Pilz die Wurzeln erreicht. Bevor ich ein Präparat einsetze, prüfe ich deshalb, ob die Pflanze überhaupt ein Wirt ist, und lege den letzten Bodenbefund daneben.

Was Mykorrhiza ist

Mykorrhiza heißt die Partnerschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln. Der Pilz kann seiner Wirtspflanze Wasser und Nährsalze zuführen, darunter Phosphat und Nitrat. Im Gegenzug bekommt er Assimilate, also Zucker, den die Pflanze in der Photosynthese gebildet hat.

Seine Nährstoffe nimmt der Pilz über das Myzel auf. Das ist das feine Geflecht aus Pilzfäden im Boden. Mit Knöllchenbakterien hat diese Partnerschaft nichts zu tun: Leguminosen wie Erbsen und Bohnen können mit Rhizobium-Bakterien eine eigene, spezialisierte Symbiose eingehen und Luftstickstoff binden.

Mythos-Check

„Mykorrhiza ist ein natürlicher Dünger.“ Das stimmt nicht. Der Pilz erschließt Nährstoffe, die schon im Boden vorhanden sind, bringt selbst aber keine zusätzlichen ein. Fehlt deinem Boden ein Nährstoff, ändert ein Präparat daran nichts.

Zwei Bauweisen: Ektomykorrhiza und arbuskuläre Mykorrhiza

Die Pilze verbinden sich auf unterschiedliche Weise mit der Wurzel. Davon hängt ab, welches Präparat zu welcher Pflanze passt.

Ektomykorrhiza Arbuskuläre Mykorrhiza (Endomykorrhiza)
Sitz des Pilzes Pilzmantel um die Feinwurzeln, Austauschgeflecht zwischen den Zellen der Wurzelrinde fein verzweigte Arbuskeln in den Zellen der Wurzelrinde
Typische Partner Waldbäume Kulturen wie Karotten, Zwiebeln und Kürbisse

Bei der Ektomykorrhiza der Waldbäume umhüllt ein Pilzmantel die Feinwurzeln. Das Austauschgeflecht liegt zwischen den Zellen der Wurzelrinde. Die arbuskuläre Mykorrhiza arbeitet dagegen in den Rindenzellen selbst. Ihre Pilze bilden dort fein verzweigte Arbuskeln, an denen Pilz und Pflanze Stoffe austauschen. Ohne lebende Wirtspflanze können diese Pilze weder wachsen noch sich vermehren.

Für Gehölze hat das eine praktische Folge. Bei einer untersuchten Stadtbaumpflanzung wurden je nach Mykorrhizatyp der Baumart Ekto- oder Endomykorrhizapräparate eingesetzt. Wer ein Gehölz beim Pflanzen beimpfen will, braucht also ein Präparat mit dem Pilztyp, den diese Baumart bildet.

Marias Erfahrung

Vor dem Kauf suche ich auf der Packung nach dem enthaltenen Pilztyp und gleiche ihn mit der Pflanze ab, für die ich das Präparat brauche.

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Welche Pflanzen die Symbiose eingehen

Nicht jede Gartenpflanze nimmt den Pilz an. Bei der arbuskulären Mykorrhiza gelten Kohlarten, Raps, Spinat und Rüben als typische Nichtwirte. Karotten, Zwiebeln und Kürbisse gehören dagegen zu den Kulturen, die diese Symbiose bilden. Auch Tomaten lassen sich mykorrhizieren, wie ein Gewächshausversuch weiter unten zeigt.

Ein Präparat braucht lebende Wirtswurzeln, und Kohl, Spinat oder Rüben sind keine Wirte. Pulver in der Kohlreihe findet dort also keinen Partner. Wenn ich prüfe, welche Kulturen als Nachbarn zusammenpassen, notiere ich mir gleich, welche Reihen Wirte und welche Nichtwirte tragen.

Häufiger Fehler

Das Präparat wird über das ganze Beet gestreut, auch über Kohl und Spinat. Bei Nichtwirten findet der Pilz keinen Partner, und obenauf liegend gelangt er nicht in die Wurzelzone.

Unter welchen Bedingungen Präparate wirken können

Phosphat im Boden

Ein Faktor steht in deinem Bodenbefund: die Phosphatversorgung. Ist ausreichend Phosphat vorhanden, kann das die Ausbildung der arbuskulären Mykorrhiza unterdrücken. In Untersuchungen an Lotus japonicus war das so, ein direktes Abtöten der Pilze belegen diese Untersuchungen aber nicht. Unterdrückt wird die Partnerschaft, nicht zwingend der Pilz selbst.

Für den Garten heißt das: Bei guter Nährstoffversorgung bringt zusätzliches Beimpfen keinen sicheren Wachstumsvorteil. Phosphat bremst die Symbiose, und der Pilz bringt keinen eigenen Nährstoff mit. Wer ein Präparat einsetzt und zugleich reichlich Phosphat düngt, arbeitet also gegen die Partnerschaft, für die er das Präparat gekauft hat.

Ob dein Boden gut mit Phosphor versorgt ist, zeigt eine Bodenuntersuchung. Eine gängige Standardanalyse für Gartenboden erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Wie du die Probe nimmst und den Befund liest, steht in den Grundlagen zu Bodenanalyse, pH-Wert und Kalk.

Jetzt dran

Such deinen letzten Bodenbefund heraus und schau nach, wie Phosphor eingestuft ist. Liegt keiner vor, kommt die Bodenuntersuchung vor dem Präparat.

Lebende Wurzeln als Voraussetzung

Arbuskuläre Mykorrhizapräparate müssen in die Zone lebender Wirtswurzeln gelangen. Der Grund liegt in der Biologie dieser Pilze: Für Wachstum und Vermehrung sind sie auf die Pflanze angewiesen. Obenauf gestreut erreicht ein Präparat diese Zone nicht.

Ungünstig ist auch Staunässe. Verdichtungsbedingte Staunässe kann im Wurzelraum Sauerstoffmangel und Fäulnis verursachen und die Nährstoffaufnahme unterbrechen. Faulen die Wurzeln, fehlt dem Pilz der lebende Partner.

Kurz erklärt

Die Rhizosphäre ist der Bodenbereich, den die Wurzeln unmittelbar beeinflussen. In diesem Bereich liegen die Wirtswurzeln, die ein Präparat erreichen muss.

Boden, Klima und vorhandenes Bodenleben

Wie gut ein mikrobielles Präparat wirkt, hängt von Boden, Klima, der vorhandenen Mikrobenpopulation und der Produktqualität ab. Zusammensetzung und Aktivität des Bodenlebens richten sich zudem nach Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot. Ein Präparat trifft also auf ein Bodenleben, das schon da ist und die Wirkung mitbestimmt.

Was du ohne Präparat für die Pilze tun kannst

Mäßige organische Düngung kann das Vorkommen arbuskulärer Mykorrhizapilze im Boden fördern. Phosphat gibst du nach Bodenbefund, weil ein hohes Angebot die Symbiose bremsen kann. Gekalkt wird nur, wenn der gemessene pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist. Eine pH-Anhebung durch Kalkung kann die mikrobielle Gemeinschaft zugunsten bakterieller und zulasten pilzlicher Biomasse verschieben, besonders in der Humusauflage. Mehr zu pH-Wert und Kalk steht in den oben verlinkten Grundlagen.

Auch eine geringere Bodenstörung kann größere und vielfältigere Populationen von Bodenorganismen fördern.

Mykorrhiza-Präparate richtig einsetzen

Mykorrhiza-Pilze sind eine Gruppe unter den Wurzelaktivatoren, die als Starthilfe für die Wurzelbildung angeboten werden. Welche anderen Arten es gibt, liest du im Ratgeber darüber, was Wurzelaktivatoren sind und wie sie wirken.

Mykorrhiza-Inokulum gibt es unter anderem als Pulver, Granulat, Flüssigkeit oder Gel. Für jede Form gilt dasselbe: Das Präparat muss an lebende Wurzeln. Beim Pflanzen oder Umtopfen gibst du es deshalb direkt an den Wurzelballen ins Pflanzloch. Ich streue das Pulver an die Seiten des Ballens, bevor ich das Loch auffülle, damit es Kontakt zu den Wurzeln bekommt. Die Menge richtet sich nach der Packungsangabe des Produkts.

Bei Gehölzen achtest du zusätzlich auf den Ballen. Er darf während Transport und Zwischenlagerung nicht austrocknen und wird vor dem Einpflanzen ausreichend gewässert. Vor der Neupflanzung ist ein etwa 40 bis 60 cm tief gelockerter Boden günstig, größere Gehölze können eine tiefere Vorbereitung brauchen.

Wie du ein Präparat zusammen mit organischen, mineralischen oder Langzeitdüngern einsetzt, ohne die Wirkung zu stören, erklärt der Ratgeber dazu, wie du Wurzelaktivatoren mit Düngern kombinierst. Zeitpunkt, Ausbringung und Lagerung vertieft die Anleitung, wie du Wurzelaktivatoren im Hobbygarten anwendest.

Mini-Checkliste

Ist die Pflanze ein Wirt, also kein Kohl, Raps, Spinat oder Rübe? Zeigt der Bodenbefund keine hohe Phosphatversorgung? Passt der Pilztyp zur Pflanze? Erreicht das Präparat lebende Wurzeln? Hältst du dich an die Packungsangabe?

Was über Bodenstruktur und Wirkung bekannt ist

Das Hyphennetz der Mykorrhizapilze kann Bodenaggregate stabilisieren und so Krümelstruktur und Erosionsschutz unterstützen. Welche Myzelien sonst im Substrat leben und was sie für die Substratqualität leisten, zeigt ein eigener Ratgeber.

In einem Gewächshaus-Großversuch mit dem Mykorrhizapilz Rhizophagus irregularis blieb der Tomatenertrag gleich, die Früchte enthielten aber mehr Zucker, Lycopin und Aminosäuren als die nicht mykorrhizierte Kontrolle. In einem untersuchten Stadtbaumversuch zeigten die geprüften Präparate dagegen keinen nachweisbaren Einfluss. Wo Wurzelaktivatoren im ökologischen Gartenbau stehen und wo ihre Wirksamkeit an Grenzen stößt, ordnet ein weiterer Ratgeber ein.

Häufige Fragen

Was ist Mykorrhiza und wie funktioniert diese Symbiose mit Pflanzenwurzeln?
Mykorrhiza ist eine Partnerschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln. Der Pilz kann seiner Wirtspflanze über sein feines Geflecht aus Pilzfäden Wasser und Nährsalze wie Phosphat und Nitrat zuführen. Im Gegenzug erhält er Zucker, den die Pflanze in der Photosynthese gebildet hat. Bei der arbuskulären Mykorrhiza läuft dieser Austausch über fein verzweigte Arbuskeln in den Rindenzellen der Wurzel.
Was sind die Besonderheiten von Ektomykorrhiza und Endomykorrhiza?
Bei der Ektomykorrhiza, die für Waldbäume beschrieben ist, umhüllt ein Pilzmantel die Feinwurzeln, und das Austauschgeflecht liegt zwischen den Zellen der Wurzelrinde. Die arbuskuläre Mykorrhiza als Form der Endomykorrhiza bildet dagegen fein verzweigte Arbuskeln in den Rindenzellen, an denen Pilz und Pflanze Stoffe austauschen. Arbuskuläre Mykorrhizapilze brauchen eine lebende Wirtspflanze, um zu wachsen und sich zu vermehren. In einer untersuchten Stadtbaumpflanzung wurden je nach Mykorrhizatyp der Baumart Ekto- oder Endomykorrhizapräparate eingesetzt.
Stimmt es, dass Mykorrhiza bei allen Pflanzenarten gleich gut wirkt?
Nein. Bei der arbuskulären Mykorrhiza gelten Kohlarten, Raps, Spinat und Rüben als typische Nichtwirte, während Karotten, Zwiebeln und Kürbisse die Symbiose bilden. Auch bei Wirtspflanzen hängt die Wirkung vom Boden ab: Eine hohe Phosphorversorgung kann die Mykorrhizierung vermindern, sodass zusätzliches Beimpfen dort keinen sicheren Wachstumsvorteil bringt.
Welche Rolle spielt Phosphat bei der arbuskulären Mykorrhiza?
Phosphat gehört zu den Nährsalzen, die Mykorrhizapilze ihrer Wirtspflanze zuführen können, im Austausch gegen Zucker aus der Photosynthese. Ist die Pflanze bereits ausreichend mit Phosphat versorgt, kann das die Ausbildung der Symbiose unterdrücken. In Untersuchungen an Lotus japonicus geschah das, ohne dass damit ein direktes Abtöten der Pilze belegt wäre.
Worin unterscheiden sich Mykorrhiza-Pilze von herkömmlichen Düngern?
Ein Dünger bringt Nährstoffe in den Boden, Mykorrhizapilze tun das nicht. Sie erschließen Nährstoffe, die bereits vorhanden sind, und können sie gegen Zucker aus der Photosynthese an ihre Wirtspflanze weitergeben. Fehlt dem Boden ein Nährstoff, ersetzt ein Mykorrhiza-Präparat deshalb keine bedarfsgerechte Düngung.
Wie beeinflusst die Rhizosphäre die Wirksamkeit von Mykorrhiza-Pilzen?
Die Rhizosphäre ist der Bodenbereich, den die Wurzeln unmittelbar beeinflussen; dort liegen die lebenden Wirtswurzeln, die ein Mykorrhiza-Präparat erreichen muss. Wie gut ein mikrobielles Präparat wirkt, hängt zudem von Boden, Klima, der bereits vorhandenen Mikrobenpopulation und der Produktqualität ab. Zusammensetzung und Aktivität des Bodenlebens richten sich nach Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot.
Wie wendet man Mykorrhiza-haltige Wurzelaktivatoren richtig an?
Das Präparat muss in die Zone lebender Wirtswurzeln gelangen, weil arbuskuläre Mykorrhizapilze für Wachstum und Vermehrung auf die Pflanze angewiesen sind. Gib es deshalb beim Pflanzen oder Umtopfen direkt an den Wurzelballen, statt es obenauf zu streuen. Die Menge richtet sich nach der Packungsangabe des Produkts. Bei Nichtwirten wie Kohl oder Spinat und auf gut mit Phosphat versorgtem Boden ist kein sicherer Vorteil zu erwarten.
Was zeigen Versuche zur Wirksamkeit von Mykorrhiza-Präparaten?
Die Ergebnisse fallen gemischt aus. In einem Gewächshaus-Großversuch mit dem Mykorrhizapilz Rhizophagus irregularis blieb der Tomatenertrag gleich, die Früchte enthielten aber mehr Zucker, Lycopin und Aminosäuren als die nicht mykorrhizierte Kontrolle. In einem Stadtbaumversuch zeigten die geprüften Präparate keinen nachweisbaren Einfluss. Ein Agroforstprojekt berichtet bei Beigabe von Mykorrhiza und Pflanzenkohle von verbessertem Anwuchs und Höhenwachstum, weist die Effekte der beiden Zusätze aber nicht getrennt aus.
Zuletzt geprüft:
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