Kompostbeschleuniger: Wann sich Pulver und Starter lohnen und wann nicht
- Bei locker gemischten Garten- und Küchenabfällen ist ein Kompostbeschleuniger normalerweise entbehrlich.
- Kalk beseitigt keinen Sauerstoffmangel: Einen fauligen, nassen Haufen setzt du um und schützt ihn vor Regen.
- Stickstoff- oder kalkhaltige Zusätze erhöhen den Nährstoffgehalt der Komposterde, und der zählt später bei der Düngung im Beet mit.
- Einen neu angelegten Kompost kannst du mit Gartenerde animpfen.
- Reife prüfst du mit dem Kressetest: Wächst Kresse im Kompost nach 5 Tagen schwächer als in Gartenerde, braucht er mehr Zeit.

Der Haufen sackt nicht zusammen, riecht muffig oder liegt seit Monaten fast unverändert da. Im Gartenmarkt steht dann der Eimer mit dem Kompostbeschleuniger, und die Packung verspricht schnelle Rotte. Bevor ich Geld ausgebe, greife ich mitten in den Haufen, drücke das Material in der Faust zusammen und rieche daran.
Bei locker gemischten Garten- und Küchenabfällen sind Zusätze normalerweise entbehrlich. Stockt die Rotte trotzdem, geben Geruch und Feuchte die ersten Hinweise auf die Ursache. Erst danach stellt sich die Frage, ob ein Zusatz daran überhaupt etwas ändern kann.
Was steckt in einem Kompostbeschleuniger?
Unter Namen wie Kompostbeschleuniger, Kompoststarter oder Schnellkomposter-Pulver werden Zusätze verkauft, die die Rotte fördern sollen. Grob lassen sie sich in zwei Gruppen teilen: chemische Mittel, die Stickstoff oder Kalk liefern, und biologische Mittel mit lebenden Mikroorganismen. Beide können die Verrottung fördern, für erfolgreiches Kompostieren sind sie aber nicht grundsätzlich erforderlich.
Auf dem Etikett suche ich zuerst, was tatsächlich drinsteckt: Stickstoff, Kalk oder Mikroorganismen. Davon hängt ab, was der Zusatz im Haufen bewirken kann und was er später ins Beet mitbringt.
Chemische Kompostbeschleuniger: Stickstoff und Kalk
Als chemische Kompostbeschleuniger dienen unter anderem kalkhaltige oder stickstoffhaltige Düngemittel. Stickstoff ergänzt das Futter der Rotteorganismen. Für das Ausgangsmaterial gilt ein Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis von etwa 25:1 bis 35:1 als günstig. Besteht dein Haufen überwiegend aus stickstoffarmem Material wie Stroh oder Holzhäckseln, kann zusätzlicher Stickstoff die Mischung in diese Richtung verschieben.
Riecht der Kompost dagegen nach Ammoniak, spricht das für einen Überschuss an nährstoffreichem Material. Dann mischst du Laub, Stroh und Gehölzschnitt unter, statt weiteren Stickstoff nachzulegen.
Kalkhaltige Mittel sollen den pH-Wert im Haufen anheben. Rotteorganismen bevorzugen ein Milieu um pH 7, und das stellt sich bei einer lockeren, strukturreichen Mischung meist ohne Kalk ein. Zu Beginn der Rotte können organische Säuren den pH-Wert senken. Werden sie bei ausreichender Sauerstoffversorgung abgebaut, kann er später wieder steigen. In dicht gelagertem, faulendem Kompost kann der pH-Wert dagegen rasch in einen sauren Bereich fallen, der die Verrottung bremst.
Kalk beseitigt aber keinen Sauerstoffmangel. Zugleich erhöhen ein steigender pH-Wert und höhere Temperaturen den Ammoniakanteil im Kompost. Wer einen faulenden Haufen kalkt, lässt also die Ursache bestehen und riskiert zusätzlich gasförmige Stickstoffverluste.
Auf den nassen, muffigen Haufen kommt eine Schicht Kalk. Fauliger Geruch weist aber auf zu nasses Material hin. Setze den Haufen stattdessen um und schütze ihn vor weiterem Regen.
Biologische Kompostbeschleuniger: Mikroben aus der Packung
Biologische Beschleuniger enthalten lebende Mikroorganismen, etwa Bakterien oder Pilze. Mehr Zersetzer sollen das Material schneller abbauen. Bakterien und Pilze gehören allerdings ohnehin zu den Bodenmikroorganismen, und mit Gartenerde impfst du einen neuen Haufen ebenfalls an.
Wie aktiv das BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf. ist, hängt von Feuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot ab. Zugekaufte Mikroben finden im Haufen also dieselben Bedingungen vor wie die, die schon darin leben. Ist der Kompost zu nass oder zu trocken, ändert die Packung daran nichts.
Ob ein mikrobielles Präparat wirkt, entscheiden Boden, Klima, die vorhandene Mikrobenpopulation und die Produktqualität. Für die Anwendung im Boden gibt es dazu nüchterne Versuchsergebnisse. In einem vierjährigen biologischen Feldversuch brachte die Zugabe Effektiver Mikroorganismen keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Die beobachteten Effekte gingen dort auf das organische Material und die Nährstoffe aus Bokashi und Mist zurück.
Steht ein mikrobielles Präparat auf einer Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau, wurde seine Verwendbarkeit geprüft. Eine unabhängig geprüfte Wirksamkeit belegt diese Listung nicht automatisch.
Was Kompostbeschleuniger leisten können
Ein Kompostzusatz kann die Verrottung fördern, zum Beispiel bei einem einseitigen, stickstoffarmen Haufen. Auch eine nährstoffreichere Komposterde lässt sich mit einem Düngerzusatz erreichen. Jeder dieser Nährstoffe zählt allerdings später im Beet mit.
Wird der Kompost wirklich schneller fertig?
Wie lange Gartenkompost braucht, hängt von Material und Rotteführung ab. Die Reifedauer reicht von etwa 4 bis 12 Monaten, und eine feste Zeitersparnis durch einen Zusatz lässt sich daraus nicht ableiten. Auch ohne ausgeprägte Heißrotte kann im Garten durch Kaltrotte guter Kompost entstehen.
Ob dein Kompost reif ist, zeigt deshalb nicht der Kalender, sondern der KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch.. Du säst Kresse in den Kompost und zum Vergleich in Gartenerde. Wächst sie im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder färbt sich gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit.
„Mit Beschleuniger wird der Kompost so heiß, dass Krankheitserreger keine Chance haben.“ Im Inneren eines ausreichend großen, gut geführten Komposts gelten 60 bis 70 °C als günstige Rottebedingungen. Ein einzelner Messwert belegt aber keine Hygienisierung. Gartenkompost erreicht ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend und tötet deshalb Erreger, die Menschen, Tiere oder Pflanzen krank machen, nicht zuverlässig ab.
Wann lohnt sich ein Kompostbeschleuniger?
Ob ein Zusatz etwas ändern kann, liest du am Zustand des Haufens ab. Die Übersicht ordnet ein, was du beim Griff in den Kompost bemerkst.
| Was du am Haufen bemerkst | Das kann dahinterstecken | Hilft ein Beschleuniger? |
|---|---|---|
| Fauliger Geruch, nasse, dichte Masse | zu nasses Material, Sauerstoffmangel, der pH-Wert kann ins Saure fallen | Nein. Kalk beseitigt keinen Sauerstoffmangel. Setze den Haufen um und schütze ihn vor weiterem Regen. |
| Ammoniakgeruch | Überschuss an nährstoffreichem Material | Nein. Weiterer Stickstoff verstärkt den Überschuss. Mische Laub, Stroh und Gehölzschnitt unter. |
| Trocken, die Rotte stockt, starker Schimmel | zu trockener Kompost | Nein. Setze den Haufen um und befeuchte ihn dabei. |
| Fast nur Stroh oder Holzhäcksel | stickstoffarme Mischung | Möglich. Ein stickstoffhaltiger Zusatz kann ergänzen. Angewelkter Rasenschnitt bringt ebenfalls Stickstoff mit und passt zu trockenem Strukturmaterial. |
| Neu angelegter Haufen | die Rotte muss erst anlaufen | Nicht nötig. Du kannst ihn mit Gartenerde animpfen. |
Riecht der Haufen faulig oder nach Ammoniak, behebst du zuerst die Ursache. Steht Stickstoff oder Kalk auf dem Etikett, rechnest du diese Nährstoffe später im Beet an. Eine Listung für den Ökolandbau ersetzt keinen Wirksamkeitsnachweis. Entscheidest du dich für einen Zusatz, hältst du die Dosierung auf der Packung ein.
Die Kehrseite: Nährstoffe, Kalk und Zukauf
Mehr Nährstoffe, als das Beet braucht
Jeder Dünger, den du zusätzlich auf den Kompost gibst, erhöht den Nährstoffgehalt der späteren Komposterde. Nährstoffe aus Kompost musst du anrechnen, wenn du die nächste Düngung bemisst. Ein stickstoff- oder kalkhaltiger Beschleuniger landet also am Ende in deiner Düngebilanz, auch wenn du ihn nur für die Rotte gekauft hast.
Stickstoff bleibt außerdem nicht zuverlässig im Haufen. Nitrat wird im Kompost wegen seiner negativen Ladung kaum gebunden und kann mit dem Sickerwasser ausgewaschen werden.
Damit sich Nährstoffe nicht anreichern, gilt für die vollständige Eigenverwertung häuslicher Bioabfälle die Faustregel von ungefähr 50 bis 70 m² gedüngter Gartenfläche je Haushaltsmitglied. Im Ziergarten mit Phosphat-Gehaltsstufe C gelten maximal 3 l Kompost je m² und Jahr als Faustregel, weitere Phosphatgaben entfallen dann.
Im Gemüsebeet kommen Reife und pH-Wert als Fragen hinzu. Welche Anforderungen Kompost im Gemüsebeet an Nährstoffe, pH-Wert und Reife erfüllen muss, liest du im Ratgeber zum Kompost im Gemüseanbau.
Kalk, wo er nicht hingehört
Kompost kann mit seinen basisch wirksamen Bestandteilen einer Bodenversauerung entgegenwirken und den pH-Wert anheben. Ein kalkhaltiger Beschleuniger kann diese Wirkung verstärken. Für Rhododendren, Azaleen und Heidelbeeren eignet sich Gartenkompost wegen seiner pH-erhöhenden Wirkung ohnehin nicht. Liegt der Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. schon über dem Zielbereich für BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien. und Kultur, bringst du weder kalkhaltige Dünger noch Kompost aus.
Zukauf, den der Kompost sparen soll
Eigener Kompost kann Ausgaben für Dünger und Blumenerde verringern. Die Herstellung synthetischer Mineraldünger ist energieaufwendig, und das Recycling der Nährstoffe aus dem eigenen Garten kann genau diesen Zukauf senken. Steckt in deinem Beschleuniger ein synthetischer Stickstoffdünger, kaufst du über den Umweg Kompost also wieder ein, was der Kreislauf einsparen soll.
Rottehilfen aus dem eigenen Garten
Für das Animpfen, das Befeuchten und den Ausgleich einer einseitigen Mischung findest du Material im eigenen Garten. Es kostet nichts und hält die Nährstoffe im Gartenkreislauf.
Gartenerde zum Animpfen
Einen neu angelegten Kompost kannst du mit Gartenerde animpfen. Ich nehme dafür Erde aus einem gesunden Beet und gebe sie zwischen die ersten Lagen. Weil Gartenkompost Krankheitserreger nicht zuverlässig abtötet, achte ich darauf, dass weder Erde noch Pflanzenreste von kranken Pflanzen stammen.
Brennnesseljauche ansetzen
BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. zählt wie andere PflanzenjauchenPflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. zu den natürlichen Düngemethoden. Für den Ansatz schneidest du frische Brennnesseln klein und übergießt sie mit Wasser. Fertig ist die Jauche, wenn sie dunkel geworden ist und nicht mehr schäumt.
| Schritt | Orientierung |
|---|---|
| Ansatz Brennnessel, frisch | 75 g Blätter oder 100 g Kraut mit Stängeln je Liter Wasser |
| Ansatz Brennnessel, getrocknet | 15 g getrocknete Blätter je Liter Wasser |
| Allgemeine Pflanzenjauche | 1 kg frisches oder 100 bis 200 g getrocknetes Kraut auf 10 l Wasser |
| Gärzeit Brennnesseljauche | etwa 10 bis 14 Tage |
| Gärzeit Pflanzenjauche allgemein | etwa 2 bis 3 Wochen, bei Wärme etwa 14 Tage |
| Reifezeichen | dunkle Farbe, kein Schaum mehr |
| Wurzeldüngung im Beet | fertige Brennnesseljauche 1:10 mit Wasser verdünnen, für Jungpflanzen 1:20 |
Die Mengen gelten für den Ansatz, sie sind keine Ausbringmengen. Für Menge und Wiederholung einer Jauchedüngung gibt es keine allgemeingültige Vorgabe.
Über mein Jauchefass lege ich ein Gitter gegen hineinfallende Tiere, einen geschlossenen Deckel nehme ich nicht. Einmal am Tag rühre ich kräftig um, und den Ansatztag schreibe ich mit Kreide auf das Fass.
Auf den Kompost gebe ich Jauche nur, wenn der Haufen zu trocken ist. Dann setze ich ihn um und befeuchte ihn Lage für Lage, bis sich das Material in der Faust wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlt. Bedenke außerdem, dass die Jauche Nährstoffe in den Kompost trägt. Ihr Gehalt schwankt mit Pflanzenart, Zustand des Krauts und Erntezeitpunkt.
Kräuter und frisches Grün
Kamille, Schafgarbe, Löwenzahn und Beinwell gelten in vielen Gärten als Kompostkräuter, denen eine besondere Anregung der Rotte nachgesagt wird. Ob einzelne Kräuter mehr leisten als anderes frisches Grün, lässt sich nicht verlässlich sagen. Belastbar ist ein anderer Punkt: Stockt die Rotte, weil der Haufen zu trocken ist, hilft es, feuchte, krautige Abfälle einzumischen.
Brennnessel, Beinwell und Löwenzahn sind typische Ausgangspflanzen für Jauchen, und als feuchte, krautige Abfälle helfen sie einem trockenen Haufen. Frisch geschnitten und untergemischt erfüllen sie diese Aufgabe also auch ohne Gäreimer. Ich hacke das Kraut grob und mische es beim Umsetzen unter.
Holzasche taugt weder als Kompostzutat noch als Gartendünger, weil sie mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet sein kann. Abgekühlt gehört sie in den Hausmüll, ohne dass du dabei Staub aufwirbelst.
Was der Haufen statt eines Zusatzes braucht
Damit die Rotte ohne Zusatz läuft, kombinierst du feuchtes mit trockenem, grobes mit feinem und stickstoffarmes mit stickstoffreichem Material. Der Kompost braucht gute Durchlüftung und soll feucht, aber nicht nass sein, eine Miete kannst du zur Beschleunigung nach etwa 3 Monaten umsetzen.
Bokashi fermentiert Küchenabfälle luftdicht im Eimer und muss danach noch in Erde weiter umgesetzt werden, während eine Wurmkiste Sauerstoff braucht. Geschlossene Schnell- und Thermokomposter bremsen Austrocknung und Abkühlung, brauchen aber ausreichend Belüftung gegen VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen.. Die Rottezeit halbiert auch ein Thermokomposter nicht grundsätzlich, weil Zutaten, Feuchtigkeit und Bodenlebewesen das Tempo mitbestimmen.
Wie du Kompost mit passendem Standort, Material und System anlegst, erklärt der Grundlagenteil zu Düngen, Boden und Kompost.
