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Teicherde im Wandel: Was neue Teichsubstrate wirklich leisten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Hohe Nitrat- und Phosphatgehalte fördern Algen, und Fischfutter kann eine wichtige Phosphatquelle sein.
  • Zeolith kann Ammonium durch Ionenaustausch binden, seine Bindekapazität ist aber begrenzt.
  • Eisenbeschichtetes Filtermaterial band in einem Badesee-Versuch Orthophosphat besser als Oolith, die Standzeit blieb offen.
  • Eine direkte Konkurrenz zwischen zugesetzten Effektiven Mikroorganismen und Blaualgen ließ sich in einem begleiteten Sanierungsprojekt nicht sicher nachweisen.
  • Ein neues Substrat testest du zuerst in einem einzelnen Pflanzkorb.
Ein Eimer mit Blumenerde und eine kleine Schaufel stehen bereit für Gartenarbeiten.
Foto: Teona Swift · Pexels License · Quelle ↗

Kristallklares Wasser, weniger Pflege, Bakterien gegen Algen: Mit solchen Versprechen werben neue Teicherden. Wer allein auf das Substrat setzt und die Nährstoffquellen im Teich übersieht, riskiert, dass die Algen trotzdem wachsen. Wenn mir ein neues Teichsubstrat begegnet, frage ich deshalb zuerst, woraus es besteht und welchen Stoff es binden oder abgeben soll. Mit diesen zwei Fragen gehe ich hier die bekannten Ansätze durch, vom Zeolith bis zum Sensor.

Was muss eine Teicherde grundsätzlich können?

Im naturnahen Teich genügt auf der Abdichtung eine etwa 10 cm starke Schicht aus nährstoffarmem, gewaschenem Sand und Kies ohne organische Beimischungen. Für ein reines Sumpfbeet kann dagegen lehmige Gartenerde mit kompostierter Rinde passen. Wie du Erden und Substrate dafür auswählst, steht im Überblick zu Erden und Substraten für Teich und Sumpfbeet.

Woran muss sich ein neues Teichsubstrat messen lassen?

Hohe Nitrat- und Phosphatgehalte im Teichwasser fördern starkes Algenwachstum. Sterben Algen und andere Biomasse ab, kann ihr Abbau im stehenden Wasser Sauerstoffmangel verursachen. Jedes neue Substrat muss sich deshalb an einer Frage messen lassen: Welche Nährstoffe hält es fest, und welche gibt es ab?

Nährstoffe gelangen allerdings auch von oben ins Wasser. Fischkot und Futterreste tragen zur Belastung bei, und Fischfutter kann eine wichtige Phosphatquelle sein. Herbstlaub setzt beim Zersetzen Nährstoffe frei und begünstigt so späteres Algenwachstum. Wer reichlich füttert und Laub im Wasser liegen lässt, arbeitet also gegen jedes Substrat an, das Phosphat binden soll.

Den Blick ins Substrat selbst vertieft der Beitrag darüber, welche Nährstoffe und welcher pH-Wert in Teicherden stecken.

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Neue Ansätze im Überblick

Die Tabelle zeigt, was hinter den gängigen Neuerungen steckt und wo ihre Grenzen liegen.

Ansatz Was dahintersteckt Was offen bleibt
Zeolith im Substrat bindet Ammonium durch Ionenaustausch Bindekapazität erschöpft sich; Phosphat läuft in einem Abwasserverfahren über eine eigene Fällstufe
Phosphatbindendes Filtermaterial eisenbeschichtetes Mineralmaterial band im Badesee-Versuch Orthophosphat besser als Oolith langfristige Standzeit ungeklärt
Bakterien- und Mikroorganismen-Zusätze sollen Algen über Konkurrenz zurückdrängen direkte Konkurrenz zu Blaualgen im begleiteten Sanierungsprojekt nicht sicher nachgewiesen
Depotkapseln im Substrat Hüllschicht verzögert die Freisetzung, Temperatur und Feuchte bestimmen das Tempo freigesetzte Nährsalze können ausgewaschen werden
Pflanzen als Reinigungsstufe Phosphor fördert das Wachstum von Wasserpflanzen Abbau abgestorbener Pflanzenteile verbraucht Sauerstoff
Leitfähigkeitssensor misst den Gesamtsalzgehalt keine Aussage zu einzelnen Nährstoffen
Gebrannter Ton wie Blähton mineralischer, gebrannter Zuschlag nahezu keine Kationenaustauschkapazität
Abbaubare organische Substrate Materialien wie Kokos, Reisspelzen oder Kompost organische Zuschläge meidest du im naturnahen Teich; im reinen Sumpfbeet kann kompostierte Rinde passen

Was kann Zeolith im Teich?

Wird ein Substrat mit feinen Poren oder Nanofilter-Technik beworben, frag zuerst nach dem Material. Ein Mineral, das in diesem Zusammenhang genannt wird, ist Zeolith. Zeolith kann Ammonium durch Ionenaustausch binden. Für Phosphat ist in einem Abwasserverfahren mit Zeolith dagegen eine eigene Stufe vorgesehen, die Struvitfällung.

Auch die Bindekapazität hat Grenzen. In demselben Verfahren wird beim Erreichen der Ablaufgrenze auf eine zweite Zeolithsäule gewechselt und die erste regeneriert. Zeolith setzt also beim Ammonium an, während Phosphat aus dem Fischfutter weiter Algen fördern kann. Ein Zeolith-Substrat ersetzt deshalb nicht den Blick auf die Phosphatquellen in deinem Teich.

Kurz erklärt

Beim Ionenaustausch halten Tonminerale und Huminstoffe positiv geladene Nährstoffionen fest und geben sie im Austausch wieder an die Lösung ab. Nitrat halten überwiegend negativ geladene Bodenteilchen dagegen kaum fest. Gebrannter Ton wie Blähton hat nahezu keine Kationenaustauschkapazität mehr, weil das Brennen die Tonstruktur verändert.

Lässt sich Phosphat im Teich gezielt binden?

In einem Versuch an einem Badesee band eisenbeschichtetes mineralisches Filtermaterial Orthophosphat besser als Oolith. Wie lange das Material diese Leistung hält, blieb in dem Versuch ungeklärt. Für den Gartenteich ist das ein Ansatz mit Versuchsdaten, aber ohne gesicherte Aussage zur Standzeit.

Unabhängig vom Filter lohnt es, weniger Phosphat einzutragen. Ein Binder mit offener Standzeit fängt sonst ab, was du an der Quelle gar nicht erst ins Wasser geben müsstest.

Marias Erfahrung

Nach dem Füttern schaue ich, ob Futterreste auf dem Wasser treiben, und hole sie mit dem Kescher heraus. Herbstlaub ziehe ich ab, bevor es auf den Grund sinkt.

Helfen Bakterien und Probiotika im Substrat gegen Algen?

Bioaktive oder probiotische Teicherden sollen Mikroorganismen mitbringen, die Schadstoffe abbauen und Algen verdrängen. Ob die Verdrängung gelingt, ist offen. In einem wissenschaftlich begleiteten Projekt zur Gewässersanierung ließ sich eine direkte Konkurrenz zwischen zugesetzten Effektiven Mikroorganismen und Blaualgen nicht sicher nachweisen. Aus dem Gemüsebau kommt ein ähnliches Bild: In Versuchen der LWG konnte die Wirksamkeit der eingesetzten Effektiven Mikroorganismen nicht wissenschaftlich gezeigt werden.

Bevor ich über einen Zusatz nachdenke, gehe ich die Wege durch, auf denen Nährstoffe in meinen Teich gelangen: Futter, Fischkot, Laub und abgestorbene Pflanzenteile. An diesen Stellen kannst du ansetzen, ohne auf ein Versprechen angewiesen zu sein.

Wie funktioniert die zeitgesteuerte Nährstoffabgabe?

Manche Teichsubstrate enthalten Nährstoffe in Kapseln oder Beschichtungen, die sie nach und nach abgeben sollen. Das Prinzip kennst du von umhüllten Depotdüngern im Garten: Eine Hüllschicht verzögert die Freisetzung. Wie schnell die Nährstoffe frei werden, hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Niedrige Temperaturen verzögern die Wirkung zusätzlich.

Bereits freigesetzte Nährsalze können aus dem Substrat ausgewaschen werden und im Teich ins Wasser gelangen. Dort fördern hohe Nitrat- und Phosphatgehalte die Algen. Was eine Kapsel abgibt und die Wurzeln nicht aufnehmen, kann deshalb auch den Algen zugutekommen.

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Können Pflanzen den Teich reinigen?

Unter Phytoremediation, auch Phytosanierung genannt, versteht man den Einsatz von Pflanzen, die Stoffe aus dem Boden entfernen oder im Wurzelraum festlegen. Wie gut das gelingt, hängt vom Schadstoff und vom Verfahren ab. Auf den Gartenteich übertragen geht es um Nährstoffe: Übermäßiger Phosphor fördert Wasserpflanzen ebenso wie Algen.

Wasserpflanzen wachsen also mit dem Phosphor, doch der Abbau abgestorbener Biomasse verbraucht später Sauerstoff im Wasser. Abgestorbene Pflanzenteile, die ins Wasser sinken, holst du deshalb heraus. Fadenalgen drehe ich mit einem Stab aus dem Wasser und lege sie am Ufer ab, damit darin sitzende Kleintiere zurück ins Wasser finden.

Achtung

Ein Laubschutznetz über dem Teich kontrollierst du mehrmals täglich auf verfangene Tiere und nimmst es rechtzeitig wieder ab.

Mini-Checkliste

Herbstlaub holst du aus dem Wasser, bevor es sich zersetzt. Röhricht- und Sumpfpflanzen schneidest du erst im März zurück. Entschlammt wird außerhalb der Kaulquappenzeit, zum Beispiel im September.

Was zeigen Sensoren und Apps im Teich an?

Vernetzte Sensoren sollen Nährstoffe, pH-Wert und Sauerstoff überwachen und die Werte per App melden. Wie viel ein Messwert verrät, hängt davon ab, was der Sensor tatsächlich misst. Die elektrische Leitfähigkeit beschreibt den Gesamtsalzgehalt einer Lösung. Einzelne Nährstoffe wie Phosphat lassen sich daraus nicht bestimmen.

Beim pH-Wert spielt die Photosynthese mit: Pflanzen und Algen entziehen dem Wasser Kohlendioxid und können den pH-Wert so anheben. Eine hohe Pufferkapazität des Wassers vermindert solche Schwankungen. Ein pH-Wert ohne Carbonathärte oder Säurebindungsvermögen sagt dir deshalb wenig darüber, wie stabil dein Teich ist.

Lässt du den pH-Wert automatisch gegen Algen absenken, solltest du eines wissen: Ein Teichwasser-pH unter 7 wirkt nicht gesichert gegen Veralgung. Zu jedem Messwert notiere ich Datum und Uhrzeit, damit ich spätere Werte damit vergleichen kann.

Welche Spezialsubstrate gibt es für Fisch-, Natur- und Schwimmteich?

Für einzelne Teichtypen werden eigene Substrate angeboten. Was sie leisten können, misst du an den Ansätzen oben.

Fisch- und Koi-Teich: Hier tragen Fischkot und Futterreste zur Nährstoffbelastung bei. Ein Zeolith-Substrat kann Ammonium binden, für Phosphat aus dem Futter wäre ein Phosphatbinder der passendere Ansatz.

Mythos-Check

„Ein Koi-Substrat sorgt für klares Wasser.“ Trübung kann auch von den Fischen selbst kommen, denn gründelnde Fische wie Goldfische können Partikel vom Teichboden aufwirbeln. Bevor du das Substrat wechselst, beobachte, ob die Trübung mit dem Gründeln zusammenhängt.

Naturteich: Für naturnah gestaltete Teiche eignen sich nährstoffarme Mineralgemische aus gewaschenem Sand, Kies oder beidem, ohne organische Bestandteile. Wird ein Substrat als naturnah beworben, prüfst du es genau auf diesen Punkt.

Schwimmteich: Hier passt der Ansatz, Phosphat gezielt zu binden, wie im Badesee-Versuch mit eisenbeschichtetem Filtermaterial. Dessen Standzeit blieb allerdings offen.

Die klassische Wahl je Zone und Pflanzengruppe behandelt der Ratgeber dazu, welche Teicherde zu welcher Teichzone und Pflanzengruppe passt.

Gehören abbaubare und recycelte Substrate in den Teich?

Kokosfasern, Reisspelzen oder kompostierter Grünschnitt werden als nachhaltige Zutaten für Teicherde genannt. Alle drei sind organische Materialien, und organische Zuschläge meidest du im naturnahen Teich. Herbstlaub setzt beim Zersetzen Nährstoffe frei und begünstigt späteres Algenwachstum. Ein Substrat, das sich im Wasser zersetzt, kann deshalb ähnlich wirken wie liegen gebliebenes Laub.

Enthält eine Wasserpflanzenerde Torf, kommt die Umweltseite dazu. Torfabbau und die dafür nötige Entwässerung zerstören Moorlebensräume und setzen gespeicherten Kohlenstoff als Treibhausgas frei. Bei Trägern aus abbaubarem Kunststoff bin ich zurückhaltend, weil zerfallende Kunststoff-Mulchfolien im Gartenboden Mikroplastik hinterlassen können.

Wie testest du ein neues Substrat, ohne den Teich umzubauen?

Pflanzkörbe oder beschwerte Pflanzinseln ermöglichen eine Teichbepflanzung ohne flächige Substratauflage. Damit taugen sie als Testfeld für ein neues Material, während der übrige Teichboden unverändert bleibt. Ein neues Substrat bekommt bei mir zuerst einen einzelnen Korb, den ich mit Datum und Material in mein Teichheft eintrage. Rund um den Korb beobachtest du Pflanze, Wasser und Algenaufwuchs, bevor du die Fläche erweiterst.

Jetzt dran

Bevor du ein neues Teichsubstrat kaufst, klär diese Fragen: Woraus besteht es, und enthält es organische Anteile? Welchen Stoff soll es binden oder abgeben? Was passiert, wenn seine Bindekapazität erschöpft ist? Wie viel Futter und Laub gelangen bei dir ins Wasser?

Passt dazu

Was an den gängigen Irrtümern zu Algen, Eigenmischung und Austausch dran ist, liest du im Beitrag darüber, warum ein Gartenteich überhaupt Teicherde braucht.

Häufige Fragen

Helfen Teichsubstrate mit zugesetzten Bakterien gegen Algen?
Eine sichere Wirkung solltest du nicht erwarten. In einem wissenschaftlich begleiteten Projekt zur Gewässersanierung ließ sich eine direkte Konkurrenz zwischen zugesetzten Effektiven Mikroorganismen und Blaualgen nicht sicher nachweisen. Starkes Algenwachstum fördern hohe Nitrat- und Phosphatgehalte im Wasser, deshalb setzt du besser bei Quellen wie Fischfutter, Futterresten und Herbstlaub an.
Was unterscheidet Zeolith von anderen mineralischen Teichsubstraten?
Zeolith kann Ammonium durch Ionenaustausch binden, während gewaschener Sand und Kies im naturnahen Teich als nährstoffarme Auflage dienen. Gebrannter Ton wie Blähton hat dagegen nahezu keine Kationenaustauschkapazität, weil das Brennen die Tonstruktur verändert. Die Bindekapazität von Zeolith ist begrenzt: In einem Abwasserverfahren wird beim Erreichen der Ablaufgrenze auf eine zweite Zeolithsäule gewechselt und die erste regeneriert. Phosphat läuft dort über eine eigene Fällstufe.
Wie funktioniert die zeitgesteuerte Nährstoffabgabe in Teichsubstraten?
Solche Substrate arbeiten nach dem Prinzip umhüllter Depotdünger: Eine Hüllschicht verzögert die Freisetzung der Nährstoffe. Wie schnell sie frei werden, hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab, und niedrige Temperaturen verzögern die Wirkung zusätzlich. Bereits freigesetzte Nährsalze können ausgewaschen werden und im Teich ins Wasser gelangen, wo hohe Nitrat- und Phosphatgehalte Algen fördern.
Was versteht man unter Phytoremediation im Gartenteich?
Phytoremediation oder Phytosanierung bedeutet, dass Pflanzen je nach Schadstoff und Verfahren Stoffe aus dem Boden entfernen oder im Wurzelraum festlegen. Im Gartenteich betrifft das Prinzip die Nährstoffe: Übermäßiger Phosphor fördert Wasserpflanzen ebenso wie Algen. Der Abbau abgestorbener Biomasse verbraucht anschließend Sauerstoff im Wasser. Herbstlaub und abgesunkene Pflanzenreste holst du deshalb heraus.
Kann ein Teichsubstrat den pH-Wert so steuern, dass weniger Algen wachsen?
Darauf solltest du nicht bauen, denn ein Teichwasser-pH unter 7 wirkt nicht gesichert gegen Veralgung. Wie stark der pH-Wert schwankt, hängt auch von der Pufferkapazität des Wassers ab, also von Carbonathärte und Säurebindungsvermögen. Photosynthese kann den pH-Wert anheben, weil Pflanzen und Algen dem Wasser Kohlendioxid entziehen. Gegen Algen setzt du bei Nitrat und Phosphat an.
Was zeigt ein Leitfähigkeitssensor im Gartenteich an?
Die elektrische Leitfähigkeit beschreibt den Gesamtsalzgehalt des Wassers. Welche Nährstoffe darin stecken, etwa wie viel Phosphat, lässt sich daraus nicht ablesen. Für die Frage nach Algennährstoffen brauchst du deshalb Messungen einzelner Stoffe wie Nitrat und Phosphat.
Wie probiere ich ein neues Teichsubstrat aus, ohne den ganzen Teich umzubauen?
Pflanzkörbe oder beschwerte Pflanzinseln ermöglichen eine Teichbepflanzung ohne flächige Substratauflage. Setz das neue Material deshalb zuerst in einen einzelnen Korb und lass den übrigen Teichboden unverändert. Beobachte rund um den Korb Pflanze, Wasser und Algenaufwuchs, bevor du die Fläche erweiterst.
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