Teicherde im Wandel: Was neue Teichsubstrate wirklich leisten
- Hohe Nitrat- und Phosphatgehalte fördern Algen, und Fischfutter kann eine wichtige Phosphatquelle sein.
- Zeolith kann Ammonium durch Ionenaustausch binden, seine Bindekapazität ist aber begrenzt.
- Eisenbeschichtetes Filtermaterial band in einem Badesee-Versuch Orthophosphat besser als Oolith, die Standzeit blieb offen.
- Eine direkte Konkurrenz zwischen zugesetzten Effektiven Mikroorganismen und Blaualgen ließ sich in einem begleiteten Sanierungsprojekt nicht sicher nachweisen.
- Ein neues Substrat testest du zuerst in einem einzelnen Pflanzkorb.

Kristallklares Wasser, weniger Pflege, Bakterien gegen Algen: Mit solchen Versprechen werben neue Teicherden. Wer allein auf das SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. setzt und die Nährstoffquellen im Teich übersieht, riskiert, dass die Algen trotzdem wachsen. Wenn mir ein neues Teichsubstrat begegnet, frage ich deshalb zuerst, woraus es besteht und welchen Stoff es binden oder abgeben soll. Mit diesen zwei Fragen gehe ich hier die bekannten Ansätze durch, vom Zeolith bis zum Sensor.
Was muss eine Teicherde grundsätzlich können?
Im naturnahen Teich genügt auf der Abdichtung eine etwa 10 cm starke Schicht aus nährstoffarmem, gewaschenem Sand und Kies ohne organische Beimischungen. Für ein reines Sumpfbeet kann dagegen lehmige Gartenerde mit kompostierter Rinde passen. Wie du Erden und Substrate dafür auswählst, steht im Überblick zu Erden und Substraten für Teich und Sumpfbeet.
Woran muss sich ein neues Teichsubstrat messen lassen?
Hohe Nitrat- und Phosphatgehalte im Teichwasser fördern starkes Algenwachstum. Sterben Algen und andere Biomasse ab, kann ihr Abbau im stehenden Wasser Sauerstoffmangel verursachen. Jedes neue Substrat muss sich deshalb an einer Frage messen lassen: Welche Nährstoffe hält es fest, und welche gibt es ab?
Nährstoffe gelangen allerdings auch von oben ins Wasser. Fischkot und Futterreste tragen zur Belastung bei, und Fischfutter kann eine wichtige Phosphatquelle sein. Herbstlaub setzt beim Zersetzen Nährstoffe frei und begünstigt so späteres Algenwachstum. Wer reichlich füttert und Laub im Wasser liegen lässt, arbeitet also gegen jedes Substrat an, das PhosphatPhosphat ist die Form, in der der Pflanzennährstoff Phosphor im Garten meist angegeben wird: als Phosphatgehalt im Befund der Bodenuntersuchung und als Phosphatanteil auf Düngerpackungen, dort mit dem Kürzel P2O5. binden soll.
Den Blick ins Substrat selbst vertieft der Beitrag darüber, welche Nährstoffe und welcher pH-Wert in Teicherden stecken.
Neue Ansätze im Überblick
Die Tabelle zeigt, was hinter den gängigen Neuerungen steckt und wo ihre Grenzen liegen.
| Ansatz | Was dahintersteckt | Was offen bleibt |
|---|---|---|
| Zeolith im Substrat | bindet Ammonium durch Ionenaustausch | Bindekapazität erschöpft sich; Phosphat läuft in einem Abwasserverfahren über eine eigene Fällstufe |
| Phosphatbindendes Filtermaterial | eisenbeschichtetes Mineralmaterial band im Badesee-Versuch Orthophosphat besser als Oolith | langfristige Standzeit ungeklärt |
| Bakterien- und Mikroorganismen-Zusätze | sollen Algen über Konkurrenz zurückdrängen | direkte Konkurrenz zu Blaualgen im begleiteten Sanierungsprojekt nicht sicher nachgewiesen |
| Depotkapseln im Substrat | Hüllschicht verzögert die Freisetzung, Temperatur und Feuchte bestimmen das Tempo | freigesetzte Nährsalze können ausgewaschen werden |
| Pflanzen als Reinigungsstufe | PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. fördert das Wachstum von Wasserpflanzen | Abbau abgestorbener Pflanzenteile verbraucht Sauerstoff |
| Leitfähigkeitssensor | misst den Gesamtsalzgehalt | keine Aussage zu einzelnen Nährstoffen |
| Gebrannter Ton wie Blähton | mineralischer, gebrannter Zuschlag | nahezu keine Kationenaustauschkapazität |
| Abbaubare organische Substrate | Materialien wie Kokos, Reisspelzen oder Kompost | organische Zuschläge meidest du im naturnahen Teich; im reinen Sumpfbeet kann kompostierte Rinde passen |
Was kann Zeolith im Teich?
Wird ein Substrat mit feinen Poren oder Nanofilter-Technik beworben, frag zuerst nach dem Material. Ein Mineral, das in diesem Zusammenhang genannt wird, ist Zeolith. Zeolith kann Ammonium durch Ionenaustausch binden. Für Phosphat ist in einem Abwasserverfahren mit Zeolith dagegen eine eigene Stufe vorgesehen, die Struvitfällung.
Auch die Bindekapazität hat Grenzen. In demselben Verfahren wird beim Erreichen der Ablaufgrenze auf eine zweite Zeolithsäule gewechselt und die erste regeneriert. Zeolith setzt also beim Ammonium an, während Phosphat aus dem Fischfutter weiter Algen fördern kann. Ein Zeolith-Substrat ersetzt deshalb nicht den Blick auf die Phosphatquellen in deinem Teich.
Beim Ionenaustausch halten Tonminerale und Huminstoffe positiv geladene Nährstoffionen fest und geben sie im Austausch wieder an die Lösung ab. Nitrat halten überwiegend negativ geladene Bodenteilchen dagegen kaum fest. Gebrannter Ton wie Blähton hat nahezu keine Kationenaustauschkapazität mehr, weil das Brennen die Tonstruktur verändert.
Lässt sich Phosphat im Teich gezielt binden?
In einem Versuch an einem Badesee band eisenbeschichtetes mineralisches Filtermaterial Orthophosphat besser als Oolith. Wie lange das Material diese Leistung hält, blieb in dem Versuch ungeklärt. Für den Gartenteich ist das ein Ansatz mit Versuchsdaten, aber ohne gesicherte Aussage zur Standzeit.
Unabhängig vom Filter lohnt es, weniger Phosphat einzutragen. Ein Binder mit offener Standzeit fängt sonst ab, was du an der Quelle gar nicht erst ins Wasser geben müsstest.
Nach dem Füttern schaue ich, ob Futterreste auf dem Wasser treiben, und hole sie mit dem Kescher heraus. Herbstlaub ziehe ich ab, bevor es auf den Grund sinkt.
Helfen Bakterien und Probiotika im Substrat gegen Algen?
Bioaktive oder probiotische Teicherden sollen Mikroorganismen mitbringen, die Schadstoffe abbauen und Algen verdrängen. Ob die Verdrängung gelingt, ist offen. In einem wissenschaftlich begleiteten Projekt zur Gewässersanierung ließ sich eine direkte Konkurrenz zwischen zugesetzten Effektiven Mikroorganismen und Blaualgen nicht sicher nachweisen. Aus dem Gemüsebau kommt ein ähnliches Bild: In Versuchen der LWG konnte die Wirksamkeit der eingesetzten Effektiven Mikroorganismen nicht wissenschaftlich gezeigt werden.
Bevor ich über einen Zusatz nachdenke, gehe ich die Wege durch, auf denen Nährstoffe in meinen Teich gelangen: Futter, Fischkot, Laub und abgestorbene Pflanzenteile. An diesen Stellen kannst du ansetzen, ohne auf ein Versprechen angewiesen zu sein.
Wie funktioniert die zeitgesteuerte Nährstoffabgabe?
Manche Teichsubstrate enthalten Nährstoffe in Kapseln oder Beschichtungen, die sie nach und nach abgeben sollen. Das Prinzip kennst du von umhüllten Depotdüngern im Garten: Eine Hüllschicht verzögert die Freisetzung. Wie schnell die Nährstoffe frei werden, hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Niedrige Temperaturen verzögern die Wirkung zusätzlich.
Bereits freigesetzte Nährsalze können aus dem Substrat ausgewaschen werden und im Teich ins Wasser gelangen. Dort fördern hohe Nitrat- und Phosphatgehalte die Algen. Was eine Kapsel abgibt und die Wurzeln nicht aufnehmen, kann deshalb auch den Algen zugutekommen.
Können Pflanzen den Teich reinigen?
Unter Phytoremediation, auch Phytosanierung genannt, versteht man den Einsatz von Pflanzen, die Stoffe aus dem Boden entfernen oder im Wurzelraum festlegen. Wie gut das gelingt, hängt vom Schadstoff und vom Verfahren ab. Auf den Gartenteich übertragen geht es um Nährstoffe: Übermäßiger Phosphor fördert Wasserpflanzen ebenso wie Algen.
Wasserpflanzen wachsen also mit dem Phosphor, doch der Abbau abgestorbener Biomasse verbraucht später Sauerstoff im Wasser. Abgestorbene Pflanzenteile, die ins Wasser sinken, holst du deshalb heraus. Fadenalgen drehe ich mit einem Stab aus dem Wasser und lege sie am Ufer ab, damit darin sitzende Kleintiere zurück ins Wasser finden.
Ein Laubschutznetz über dem Teich kontrollierst du mehrmals täglich auf verfangene Tiere und nimmst es rechtzeitig wieder ab.
Herbstlaub holst du aus dem Wasser, bevor es sich zersetzt. Röhricht- und Sumpfpflanzen schneidest du erst im März zurück. Entschlammt wird außerhalb der Kaulquappenzeit, zum Beispiel im September.
Was zeigen Sensoren und Apps im Teich an?
Vernetzte Sensoren sollen Nährstoffe, pH-Wert und Sauerstoff überwachen und die Werte per App melden. Wie viel ein Messwert verrät, hängt davon ab, was der Sensor tatsächlich misst. Die elektrische LeitfähigkeitDie Leitfähigkeit, oft als EC-Wert angegeben, ist ein Messwert für die Menge gelöster Salze, etwa Düngesalze, in Erde oder Wasser. Gemessen wird, wie gut die Probe Strom leitet: Je mehr Salze gelöst sind, desto höher der Wert. beschreibt den Gesamtsalzgehalt einer Lösung. Einzelne Nährstoffe wie Phosphat lassen sich daraus nicht bestimmen.
Beim pH-Wert spielt die PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. mit: Pflanzen und Algen entziehen dem Wasser Kohlendioxid und können den pH-Wert so anheben. Eine hohe Pufferkapazität des Wassers vermindert solche Schwankungen. Ein pH-Wert ohne CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. oder Säurebindungsvermögen sagt dir deshalb wenig darüber, wie stabil dein Teich ist.
Lässt du den pH-Wert automatisch gegen Algen absenken, solltest du eines wissen: Ein Teichwasser-pH unter 7 wirkt nicht gesichert gegen Veralgung. Zu jedem Messwert notiere ich Datum und Uhrzeit, damit ich spätere Werte damit vergleichen kann.
Welche Spezialsubstrate gibt es für Fisch-, Natur- und Schwimmteich?
Für einzelne Teichtypen werden eigene Substrate angeboten. Was sie leisten können, misst du an den Ansätzen oben.
Fisch- und Koi-Teich: Hier tragen Fischkot und Futterreste zur Nährstoffbelastung bei. Ein Zeolith-Substrat kann Ammonium binden, für Phosphat aus dem Futter wäre ein Phosphatbinder der passendere Ansatz.
„Ein Koi-Substrat sorgt für klares Wasser.“ Trübung kann auch von den Fischen selbst kommen, denn gründelnde Fische wie Goldfische können Partikel vom Teichboden aufwirbeln. Bevor du das Substrat wechselst, beobachte, ob die Trübung mit dem Gründeln zusammenhängt.
Naturteich: Für naturnah gestaltete Teiche eignen sich nährstoffarme Mineralgemische aus gewaschenem Sand, Kies oder beidem, ohne organische Bestandteile. Wird ein Substrat als naturnah beworben, prüfst du es genau auf diesen Punkt.
Schwimmteich: Hier passt der Ansatz, Phosphat gezielt zu binden, wie im Badesee-Versuch mit eisenbeschichtetem Filtermaterial. Dessen Standzeit blieb allerdings offen.
Die klassische Wahl je Zone und Pflanzengruppe behandelt der Ratgeber dazu, welche Teicherde zu welcher Teichzone und Pflanzengruppe passt.
Gehören abbaubare und recycelte Substrate in den Teich?
KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf., Reisspelzen oder kompostierter Grünschnitt werden als nachhaltige Zutaten für Teicherde genannt. Alle drei sind organische Materialien, und organische Zuschläge meidest du im naturnahen Teich. Herbstlaub setzt beim Zersetzen Nährstoffe frei und begünstigt späteres Algenwachstum. Ein Substrat, das sich im Wasser zersetzt, kann deshalb ähnlich wirken wie liegen gebliebenes Laub.
Enthält eine Wasserpflanzenerde Torf, kommt die Umweltseite dazu. Torfabbau und die dafür nötige Entwässerung zerstören Moorlebensräume und setzen gespeicherten KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. als Treibhausgas frei. Bei Trägern aus abbaubarem Kunststoff bin ich zurückhaltend, weil zerfallende Kunststoff-Mulchfolien im Gartenboden Mikroplastik hinterlassen können.
Wie testest du ein neues Substrat, ohne den Teich umzubauen?
Pflanzkörbe oder beschwerte Pflanzinseln ermöglichen eine Teichbepflanzung ohne flächige Substratauflage. Damit taugen sie als Testfeld für ein neues Material, während der übrige Teichboden unverändert bleibt. Ein neues Substrat bekommt bei mir zuerst einen einzelnen Korb, den ich mit Datum und Material in mein Teichheft eintrage. Rund um den Korb beobachtest du Pflanze, Wasser und Algenaufwuchs, bevor du die Fläche erweiterst.
Bevor du ein neues Teichsubstrat kaufst, klär diese Fragen: Woraus besteht es, und enthält es organische Anteile? Welchen Stoff soll es binden oder abgeben? Was passiert, wenn seine Bindekapazität erschöpft ist? Wie viel Futter und Laub gelangen bei dir ins Wasser?
Was an den gängigen Irrtümern zu Algen, Eigenmischung und Austausch dran ist, liest du im Beitrag darüber, warum ein Gartenteich überhaupt Teicherde braucht.
