Gartenpraxis · Gartenplanung, Mischkultur & Fruchtfolge · Sorten

Mehrjährige Gemüsepflanzen: Pflanzung, Vermehrung und die Wartezeit bis zur Ernte

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Mehrjähriges Gemüse bleibt über Jahre am selben Platz und bekommt deshalb einen festen Bereich außerhalb der Wechselbeete.
  • Mehrjährig angebaute Artischocken brauchen ungefähr 1 m² je Pflanze, eine geeignete geschützte Lage und Winterschutz.
  • Rhabarber bleibt im ersten Jahr nach der Pflanzung ungeerntet und wird im zweiten Jahr nur im April und Mai beerntet.
  • Bei neu angelegtem Grünspargel ist die Ernte regulär erst ab dem dritten Standjahr vorgesehen.
  • Topinamburknollen können über Winter im Boden bleiben, geerntet wird je nach Bedarf zwischen September und März.
  • Vermehrt wird je nach Art über Teilung, Stecklinge, Brutzwiebeln oder Knollen.

Ein Rhabarber, der am falschen Platz steht, steht dort auch im nächsten Jahr. Das unterscheidet mehrjähriges Gemüse von Salat oder Bohnen: Die jährliche Aussaat entfällt, aber den Standort korrigierst du nicht mehr nebenbei. Ich zeichne Dauerkulturen deshalb als Erstes in meine Beetskizze ein, bevor ich die übrigen Beete verteile.

Dazu kommt die Wartezeit. Rhabarber und Grünspargel darfst du nicht sofort beernten, und die Artischocke braucht für mehrere Jahre eine geschützte Lage mit Winterschutz. Für jede Art liest du hier, wie du sie pflanzt, wie du sie vermehrst und ab wann du ernten darfst.

Welche mehrjährigen Gemüsepflanzen gibt es?

Sieben Arten stelle ich dir genauer vor. Die Tabelle zeigt, was du erntest, womit du vermehrst und was jede Art von dir verlangt.

Gemüse Geerntet werden Vermehrung und Pflanzgut Das verlangt die Art
Artischocke geschlossene Blütenknospen Aussaat geeignete geschützte Lage und Winterschutz für die mehrjährige Kultur
Rhabarber Blattstiele Teilung des Wurzelstocks keine Ernte im ersten Jahr nach der Pflanzung
Grünspargel junge Triebe Wurzelstöcke, die Kronen reguläre Ernte erst ab dem dritten Standjahr
Topinambur Knollen Knollen einen Platz, den du abgrenzen kannst
Mehrjähriger Kohl Blätter Stecklinge aus Seitentrieben einen Platz außerhalb der Kohl-Fruchtfolge
Babington-Lauch Stängel Brutzwiebeln Zeit zum Einwachsen vor dem ersten Schnitt
Oca Knollen Knollen jedes Frühjahr eine neue Pflanzung
Kurz erklärt

Mehrjährig heißt, dass eine Pflanze über mehrere Jahre am selben Platz bleibt und wieder austreibt. Einjährige Kulturen säst oder pflanzt du jedes Jahr neu. Mangold liegt dazwischen: Er ist zweijährig, wird als Gemüse aber üblicherweise im ersten Jahr genutzt.

Wo stehen Dauerkulturen im Garten richtig?

Gib mehrjährigem Gemüse einen festen Bereich außerhalb der Beete, auf denen du jährlich wechselst. In einem Fünfbeeteplan rückt jede Kulturfolge jährlich ein Beet weiter, so entsteht ein Fruchtwechsel im fünfjährigen Rhythmus. Eine Staude, die jahrelang am selben Platz bleibt, kann nicht mitrücken und nimmt ihr Beet aus diesem Wechsel.

Plane nur Arten ein, die du tatsächlich isst und in dieser Menge brauchst. Eine einjährige Kultur ersetzt du im nächsten Frühjahr, eine Staude belegt ihre Fläche weiter.

Zahl im Blick

Mehrjährig angebaute Artischocken benötigen ungefähr 1 m² Platz je Pflanze. Rhabarber braucht nach der Teilung etwa 1 m² je Pflanze. Halte diese Fläche von Anfang an frei, auch wenn die junge Pflanze sie noch nicht füllt.

Trag die festen Plätze ein, bevor du die Wechselbeete verteilst. Am Bildschirm geht das, wenn du deine Beete im Beetplaner einteilst und belegst.

Solange eine junge Staude ihre Fläche noch nicht füllt, kannst du die Lücke mit einer kurzlebigen Zwischenkultur nutzen. Ernte sie, bevor sie die Hauptkultur bedrängt. Welche Gemüse als Beetnachbarn zusammenpassen, schlägst du im Mischkultur-Werkzeug nach. Eine Schutzwirkung garantiert dir aber keine Nachbarschaft.

Was erledigst du vor der Pflanzung?

Grab Wurzelunkräuter wie Disteln und Quecke vor der Pflanzung möglichst mit der ganzen Wurzel aus. Bleiben Wurzelstücke im Boden, können sie erneut austreiben, und zwischen den Stauden kommst du später schlechter an sie heran. Lass außerdem den Boden untersuchen, denn mit der nutzungsbezogenen Düngeempfehlung stimmst du die Nährstoffzufuhr auf deinen Boden ab. Wie Fruchtfolge, Mischkultur und Bodenuntersuchung im Gartenplan zusammenhängen, erklären die Grundlagen zur Gartenplanung.

Anzeigen

Artischocke: Bleibt sie bei dir mehrere Jahre?

Ob die Artischocke mehrere Jahre steht, entscheidet deine Lage. Für die mehrjährige Kultur braucht sie eine geeignete geschützte Lage und dort Winterschutz. Schütze dabei auch die hohlen Stängel, damit keine Nässe eindringt. Als Standort passt ein sonniger Platz mit gut durchlässigem Boden.

Im milden Weinbauklima kann sie als ausdauernde Staude bis zu 1,5 m hoch werden. Wo eine geschützte Lage fehlt, bleibt der einjährige Anbau. Dann vergehen etwa 20 Wochen von der Aussaat bis zum Erntebeginn. Plane die Artischocke in diesem Fall als einjähriges Gemüse mit langer Kulturzeit ein und verlass dich nicht auf die Überwinterung.

Beim Düngen zählt sie zu den Gemüsearten mit mittlerem Nährstoffbedarf.

Wann schneidest du die Knospen?

Schneide die Knospen, solange sie noch geschlossen sind und die Hüllblätter eng anliegen. Einzelne Knospen lasse ich bewusst aufblühen, die überlasse ich den Insekten.

Cardy ähnelt der Artischocke. Bei ihr nutzt du die Stängel, die sich wie Sellerie zubereiten lassen.

Rhabarber: Wie baust du die Ernte auf?

Rhabarber pflanzt du vorzugsweise im frühen Herbst, alternativ im Frühjahr. Er steht gern sonnig in gut durchlässigem Boden. Für die Ernte gelten in den ersten Jahren feste Grenzen.

Zeitpunkt Ernte
erstes Jahr nach der Pflanzung keine Ernte
zweites Jahr nur im April und Mai
etablierte Pflanze reguläre Ernte endet gegen Ende Juni
bei jeder Ernte ein Drittel der Blätter bleibt an der Pflanze

Das Ernteende hat einen Grund: Die Pflanze soll danach Reservestoffe für das Folgejahr einlagern können.

Wie vermehrst und verjüngst du Rhabarber?

Rhabarber vermehrst du durch Teilung des Wurzelstocks. Auf demselben Weg verjüngst du ihn, vorzugsweise im frühen Herbst. Jede Pflanze braucht danach etwa 1 m² Platz.

Die Teilstücke, die du neu setzt, sind wieder Neupflanzungen, und im ersten Jahr nach der Pflanzung bleibt Rhabarber ungeerntet. Wer alle Stauden im selben Herbst ausgräbt und teilt, plant für das Folgejahr also besser keine Ernte ein. Ich teile deshalb immer nur einen Teil meiner Stauden.

Grünspargel: Ab wann darfst du ernten?

Spargel braucht einen tiefgründigen, lockeren Boden in voller Sonne. Gepflanzt werden Wurzelstöcke, die Kronen heißen. Du setzt sie im Frühjahr in einen vorbereiteten, unkrautfreien Graben mit Kompost und gießt sie an.

Bei neu angelegtem Grünspargel ist die Ernte regulär erst ab dem dritten Standjahr vorgesehen. Eine kurze erste Ernte kann je nach Pflanzenentwicklung und Kulturführung schon im zweiten bis dritten Standjahr beginnen.

Die fedrigen Triebe, die danach durchwachsen, lässt du stehen, weil sie den Wurzelstock mit Nährstoffen versorgen. Abgestorbene Stängel schneidest du im Herbst ab. Kontrolliere das Kraut auf Schädlinge wie die Spargelfliege.

Marias Erfahrung

Ich schreibe das Pflanzjahr auf ein Etikett und stecke es an den Anfang der Spargelreihe. Im Frühjahr zähle ich daran das Standjahr ab, bevor ich das Messer hole.

Topinambur: Wann erntest du die Knollen?

Topinambur ist eine mehrjährige Verwandte der Sonnenblume mit essbaren Knollen. Gepflanzt werden die Knollen ab dem Frühjahr.

Die Knollen können den Winter über im Boden bleiben. Geerntet wird je nach Bedarf zwischen September und März. Ein Lager brauchst du deshalb nicht: Grab nur aus, was du in der Küche gerade verbrauchst.

Achtung

Knollen, die im Boden bleiben, treiben wieder aus. Topinambur kann sich deshalb über seinen Platz hinaus ausbreiten. Gib ihm eine Ecke, die du klar abgrenzen kannst.

Ich grabe beim Ernten gründlich nach und lese auch kleine Knollen aus. In der Küche isst du die Knollen roh oder garst sie wie Kartoffeln.

Anzeigen

Mehrjähriger Kohl: Wie vermehrst du ihn?

Mehrjähriger Kohl bleibt stehen und wird Blatt für Blatt beerntet, statt als ganze Pflanze vom Beet zu kommen. Bekannte Namen sind ‘Taunton Dean’ und ‘Daubenton’. Nach der Ernte treibt die Pflanze aus den Seitentrieben nach.

Für die Vermehrung schneidest du Seitentriebe als Stecklinge. Steck sie in Töpfe und halte sie feucht, bis sie Wurzeln gebildet haben. Danach pflanzt du die Jungpflanzen ins Beet.

Als Kohl gehört er zu den Kreuzblütlern, die zur Vorbeugung gegen Kohlhernie nur alle drei bis fünf Jahre am selben Platz angebaut werden sollten. Ein Kohl, der jahrelang stehen bleibt, kann diese Pause nicht einhalten. Setz Nachfolgepflanzen deshalb an eine andere Stelle und lass auf dem alten Platz keine Kreuzblütler folgen, auch nicht Gelbsenf oder Ölrettich als Gründüngung.

Babington-Lauch: Wie nutzt du die Brutzwiebeln?

Babington-Lauch ist ein mehrjähriger Lauch mit Knoblauch-Aroma. Er bildet in seinen Blüten kleine Brutzwiebeln, über die du ihn vermehrst. Zieh die Brutzwiebeln zunächst in Töpfen vor und setz sie ins Beet, sobald die Töpfe durchwurzelt sind.

Lass die jungen Pflanzen erst einwachsen, bevor du Stängel schneidest. Wenn du Nachschub brauchst, lässt du Blüten stehen und sammelst die neuen Brutzwiebeln ab.

Oca: Warum pflanzt du sie jedes Jahr neu?

Oca, auch neuseeländische Yamswurzel genannt, wird zu den mehrjährigen Gemüsen gezählt. Im Beet läuft die Kultur trotzdem im Jahresrhythmus. Du ziehst die Knollen im Frühjahr vor und pflanzt sie nach den letzten Frösten aus. Geerntet wird spät im Jahr, wenn das Laub nach den ersten Frösten abgestorben ist. Für die nächste Saison legst du Knollen aus der eigenen Ernte zurück.

Topinambur kann über Winter im Boden bleiben, Oca kommt erst nach den letzten Frösten ins Beet. Rechne Oca deshalb in den jährlichen Pflanzplan ein und nicht in den Bereich, den du nach dem Pflanzen in Ruhe lässt.

In der Küche bereitest du die Knollen wie Kartoffeln zu. Roh in den Salat gehobelt bringen sie eine zitronige Note mit.

Welche mehrjährigen Gemüse gibt es außerdem?

Bei der Rauke hast du die Wahl zwischen zwei Arten. Gartenrauke wird einjährig kultiviert, die Wilde Rauke ist mehrjährig und wächst langsamer. Für ein Beet, das du nicht jedes Jahr neu einsäen willst, ist die Wilde Rauke die passende.

Zierstauden mit essbaren Teilen zähle ich nicht zum Gemüse. Iss von einer Pflanze nur, was du sicher bestimmt hast und dessen Essbarkeit geklärt ist.

Wie viel Pflege braucht mehrjähriges Gemüse?

Mythos-Check

„Einmal pflanzen, nie wieder Arbeit“ stimmt so nicht. Aussaat und Anzucht entfallen. Dafür kommen der Winterschutz bei der Artischocke, die Erntepausen bei Rhabarber und Grünspargel und das Jäten zwischen den Stauden dazu.

Hack flach zwischen den Pflanzen, das entfernt junge Unkräuter und vermindert Wasserverluste. Eine Mulchdecke schützt die Bodenoberfläche außerdem vor Verschlämmung durch Starkregen. Angewelkten Grasschnitt bringe ich wiederholt und nur so auf, dass der Boden noch leicht durchscheint.

Häufige Fragen

Was sind mehrjährige Gemüsepflanzen und welche Vorteile bieten sie?
Mehrjährige Gemüsepflanzen bleiben über Jahre am selben Platz und treiben wieder aus, statt jedes Jahr neu gesät zu werden. Beispiele sind Rhabarber, Grünspargel, Topinambur und mehrjähriger Kohl, in geschützten Lagen mit Winterschutz auch die Artischocke. Für diese Fläche entfallen Aussaat und Anzucht. Dafür brauchst du einen festen Platz und bei Rhabarber und Grünspargel Geduld bis zur ersten Ernte.
Warum sollte Spargel in den ersten beiden Jahren nicht geerntet werden?
Die Pflanzen sollen sich erst etablieren und ihren Wurzelstock aufbauen. Bei neu angelegtem Grünspargel ist die Ernte deshalb regulär erst ab dem dritten Standjahr vorgesehen. Die Triebe, die bis dahin wachsen, bleiben stehen, weil sie den Wurzelstock mit Nährstoffen versorgen.
Worin unterscheiden sich Topinambur und Oca als Knollengemüse?
Topinamburknollen können über Winter im Boden bleiben, du erntest sie je nach Bedarf zwischen September und März. Oca pflanzt du dagegen erst nach den letzten Frösten und erntest spät im Jahr, wenn das Laub nach den ersten Frösten abgestorben ist. Topinambur braucht also einen dauerhaften Platz, Oca einen festen Pflanztermin im Frühjahr.
Was ist der Unterschied zwischen mehrjährigem Kohl und herkömmlichen Kohlsorten?
Weißkohl, Kohlrabi oder Brokkoli räumst du nach der Ernte vom Beet. Mehrjähriger Kohl bleibt stehen, wird Blatt für Blatt beerntet und über Stecklinge aus den Seitentrieben vermehrt. Auch er ist ein Kreuzblütler, deshalb setzt du Nachfolgepflanzen an eine andere Stelle.
Wie funktioniert die Vermehrung von mehrjährigem Gemüse über Stecklinge und Brutzwiebeln?
Bei mehrjährigem Kohl schneidest du Seitentriebe als Stecklinge, steckst sie in Töpfe und hältst sie feucht, bis sie Wurzeln gebildet haben. Babington-Lauch bildet Brutzwiebeln, die du ebenfalls erst in Töpfen vorziehst und dann ins Beet setzt. Rhabarber vermehrst du anders, nämlich durch Teilung des Wurzelstocks, vorzugsweise im frühen Herbst.
Stimmt es, dass mehrjähriges Gemüse weniger arbeitsintensiv ist als einjährige Kulturen?
Die jährliche Runde aus Säen, Pikieren und Auspflanzen entfällt, die Arbeit verschwindet aber nicht. Wurzelunkräuter musst du mit ihren Wurzeln entfernen, weil zurückbleibende Stücke erneut austreiben können. Dazu kommen der Winterschutz bei der Artischocke und die Erntepausen bei Rhabarber und Grünspargel.
Wie kann ein Selbstversorgergarten mit Stauden-Gemüse angelegt werden?
Wähle zuerst nach dem, was du tatsächlich isst, denn eine Dauerkultur besetzt ihren Platz über Jahre. Gib den Pflanzen einen festen Bereich außerhalb der Beete, auf denen du jährlich wechselst. Rhabarber und mehrjährig angebaute Artischocken brauchen jeweils ungefähr 1 m² je Pflanze. Für den Winter passt Topinambur, dessen Knollen im Boden bleiben können und je nach Bedarf zwischen September und März geerntet werden.
Zuletzt geprüft:
↑