Doldenblütler erkennen: Gewürzpflanzen, Gemüse und giftige Doppelgänger
- Doldenblütler tragen Doppeldolden, wechselständige, meist gefiederte Blätter mit Blattscheiden und zweiteilige Spaltfrüchte.
- Zu den Gewürzpflanzen der Familie gehören Petersilie, Dill, Kümmel, Liebstöckel, Koriander, Fenchel, Anis und Sellerie.
- Gefleckter Schierling, Wasserschierling und Hundspetersilie sind giftige Verwechslungspartner essbarer Wildkräuter.
- Blühende Petersilie verwendest du nicht mehr für Speisen.
- Nach lange stehenden Kulturen wie Sellerie und Petersilie ist vor dem nächsten Doldenblütler eine Anbaupause von 3 Jahren vorgesehen.
Wer Petersilie, Dill und Möhren sät, hat schon drei DoldenblütlerDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. im Garten. Die Familie bringt viele Gewürzpflanzen und Wurzelgemüse mit, aber auch giftige Doppelgänger wie Schierling und Hundspetersilie. Ich esse deshalb nur, was ich selbst gesät oder sicher bestimmt habe. Woran du die Familie erkennst und wie Möhre, Pastinake, Petersilie, Sellerie und Dill im Beet gelingen, zeige ich dir hier.
Woran erkennst du Doldenblütler?
Doldenblütler, botanisch Apiaceae, erkennst du zuerst am BlütenstandEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe.. Winzige, eher unscheinbare Einzelblüten stehen in kleinen Döldchen zusammen. Mehrere Döldchen vereinigen sich wiederum zu einer Doppeldolde. So entstehen große Blütenstände, die meist weiß und seltener gelb sind.
Auch die Blätter helfen beim Bestimmen. Die Laubblätter stehen wechselständig, sind meist einfach oder mehrfach gefiedert und entspringen einer Blattscheide. Nur wenige Arten haben ganze, ungeteilte Blätter. Der Stängel ist hohl und oft mit Knoten versehen. Nach der Blüte bilden typische Doldenblütler zweiteilige Spaltfrüchte.
Eine Doppeldolde ist eine Dolde aus Dolden. Jeder Strahl des großen Blütenstands trägt an seiner Spitze ein eigenes Döldchen. Dieser Aufbau hat der ganzen Familie ihren Namen gegeben.
Welche Gewürzpflanzen und Gemüse gehören zu den Doldenblütlern?
Viele Doldenblütler enthalten ätherische Öle, deshalb finden sich in der Familie zahlreiche Gewürzpflanzen. Dazu zählen Kümmel, Dill, Liebstöckel, Koriander, Fenchel, Petersilie, Anis und Sellerie. Je nach Art nutzt du die Blätter, die Blüten oder die Samen. Bei Möhre, Pastinake und Wurzelpetersilie isst du dagegen die fleischig verdickte PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche..
| Pflanze | Botanischer Name | Was du nutzt |
|---|---|---|
| Möhre | Daucus carota subsp. sativus | Pfahlwurzel |
| Pastinake | Pastinaca sativa | Pfahlwurzel |
| Petersilie | Petroselinum crispum | Blätter, bei Wurzelpetersilie auch die Wurzel |
| Sellerie | Apium graveolens | Knolle oder Stängel, das Laub zum Würzen |
| Dill | Anethum graveolens | Blätter, Blüten und reife Samen |
Nicht jedes Wurzelgemüse im Beet gehört zu dieser Familie. Rote Bete zählt zusammen mit Mangold und Spinat zu einer anderen Familie. Was die Gänsefußgewächse verbindet, erkläre ich in einem eigenen Beitrag. Im Ziergarten spielen Doldenblütler kaum eine Rolle, wilde Arten findest du eher in Naturgärten.
Giftige Doldenblütler: Schierling, Hundspetersilie und Petersilie im zweiten Jahr
Unter den Doldenblütlern gibt es sehr giftige Arten. Gefleckter Schierling (Conium maculatum), Wasserschierling (Cicuta virosa) und Hundspetersilie (Aethusa cynapium) gehören zu den giftigen Verwechslungspartnern essbarer Wildkräuter. Aus dem Gefleckten Schierling stammte das Gift des Schierlingsbechers, mit dem Sokrates hingerichtet wurde.
Die Hundspetersilie sieht der glatten Petersilie zum Verwechseln ähnlich. Deshalb lautet ein verbreiteter Rat, im Garten nur krause Petersilie anzubauen. Ich halte mich im Kräuterbeet daran.
Bei der Petersilie selbst zählt das Alter der Pflanze. Petersilie ist zweijährig und bildet erst im zweiten Jahr Blüten und Samen. Ab Blühbeginn steigt der Gehalt des Giftstoffs Apiol, besonders reich daran sind die reifen Samen. Blühende Petersilie verwendest du deshalb nicht mehr für Speisen.
Iss keine wild gesammelten Doldenblütler, die du nicht sicher bestimmt hast, und verlass dich dabei nie auf ein einzelnes Merkmal. Kinder fragen vor dem Naschen im Garten eine erwachsene Person und waschen die Ernte vorher mit Trinkwasser ab.
Was die Familie für deine Fruchtfolge bedeutet
In der Fruchtfolge zählen alle Doldenblütler als eine Familie, deshalb kommen Pastinaken nicht direkt nach Möhren, Sellerie, Petersilie oder anderen Doldenblütlern. Nach lange stehenden Kulturen wie Sellerie und Petersilie ist eine Anbaupause von 3 Jahren vorgesehen, bevor wieder ein Doldenblütler auf das Beet kommt. Ich notiere jedes Jahr in meinem digitalen Beetplan, welche Familie wo stand. Wie du die Fruchtfolge über alle Pflanzenfamilien planst, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung.
So gelingen Möhre, Pastinake, Petersilie, Sellerie und Dill
Die fünf Kulturen unterscheiden sich vor allem darin, ob du sie direkt säst oder vorziehst. Diese Eckwerte prüfe ich vor jeder Saat. Wo kein fester Wert steht, richtest du dich nach der Angabe auf der Saattüte.
| Kultur | Aussaat | SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. | Außerdem einplanen |
|---|---|---|---|
| Möhre | meist April bis Juni, bei geeigneten Bedingungen ab März | nach Saattüte | etwa 25 cm zwischen den Reihen, Abstand in der Reihe nach Saattüte |
| Pastinake | Mitte März bis Anfang Mai direkt ins Freiland | etwa 2 cm | nicht direkt nach anderen Doldenblütlern |
| Petersilie | nach Saattüte | 1,5 cm | sonniger bis halbschattiger Platz |
| Sellerie | Vorkultur, ins Beet erst Mitte bis Ende Mai | nach Saattüte | Keimdauer etwa 15 bis 20 Tage bei geeigneten Anzuchtbedingungen |
| Dill | ab April direkt ins Beet | Samen mit etwas Erde bedecken | sät sich oft selbst aus |
Möhre
Von der Möhre erntest du die fleischig verdickte Pfahlwurzel. Der Boden sollte steinfrei und durchlässig sein. Gesät wird meist von April bis Juni, bei geeigneten Bedingungen schon ab März. Zwischen den Reihen planst du etwa 25 cm ein, den Abstand in der Reihe gibt die Saattüte vor. Für jeden Zweck gibt es eigene Möhrentypen: stumpfe Lagermöhren, kleine süße Snackmöhren und bunte Sorten. Möhren vertragen leichte Fröste und gehören zu den lagerfähigen Gemüsen für die erntearme Zeit.
Die MöhrenfliegeDie Möhrenfliege ist ein Gartenschädling: eine Fliege, deren weiße Maden meist über die Wurzeln in Möhren eindringen. Befallene Möhren sind von rostbraunen Fraßgängen durchzogen, und dieses Schadbild heißt Eisenmadigkeit. legt ihre Eier am WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. ab, ihre Maden fressen Gänge in den Wurzelkörper. Ein KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. kann Gemüsefliegen abhalten, verlass dich aber nicht allein darauf. Möhren und Zwiebeln als Nachbarn sind keine verlässliche Fliegenabwehr und haben zudem unterschiedliche Ansprüche an Wasser und Nährstoffe. Welche Beetnachbarn zu deinen Möhren passen, prüfst du vor der Saat. Wie du Schädlingen schon bei der Planung vorbeugst, steht im Ratgeber zur Gartenplanung.
Pastinake
Pastinaken säst du von Mitte März bis Anfang Mai direkt ins Freiland, etwa 2 cm tief. Die Pflanze gilt als unkompliziert im Anbau und bildet große, weiße Pfahlwurzeln. Geschmacklich erinnert die Pastinake entfernt an die Möhre. In der Küche landet sie als süßliches Püree, im Eintopf oder als Ofengemüse. Pastinaken können im Winter im Beet bleiben, du erntest sie dann nach Bedarf. Ich stecke an die Enden der Reihe Stäbe, damit ich sie im Winter wiederfinde. Die regionale Sorte ‘Halblange Weiße’ gilt als robust und wuchsfreudig.
Petersilie
Petersilie wächst sonnig bis halbschattig auf lockerem, humus- und nährstoffreichem, gut entwässertem Boden. Die Samen legst du 1,5 cm tief in die Erde. Neben krauser und glatter Blattpetersilie gibt es Wurzelpetersilie, bei der vor allem die Wurzel zählt. Ihre Blätter kannst du trotzdem als Gewürz schneiden. Die weißen Wurzeln gräbst du spät im Herbst aus. Verwenden kannst du sie als Ofengemüse, in Suppen und als Ersatz für Sellerie. Die krause Sorte ‘Clivi’ bildet dicht gefüllte, mooskrause Blätter.
Ich säe Petersilie jedes Jahr neu und nehme die Vorjahrespflanzen heraus, sobald sie Blütenstände schieben. Die Saatreihen beschrifte ich mit dem Aussaatjahr.
Sellerie
Sellerie stellt hohe Ansprüche an Standort, Düngung und Keimung. Der Boden sollte warm, humos und durchlässig sein. Du ziehst die Pflanzen vor, die Keimung dauert bei geeigneten Anzuchtbedingungen etwa 15 bis 20 Tage. Ins Beet kommen die Jungpflanzen erst Mitte bis Ende Mai, erntereif ist Sellerie im Herbst. Knollensellerie verträgt leichte Fröste.
Beim Knollensellerie nutzt du die Knolle. Das dunkelgrüne Laub schmeckt leicht bitter und würzt Gemüsebrühen. Die Sorte ‘Mars’ bildet runde, relativ glatte Knollen mit kleinem Wurzelboden, das erleichtert die Verarbeitung. Staudensellerie wie die Sorte ‘Tango’ bildet dagegen keine Knolle. Von ihm erntest du die zarten Stängel, die du dünstest oder roh isst.
Dill
Gartendill heißt botanisch Anethum graveolens. Du säst ihn ab April direkt ins Beet und bedeckst die Samen mit etwas Erde. Die Keimung kann etwas schwieriger sein, deshalb halte ich die Saatreihe feucht und schaue nach, ob sich die ersten Keimlinge zeigen. Was Boden und Düngung angeht, ist Gartendill anspruchsvoll. Einmal etabliert, sät er sich oft selbst aus.
Die zarten Blätter passen zu Fisch und Kartoffelgerichten, beim Einlegen von Gurken gehört Dill dazu. Die Sorte ‘Tetra’ bildet viel Laub, später nutzt du ihre Blüten und reifen Samen als Gewürz. Wer Dill für Blüten und Samen ausreifen lässt, bietet damit zugleich erwachsenen SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. Nahrung, denn ungefüllte Doldenblüten liefern ihnen Pollen und Nektar.

