Kamille im Garten gegen Schädlinge: Tee ansetzen, Grenzen kennen
- Kamille ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz, auf eine Wirkung gegen Blattläuse oder Mehltau verlässt du dich besser nicht.
- Für Kamillentee zur Pflanzenpflege nimmst du je Liter kochendes Wasser 5 g getrocknete Blüten.
- Selbst angesetzte Kräuterzubereitungen wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen.
- Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren.
- Echte Kamille säst du von März bis Juli direkt an Ort und Stelle und drückst die Samen als Lichtkeimer nur an.

Die ersten Blattläuse sitzen an den Triebspitzen, und am Beetrand blüht die Kamille. Da liegt der Gedanke nahe, aus den Blüten einen Tee aufzugießen und ihn über die befallenen Pflanzen zu sprühen. Vorher solltest du zwei Dinge wissen: Kamille ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz, und selbst angesetzte Kräuterzubereitungen können auch NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. beeinflussen.
Ich ziehe Echte Kamille jedes Jahr im Gemüsegarten, vor allem als Teekraut. Botanisch heißt sie Matricaria chamomilla und gehört als einjährige Art zu den Korbblütlern. Ihre Blüten und ihr Kraut werden zu Tee verarbeitet. Aus den Blüten setze ich auch einen Kamillentee zur Pflanzenpflege an.
Hilft Kamille gegen Blattläuse und Mehltau?
Der Kamille wird nachgesagt, Blattläuse abzuschrecken und Pilzkrankheiten wie MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt. zu bremsen. Begründet wird das meist mit ihrem Duft und ihrem ätherischen Öl. Deshalb landet Kamillentee in vielen Gärten in der Sprühflasche oder in der Gießkanne.
Kamille ist aber kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz. Bei genehmigten Grundstoffen sind Anwendungsgebiete, Anwendungsbedingungen und gegebenenfalls Wartezeiten festgelegt und einzuhalten. Für Kamille fehlt dieser Rahmen: Es gibt keine festgelegte Vorgabe, gegen welche Schädlinge oder Krankheiten, in welcher Stärke und wie oft du sie einsetzt.
„Kamillentee ist pflanzlich, also schont er die Nützlinge.“ Darauf kannst du dich nicht verlassen. Selbst hergestellte Kräuterzubereitungen wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen.
Wie setzt du Kamillentee für Pflanzen an?
Für einen Kamillentee zur Pflanzenpflege halte ich mich an diese Werte:
| Was | Wert |
|---|---|
| Wasser, kochend | 1 l |
| getrocknete Kamillenblüten | 5 g |
| alternativ frische Kamillenblüten | 50 bis 100 g |
| Ziehzeit | 15 bis 20 Minuten |
Ich wiege die Blüten auf der Küchenwaage ab und übergieße sie in einem hitzefesten Gefäß mit dem kochenden Wasser. Nach der Ziehzeit gieße ich den Tee durch ein feines Sieb und lasse ihn vollständig abkühlen. Erst dann kommt er in Sprühflasche oder Gießkanne.
Frische Blüten pflücke ich direkt im Beet. Außerhalb der Erntezeit von Juni bis September nehme ich getrocknete Blüten aus dem Vorrat. Den Tee setze ich für jeden Einsatz neu an.
Und was ist mit Kamillensud oder Kamillenjauche?
Für einen Tee übergießt du die Blüten mit kochendem Wasser und lässt sie ziehen. Für einen Sud oder Extrakt wird das Pflanzenmaterial im Wasser gekocht. Bei einer Jauche gärt zerkleinertes Pflanzenmaterial in Wasser.
Sud und Jauche aus Kamille gelten vielen als kräftigere Varianten des Tees. Bei Kamille setze ich nur den Tee an.
Zum Vergleich: Für die Spritzbrühe aus Ackerschachtelhalm gibt es ein festgelegtes Grundstoffverfahren mit genau beschriebener Krautmenge, Wassermenge, Einweich- und Kochzeit. Die fertige Brühe ist innerhalb von 24 Stunden zu verbrauchen. Wie du pflanzliche Mittel und Hausmittel insgesamt einordnest, erklärt der Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.
Sprühen oder gießen: Worauf achtest du?
Ob Sprühflasche oder Gießkanne: Diese Handgriffe gehören für mich immer dazu.
Auf die Blätter sprühen
Jeden neuen Ansatz probiere ich zuerst an einzelnen Blättern einer Pflanze aus und schaue mir diese Blätter danach genau an. Vor dem Sprühen prüfe ich, ob dort Larven blattlausfressender Marienkäfer- oder Schwebfliegenarten sitzen. Diese Larven leben von Blattläusen, deshalb lasse ich solche Stellen aus.
Als Gießmittel verwenden
Beim Gießen zählt Kamillentee als ganz normale Wassergabe. Bei Topf- und Wintergartenpflanzen können welke und gelbe Blätter durch übermäßiges Gießen und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich entstehen. Feuchte Topferde ist außerdem ein Ort, an dem Larven von TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen. leben können. Wer den Tee zusätzlich zum üblichen Gießen in den Topf gibt, kann also beides begünstigen.
Ich gieße den Tee deshalb nur statt Wasser, nie obendrauf. Vorher hebe ich den Topf an und prüfe so sein Gewicht, weil torffreie Erde oben trocken und unten noch feucht sein kann.
Was hilft bei Blattläusen zuerst?
Bevor ich an Kamillentee denke, greife ich zum Gartenschlauch. Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren. Dabei halte ich den Trieb mit der freien Hand fest und spritze die Kolonie ab. Bei Gemüse lohnt das Eingreifen vor allem an jungen Pflanzen, denn ältere Pflanzen können einen Befall mitunter tolerieren.
Einen leichten Befall an älteren Pflanzen lasse ich stehen, denn natürliche Gegenspieler brauchen einen gewissen Schädlingsbefall als Nahrung. Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag. Weil auch eine Kräuterzubereitung Nützlinge beeinflussen kann, triffst du mit Kamillentee bei den ersten Läusen womöglich genau die Gegenspieler, die von ihnen leben.
Und wenn nichts davon reicht?
Ein Pflanzenschutzmittel kommt im Hausgarten erst infrage, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann darf es nur ein entsprechend gekennzeichnetes, für Pflanze und Schadorganismus zugelassenes Mittel sein, und auch dieses kann Nützlinge treffen. Du hältst dich an Gebrauchsanleitung und Wartezeit, trägst Schutzkleidung, hältst Kinder und Haustiere fern und bringst Reste zur Sondermüll-Sammelstelle. Welche Gegenspieler es gibt, wie du ihnen Lebensraum schaffst und in welcher Reihenfolge du eingreifst, zeigt der Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.
Wie baust du Echte Kamille im Garten an?
Ich säe Kamille direkt an Ort und Stelle. Neben dem Beet eignen sich auch HochbeetEin Hochbeet ist ein erhöhtes, stabil eingefasstes Beet, das mit Erde gefüllt wird, etwa aus Holz, Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Es erlaubt rückenschonendes Gärtnern auf wenig Grundfläche., Kübel und Topf. Kamille braucht einen sonnigen Platz und gut durchlässigen, frischen Boden. Auf nährstoffarmen Böden gedeiht sie ebenfalls. Staunasse und saure Standorte meidest du.
Ist der Boden ausreichend mit PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat., Kalium und MagnesiumMagnesium ist ein lebensnotwendiger Pflanzennährstoff, der im Blattgrün (Chlorophyll) jedes Blattes steckt. Fehlt Magnesium, vergilben die Blätter; diese Aufhellung heißt Chlorose. versorgt, braucht Kamille keine GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen.. Bei durchschnittlichem mineralischem Bodenstickstoff können auch Stickstoffgaben entfallen, die vorhandene Versorgung berücksichtigst du dabei.
Gesät wird von März bis Juli. Das Saatgut ist sehr fein, das Tausendkorngewicht liegt bei 0,09 g. Ich mische die Samen vor dem Säen mit Sand, damit sie sich gleichmäßiger verteilen. Als LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte. braucht Kamille Licht zum Keimen, deshalb drücke ich die Samen nur an.
| Merkmal | Echte Kamille |
|---|---|
| Aussaat | März bis Juli, direkt an Ort und Stelle |
| Saattiefe | 0 bis 0,5 cm, Lichtkeimer |
| Keimdauer | 7 bis 14 Tage |
| Abstand | 10 bis 15 cm in der Reihe, 30 cm zwischen den Reihen |
| Wuchshöhe | 20 bis 50 cm |
| Kulturdauer | 56 bis 112 Tage |
| Blütezeit | Mai bis September |
| Erntezeit | Juni bis September |
| Winterhart | nein, einjährig |
Kamille ist einjährig und nicht winterhart. An einem passenden Standort sät sie sich aber gewöhnlich reichlich selbst aus, sodass sie im Folgejahr aus eigenen Samen wiederkommen kann.
Mischkultur kann Gartenfläche und Bodenbedeckung verbessern. Eine zuverlässige Schädlingsabwehr durch beliebige Pflanzenkombinationen ist aber nicht belegt; mehr dazu findest du im Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen. Du kannst im Mischkultur-Planer nachsehen, welche Nachbarn zur Kamille passen, und deine Kamillenreihen im Beetplaner einzeichnen.
Wann und wie erntest du die Blüten?
Kamille blüht von Mai bis September, geerntet wird von Juni bis September. Ich pflücke die Köpfchen 3 bis 5 Tage nach dem Aufblühen. Zum Trocknen breite ich sie auf einem Tuch aus und wende sie zwischendurch. Erst wenn sie rascheln, fülle ich sie in ein Schraubglas.
Schneide vor der Ernte ein Blütenköpfchen längs durch. Echte Kamille erkennst du am hohlen Köpfchenboden ohne Spreublätter.
Ich lasse am Beetrand einige Pflanzen unbeerntet abblühen. Sobald die Sämlinge zu dicht stehen, verziehe ich sie.




