Häufige Krankheiten im Gemüsegarten: Mehltau, Braunfäule und Kohlhernie erkennen und bekämpfen
- Echter Mehltau lässt sich von der Blattoberseite abwischen, Falscher Mehltau sitzt fest auf der Blattunterseite.
- Tomaten am Boden gießen und mit einem Tomatendach vor Blattnässe schützen, das senkt das Risiko für Kraut- und Braunfäule.
- Gegen Kohlhernie anfällige Kreuzblütler nur alle 4 bis 6 Jahre auf dieselbe Fläche setzen.
- Gegen Pflanzenviren gibt es keine direkt wirksamen Mittel, deshalb setzt die Vorbeugung bei den Blattläusen an.
- Schnittwerkzeug und Pflanzenstützen nach jedem Einsatz mit 70-prozentigem Alkohol desinfizieren.
Weißer Belag auf den Gurkenblättern, braune Flecken an den Tomaten, Kohl, der welkt und kümmert: Wenn dein Gemüse krank aussieht, willst du schnell wissen, was dahintersteckt. Ich greife in so einem Moment nicht als Erstes zur Schere, sondern schaue genau hin. Wo sitzt der Belag, lässt er sich abwischen, wie sehen die Wurzeln aus? Davon hängt ab, welche Maßnahme überhaupt etwas ausrichten kann. Gegen Viruskrankheiten gibt es zum Beispiel weder im Hobbygarten noch im Erwerbsgartenbau direkt wirksame Pflanzenschutzmittel. Bei anderen Krankheiten kannst du das Risiko mit Abstand, richtigem Gießen, AnbaupausenDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. und sauberem Werkzeug senken.
Woran du eine Krankheit im Gemüsebeet erkennst
Pilze, Bakterien und Viren hinterlassen unterschiedliche Spuren, und nicht jeder Fleck ist überhaupt eine Infektion. Die Übersicht zeigt, worauf typische Anzeichen hindeuten können. Eine sichere Diagnose ersetzt sie nicht, aber sie sagt dir, wo du weiterschauen solltest.
| Was du siehst | Wo | Kann hindeuten auf |
|---|---|---|
| Weißer Belag, lässt sich abwischen | Blattoberseite | Echter MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt. |
| Weißgrauer Belag, lässt sich nicht abwischen | Blattunterseite | Falscher Mehltau |
| Graugrüne bis bräunliche Flecken; an Früchten braune, leicht eingesunkene Flecken mit verhärtetem, braunfaulendem Fruchtfleisch | Blätter, Stängel und Früchte der Tomate | Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. |
| Braunschwarze, meist leicht eingesunkene, verhärtete Flecken | Blütenansatz der Tomatenfrucht | Blütenendfäule, keine Infektion |
| Pflanze welkt und kümmert, Wurzeln mit Knötchen oder fingerförmigen Wucherungen | Kohlpflanzen | KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. |
| Junge Früchte werden vom Blütenansatz her weichfaul | Gurken und Zucchini | Bakterielle Weichfäule |
| Mosaikartige Aufhellungen | Junge Blätter | Gurkenmosaikvirus |
Beim Rundgang durchs Beet drehe ich verdächtige Blätter immer um, weil ein Belag auf der Unterseite etwas anderes bedeuten kann als einer auf der Oberseite. Bei Kohl, der welkt und kümmert, lege ich an einer Pflanze vorsichtig die Wurzeln frei und sehe sie mir genau an.
Echter oder Falscher Mehltau: der Wischtest
Beide Mehltau-Formen zeigen sich als heller Belag, sitzen aber an unterschiedlichen Stellen. Echter Mehltau bildet typischerweise einen weißen Belag auf der Blattoberseite, den du abwischen kannst. Falscher Mehltau zeigt einen weißgrauen Belag auf der Blattunterseite, der sich nicht abwischen lässt. Für den Test fährst du mit dem Finger über den Belag und drehst das Blatt danach um. Wenn ich an befallenen Pflanzen schneide, desinfiziere ich die Schere, bevor ich ans nächste Beet gehe.
Gurkenkrätze und Falscher Mehltau an Gurken sind zwei verschiedene Krankheiten. Die Gurkenkrätze geht auf den Erreger Cladosporium cucumerinum zurück, der Falsche Mehltau der Gurke auf Pseudoperonospora cubensis.
Kraut- und Braunfäule an Tomaten: Blätter trocken halten
Kraut- und Braunfäule verursacht an Tomaten graugrüne bis bräunliche Flecken an Blättern und Stängeln. An den Früchten entstehen braune, leicht eingesunkene Flecken, unter denen das Fruchtfleisch verhärtet und braun fault.
Vorbeugen kannst du mit drei Maßnahmen, die das Risiko senken, aber keinen Befall ausschließen. Gib jeder Tomate einen Pflanzabstand von mindestens 50 cm. Gieß am Boden statt über das Laub und stell ein Tomatendach auf, das die Pflanzen vor Blattnässe schützt. Ich gieße meine Tomaten mit der Kanne ohne Brause direkt am Stamm. Wie du Reihen und Wege rund um diesen Abstand auf deiner Fläche unterbringst, kannst du im Beetplaner für dein eigenes Beet durchspielen.
Braunschwarze, meist leicht eingesunkene und verhärtete Flecken am Blütenansatz einer Tomate können auf Blütenendfäule hindeuten. Blütenendfäule ist keine Infektion, sondern eine physiologische Störung, die durch Kalziummangel entsteht. Kraut- und Braunfäule zeigt sich dagegen auch an Blättern und Stängeln.
Kohlhernie: Wurzeln prüfen, Anbaupausen einhalten
Bei Kohlhernie welken und kümmern Kohlpflanzen. Den Hinweis findest du unter der Erde: Die Wurzeln entwickeln knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen.
Zur Vorbeugung baust du anfällige KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. nur alle 4 bis 6 Jahre auf derselben Fläche an. Neben Kohl gehören auch Rettich, Radieschen, Brokkoli und Senf zu den Kreuzblütlern. Erkrankte Pflanzen nimmst du samt Wurzeln heraus und gibst sie nicht auf den Kompost. Vermeide außerdem übermäßige Stickstoffgaben, denn sie machen Kopfkohl anfälliger für Krankheiten.
Ein Plan mit fünf Beeten hilft dir beim Einhalten der Pause. Schiebst du die Kulturfolgen jedes Jahr ein Beet weiter, entsteht ein FruchtwechselFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt. im fünfjährigen Rhythmus. Stehen alle Kreuzblütler in derselben Kulturfolge, liegt ihre Rückkehr aufs Beet damit innerhalb der empfohlenen Pause.
Ich trage jedes Jahr in mein Gartenheft ein, auf welchem Beet Kohl, Rettich und Radieschen standen. Bevor ich einem Kreuzblütler einen Platz gebe, schlage ich dort nach.
Bakterielle Weichfäule an Gurken und Zucchini
Werden junge Gurken oder Zucchini vom Blütenansatz her weich und faul, kann das auf Bakterielle Weichfäule hindeuten. Befallene Früchte nimmst du sofort aus dem Bestand. Beim Ernten sehe ich mir deshalb gezielt die Blütenansätze der jungen Früchte an.
Viruskrankheiten wie Gurkenmosaik: Vorbeugung bei den Blattläusen
Das Gurkenmosaikvirus kann mosaikartige Aufhellungen an jungen Blättern verursachen. Gegen Pflanzenviren gibt es keine direkt wirksamen Pflanzenschutzmittel, und dieses Virus wird durch Blattläuse übertragen. Deine Vorbeugung setzt deshalb bei den Läusen an.
Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren. Bei Gemüse ist die Bekämpfung besonders an jungen Pflanzen sinnvoll, während ältere einen Befall mitunter tolerieren. Gegen zufliegende Schadinsekten legst du direkt nach Saat oder Pflanzung ein KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. mit weniger als 1 mm Maschenweite auf und schließt die Ränder. Auch natürliche Gegenspieler helfen mit: Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag. Ausführlich steht im Ratgeber, wie du Schädlinge im Gemüsegarten natürlich bekämpfst.
Zeigt eine Pflanze das Mosaikmuster, vergleiche ihre jungen Blätter mit denen gesunder Pflanzen, bevor du entscheidest. Bestätigt sich der Verdacht, nimmst du die Pflanze vorsichtig heraus.
Virusbefallene Pflanzen gehören in den Hausmüll, nicht auf den Kompost. Im Hauskompost ist nicht gesichert, dass alle Erreger absterben.
Was bei allen Krankheiten gilt: Reihenfolge, Hygiene, Hausmittel
Im integrierten Pflanzenschutz schöpfst du zuerst die Kulturmaßnahmen aus, also Standort, Abstand, Gießen und Hygiene. Braucht es danach noch eine Bekämpfung, haben biologische und biotechnische Verfahren Vorrang. Die ganze Abfolge findest du im Ratgeber dazu, wie du Befall einordnest und Maßnahmen der Reihe nach wählst.
Schnittwerkzeuge und Pflanzenstützen desinfizierst du nach jedem Einsatz mit 70-prozentigem Alkohol. Das senkt das Risiko, Krankheiten von Pflanze zu Pflanze zu verschleppen. Meine Tomatenstäbe wische ich vor dem nächsten Einsatz ebenfalls damit ab.
Mischkultur kann die Gartenfläche besser nutzen und den Boden bedecken. Dass sich beliebige Pflanzenkombinationen zuverlässig gegenseitig vor Schädlingen schützen, ist nicht nachgewiesen; Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Tomaten und Gurken gelten als ungünstige Nachbarn, und welche Partner im Beet zusammenpassen, prüfst du am besten vor dem Pflanzen.
Jauchen und Brühen aus Brennnessel oder Schachtelhalm wird nachgesagt, Gemüse widerstandsfähiger zu machen. Selbst angesetzte Kräuterzubereitungen wirken aber nicht grundsätzlich selektiv und können auch NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. beeinflussen. Kamille, aus der manche Gärtner Tee für ihre Pflanzen ansetzen, ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz, und genehmigte Grundstoffe sind an feste Vorgaben zu Kultur, Schadorganismus, Konzentration und Wartezeit gebunden.
Pflanzenschutzmittel erwägst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann kommen nur Mittel infrage, die für den Haus- und Kleingarten gekennzeichnet und für Pflanze und Schadorganismus zugelassen sind. Du hältst Gebrauchsanleitung, Schutzkleidung und Wartezeit ein, hältst Kinder und Haustiere fern und bringst Reste zur Sondermüll-Sammelstelle, denn solche Mittel können auch Nützlinge treffen.
Gartenhygiene, Düngung, Fruchtfolge, Hausmittel und die Abwägung zwischen natürlichen und chemischen Mitteln behandelt derselbe Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen ausführlicher.

