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Natürliche Schädlingsbekämpfung im Gemüsegarten: Mischkultur, Fruchtwechsel, Absammeln und Früherkennung

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 10 Min.Von der samen.live Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Mischkultur kann Fläche und Bodenbedeckung verbessern, eine zuverlässige Schädlingsabwehr durch beliebige Kombinationen ist aber nicht belegt.
  • Tomaten und Sellerie neben Kopfkohl können den Kohlweißlingsbefall mindern, Tomaten und Gurken gelten als ungünstige Nachbarn.
  • Kohl und andere Kreuzblütler wie Radieschen und Senf stehen höchstens alle 4 bis 5 Jahre auf demselben Beet.
  • Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken sammelst du ab, geschützte Weinbergschnecken lässt du sitzen.
  • Blattläuse spülst du mit einem kräftigen Wasserstrahl ab, vor allem an jungen Pflanzen.
  • Ein Gartentagebuch zeigt dir, wann welcher Schädling an welcher Kultur auftaucht.
Nahaufnahme einer Kolonie gruener Blattlaeuse an einer gelben Bluetenknospe. Die Tiere sitzen dicht an Kelchblaettern und Knospenansatz, dazwischen liegen weisse Haeutungsreste.
Foto: Marian Florinel Condruz · Pexels License · Quelle ↗

Wenn am Kohl die ersten Fraßlöcher auftauchen und an den Bohnen schwarze Läuse sitzen, greife ich zuerst zur Hand und zum Gartenschlauch. Ein Pflanzenschutzmittel steht bei mir ganz am Ende der Reihe. Davor kommen Methoden, die ohne Mittel auskommen und sich jede Saison wiederholen lassen.

Fünf davon findest du hier ausführlich: Mischkultur, Fruchtwechsel, Absammeln, Wasserstrahl und Früherkennung. Keine dieser Methoden garantiert ein schädlingsfreies Beet. Zusammen können sie das Risiko senken, dass ein Befall dir die Ernte nimmt. Ich zeige dir, wie ich sie in meinem Gemüsegarten plane und wo ihre Grenzen liegen.

Mischkultur: was sie im Gemüsebeet leisten kann

Das Prinzip der Mischkultur

Bei der Mischkultur wachsen verschiedene Gemüsearten nebeneinander statt in reinen Blöcken. Das kann die Gartenfläche besser ausnutzen und den Boden stärker bedecken. Eine zuverlässige gegenseitige Schädlingsabwehr durch beliebige Pflanzenkombinationen ist dagegen nicht belegt. Auch beschriebene positive Effekte treten nicht unter allen Standort-, Licht-, Boden- und Pflegebedingungen gleich auf.

Ich plane Mischkultur deshalb als eine Methode unter mehreren. Braucht eine Kultur Schutz vor zufliegenden Insekten, lege ich trotzdem ein Netz darüber.

Gute und ungünstige Nachbarn im Beet

Für manche Paare gibt es handfeste Angaben, für andere vor allem Überlieferung. Die Tabelle trennt beides.

Nachbarn Was dahintersteckt Mein Handgriff
Kopfkohl mit Tomaten oder Sellerie eignen sich als Mischkulturpartner und können den Kohlweißlingsbefall mindern das Netz bleibt trotzdem über dem Kohl
Tomaten und Gurken gelten als ungünstige Nachbarn auf getrennte Beete planen
Möhren mit Radieschen Radieschen zwischen den Möhren, zwischen den Saatrillen etwa 15 cm Platz für die Hacke Radieschen in der Fruchtfolge als Kreuzblütler mitzählen
Möhren und Zwiebeln oft empfohlen, eine zuverlässige gegenseitige Abwehr von Möhren- und Zwiebelfliege ist nicht belegt Möhren zusätzlich unter Netz
Tomaten und Basilikum dass Basilikum Weiße Fliegen fernhält, ist nicht belegt; Basilikum kann selbst von Blattläusen befallen werden Basilikum beim Rundgang mitkontrollieren
Kohl und Kapuzinerkresse soll Blattläuse vom Kohl weglocken, eine zuverlässige Wirkung ist nicht belegt Kohl trotzdem auf Läuse prüfen

Welche Partner sich in deinem Beet vertragen, kannst du im Mischkultur-Planer für deine eigenen Kulturen nachschlagen.

Frei gewordene Stellen auf abgeernteten Beeten fülle ich mit blühenden Lückenfüllern wie Ringelblumen, Zinnien, Schmuckkörbchen und Tagetes. Von Thymian, Dill und Gewürzfenchel lasse ich einen Teil blühen, damit Insekten dort Nahrung finden.

Mythos-Check

Duftende Kräuter am Beetrand halten Schnecken fern? Für Kräuterbarrieren gegen Schnecken ist die Wirkung nicht gesichert. Eine zuverlässige Schneckenabwehr durch ausgepflanzten Lavendel oder Rosmarin ist wissenschaftlich nicht belegt. Kräuter lohnen sich im Gemüsegarten wegen ihrer Blüten und ihrer Ernte, als Schneckenschutz plane ich sie nicht ein.

Wie du Kräuter im Garten pflanzt, pflegst und nutzt, zeigt dir der Kräuter-Ratgeber.

Fruchtwechsel: warum und wie

Beim Fruchtwechsel wandert jede Kultur jedes Jahr auf ein anderes Beet. Bei Kohl und anderen Kreuzblütlern dient die Anbaupause der Krankheitsvorbeugung. Auch für Mais gilt eine feste Pause.

Kultur Wieder auf demselben Beet
Kohl und andere Kreuzblütler wie Rettich, Radieschen, Brokkoli und Senf höchstens alle 4 bis 5 Jahre
Mais nach einer Fruchtwechselpause von 3 Jahren

Am einfachsten klappt das mit einem festen Kreislauf aus fünf Beeten. Schiebst du die Kulturfolge jedes Beets jährlich auf das nächste weiter, entsteht ein Fruchtwechsel im fünfjährigen Rhythmus. Viele ordnen die Folge nach Nährstoffbedarf: zuerst Starkzehrer wie Kohl, dann Mittelzehrer wie Möhren, danach Schwachzehrer wie Bohnen und Erbsen.

Der Kreislauf hält den Abstand ein, den Kreuzblütler brauchen, solange alle Kreuzblütler in derselben Beetfolge stehen. Säst du Radieschen zwischen die Möhren oder Senf als Gründüngung, wird auch das Möhrenbeet zum Kreuzblütlerbeet, und die Pause schrumpft.

Marias Erfahrung

Ich führe für jedes Beet eine eigene Zeile in meinem Plan und trage dort auch jede Zwischensaat ein, also jede Reihe Radieschen und jede Senfsaat. Beim Planen sehe ich dann auf einen Blick, wo zuletzt ein Kreuzblütler stand.

Deine Kulturfolge über mehrere Jahre kannst du im Beetplaner Beet für Beet festhalten.

Mischkultur-Systeme aus der Praxis

Ein Mischkultur-System legt fest, wer wo steht, wer wen stützt und wo ein Netz liegt. Diese drei Systeme nutze ich in meinem Gemüsegarten.

System Aufbau Worauf ich achte
Milpa aus Mais, Stangenbohnen und Kürbis Mais mit 34 bis 45 cm Abstand in der Reihe und 80 cm zwischen den Reihen; die Bohnen ranken am Mais, der Kürbis bedeckt den Boden Mais an die Nordseite des Beets, damit lichtbedürftige Nachbarn nicht nördlich von ihm stehen
Kohlbeet Kopfkohl mit Sellerie und Tomaten als Partnern Kohl zusätzlich unter Netz, Gurken auf ein anderes Beet
Möhrenreihe Radieschen zwischen den Möhren, zwischen den Saatrillen etwa 15 cm, den Abstand in der Reihe gibt die Saattüte vor Netz direkt nach der Saat auflegen und bis kurz vor der Ernte liegen lassen

Die Milpa der Maya zeigt, wofür Mischkultur taugt: Drei Pflanzen teilen sich eine Fläche in mehreren Ebenen, und der Boden bleibt bedeckt. Einen verlässlichen Schutz vor Schädlingen bietet auch sie nicht.

Am Mais gehören Marienkäfer und Florfliegenlarven zu den Gegenspielern der Blattläuse, und fallen sie aus, droht starker Blattlausbefall. Selbst hergestellte Kräuterzubereitungen wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen. Wer im Milpa-Beet Läuse mit einem Sud bekämpft, kann also gerade die Gegenspieler treffen, deren Ausfall starken Befall nach sich ziehen kann. Ich bleibe dort deshalb bei Wasserstrahl und Kontrolle.

Bei den Möhren bleibt das Netz so lange liegen, weil eine zweite Generation der Möhrenfliege ab August schädigt.

Absammeln: der direkte Handgriff

Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken kannst du im Hausgarten durch Absammeln sofort aus dem Beet holen. Bei beginnendem oder leichtem Raupenbefall am Kohl kann das schon ausreichen. Ich nehme dafür einen Eimer mit und gehe die Reihe Pflanze für Pflanze ab.

Schädling Erkennen und Suchzeit So sammle ich
Raupen am Kohl Großer Kohlweißling: gelbschwarze Raupen; Kleiner Kohlweißling: grüne, samtartig behaarte Raupen; dazu Blattrandfraß, Löcher, Bohrgänge ins Kopfinnere und Raupenkot Blätter oben und unten absuchen, auch zwischen den Blättern am Kopf nachsehen
Kartoffelkäfer Käfer mit zehn gelbschwarzen Streifen, rot und schwarz gezeichnete Larven an den Blättern Käfer und Larven absammeln, Eigelege an den Blattunterseiten nur zerdrücken, wenn du sie sicher erkannt hast
Spanische Wegschnecke bei Trockenheit vor allem morgens, abends und nachts unterwegs, bei feuchtem Wetter auch tagsüber Bretter oder Dachziegel als Versteck auslegen und regelmäßig darunter nachsehen

Bei Schnecken gieße ich morgens und gezielt an die Kulturpflanzen. Die Wege, über die sie zuwandern, bleiben trocken.

Achtung

Weinbergschnecken sind geschützt und dürfen im Garten nicht gezielt bekämpft werden. Lass sie beim Absammeln sitzen, ebenso den erwünschten Tigerschnegel: Er frisst unter anderem andere Nacktschnecken und deren Eier.

Beim Absammeln lasse ich alles sitzen, was ich nicht sicher bestimmen kann. Eier auf etwa 5 mm langen Stielchen stammen von der Grünen Florfliege, deren Larven unter anderem Blattläuse fressen. Bei blattlausfressenden Marienkäferarten jagen schon die Larven Läuse.

Woran du die typischen Gemüseschädlinge im Detail erkennst, steht im Ratgeber dazu, wie du Gemüse gezielt vor Kohlweißling, Kartoffelkäfer und Möhrenfliege schützt.

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Wasserstrahl: Blattläuse abspülen statt spritzen

Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren. Schau dabei auch auf Kräuter wie Basilikum und Dill, denn auch sie können von Blattläusen befallen werden. Bei Gemüse lohnt das Eingreifen vor allem an jungen Pflanzen. Ältere Pflanzen können einen Befall mitunter tolerieren.

Zur Förderung natürlicher Gegenspieler gehört, einen gewissen Befall als ihre Nahrungsgrundlage zu tolerieren. Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag. Wer an älteren Pflanzen einzelne Kolonien stehen lässt, lässt also Futter für diese Gegenspieler im Beet.

So gehe ich vor:

  1. Ich stütze den befallenen Trieb mit der freien Hand, damit er nicht abknickt.
  2. Den Strahl richte ich direkt auf die Kolonie.
  3. Die Brause stelle ich so ein, dass sich die Läuse lösen und das Blatt heil bleibt.
  4. Sind Schnecken im Beet unterwegs, spüle ich morgens und halte den Strahl von den Wegen fern.
  5. Bei den nächsten Rundgängen schaue ich nach, ob sich neue Kolonien bilden, und spüle dann erneut.
Jetzt dran

Prüf bei deinem nächsten Rundgang zuerst die jüngsten Pflanzen auf Läuse und spüle befallene Triebe ab. Einzelne Kolonien an älteren Pflanzen notierst du und beobachtest sie weiter.

Früherkennung: hinsehen, bevor du eingreifst

Bevor ich eingreife, bestimme ich den Schädling so genau wie möglich. Für einen gezielten Nützlingseinsatz ist das sogar Voraussetzung. Je früher du einen Befall findest, desto eher reicht ein Handgriff: Bei beginnendem Raupenbefall kann Absammeln genügen, an jungen Pflanzen lohnt das Abspülen besonders.

Worauf ich beim Rundgang achte

  • Kohl: Blattrandfraß, Löcher, Bohrgänge ins Kopfinnere und Raupenkot können auf Raupen hindeuten.
  • Kartoffeln: Ich drehe Blätter um und suche die Unterseiten nach Eigelegen des Kartoffelkäfers ab.
  • Mais: Löcher mit austretendem Bohrmehl und Kot sowie abgeknickte Pflanzenteile können auf den Maiszünsler hindeuten.
  • Möhren: Rostbraune Fraßgänge im Möhrenkörper können auf die Möhrenfliege hindeuten. Darin finden sich mitunter weiße Maden von 6 bis 8 mm Länge, und ich notiere den Fund für das Netz im nächsten Jahr.
  • Gewächshaus: Bei der Gewächshaus-Weißen-Fliege sitzen die Erwachsenen mit vier weißen Flügeln und die flachen, ungeflügelten Larven vor allem auf den Blattunterseiten.
  • Pflanzen im Topf: Welke, gelbe Blätter können auch von zu viel Gießwasser und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich kommen. Nicht hinter jedem Schaden steckt ein Schädling.

Unter Glas hänge ich Gelbtafeln zur Früherkennung auf. Sie zeigen Weiße Fliegen, Minierfliegen und Trauermücken an, für Thripse nimmt man Blautafeln. Ich hänge sie auf Höhe der Kultur und nicht direkt neben Nützlingsträger, denn Klebetafeln können auch Nützlinge töten. Die Tafel dient mir zum Erkennen, nicht zum Bekämpfen.

Das Gartentagebuch

Mein Gartentagebuch ist ein schlichtes Heft. Darin notiere ich, wann welcher Schädling an welcher Kultur auftaucht, was ich unternommen habe und wie das Wetter war. Über die Jahre zeigt dir so ein Heft, welche Schädlinge in deinem Garten wiederkommen und zu welcher Zeit. Daraus planst du, welches Beet direkt nach Saat oder Pflanzung ein Netz bekommt.

Nach einer Pflanzenschutzmaßnahme wechsle ich die Gelbtafel. So zeigen die neuen Fänge, ob die Maßnahme etwas bewirkt hat.

Mini-Checkliste

Datum und Beet · Kultur und Entwicklungsstand · Schädling oder Schadbild, so genau bestimmt wie möglich · Maßnahme, etwa abgesammelt, abgespült oder Netz aufgelegt · Wetter: trocken, feucht oder heiß · Fänge auf der Gelbtafel vor und nach der Maßnahme

Wetter im Blick

Das Wetter entscheidet mit, wann du was findest. Spanische Wegschnecken sind bei Trockenheit vor allem morgens, abends und nachts unterwegs, bei feuchtem Wetter auch tagsüber. Nach Regen sehe ich deshalb auch tagsüber unter den Brettern nach.

Hohe Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Weißen Fliege. Im Kleingewächshaus lüfte ich bei Sonne rechtzeitig und beschatte die Kulturen bei Bedarf. Befallene Beet- und Balkonpflanzen können die Weiße Fliege ins Gewächshaus einschleppen, deshalb sehe ich mir neue Pflanzen vorher auf den Blattunterseiten an.

Im Tagebuch steht bei jedem Fund das Wetter dabei. So erkennst du mit der Zeit, welche Bedingungen in deinem Garten welchen Schädling begünstigen.

Was sonst noch dazugehört, kurz eingeordnet

Diese Themen gehören zur natürlichen Schädlingsbekämpfung dazu, ausführlich behandeln sie andere Ratgeber.

Reihenfolge. Im integrierten Pflanzenschutz schöpfst du zuerst Kulturmaßnahmen aus und bevorzugst bei weiterem Bedarf biologische oder biotechnische Verfahren. Mischkultur, Fruchtwechsel und Handarbeit gehören an den Anfang dieser Reihe. Wie du einen Fund erst einordnest und dann in der richtigen Reihenfolge handelst, erklärt der Grundlagenratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.

Boden und Düngung. Für eine Gartenbodenuntersuchung führst du je einheitlich genutzter Fläche 10 bis 15 Einzelproben zu einer Mischprobe zusammen. Düngung hat mit Pflanzenschutz zu tun, denn übermäßige Stickstoffgaben machen Kopfkohl anfälliger für Krankheiten. Mehr dazu steht im Grundlagenratgeber im Abschnitt Standort, Boden und Düngung.

Netze und Barrieren. Gegen zufliegende Schadinsekten deckst du die Kultur unmittelbar nach Saat oder Pflanzung mit einem Netz unter 1 mm Maschenweite ab und schließt die Ränder dicht am Boden. Im Frühjahr geht auch Vlies, ab dem Frühsommer nur noch Netz; ein Schneckenzaun hält keine Schnecken ab, die schon im Beet leben. Mehr dazu steht im Grundlagenratgeber im Abschnitt Barrieren, Netze und Fallen.

Nützlinge fördern und einsetzen. Natürliche Gegenspieler förderst du mit Verstecken und Nahrung: Staudenstängel bleiben über Winter stehen, Laubhaufen und Totholz bieten Rückzugsräume. Gekaufte Nützlinge werden überwiegend im Gewächshaus eingesetzt, und die Schneckennematode Phasmarhabditis hermaphrodita parasitiert die Spanische Wegschnecke nicht. Wie du Nützlinge und biologische Verfahren im Gemüsegarten einsetzt und wo ihre Grenzen liegen, zeigt der Ratgeber zum biologischen Pflanzenschutz.

Hausmittel. Schmierseife, Jauchen und anderen Hausmitteln wird viel nachgesagt, ein verlässliches Wirkversprechen gibt es nicht. Schmierseife, Kernseife und Kamille sind keine genehmigten Grundstoffe für den Pflanzenschutz, und selbst hergestellte Kräuterzubereitungen können auch Nützlinge beeinflussen. Welche Hausmittel gegen Schädlinge und Pilze infrage kommen, ordnet der Hausmittel-Ratgeber ein.

Fallen. Bierfallen können zusätzliche Schnecken aus der Umgebung anlocken und auch andere Tiere töten. Leimringe und Klebetafeln können Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten, Pheromonfallen dienen vor allem der Überwachung des Falterflugs. Welche Falle in welcher Jahreszeit gegen welchen Schädling passt, steht im Fallen-Ratgeber.

Pflanzenschutzmittel als letztes Mittel. Ein Pflanzenschutzmittel erwägst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann nur mit Zulassung für Haus- und Kleingarten, Pflanze und Schadorganismus, nach Gebrauchsanleitung mit Schutzkleidung und Wartezeit, Kinder und Haustiere fern, Reste zur Sondermüll-Sammelstelle. Auch dann kann ein Mittel Nützlinge treffen; wie du eine Strategie von der Vorbeugung bis zum rechtssicheren Mitteleinsatz aufbaust, liest du im Ratgeber dazu.

Häufige Fragen

Was versteht man unter natürlicher Schädlingsbekämpfung im Gemüsegarten?
Gemeint ist ein Vorgehen, bei dem du zuerst Kulturmaßnahmen wie Mischkultur, Fruchtwechsel und Kulturschutznetze ausschöpfst und deine Pflanzen laufend kontrollierst. Tritt Befall auf, greifst du mechanisch ein: Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken sammelst du ab, Blattläuse spülst du mit einem kräftigen Wasserstrahl ab. Zur Förderung natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer und Florfliegen gehört auch, einen gewissen Befall als ihre Nahrungsgrundlage zu tolerieren. Ein Pflanzenschutzmittel kommt erst infrage, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen.
Wie funktioniert eine Mischkultur zur Schädlingsabwehr?
Bei einer Mischkultur wachsen verschiedene Gemüsearten nebeneinander, was Gartenfläche und Bodenbedeckung verbessern kann. Eine zuverlässige gegenseitige Schädlingsabwehr durch beliebige Pflanzenkombinationen ist nicht belegt, und beschriebene Effekte treten nicht unter allen Bedingungen gleich auf. Tomaten und Sellerie eignen sich zum Beispiel als Partner für Kopfkohl und können den Kohlweißlingsbefall mindern, während Tomaten und Gurken als ungünstige Nachbarn gelten. Verlass dich deshalb nicht allein auf die Nachbarschaft und schütze gefährdete Kulturen zusätzlich mit einem Kulturschutznetz.
Was macht die Milpa-Kultur zu einem besonderen Beispiel für Mischkultur?
Bei der Milpa wachsen Mais, Bohnen und Kürbis auf einer Fläche: Der Mais dient den Bohnen als Rankhilfe, der Kürbis bedeckt mit seinen Blättern den Boden. So nutzt das System die Fläche in mehreren Ebenen und hält den Boden bedeckt. Einen verlässlichen Schutz vor Schädlingen bietet die Kombination nicht, Löcher mit austretendem Bohrmehl und Kot am Mais können zum Beispiel auf den Maiszünsler hindeuten. Plane den Mais so ein, dass lichtbedürftige Nachbarn nicht nördlich von ihm stehen.
Wie effektiv sind Brennnesseljauche und andere Pflanzenjauchen gegen Gartenschädlinge?
Ein verlässliches Wirkversprechen gibt es für Pflanzenjauchen nicht. Für einen als Grundstoff beschriebenen Brennnesselauszug gegen die Schwarze Bohnenlaus an Bohnen gilt sogar: Vorbeugende Behandlungen sind wirkungslos. Selbst hergestellte Kräuterzubereitungen wirken außerdem nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen. Gegen Blattläuse im Gemüsebeet ist ein kräftiger Wasserstrahl deshalb der naheliegende erste Schritt.
Welche physikalischen Barrieren wie Schneckenzäune und Netze lassen sich einfach im Gemüsegarten installieren?
Gegen zufliegende Schadinsekten legst du ein Kulturschutznetz mit weniger als 1 mm Maschenweite unmittelbar nach Saat oder Pflanzung auf und schließt es an den Rändern dicht am Boden ab. Ein Schneckenzaun braucht einen breiten, nach außen gebogenen Überhang, muss lückenlos verbunden sein und frei von überhängenden Pflanzen bleiben. Schnecken, die bereits im umzäunten Beet leben, hält er allerdings nicht vom Fraß ab. Für Kupferband an Beeteinfassungen, Hochbeeten oder Pflanzgefäßen wird eine Breite von mindestens 5 cm empfohlen.
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