Erster Rasenschnitt: Wann und wie du neu gesäten Rasen mähst, ohne Gräser auszureißen
- Gemischte Neusaaten mähst du zum ersten Mal bei 8 bis 10 cm Aufwuchs, je nach Mischung bei etwa 6 bis 10 cm.
- Beim ersten Schnitt kürzt du nicht unter 5 cm und nimmst höchstens ein Drittel der Halmlänge ab.
- Scharfe Messer verhindern, dass unzureichend verwurzelte Junggräser herausgerissen werden.
- Gemäht wird nur mit trockenen Halmen auf einem Boden, der ohne Fahrspuren trägt.
- Das Schnittgut des ersten Mähens nimmst du von der jungen Fläche auf.
- Neu angesäter Rasen wird im ersten Jahr noch nicht vertikutiert.
Beim ersten Mähen kann ein frisch gesäter Rasen leicht Schaden nehmen. Die Halme stehen schon hoch, doch die jungen Gräser sind noch unzureichend verwurzelt. Ein zu früher Termin oder ein stumpfes Messer kann sie aus dem Boden reißen. Ich greife vor dem ersten Schnitt deshalb zum Zollstock und nicht zum Kalender.
Die kurze Antwort: Gemischte Neusaaten mähst du zum ersten Mal bei 8 bis 10 cm Aufwuchs. Gekürzt wird dabei nicht unter 5 cm. Mehr als ein Drittel der aktuellen Halmlänge nimmst du in einem Gang nicht ab.
Warum ist der erste Schnitt so heikel?
Mit dem ersten Schnitt rollt zum ersten Mal ein Gerät über die junge Fläche. Die Gräser haben zu diesem Zeitpunkt noch wenig Halt, weil sie unzureichend verwurzelt sind. Ein Messer, das nicht sauber schneidet, kann sie herausreißen, statt sie zu kürzen.
Die frühen Schnitte laufen deshalb bewusst hoch, auf etwa 5 cm. So können sich die Gräser weiter verwurzeln, bevor sie kürzer gehalten werden.
Der erste Schnitt wirkt auch auf das Unkraut der Neuanlage. Viele Samenunkräuter verschwinden nach wenigen Rasenschnitten. Rosettenpflanzen wie Löwenzahn bleiben dagegen, weil ihre flachen Blattrosetten dem Messer entgehen können. Ich steche sie im jungen Rasen einzeln aus und nehme die PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. möglichst vollständig mit, denn verbliebene Wurzelteile können wieder austreiben.
Fertig ist die Fläche nach dem ersten Schnitt noch nicht. Als Orientierung für die Nutzbarkeit von Saatrasen gelten etwa 2 bis 4 Monate. Bis zu einem strapazierfähigen Zustand setzt man auch rund 6 Monate an. Bis dahin bleibt der neue Rasen eine Fläche, die du schonst.
Ab welcher Höhe mähst du den neuen Rasen zum ersten Mal?
Den Termin bestimmt die Wuchshöhe. Für gemischte Neusaaten liegt der erste Schnitt bei 8 bis 10 cm Aufwuchs. Je nach Mischung reicht die Spanne von etwa 6 bis 10 cm. Andere Empfehlungen setzen höher an und lassen dann auch mehr stehen.
Aufwuchs ist die Höhe, die das Gras vor dem Schnitt erreicht hat. Resthöhe ist das, was nach dem Schnitt stehen bleibt.
| Situation | Erster Schnitt bei | Beim Schnitt |
|---|---|---|
| Gemischte Neusaat | 8–10 cm Aufwuchs | nicht unter 5 cm kürzen |
| Neusaat je nach Mischung | etwa 6–10 cm Aufwuchs | höchstens ein Drittel der Halmlänge abnehmen |
| Höher ansetzende Empfehlung | 10–15 cm Aufwuchs | mindestens 8 cm Resthöhe |
| NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. im bestehenden Rasen | etwa 10 cm Aufwuchs | auf 5–6 cm kürzen |
Nachgesäte Stellen im bestehenden Rasen folgen einem eigenen Ablauf. Wie du nachgesäte Flächen bis zum Einwachsen pflegst, zeigt eine eigene Anleitung. Auch der neu angesäte Blumen-Kräuter-Klimarasen hat einen eigenen Takt: Der erste SchröpfschnittEin Schröpfschnitt ist ein früher Schnitt im ersten Jahr nach dem Aussäen einer Blumenwiese. Er kürzt schnell wachsende Beikräuter zurück, damit die langsameren eingesäten Wildkräuter nicht überwuchert werden und genug Licht bekommen. erfolgt dort möglichst erst bei einer Grashöhe von 10 bis 20 cm, bei überwuchernden BegleitpflanzenEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. gegebenenfalls früher.
Warum täuscht das erste Grün?
In einer gemischten Saat laufen die Gräser nacheinander auf. Deutsches Weidelgras keimt unter günstigen Bedingungen nach gut einer Woche. Rotschwingel folgt nach knapp zwei Wochen. Wiesen- und Lägerrispe brauchen gut drei Wochen. Die obere Bodenschicht bleibt in den ersten 3 bis 4 Wochen feucht, auch wenn schon Halme zu sehen sind. Das ist nötig, damit auch die langsam keimenden Mischungspartner auflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen..
Das erste Grün stammt also vor allem vom Weidelgras, während sich die Wiesenrispe anfangs langsam entwickelt: Wer dann mäht, trifft die Rispen als Keimlinge.
Ich messe mit dem Zollstock an mehreren Stellen, auch dort, wo die Saat später aufgelaufen ist. Gemessen wird vom Boden bis zur Halmspitze, ohne die Halme aufzurichten. Erst wenn der Großteil der Fläche die Höhe erreicht hat, kommt der Mäher.
Spielt die Jahreszeit eine Rolle?
Gute Zeitfenster für die Aussaat liegen etwa von Mitte April bis Mitte Juni und von August bis Mitte September, wenn Bodentemperatur und Feuchtigkeit passen. Wie schnell der Bestand danach die Höhe für den ersten Schnitt erreicht, hängt vom Wachstum ab. Das Rasenwachstum erreicht typischerweise im Mai einen Höhepunkt, fällt bei Sommerhitze ab und kann im Spätsommer nochmals zunehmen. Rasengräser können noch bei etwa 5 °C wachsen, sodass es auch im Herbst keinen festen Mähtermin gibt. Du misst im Herbst also genauso wie im Frühjahr.
Welche Wochen sich für deine Rasensaat eignen, zeigt der Aussaatkalender für Rasen.
Welches Wetter passt zum ersten Schnitt?
Gemäht wird mit trockenen Halmen. Regen und Tau, der noch auf dem Gras liegt, sprechen gegen den Schnitt. Lange nasse Blätter begünstigen außerdem Pilzkrankheiten im Rasen, ebenso Schatten und wenig Luftbewegung. Ich warte morgens, bis der Tau abgetrocknet ist, und mähe nicht in den Regen hinein. Herrscht um den ersten Schnitt anhaltende Trockenheit, mähst du danach seltener.
Wie bereitest du Boden und Mäher vor?
Trägt der Boden schon?
Der Boden muss den Mäher tragen, ohne dass Fahrspuren entstehen. Wird eine feuchte Fläche stark belastet, kann das die Oberfläche zerstören und den Boden verdichten. Nach Starkregen fährst du deshalb erst wieder auf den Rasen, wenn der Boden trägt. Ich drücke vorher am Rand mit dem Schuh auf die Fläche: Bleibt ein tiefer Abdruck, verschiebe ich den Schnitt.
Weil frisch gekeimte Saat feucht bleiben muss, gemäht aber nur mit trockenen Halmen auf tragendem Boden wird, lege ich den Schnitt vor das nächste Wässern.
Sind die Messer scharf?
Scharfe Messer verhindern beim ersten Schnitt, dass unzureichend verwurzelte Junggräser herausgerissen werden. Außerdem vermindern sie ausgefranste Schnittstellen, die Pilzen als Eintrittspforten dienen können. Ich prüfe die Schneide vor dem ersten Gang und lasse sie schärfen, wenn sie stumpf ist oder Scharten hat.
Bevor du den Mäher reinigst oder an die Messer gehst, ziehst du beim netzbetriebenen Gerät den Netzstecker und beim Benzinmäher den Zündkerzenstecker.
Auch der Mähertyp zählt. Ein Spindelmäher schneidet sauber, setzt aber häufiges und regelmäßiges Mähen voraus. Ein Sichelmäher kommt auch mit höherem Aufwuchs zurecht. Für den ersten Schnitt nehme ich den Sichelmäher.
Wie stellst du die Schnitthöhe ein?
Die Schnitthöhe stellst du ein, bevor der Mäher auf die Fläche kommt. Gekürzt wird beim ersten Schnitt nicht unter 5 cm. Zusätzlich gilt die Drittel-Regel: Pro Schnitt fällt höchstens ein Drittel der aktuellen Halmlänge. Mindestens zwei Drittel bleiben also stehen. Steht das Gras höher als geplant, stellst du den Mäher höher ein und kürzt beim nächsten Schnitt weiter. Ich messe die eingestellte Höhe auf ebenem Untergrund mit dem Zollstock nach.
Liegt am Hang ein licht- und wasserdurchlässiges Wachstumsvlies, nimmst du es bei 4 bis 5 cm Grashöhe ab, damit es nicht einwächst. Zum ersten Schnitt liegt es also nicht mehr auf der Fläche.
Wie mähst du den ersten Schnitt?
Ich schiebe den Mäher ruhig und in geraden Bahnen über die Fläche. Gewendet wird auf dem Weg oder am Rand, nicht mitten in der Saat, weil die jungen Gräser noch locker sitzen. Kanten und Ecken schneide ich mit der Handschere nach, statt den Mäher dort hin und her zu ziehen. Stellen, die noch unter der eingestellten Höhe stehen, erfasst das Messer nicht.
Das Schnittgut des ersten Mähens nimmst du von der jungen Fläche auf. Ich mähe dafür mit Fangkorb, und das Schnittgut wandert bei mir auf den Kompost. Mulchen kommt erst später infrage: Dabei muss trockenes Gras regelmäßig und häufig geschnitten werden, damit liegen bleibendes Schnittgut die Filzbildung nicht fördert.
Hat der Großteil der Fläche 8 bis 10 cm Aufwuchs erreicht? Sind die Halme trocken und ist der Tau weg? Trägt der Boden ohne tiefe Spuren? Ist das Messer scharf? Ist der Mäher so eingestellt, dass mindestens 5 cm stehen bleiben und höchstens ein Drittel fällt? Ist der Fangkorb dran?
Welche Fehler gefährden den jungen Rasen beim ersten Schnitt?
Zu früh gemäht
Wer mäht, bevor der Bestand die empfohlene Höhe erreicht hat, trifft Gräser mit wenig Halt im Boden. Ein Messer kann sie dann herausziehen, statt sie zu schneiden, und an diesen Stellen fehlt anschließend das Gras. Hinzu kommt die Feuchte: In den ersten 3 bis 4 Wochen wird die Saatzone noch feucht gehalten, und auf weichem Boden hinterlässt der Mäher Spuren.
Hast du den Moment dagegen verpasst, musst du nichts überstürzen. Es gibt auch Empfehlungen für einen ersten Schnitt bei 10 bis 15 cm Aufwuchs. Stehen bleiben dann mindestens 8 cm. Auch hier fällt höchstens ein Drittel der Halmlänge.
Zu tief, zu nass, zu stumpf
Zu tief: Zu kurzer Rasenschnitt kann die Ausbreitung von Moos und unerwünschten Kräutern begünstigen. Beim ersten Schnitt bleibt es bei der Untergrenze von 5 cm.
Zu nass: Mähen auf nassem Gras und weichem Boden kann die Oberfläche beschädigen und den Boden verdichten. Warte, bis die Halme trocken sind und der Boden trägt.
Zu stumpf: Stumpfe Messer hinterlassen ausgefranste Schnittstellen, an denen Pilze eindringen können. Scharfe Messer vermindern dieses Risiko.
Wie Schnitthöhe, Drittel-Regel und Mulchmähen im laufenden Betrieb zusammenspielen, erklären die Grundlagen zum Mähen im Rasen-Ratgeber.
Wie geht es nach dem ersten Schnitt weiter?
Düngen und Wässern: Bei ausreichend grundversorgter Neuanlage folgt nach dem ersten Schnitt die erste ergänzende Stickstoffgabe. Nach der Keim- und Auflaufphase wird seltener, dafür mit größeren Mengen gewässert. Wie du frisch gesäten Rasen in den ersten Wochen pflegst, von der ersten Düngung bis zur Unkrautkontrolle, steht in einer eigenen Anleitung.
Mährhythmus: Danach richtet sich der Schnitt nach dem Wachstum, und je Gang fällt höchstens ein Drittel der Halmlänge. Bei Gebrauchsrasen reichen die Empfehlungen bis zu einem Schnitt pro Woche, wenn er entsprechend wächst. Wie oft du Gebrauchsrasen je nach Jahreszeit und Nutzung mähst, liest du in einem eigenen Beitrag.
Schnitthöhe: Von den frühen Schnitten auf etwa 5 cm gehst du schrittweise zu deiner späteren Regelhöhe über. Für Garten-Gebrauchsrasen reichen die empfohlenen Schnitthöhen je nach Pflegekonzept von 3 bis 6 cm. Welche Schnitthöhe zu Jahreszeit, Grasart und Nutzung passt, erklärt ein eigener Beitrag.
VertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos. und AerifizierenAerifizieren heißt, den Boden unter dem Rasen mit Zinken zu durchlöchern. Die Hohlräume verbessern den Luftaustausch im verdichteten Boden und fördern so Wurzelwachstum und Bodenleben.: Neu angesäter Rasen wird im ersten Jahr noch nicht vertikutiert. Wann Filz und Verdichtung später zum Thema werden, beschreibt der Rasen-Ratgeber im Abschnitt Vertikutieren und Aerifizieren.
Lücken, Unkraut und Flecken: Lücken nach einer Einsaat können durch Austrocknung, ungleichmäßige Saatverteilung, zu tiefes Einarbeiten oder Wasser in Senken entstehen. Verbleibende Lücken kannst du mit der ursprünglich verwendeten Mischung nachsäen. Unkraut und Rasenkrankheiten ordnet der Rasen-Ratgeber im Abschnitt Moos, Unkraut und Krankheiten ein.






