Frisch gesäter Rasen: Pflege bis zum ersten Schnitt und wann du düngen darfst
- Zur Aussaat kann ein phosphorbetonter Starterdünger die ersten Wochen unterstützen.
- Bei grundversorgter Fläche folgt die erste ergänzende Stickstoffgabe nach dem ersten Schnitt.
- Die obere Bodenschicht bleibt 3 bis 4 Wochen feucht, auch wenn schon Halme stehen.
- Erster Schnitt bei 8 bis 10 cm Aufwuchs, dabei nicht unter 5 cm kürzen.
- Angedrückte Saat ist für Vögel schwerer erreichbar, ein Gartenvlies kann zusätzlich schützen.
- Viele Samenunkräuter verschwinden nach wenigen Schnitten, Löwenzahn stichst du aus.
Ein Rasensamen, der schon keimt und dann austrocknet, kann absterben. Deshalb gehe ich in den Wochen bis zum ersten Schnitt oft an der neuen Fläche entlang und schaue nach der Feuchte, nach Vögeln und nach dem ersten Unkraut. Und irgendwann stellt sich die Frage, ob der junge Rasen schon Dünger bekommen darf.
Die kurze Antwort: Ja, in zwei Schritten. Zur Aussaat kann ein phosphorbetonter Starterdünger die Versorgung der ersten Wochen unterstützen. Ist die Fläche damit grundversorgt, folgt die erste ergänzende Stickstoffgabe erst nach dem ersten Schnitt. Dazwischen braucht die Saat vor allem gleichmäßige Feuchte, Schutz vor Vögeln und regelmäßige Kontrolle auf Pilzbefall und Unkraut.
Warum entscheiden die ersten Wochen so viel?
Die Keimung beginnt lange, bevor du Grün siehst. Der Samen nimmt Wasser auf und quillt, dann mobilisiert er seine Reservestoffe und bildet die Keimwurzel. Trocknet er in dieser Phase aus, kann der Keimling absterben. Je nach Gräsern der Mischung dauert die Keimung 7 bis 21 Tage.
Die Arten einer Mischung laufen dabei nicht gleichzeitig auf, wie die Keimzeiten unter geeigneten Bedingungen zeigen:
| Gras | Keimzeit unter geeigneten Bedingungen |
|---|---|
| Deutsches Weidelgras | etwa 7 bis 15 Tage |
| Rotschwingel | 10 bis 18 Tage |
| Wiesenrispe | 14 bis 21 Tage |
| Lägerrispe | gut drei Wochen |
Darum bleibt die obere Bodenschicht in den ersten 3 bis 4 Wochen ausreichend feucht, auch wenn schon Halme stehen. Wer nach dem ersten Grün des Weidelgrases mit dem Gießen nachlässt, gefährdet genau die Rispen, die dann noch keimen.
Fertig ist die Fläche nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. noch nicht. Nutzbar ist Saatrasen nach etwa 2 bis 4 Monaten. Bis er strapazierfähig ist, können rund 6 Monate vergehen. Ich betrete die junge Fläche in dieser Zeit nur, wenn es sein muss, und nie bei nassem Boden. Intensive Nutzung bei hoher Bodenfeuchte kann die Oberfläche zerstören und den Boden verdichten.
Ich notiere mir am Saattag das Datum und die Gräser der Mischung. Beim Kontrollgang sehe ich dann, ob eine kahle Stelle noch auf eine spät keimende Art warten kann.
Wie oft gießt du die keimende Saat?
Keimende Rasensaat bekommt alle 1 bis 2 Tage Wasser aus einem Schwachregner, damit die Oberfläche nicht verschlämmt. Als Orientierung gelten je Gabe 5 bis 10 l/m², bei großer Hitze überbraust du zusätzlich kurz. Wann du auf seltenere, durchdringende Gaben umstellst, steht im Abschnitt Gießen des Rasen-Ratgebers.
Darf man frisch gesäten Rasen düngen?
Ja, aber nicht nach Kalender. Für Dünger gibt es zwei Zeitpunkte: zur Aussaat und nach dem ersten Schnitt. Weil die erste ergänzende Stickstoffgabe nach dem ersten Schnitt kommt und dieser bei 8 bis 10 cm Aufwuchs fällt, gibt dir die Wuchshöhe den Zeitpunkt vor.
Zur Aussaat: Starterdünger nach Bedarf
Ein phosphorbetonter Starterdünger kann schon zur Aussaat die Nährstoffversorgung der ersten Wochen unterstützen. PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. unterstützt bei Rasengräsern die Wurzelbildung, Stickstoff fördert Zellteilung und Wachstum. Ob dein Boden überhaupt Phosphor braucht, zeigt eine BodenuntersuchungEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen., denn sie macht Unter- und Überversorgung sichtbar. Wie du die Gehaltsklassen liest, erklärt der Rasen-Ratgeber im Abschnitt Düngen.
Hast du bei der Anlage Kompost in die Tragschicht eingearbeitet, liefert auch er Nährstoffe. Die ziehst du vom Düngerbedarf ab, bevor du etwas nachlegst.
Beim ersten Nachdüngen nur auf die Packung schauen. Was Starterdünger und Kompost schon geliefert haben, gehört in die Rechnung für jede weitere Gabe.
Bis zum ersten Schnitt: keine weitere Stickstoffgabe
Ist die Fläche zur Aussaat ausreichend grundversorgt, bekommt sie bis zum ersten Schnitt keinen zusätzlichen Stickstoff. In dieser Zeit kümmerst du dich um Wasser, Vögel und Unkraut.
Nach dem ersten Schnitt: Wie viel Stickstoff bekommt der junge Rasen?
Für Saatrasen mit ausreichender Grundversorgung passt in der Fertigstellungspflege nach dem ersten Schnitt eine Gabe von 5 g N/m² als schnell wirkender Stickstoffdünger. Das ist zugleich die Obergrenze je Gabe für kurzzeitig wirkende Rasendünger. Die Angabe meint Reinstickstoff, nicht das Gewicht des Düngers.
So rechnest du Reinstickstoff in Düngermenge um: Nimm das Nährstoffziel in g/m² mal 100 und teile das Ergebnis durch den deklarierten Stickstoffgehalt des Düngers in Prozent. Heraus kommt die Düngermenge in g/m².
Rechnest du nach Stickstoff, gleichst du die mitgelieferten Phosphat- und Kaliummengen getrennt mit dem Bedarf ab. Passt ein Mehrnährstoffdünger nicht dazu, ersetzt du ihn. Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder Staunässe kaum Nährstoffe frei und können bei feuchtwarmer Witterung zu einer Überversorgung führen.
Bei großer Hitze und Trockenheit wartest du mit dem Stickstoff, bis wieder ausreichend Feuchte da ist und der Rasen sichtbar wächst. Fällt der erste Schnitt sehr spät im Jahr, bedenke außerdem: Stickstoff außerhalb der VegetationsperiodeDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht. erhöht das Risiko, dass ungenutztes Nitrat ausgewaschen wird.
Wie bringst du den ersten Dünger aus?
- Menge abwiegen und für gleich große Teilflächen portionieren.
- Von Hand in zwei sich kreuzenden Arbeitsgängen streuen, je Durchgang die Hälfte der Menge. Ein Streuwagen verteilt genauer.
- Nur auf trockene Halme über feuchtem Boden streuen, damit keine Ätzschäden entstehen.
- Körnigen, schnell wirkenden mineralischen Dünger danach gründlich einwässern, um Verbrennungen zu vermeiden.
- Etwa 2 Tage mit dem Mähen warten, damit der Mäher die Körner nicht gleich wieder aufnimmt.
Ich wiege die Menge mit der Küchenwaage ab und fülle sie in zwei Becher, einen für jede Streurichtung.
Synthetischer Gartendünger kann Haustiere vergiften, wenn sie ihn fressen. Lass Hund und Katze nicht an Sack und Streugut und halte sie beim Ausbringen von der Fläche fern.
Wie schützt du die frische Saat vor Vögeln?
Offen liegende Rasensamen sind für Vögel leicht zu erreichen. Leicht eingearbeitetes und angedrücktes Saatgut liegt für sie weniger zugänglich, deshalb drücke ich die Fläche nach dem Einrechen immer an. Zusätzlich kann ein Gartenvlies frisch ausgesäte Flächen vor Vogelfraß schützen. Das gilt auch für kleine nachgesäte Stellen, für die ein Stück Vlies reicht. Beim Kontrollgang hebe ich das Vlies an einer Ecke an und prüfe mit der Hand, ob die Oberfläche darunter feucht ist.
Wie beugst du Pilzkrankheiten im jungen Rasen vor?
Im jungen Rasen arbeitest du gegen Pilzkrankheiten vorbeugend, und zwar an drei Stellen. Die erste ist die Saatmenge, denn zu dichte Saat kann Pilzkrankheiten begünstigen. Die zweite ist die Gießzeit. Ich gieße früh am Morgen, weil das die Verdunstung verringert und Pilzkrankheiten vorbeugen hilft. Die dritte ist das Wasser im Boden: Die meisten Rasengräser brauchen zum Keimen ausreichend Sauerstoff, deshalb vermeidest du VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. durch VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen..
Säst du im Spätsommer, kommt im Herbst ein weiteres Risiko dazu. Kühl-feuchte Bedingungen bei 0 bis 8 °C begünstigen winterliche Rasenpilzkrankheiten wie Schneeschimmel, ebenso Staunässe und liegen gebliebenes Laub. Herbstlaub rechst du deshalb mit dem Federrechen von der jungen Fläche ab.
Nicht jeder kahle oder verfärbte Fleck geht auf einen Pilz zurück. Lücken in einer Einsaat können auch durch Austrocknung, ungleichmäßige Saatverteilung, zu tiefes Einarbeiten oder Wasser in Senken entstehen. Ich schaue mir solche Stellen deshalb beim Gießen genauer an, bevor ich etwas unternehme.
Was hilft gegen Unkraut im frisch gesäten Rasen?
Bei einer Frühjahrssaat kann stärkerer Unkrautdruck auftreten, die Herbstsaat profitiert dagegen von gespeicherter Bodenwärme und leichter zu sichernder Feuchte. Bei warmem Boden kommen Ungräser dazu: Hirsearten können bei Bodentemperaturen über 20 °C in Rasenneuanlagen keimen.
Mähen hilft dir dabei, denn viele Samenunkräuter verschwinden nach wenigen Rasenschnitten. Rosettenpflanzen wie Löwenzahn bleiben dagegen stehen, weil das Mähen ihre tiefe PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. nicht entfernt. Was nach den ersten Schnitten noch wächst, sind deshalb vor allem RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. und Wurzelunkräuter, und die holst du von Hand.
Löwenzahn stichst du gezielt aus. Wurzelunkräuter ziehst oder gräbst du möglichst vollständig heraus, weil aus verbliebenen Teilstücken neue Pflanzen wachsen können. Ich nehme dafür einen schmalen Unkrautstecher und drücke die Erde an der Stelle danach wieder an. Auf Rasendünger mit Unkrautvernichtern verzichtest du.
Mehr Saat als angegeben, damit das Unkraut keinen Platz findet? Das hat einen Preis: Eine überhöhte Saatmenge verstärkt die Konkurrenz zwischen den Keimlingen und kann Pilzkrankheiten begünstigen. Halte dich deshalb an die Aufwandmenge deiner Mischung.
Wann kommt der erste Schnitt?
Ich messe mit dem Zollstock nach und mähe zum ersten Mal, wenn der Aufwuchs 8 bis 10 cm hoch ist. Dabei kürze ich nicht unter 5 cm, damit sich die Gräser weiter verwurzeln können. Welche Fehler den jungen Bestand dabei gefährden, zeigt der Ratgeber dazu, wann und wie du neu gesäten Rasen zum ersten Mal mähst.
Was tun bei Lücken nach dem Auflaufen?
Bleiben kahle Stellen, wenn auch die langsamen Gräser aufgelaufen sein müssten, säst du sie mit der ursprünglich verwendeten Mischung nach. Wie du dabei vorgehst, zeigt die Anleitung, wie du kahle Stellen Schritt für Schritt nachsäst. Für die Wochen danach gelten eigene Regeln, nachzulesen im Ratgeber, wie du nachgesäte Flächen bis zum Einwachsen pflegst.
Was vor der Saat und nach den ersten Wochen zählt
Ist deine Fläche noch nicht gesät, beginnt die Pflege bei der Vorbereitung: Den Boden lockerst du als Orientierung mindestens 15 cm tief und befreist ihn vor der Saat von auflaufendem Unkraut. Für eine passende Regelsaatgutmischung gelten im Regelfall 25 g Saatgut je m². Den Weg von der Bodenanalyse bis zur Aussaat beschreibt die Anleitung, wie du die Fläche für neuen Rasen vorbereitest, günstige Saatzeiten zeigt dir der Aussaatkalender für Rasen.
Nach dem ersten Schnitt geht der junge Rasen nach und nach in die normale Pflege über, mit einer Ausnahme: Vertikutiert wird neu angesäter Rasen im ersten Jahr noch nicht. Schnitthöhen, Düngeplan, Pflege bei Hitze und Frost sowie Moos und Krankheiten behandelt der Rasen-Ratgeber in den Abschnitten Mähen, Düngen, Pflege im Jahreslauf und Moos, Unkraut und Krankheiten.






