Futterpflanzen und Kräuter für Schafe und Ziegen: Futterwerte, Mineralstoffe, Giftpflanzen
- Gräser bilden die Grundlage, Kleearten und Kräuter wie Spitzwegerich ergänzen das Grünlandfutter.
- Ziegen haben einen höheren Kupferbedarf als Schafe und reagieren weniger empfindlich auf Kupfer.
- Futterrüben sind strukturarm und können bei Schafen und Ziegen eine Pansenazidose begünstigen.
- Kreuzkraut, Herbstzeitlose, Eibe und Eisenhut gehören nicht ins Futter, bei Vergiftungsverdacht holst du sofort tierärztliche Hilfe.
- Futterpflanzen ersetzen keine Entwurmung: Kotproben untersuchen lassen und die Maßnahmen mit dem Tierarzt abstimmen.
Wenn du Schafe oder Ziegen hältst und Futter selbst anbaust, stellen sich zwei Fragen. Was bringt Eiweiß und Mineralstoffe in die Raufe, und was kann deinen Tieren schaden? Ich prüfe jede Futterpflanze nach diesen beiden Punkten, bevor sie auf meine Fläche oder in den Trog kommt.
Hier findest du gemessene Futterwerte, den Unterschied zwischen Ziege und Schaf beim Kupfer, die Grenzen von Rüben und Kohl und die Giftpflanzen, auf die du achten musst. Futterpflanzen liefern Nährstoffe und sind keine Medizin. Wie du die einzelnen Kulturen säst, pflegst und lagerst, steht im Überblick über Futterpflanzen und Weide.
Welche Futterpflanzen passen zu Schafen und Ziegen?
Gräser sind die Grundlage, weil sie wiederkäuergerechtes Futter liefern. Auf Grünland wachsen sie typischerweise zusammen mit Kräutern und LeguminosenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft., etwa Weidelgras neben Spitzwegerich und Klee. Rüben und Kohl kommen als Ergänzung dazu, beide mit klaren Grenzen.
| Gruppe | Beispiele | Was sie ins Futter bringt | Worauf du achtest |
|---|---|---|---|
| Gräser | Deutsches Weidelgras, Wiesenlieschgras als Obergras, Wiesenrispe als Untergras | Grundlage für wiederkäuergerechtes Futter | Knaulgras und Rohrschwingel vertragen Trockenheit, haben aber einen geringeren Futterwert als Deutsches Weidelgras |
| Kleearten und Luzerne | Rotklee, Weißklee, Luzerne | Hoher Eiweiß- und Mineralstoffanteil | Hohe Calcium- und Kaliumgehalte bei der Mineralstoffversorgung mitdenken |
| Kräuter | Spitzwegerich, Futterzichorie | Ergänzen Gräser und Leguminosen im Grünlandfutter | Gehalte schwanken von Partie zu Partie |
| Futterrüben | Runkelrübe | Energiereiches, proteinarmes Ausgleichsfutter | Strukturarm, kann bei Schafen und Ziegen eine Pansenazidose begünstigen |
| Futterkohl | Markstammkohl | Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen, frisch oder als Weide im Spätherbst | Kann bei Milchziegen den Geschmack der Milch beeinträchtigen |
Eine feste Mischformel für die Weide gibt es nicht. Für Kleegras im ökologischen Futterbau existiert keine Saatmischung, die unabhängig vom Standort optimal ist. Beim Düngen kannst du außerdem das Verhältnis verschieben: Zusätzlicher Stickstoff kann in Kleegras die Gräser fördern und den Kleeanteil verringern.
Welche Kräuter passen zu Schafen und Ziegen?
Kräuter gehören auf der Weide neben Gräsern und Klee zum Grünlandfutter. Spitzwegerich ist dafür ein typisches Beispiel, und auch Schafgarbe und Löwenzahn wachsen auf vielen Weiden mit. Wie viel Eiweiß oder Mineralstoff ein Wiesenkraut auf deiner Fläche liefert, zeigt dir eine Futteruntersuchung. Tabellenwerte sind Mittelwerte, und deine Partie kann davon abweichen.
Beim Umtreiben schaue ich nach, welche Kräuter abgefressen sind und welche stehen bleiben. Was stehen bleibt, notiere ich mir.
Futterzichorie: ein Kraut mit Messwerten
Für Futterzichorie gibt es Werte aus einem Versuch mit Schafen. Bei erwachsenen Hammeln lag die Verdaulichkeit der organischen Substanz getrockneter Futterzichorie der Sorte Grassland’s Puna bei 78,8 %. Ihre Gehalte an Rohprotein, Rohfaser und Kalium findest du in der Tabelle bei den Mineralstoffen.
Bei der Sorte Spadona wachsen nach einem Schnitt innerhalb von 4 bis 5 Wochen neue erntereife Blätter nach. Auf dieselbe Fläche kommt Spadona nur alle 3 bis 4 Jahre.
Mineralstoffe: Was Klee, Zichorie und Rüben liefern
Kleearten bringen viel Eiweiß und Mineralstoffe ins Feldfutter. Bei Klee und Luzerne sind vor allem die Calcium- und Kaliumgehalte hoch. In der Rinderfütterung berücksichtigt man das besonders bei trockenstehenden Kühen, und wer auch Rinder hält, liest nach, welche Weidepflanzen und Heusorten zu Rindern passen.
TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist. ist der Teil des Futters, der ohne Wasser übrig bleibt. Werte je kg Trockenmasse kannst du deshalb zwischen frischem und getrocknetem Futter vergleichen.
| Futter | Art des Werts | Rohprotein je kg Trockenmasse | Kalium je kg Trockenmasse | Weitere Werte |
|---|---|---|---|---|
| Futterrübe | Tabellenwert | 80 g | 30 g | 2,7 g Calcium, 2,4 g PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. und 545 g Zucker je kg Trockenmasse; 146 g Trockenmasse je kg Frischmasse |
| Futterzichorie Grassland’s Puna, getrocknet, im Blattstadium | Versuchswert | 149 g | 50 g | 162 g Rohfaser je kg Trockenmasse |
Die Werte beschreiben Inhaltsstoffe, keine Wirkung auf die Gesundheit deiner Tiere.
Ziegen haben einen höheren Kupferbedarf als Schafe und reagieren weniger empfindlich auf Kupfer. Eine Mineralstoffergänzung, die auf Ziegen abgestimmt ist, kann für Schafe deshalb ungeeignet sein. Hältst du beide Arten zusammen, klärst du Mineralfutter und Lecksteine mit deiner Tierarztpraxis.
Was ein Tier braucht, hängt vom Leistungsstadium ab. Ein Schaf im Erhaltungsbedarf wird anders gefüttert als ein Mutterschaf in der Säugephase. Für eine aussagekräftige Rationsberechnung lässt du jede Grundfuttercharge mit einer repräsentativen Laborprobe untersuchen.
In drei untersuchten Luzernechargen lag der Rohproteingehalt zwischen 133 und 183 g je kg Trockenmasse. Ein Tabellenwert ist ein Mittelwert, was in deinem Heu steckt, zeigt die Laborprobe.
Ich ziehe von jeder Heucharge eine Probe aus mehreren Ballen und lasse sie im Labor untersuchen. Mit den Laborwerten gehe ich dann ins Gespräch mit der Tierarztpraxis über Mineralfutter.
Rüben und Kohl: Ergänzung mit Grenzen
Futterrüben sind energiereich, aber proteinarm und strukturarm. Im Tabellenwert enthalten sie 545 g Zucker je kg Trockenmasse. Leicht verdauliche Kohlenhydrate können bei Schafen und Ziegen eine Pansenazidose begünstigen. Wer Rüben füttert, gleicht deshalb die fehlende Struktur aus und hält sie als Ergänzung neben dem Grundfutter aus Gras und Heu.
Zum Verfüttern kannst du die Rüben mit einem Rübenschnitzler zerkleinern. Frische Futterrüben sind bei etwa 5 °C nur begrenzt lagerfähig. Wärme begünstigt das Austrocknen, Frost mit anschließendem Auftauen die Fäulnis.
Markstammkohl eignet sich für Schafe und Ziegen als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen. Du kannst ihn frisch verfüttern oder im Spätherbst beweiden lassen. Bei Milchziegen kann Kohl den Geschmack der Milch beeinträchtigen. Für Futterkohl gibt es bei ausgewachsenen Schafen und Ziegen eine Höchstmenge je Tier und Tag, die du mit deiner Tierarztpraxis für deine Herde klärst.
Neues Futter führst du langsam ein. Für Schafe und Ziegen werden 1 bis 2 Wochen für eine Futterumstellung empfohlen. Bei Ziegen planst du mindestens 2 Wochen ein.
Gehaltsrübe und Halbzuckerrübe unterscheiden sich im Trockenmassegehalt, beim Markstammkohl gibt es blattarme und blattreiche Typen. Die Werte dazu stehen im Futterpflanzen-Überblick unter „Futterwert und Rübentypen“.
Giftpflanzen und Futterrisiken: Was nicht in die Raufe gehört
Manche Pflanzen haben weder auf der Weide noch im Heu etwas zu suchen. Ich gehe die Wiese vor dem Heuschnitt ab und hole Kreuzkraut heraus, bevor es ins Mähgut gerät.
| Pflanze | Was du wissen musst |
|---|---|
| Kreuzkräuter wie Jakobskreuzkraut | Ihre Pyrrolizidinalkaloide können auch über Heu oder Silage bei Rindern und Pferden schwere bis tödliche Vergiftungen verursachen. Kreuzkraut gehört nicht ins Futter. |
| Herbstzeitlose | Ihre Giftstoffe bleiben nach Trocknung, Silierung und Lagerung erhalten. |
| Eibe | Rinde, Nadeln und Samen sind giftig. |
| Eisenhut | Giftig für sämtliche Tierarten. |
Die Liste ist nicht vollständig. Kennst du eine Pflanze auf deiner Fläche nicht, lässt du sie bestimmen, bevor du dort mähst oder beweidest.
Trocknen macht Giftpflanzen nicht harmlos. Die Giftstoffe der Herbstzeitlose überstehen Heu und Silage, und Kreuzkraut kann über beide ins Futter gelangen.
Wenn Futterpflanzen selbst zum Risiko werden
Auch gewöhnliche Futterpflanzen können problematisch werden. Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer wie Schafe und Ziegen ein Vergiftungsrisiko sein. Nitrat kann zu Nitrit umgewandelt werden und die Bildung von Methämoglobin begünstigen. Eine pauschal sichere Menge gibt es dafür nicht.
Hirse kann unter Stress durch Fraßdruck, Dürre oder Kälteperioden Blausäure bilden. Verlass dich nicht darauf, dass gestresste Hirse nach einer Wartezeit wieder unbedenklich ist.
Schimmelpilzgifte können Futter schon auf dem Feld oder erst im Lager belasten. Für lagerstabiles Heu gilt ein Wassergehalt von weniger als 14 %. Lagere es geschützt vor Wasser und mit genug Luftraum darüber, damit feuchtwarme Luft abziehen kann.
Hast du den Verdacht, dass ein Tier eine Giftpflanze gefressen hat, holst du sofort tierärztliche Hilfe. Warte nicht ab, ob es von selbst besser wird.
Würmer und Parasiten: Was Futterpflanzen leisten können
Die Hoffnung, Würmer über die passende Weide loszuwerden, liegt nahe. Futter ist keine Medizin und ersetzt keine Behandlung gegen Parasiten.
Esparsette und Zichorie wird nachgesagt, die Wurmbelastung bei Schafen zu senken. Verlass dich nicht darauf, und setze sie nicht an die Stelle einer abgestimmten Entwurmung.
Lass Kotproben deiner Schafe und Ziegen untersuchen, bevor du entwurmst. Die Maßnahmen stimmst du mit deiner Tierarztpraxis ab.
Ich sammle Kotproben von mehreren Tieren und gebe sie in der Tierarztpraxis ab, bevor ich über eine Entwurmung entscheide.
Selbst anbauen: Aussaat, Weide und Betrieb kurz eingeordnet
Wenn du Klee, Futterzichorie oder Rüben selbst anbaust, richtest du dich nach Zeitfenster, SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. und Abstand der jeweiligen Kultur. Diese Angaben stehen im Futterpflanzen-Überblick unter „Aussaat je Kultur“. Den Monatsrahmen zum Aufhängen liefert der Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken.
Bei den Leguminosen gehen die Ansprüche auseinander: Luzerne braucht warme, sonnige Standorte mit tiefgründigem, durchlässigem Boden und verträgt keine Staunässe. Kleinkörnige Futterleguminosen können dank ihrer KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. ohne Stickstoffdüngung auskommen. Boden und pH je Art stehen im Überblick unter „Standort, Boden und WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen.“.
Plane die Anbaupausen gleich mit, zum Beispiel im Beetplaner für Fruchtfolge und Anbaupausen. Futterkohl braucht im ökologischen Zwischenfruchtanbau mindestens 5 Jahre Abstand zu anderen KreuzblütlernKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen..
Teilst du die Weide in mehrere Koppeln, folgen auf kurze Beweidungsphasen längere Erholungsphasen für die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz.. Umtriebs- und besonders Portionsweiden kosten mehr Arbeit als eine Standweide, nutzen den Futterbestand aber besser aus. Aufwuchshöhen und Weidesysteme behandelt der Überblick unter „Wiese und Weide“.
Im ökologischen Betrieb verbindet der Kreislauf aus Futterpflanzen, Tierhaltung und organischem Dünger den Futterbau mit der Bodenfruchtbarkeit.
Hältst du neben Schafen und Ziegen auch Geflügel, lies, welche Futterpflanzen du für Hühner anbauen kannst.





