Bonsai richtig düngen: Fehler bei Menge, Düngerwahl und Umtopfen vermeiden
- Gelbe Blätter mit Blattfall können auch auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress hindeuten.
- Die Düngermenge richtet sich nach der Verpackungsanweisung, die Grunddüngung im Substrat zählt mit.
- Düngerlösung kommt nur auf bereits feuchtes Substrat.
- Auch organische Dünger können zu Überversorgung und mehr Salz im Substrat beitragen.
- Nach dem Umtopfen zuerst prüfen, ob die neue Erde vorgedüngt ist.
- Bei Salzschäden durch Überdüngung die Düngung einstellen und gegebenenfalls mit teilweisem Erdaustausch umtopfen.

Ein Bonsai mit gelben Blättern bekommt schnell eine Extraportion Dünger. Gelbe Blätter mit Blattfall können aber genauso auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. hindeuten, und dann trifft Dünger nicht die Ursache. Ich sehe mir vor jedem Düngen zuerst Standort, Blätter und Erde an, bevor ich die Düngerflasche aufschraube.
Ist es wirklich Nährstoffmangel?
Ein schlaffer Bonsai in feuchter Erde muss nicht hungern. Anhaltende Nässe kann Sauerstoffmangel und Wurzeltod verursachen, sodass eine Pflanze trotz feuchter Erde wie vertrocknet wirkt. Gelbe Blätter mit Blattfall können zudem Wasserstress anzeigen. Ist dein Bonsai gelb und schlaff, obwohl die Erde nass ist, prüfst du deshalb zuerst das Gießen und erst danach den Dünger.
Ist der Ballen staunass, entfernst du überschüssiges Wasser und gießt zunächst nicht weiter. Der Wasserbedarf eines Zimmerbonsais hängt unter anderem vom Lichtangebot und von der Zimmertemperatur ab. Ich hebe den Topf vor und nach dem Gießen an, weil sich der Feuchtezustand am Gewicht einschätzen lässt.
Ob wirklich ein Nährstoff fehlt, klärst du mit dem Ratgeber dazu, wie du Nährstoffmangel am Bonsai erkennst und behebst.
Wenn das Substrat die Aufnahme bremst
Bonsais brauchen ein wasserdurchlässiges Substrat; stark verklumpende und verhärtende Lehmerde kann bei ihnen die Wasser- und Nährstoffaufnahme behindern. In Zierpflanzensubstraten kann außerdem ein pH-Wert unter 5 die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Kalium vermindern. Wie du Bonsai-Erde passend mischst und pflegst, steht in einem eigenen Ratgeber, die Grundlagen erklärt der Zimmerpflanzen-Ratgeber im Abschnitt Substrat, pH-Wert und Hydrokultur.
Wie viel Dünger bekommt ein Bonsai?
Die Menge bestimmt die Verpackungsanweisung deines Düngers, nicht das Augenmaß. Ich lese sie vor dem Anmischen und messe die Menge für meine Gießkanne ab, statt direkt aus der Flasche zu gießen.
Dazu kommt, was schon im Topf steckt. Bei der Nachdüngung von Topfpflanzen zählt die GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. mit, die das Substrat bereits enthält. Wer sie übersieht, gibt Dünger zu einem Vorrat, der schon da ist.
„Mit organischem Dünger kann man nicht überdüngen.“ Das stimmt so nicht. Auch die Freisetzung aus organischen Düngern kann zu Überversorgung und erhöhtem Salzgehalt im Substrat beitragen.
Wer nicht schätzen will, kann die Salzlast im Topf messen.
Eine EC-Messung erfasst die gesamte gelöste Salzbelastung im Substrat. Welcher einzelne Nährstoff wie stark vertreten ist, zeigt sie nicht.
Damit Messungen mit Einstichelektroden vergleichbar sind, brauchst du eine kontrollierte Substratfeuchte, immer dieselbe Einstichtiefe und ein geprüftes Messgerät. Auch eine Substratanalyse ist nur eine Momentaufnahme, die du zusammen mit Pflanzenzustand, Wachstumsphase und Substratmischung liest. Wie Fortgeschrittene solche Werte nutzen, beschreibt der Ratgeber dazu, wie du die Bonsai-Düngung präzise abstimmst.
Ich führe für jeden Bonsai einen Zettel mit Datum, Dünger und abgemessener Menge. Daneben notiere ich, wann ich umgetopft habe und ob die neue Erde vorgedüngt war.
Darf ich auf trockene Erde düngen?
Nein. Düngerlösung gehört auf bereits feuchtes Substrat, das beugt Wurzelschäden vor. Ob der Ballen wirklich feucht ist, verrät die Oberfläche nicht immer. Bei torffreien oder torfreduzierten Erden kann sie trocken aussehen, obwohl das Substrat weiter unten noch nass ist. Prüf deshalb auch die Feuchte im unteren Bereich, bevor du gießt oder düngst.
Ist der Ballen ausgetrocknet, gießt du ihn zuerst durchdringend mit klarem Wasser. Erst danach kommt die Düngerlösung dazu. Ich nehme dafür zimmerwarmes Regenwasser, weil kaltes oder hartes Leitungswasser empfindlichen Arten Probleme bereiten kann.
Wann im Jahr düngst du?
Als grobe Orientierung für die Hauptwachstumszeit gängiger Zimmerpflanzen gilt März bis Oktober. Bei geringerem Winterlicht brauchen Zimmerpflanzen weniger Wasser und Nährstoffe, auch wenn der Raum warm bleibt. Was dein Bonsai in Frühjahr, Sommer und Herbst bekommt und wie oft, zeigt der Ratgeber dazu, wie du Bonsai im Jahreslauf düngst.
Welcher Dünger passt zum Bonsai?
Bei der Wahl entscheidet die Form, wie die Nährstoffe im Topf ankommen. Die Tabelle zeigt, worauf du je Düngerform achtest.
| Düngerform | So werden die Nährstoffe frei | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Flüssigdünger | als Düngerlösung mit dem Gießwasser | nur auf feuchtes Substrat, Menge nach Verpackungsanweisung |
| Umhüllter DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt. | abhängig von Feuchtigkeit und Temperatur | Freisetzung kann im warmen Zimmer weiterlaufen |
| Organischer Dünger | nach und nach durch MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. | kann ebenfalls zu Überversorgung und mehr Salz beitragen |
| Blattdünger | über die Blätter | mögliche Verbrennungen, keine nachhaltige Wirkung |
Bei umhüllten Depotdüngern hängt die Freisetzung von Feuchtigkeit und Temperatur ab. Zimmerpflanzen brauchen bei wenig Winterlicht aber weniger Nährstoffe, auch im warmen Raum. Im geheizten Winterzimmer kann ein Depotdünger also weiter Nährstoffe abgeben, die der Baum gerade weniger braucht.
Stickstoff, Phosphor, Kalium und der Rest
Stickstoff braucht der Baum für Blatt- und Triebwachstum, Phosphor ist am Energiehaushalt beteiligt, Kalium reguliert den Wasserhaushalt. Zu den HauptnährstoffenHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund. gehören außerdem Calcium, Magnesium und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft.. Welcher Dünger zu deiner Baumart und deinem Substrat passt, erklärt der Ratgeber dazu, welche Nährstoffe ein Bonsai braucht.
Natürliche Dünger
Hornspäne oder Hornmehl kannst du zur vorbeugenden Stickstoffversorgung schon vor dem Pflanzen in torffreie Gefäßerde mischen. Welche weiteren natürlichen Dünger zu Bonsai passen und wie du sie anwendest, steht in einem eigenen Ratgeber.
Wann darfst du nach dem Umtopfen wieder düngen?
Den Wurzelschnitt macht man beim Bonsai üblicherweise im Frühjahr vor dem Neuaustrieb. Er regt die Verzweigung der Versorgungswurzeln an. Weil März für gängige Zimmerpflanzen grob den Beginn der Hauptwachstumszeit markiert, können Saisonstart und frischer Wurzelschnitt zusammenfallen. Umtopfen und der erste Dünger der Saison liegen dann dicht beieinander.
Enthält das neue Substrat eine Grunddüngung, rechnest du sie beim Nachdüngen mit ein. Prüf deshalb vor dem ersten Düngen, ob die Erde vorgedüngt ist.
Kübelpflanzen, die frisch in vorgedüngte Blumenerde umgetopft wurden, brauchen gewöhnlich während der ersten 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger. Für Bonsai-Substrat ohne VordüngungVordüngung nennt man den Dünger, der fertiger Blumen- und Pflanzerde schon ab Werk beigemischt ist. Er versorgt frisch eingetopfte Pflanzen in den ersten Wochen, danach musst du selbst nachdüngen. ist das kein Maßstab.
Nach dem Umtopfen beobachte ich zuerst den Austrieb und fange erst mit dem Düngen an, wenn neue Triebe kommen. Die erste Gabe richte ich wie immer nach der Verpackungsanweisung und gebe sie auf feuchte Erde.
Wie verteilst du den Dünger gleichmäßig?
Flüssigdünger lässt sich gut verteilen, weil er als Lösung mit dem Gießwasser kommt. Ich gieße die Lösung langsam in mehreren Runden über die gesamte Oberfläche, damit sie den ganzen Ballen erreicht und nicht nur eine Seite. Dabei gieße ich auch nah am Stamm und am Topfrand.
Feste und umhüllte Dünger verteilst du über die ganze Substratfläche, nicht als Häufchen an einer Stelle. So kommen die Nährstoffe nicht nur unter einem Fleck an.
Pflanzgefäße für die Erdkultur brauchen funktionsfähige Wasserabzugslöcher. Ich sehe beim Gießen nach, ob unten Wasser abläuft, und mache verstopfte Löcher frei.
Heb den Topf an und prüf die Feuchte auch unten im Substrat. Ist der Ballen trocken, gieß ihn zuerst durchdringend mit klarem Wasser. Miss die Düngermenge nach der Verpackungsanweisung ab. Gib die Lösung langsam über die ganze Oberfläche und schau, ob unten Wasser abläuft.
Zu viel gedüngt: Was jetzt?
Bei SalzschädenSalzschäden sind Schäden an Pflanzen durch zu viel Salz im Boden oder Substrat, etwa nach zu hohen Düngergaben oder durch Streusalz. Typisch sind Blätter, die vom Rand her braun werden, und ein gehemmtes Wachstum. durch Überdüngung stellst du das Düngen ein. Gegebenenfalls topfst du den Baum um und tauschst dabei einen Teil der alten Erde aus. Danach gilt dasselbe wie bei jedem Erdwechsel: Prüf zuerst, ob die neue Erde vorgedüngt ist. Dünge erst dann wieder nach Verpackungsanweisung und nur auf feuchtes Substrat.

